Dark Troll 2018

  • Datum: Donnerstag, 10 Mai 2018
  • Ort: Burgruine Bornstedt
  • Redakteur: Carsten Brand
Dark Troll 2018


DarkTroll 2018
Für mich das erste Mal auf dem DarkTroll. Viel wurde mir von Freunden berichtet und so war es an der Zeit, all das selbst zu erleben.

Der Weg zum DarkTroll startet sehr früh am Donnerstagmorgen. Der Wecker prügelte uns um 5 aus dem Bett und gegen 7Uhr konnten wir uns auf den Weg zur Burg machen. Das einzig gute an dieser frühen Uhrzeit waren die leeren Strassen und somit die entspannte Anreise zum Festival. Vor Ort angekommen gab es die üblichen kleinen Staus, dennoch stand binnen kurzer Zeit der Pavillon, das Zelt und das erste Bier konnte geöffnet werden. Für mich als Neuling gleich schön zu sehen, wie entspannt alles abläuft. Die heimische Crew des Sportplatzes ist hilfsbereit und alles läuft recht zügig ab. Die Location an sich ist absolut grandios und überwältigt recht schnell beim ersten Rundgang. Ein feines kleines Festival, das inmitten eines Waldes rund um eine Burgruine aufgebaut ist.

Gegen 14 Uhr spielt der Opener auf. WALDTRAENE sind hier keine Unbekannten hier. Seit 2015 treten sie jedes Jahr auf. Und für die eigentliche frühe Uhrzeit hat sich schon ein gute Publikum vor der Bühne versammelt. Ihre Musik lässt sich wohl schnell in die Pagan Richtung verorten. Mit Akustikgitarre Flöte und Gesang geht es durch das Set und bildet einen gebührenden Opener für das DarkTroll. Mit Pagan geht es auch weiter, wenngleich auch MORNIR neben den Pagan Einflüssen auch deutliche Spuren von Folk und Death Metal enthalten. Unterstütz durch eine Violine geht es hier schon deutlich schneller zur Sache. Bei ODROERIR dürfen die beiden Musiker von WALDTRAENE gleich nochmal mit ran. Auch hier gibt es wieder akustischen Pagan Metal. Nahtlos knüpfen hier auch XIV DARK CENTURIES an. Die Band ist ein absoluter Live Garant und macht einfach Spaß. Danach kommt einer meiner persönlichen Favoriten und Neuentdeckungen: FIRTAN. Die Herren liefern ein feines Brett Black Metal ab. Die Bayern verpacken Wut, Trauer und Melancholie in ein ordentliche Klangkostüm, die Instrumente verschmelzen dabei zu einer unheimliche kompakten Einheit, die über das Publikum hinwegfegt. Abgerundet durch einen Gesang, dessen Repertoire von Scream Passagen über Growls bis hin zum Klargesang / gesprochenen Wort reicht. Diese band ist defintiv einen Hörgang wert und sei jedem empfohlen, der halbwegs im Black Metal zu Hause ist.
Mit GERNOTSHAGEN steht nicht nur wieder einmal Pagan auf dem Programmzettel, sondern auch der Veranstalter Mike auf der Bühne. GERNOTSHAGEN schafft eine unglaublich epische, düstere Atmosphäre und hält während des gesamten Sets ein verdammt hohes Niveau. Damit zeigen sie, warum sie zu der Speerspitze des Genres gehören. Der erste Tag des DarkTroll hat einige Verspätungen mit sich gebracht und für reichlich Verzögerungen gesorgt. Daher spielen THE COMMITTEE mit einer guten Stunde Verspätung. Und. schließen damit den ersten Tag ab.

Zeit den Blick auch einmal etwas von den Bands weg zum Gelände schweifen zu lassen. Die Burgruine Bornstedt bildet die ideale Kulisse für ein solches Festival. Das Festival ist klein und familiär angelegt. Die Karten sind limitiert und auch in diesem Jahr war das Festival ausverkauft. Doch statt einer proppevollen Burg hat sich das Flair auf dem Gelände auch mit sold out Status nicht zum negativen gewandelt. Selbst zum Headliner war es zwar vor der Bühne rappelvoll, auf dem Gesamtgelände aber zu jeder Zeit entspannt. Neben dem Bühnenbereich gab es ein Merchzelt, was vielleicht zur ein oder anderen Zeit aus allen Nähten platzte. Daneben fand sich der Dunkle Parabelritter mit seinem eigenen Label van Tiling wieder. Vorbei an Bier und Grillstation konnte man im oberen Teil des Burggeländes die üblichen Händler mit Shirts, Patches und allerlei KlimmBimm finden. Zudem sorgte ein Knoblauchbrot Stand für volle Mägen. Auch ein paar tapfere Recken in Kampfmontur hatten oberhalb der Burg ihr Lager aufgeschlagen und zeigten in authentischer Kleidung ihre Kampfeskunst. Die Zuschauer konnten nicht nur zusehen, sondern auch selber mal in die Rollen schlüpfen und mit Schwert und Schild zu Werke gehen.  Die obere Mauer der Burgruine bildete die natürliche Grenze des Festivalgeländes und lud zu einem weiten Blick über das Umland ein. Dank hervorragendem Wetter konnte man auch weit in die Ferne sehen und den Blick schweifen lassen. Aufgrund der hohen Besucherzahlen wurde in diesem Jahr ein zusätzlicher Campingplatz C angelegt, den man von dort oben auch prima erspähen konnte.

Neben dem idealen Gelände sei hier auch die Crew des Festivals und die Security erwähnt. Es gibt selten so entspannte Festivals, die reibungslos ablaufen und wo man sich derart wohl fühlt. Das hat einfach nur Spaß gemacht.


Der Freitag startet mit einer kleinen Runde über den Camping Platz A. Ein Sportplatz, der vielen Besuchern zur Heimat während des Festivals wurde und eigentlich alle Annehmlichkeiten mitbringt: guter, gepflegter Rasen, Duschen und feste Toiletten. Wenngleich letztere wohl eher auf Fussballspiele ausgelegt sind. So ist die eine Spültoilette bei den Herren quasi dauerbelastet. Ein kleines Manko ebenfalls: auf dem Rasen darf nicht gegrillt werden. Eine logische Sache, möchten die Fussballer doch nicht auf Brandlöchern spielen. Wer sich dennoch nicht von Gegrilltem trennen kann, hat am Spielfeldrand ausreichend Platz. Zudem werden Fettbemmen gereicht. Die Preise auf der Burgruine sind zudem so moderat, dass man sich schon fast gar kein eigene Essen mehr mitbringen muss.

Wieder pünktlich um 14 Uhr starten MARTYRIUM. Der Bereich vor der Bühne ist bereits gut gefüllt, als sich die Herren der Band bereit machen. Mit epischem Posing geht es in ein bombastisches Set. Frontdame Sandra kommt zunächst mit einer Maske und Umhang verkleidet auf die Bühne. Die Stilrichtung der Band lässt sich nicht genau einordnen, es verschmelzen Elemente aus dem klassischen Black und Death Metal mit Melodic Einflüssen und reichlich Keyboard Einsatz. Ein wenig Dimmu Borgir Attitude schwingt da mit.
KRATER als zweite Band an diesem Tag halten es da schon kompromissloser: rauher Black Metal vom Fach, ohne viel Schnörkel. Bereits auf dem Party San sind mir die Jungs durch ihre unheimliche Live Präsenz ins Auge und Ohr gefallen. Und hier in Bornstedt wiederholt sich dieser Eindruck. Die Herren schaffen es Black Metal auf sehr hohem Niveau. zu spielen. Dabei ist das Set gespickt mit vielen Höhepunkten, die teils unerwartet auf den Hörer niederprasseln.
Nach der Knüppelei folgt wieder ein wenig ruhigeres: CRIMFALL stehen für Epic Metal, gepaart mit reichlich Melodic Einflüssen. In Doppelspitze sorgen Mikko und Helena für einen abwechslungsreichen Gesang von opernhaften Zügen bis hin zu tiefen Growls. Episch geht aus auch mit BORNHOLM weiter, die sich aber eher an Bands wie Bathory oder Enslaved orientieren lassen. Mit HAVUKRUUNU betreten die verrückten Finnen die Bühne und zelebrieren abermals Black Metal mit einer gehörigen Portion Pagan. Dass die Finnen gut ankamen, merkte man spätestens am Merch Stand, der noch während des Auftrittes alle Shirts ausverkaufen konnte und auch für reichlich CD Verkäufe der Band sorgte.
Zu HORNA braucht man eigentlich keine großen Worte mehr zu verlieren. Nicht umsonst gelten sie als eien der führendsten Black Metal Bands Finnlands. Und diesen Status demonstrierten sie auch auf dem DarkTroll. eine unheimlich energiegeladene Show. Schnörkelloser Black Metal auf den Punkt.
EREB ALTOR hatten es danach ein prima aufgewärmtes Publikum und übernahmen als Headliner des Tages die Bühne. Und die Herren liefern ein typisch schwedisch inspiriertes Brett ab. Lange Songstrukturen mit epischen Elementen reißen das Pblikum mit und sorgen für eine über einstündige Show ganz im Stile alter Bathory. Höhepuntk der Setlist ist das Cover „Sacrifice“. HORN bilden den Abschluss des Abends und verabschieden mit Black Metal gepaart mit experimentellen Einflüssen.

Tag 3 des Festivals entlarvt schon die Konditionsschwächen unseres Camps und sorgt dafür, dass der ein oder andere den planmäßigen Start schlicht verschläft. Aber auch am Samstag meint es der Wettergott gut mit uns und beschert ausreichend Sonnenschein.
SOULLINE starten den Tag und versprühen eine gehörige Portion Melodic Death. Ein guter Start in den Tag. Mit TROLLORT kommt Schweizer Folk Metal auf die Bühne. Der Vergleich zu Finntroll ist definitiv angebracht und so versprühen die Herren eine eigene Mischung aus Troll, Pagan, Folk und Black Metal. UNLIGHT sorgen dann wieder für puren und brachialen Black Metal. Sie sind gerade als Support für die kommende MARDUK Tour angekündigt und zeigen auf dem DarkTroll eindrucksvoll ihre Live Qualitäten. Schnörkellos und immer gerade aus, Black Metal auf einem sehr hohen Niveau. Schade, dass sie so früh am Tage spielen mussten. Auf dem Weg zu den Headlinern des Abends spielen OBSCURITY auf. Um die Band hat sich ein gewisser Hype ergeben, den man verstehen  möchte oder auch nicht. Fakt ist, sie liefern live unheimlich präzise ab. Wer sich den kompletten Stream vom DarkTroll anschauen mag, wird bei Iridum Stream fündig: https://www.youtube.com/watch?v=QfKcHaiFqHU&t=2246s . Marius hat das komplette Konzert gefilmt und bei Youtube bereit gestellt. OBSCURITY danken in ihrem Auftritt auch den tapferen Kämpfern und Recken, die oberhalb der Burg ihr Lager aufgeschlagen haben. Die Kämpfer waren Teil des aktuellen Videos.
Mit ILLDISPOSED folgt Headliner Nummer 1. Die spinnen, die Dänen. Und doch sind sie absolut sympathisch. Sänger Bo ist immer wieder ein Sympathicus und weis das Publikum bei Laune zu halten. Stylistisch erlebt man bei ILLDISPOSED kaum Überraschungen und sie liefern Mid Temp Deat Metal at its best. Headline Nummer 2 hört auf den Namen SKYFORGER. Die Letten bringen mal wieder Pagan Metal auf die Bühne und haben sich eigentlich längst aus dem Underground nach oben gearbeitet. Dabei lässt sich das , was da auf der Bühne dargeboten wird, nicht so recht einordnen. Pagan, Death, teils schwarzmetallische Einflüsse. Zum Glück wird auf ein Keyboard verzichtet. Als dritter Headliner fungiert an diesem Abend ARKONA. Wie man diese Band beschreiben sollte, bleibt eigentlich auch offen. Russische Texte, Pagan Einflüsse dann aber doch wieder Folk Elemente. Dazu eine Frontdame, die munter auf der Bühne umherspringt und ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lässt. Epik, Agression und Spielfreude, Atmosphäre wie brutale Gitarren Riffs prallen aufeinander. Es ist ein würdiger Headliner Abschluss für den Samstag.

Bleibt nur noch ein Fazit zu ziehen. Es war mein erstes Mal DarkTroll und ich werde definitiv wiederkommen. Es ist schön, solch kleine, familiäre Festival zu erleben. Ein Festival, bei dem es weiter um die Musik geht, aber auch um den Zusammenhalt unter den Fans. Das familiäre Miteinander war nicht nur auf dem Zeltplatz, sondern auch auf dem Infield zu erleben. Dazu eine super entspannte Security, eine top organisierte Crew. Und nicht zuletzt absolut angemessene Preise. Das alles lässt meine persönliche Bewertung recht hoch ausfallen. Und der Termin für 2019 ist bereits im Kalender fett markiert.