Party.San Open Air 2017

  • Datum: 10.-12.08.2017
  • Ort: Flugplatz Obermehler, Schlotheim, Thüringen
  • Besucher: 10.000
  • Tickets: 85,80 € Vvk.
  • Redakteur: Jens Dunemann

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Ich weiß nicht, ob es mit einer einsetzenden "Altersmilde" zu tun hat, dass es mir so vor kommt, als liefe das PARTY.SAN METAL OPEN AIR mittlerweile von Jahr zu Jahr immer entspannter ab. Auch wenn ich mich anderen Festivitäten nicht grundsätzlich verschließe, und mir insbesondere das Protzen Open Air sowie seit diesem Jahr auch das In Flammen Open Air ans Herz gewachsen sind, so ist es doch der "große" Bruder in Thüringen, bei dem sich der Festival-Jahreskreis für mich seit 1999 stetig schließt. Egal ob Wetterkapriolen - Brüllhitze vs. Schlammschlachten -, der hieraus resultierende Standortwechsel von Bad Berka nach Schlotheim, die stetige Weiterentwicklung hinsichtlich Größe, Logistik und Organisation, Wechsel von liebgewonnenen und guten Caterern etc. hat mich über die Jahre nur mit einer Ausnahme davon abhalten können, dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR, diesem einzigartigen Nischen-Festival in dieser fern zu bleiben. Selbst an die nervigen Pfandchipse habe ich mich gewöhnt und die bei Einführung von mir eher skeptisch "beäugte" Zeltbühne empfinde ich mittlerweile als Bereicherung. Nach wie vor passt auf diesem Festival nahezu alles, denn am Ende steht bei allem Brimborium die Musik und weiterhin ist mir in rund zwei Dekaden Festival-Erfahrung keine Veranstaltung unter gekommen, die ein solch´ ausgewogenes Verhältnis zwischen Musik, kulinarischem und Händlerangebot bietet, wie das PARTY.SAN METAL OPEN AIR. Und hinsichtlich des Billings schaffen es die Organisatoren jahrein jahraus, trotz unaufhaltsam rotierendem Festival-Band-Karussels, sehenswerte Konstellationen aus Debutanten (Szene-Urgesteinen und Newcomern) wie beispielsweise Possessed oder Humilation, oder alten Recken der Marke Desaster oder Marduk sowie dem (heimischen) Szene-Nachwuchs zusammen zu stellen. Wie ihr seht, fällt es mir schwer, das PARTY.SAN METAL OPEN AIR ganz objektiv zu betrachten, auch wenn ich in der Vergangenheit nicht Kritik hinterm Berg gehalten habe, sofern mir Dinge gegen den Strich gegangen sind. Und während ich diese Zeilen so schreibe muss ich unweigerlich an das vielzitierte "alte Ehepaar" denken, bei dem ein jeder den anderen trotz oder gerade wegen der vielen kleinen Eigenarten und Unzulänglichkeiten schätzt und liebt.(JD)

Mittwoch, 09.08.2017:

Der Wettergott begrüßt uns in diesem Jahr mit wechselhaftem Wetter, wobei es analog zum gesamten Sommer 2017 am Mittwoch-Nachmittag die einzige Gelegenheit des folgenden verlängerten Wochenendes gibt, bei wohliger Wärme neben Musik, Getränken ebenfalls der eingepackten Sonnencreme zu frönen. Dank der Kollegen vom Hotel 666 kommen wir erstmals in den Genuss einer vorreservierten Campingfläche im Green-Campingbereich kommen, wodurch sich Anreise und Aufbau des Camps doch merklich entspannt haben. Über die Vorzüge und Nachteile habe ich mich bereits im Bericht des vergangenen Jahres ausgelassen, allerdings muss ich heute sagen, dass die Auslastung dieser Flächen, die bereits einige Wochen vor dem Festival ausgebucht waren, den Organisatoren Recht gibt. Und wenn man den dahinter stehenden Mehraufwand für die Veranstalter im Verhältnis zum Preis, den man im Endeffekt pro Nase für die Mietfläche zahlt, dann geht das eigentlich voll in Ordnung.

Wie dem auch sei, der Mittwoch vergeht mit Sonnenschein, dem obligatorischen Disko-Auftakt in einem nochmals erweiterten Party-Zelt sowie dem Beginn meiner alljährlichen, viertägigen "Thüringer Rostbratwurst - Kur" und dem einen oder anderen Schwarzbier beim Wiedersehen mit all den vielen bekannten Gesichtern. (JD)

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Donnerstag, 10.08.2017

Zur finalen Anreise-Welle am Donnerstag-Vormittag - wie in den vergangenen Jahren tritt der überwiegende Teil der Besucher bereits zur Öffnung des Festivalgeländes mit dem Salutschuss an - kann sich auch das Wetter noch sehen lassen, auch wenn es merklich kühler geworden ist. Trotzdem lässt sich die Sonne bei NIGHT DEMON noch blicken. Bei Veröffentlichung der Running Order sorgte die Positionierung des Trios aus Kalifornien noch für Unverständnis, hatte ich doch die Befürchtung, man könnte die stilistisch etwas aus dem Rahmen fallenden klassischen Heavy Metal als Opener verheizen. Spätestens seit ihrem aktuellen Werk "Darkness Remains" sind Night Demon mehr als ein Geheimtipp und so geht das Konzept auf, dem Publikum zum Start eine melodische Breitseite der Extraklasse zu bieten, absolut auf.

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Mich hat jedenfalls seit Jahren keine internationale Heavy Metal - Band mehr so berührt, wie die Herren Squires, Leatherby und Anthony mit Kompositionen wie "Welcome To The Night", "Black Widow" oder "Full Speed Ahead". Und allein die Tatsache, dass diese Combo in der Lage ist, den Maiden Klassiker "Wasted Years" als Trio in Gänsehaut-Manier zu interpretieren (siehe Amateur-Mitschnitt vom diesjährigen Keep It True Festival), zeugt allein schon vom großen Potenzial dieser Band. Dass ausgerechnet bei diesem emotionalen Höhepunkt zum Abschluss des Sets die Technik bzw. die Klampfe streikt, ist bitter aber die Art und Weise wie man damit umgeht, indem man zunächst weiter spielt um nach kurzer Unterbrechung den Song genau wieder dort aufzunehmen, wo man abgebrochen hat, zeugt nicht nur von Routine, sondern von der Klasse eines bockstarken Auftakts. Von den musikalischen Vorzügen der folgenden AZARATH, MISTHYRMING und auch LUCIFERICON (Zeltbühne) kann ich mich leider nicht überzeugen, da sich seit längerer Zeit ausgerechnet heute einmal wieder diverse körperliche Unzulänglichkeiten meiner Angst- und Panikstörung ihren Weg suchen, so dass ich beschließe, es mir vorerst im Camp Ruhe zu suchen und es mir gut gehen zu lassen, der Abend wird ja schließlich noch lang. (JD)

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Leider sind wir am Donnerstag nicht pünktlich losgekommen, so dass ich PIGHEAD nur noch kurz höre, während ich die letzten Reste aus der Bierdose schlürfe, ehe es dann zum Eingang geht. Das, was ich höre ist aber amtlich und wer die Berliner schon mal gesehen hat, weiß, dass sie live Einiges reißen. So wird mir dann später noch berichtet, dass sowohl Publikum als auch Band ordentlich Alarm gemacht haben. Tja, leider was verpasst, aber es ist ja erst Donnerstag und ich habe noch viele Bands vor der Brust. Die erste davon ist THE LURKING FEAR, deren Debüt ´Out Of The Voiceless Grave´ erst morgen erscheint. Bei der prominenten Besetzung und der Qualität der Songs, die bereits zu hören waren, ist ein Zeltslot aber gerechtfertigt. Bekanntestes Mitglied ist wohl Sänger und Tausendsassa Tompa, der im letzten Jahr noch mit At The Gates Headliner auf der Hauptbühne war. Der Mann hat es drauf, sowohl die große, als auch die Zeltbühne zu nutzen. Im Vergleich zu ATG sind The Lurking Fear (die eigentlich The Lurfing Fünf sind) schon crustiger unterwegs. Das ist klar, wenn andere Bandmitglieder bei Skitsystem oder Disfear am Start sind. Man merkt den Jungs an, dass sie einfach Spaß an der Sache haben. Dafür spricht auch, dass die Band es sich nicht einfach macht und keine Cover (wie ´Blinded By Fear´) spielt, mit der man das Zelt im Handstreich zum kochen bringen würde. Stattdessen gibt es nur Songs vom Debüt, die live überzeugen. Leider ist der Sound, insbesondere was die Gitarren angeht, nicht wirklich gut. Trotzdem werde ich mich um das Debüt kümmern.(Tr) GOD DETHRONED haben nach "Under The Sign Of The Iron Cross" und einer längeren Pause im vergangenen Jahr live bewiesen, dass mit ihnen wieder zu rechnen ist und in diesem Jahr mit "The World Ablaze" endlich nachgelegt. Henri Sattler & Co. haben es nach wie vor drauf, brachialen, durchaus technischen Death Metal mit Atmosphäre und Melodie zu vereinen, ohne dabei skandinavisch, britisch oder amerikanisch zu klingen. Egal ob Klassiker der Marke "Villa Vampiria" oder aktueller Stoff, die Tulpen-Deather machen großartig Druck. Druck, dem Hanno und Erinc alias MANTAR danach auf der Hauptbühne scheinbar mühelos standhalten können. Das Duo hat nach wie vor einen absoluten Lauf und legt die Hauptbühne mit unbändigem Willen und gewaltiger Energie auch ohne das von mir schmerzlich vermisste "White Nights" bereits zu früher Stunde in Schutt und Asche. (JD)

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Da ich The Lurking Fear bis zum Ende genossen habe, verpasse ich den Auftakt von MANTAR. Ich muss gestehen, dass das Duo etwas an mir vorbeigegangen ist, vielleicht auch weil der Hype gerade so groß ist. Im lesenswerten Interview mit Kollege Linse entpuppen die beiden sich dann aber als Sympathen und so bin ich doch gespannt. Logischerweise fällt der andere Bühnenaufbau sofort ins Auge. Von der Macht des Sounds her merkt man nicht, dass es sich nur um ein Duo handelt. Es ist erstaunlich, wie fett und gleichzeitig sporadisch die Songs das Gelände unter sich begraben. Zum Teil habe ich den Eindruck, dass da der introvertierte jüngere Bruder von Totenmond auf der Bühne steht. Mit ihren mal langsamen mal rockigen und immer garstigen Sounds überzeugen mich die Jungs und sind ein kleines Trostpflaster dafür, dass ich Triptykon aufgrund der Reiseplanung verpassen werde. Auch unser in die Jahre gekommener Zeltnachbar Giesbert ist hellauf begeistert: „Habt ihr die beiden Jungs gestern gesehen? Man, waren die krass“. Recht hat er. Ich werde mich auf jeden Fall um die Scheiben kümmern. (Tr) Es folgt mit DARKENED NOCTURNE SLAUGHTERCULT ein Gig der Marke Musik und Bands, die die Welt nicht braucht. Nieten, Blut, Huibuh-Verkleidung und Rasenmäheratmosphären-Sound. Nun ja, wer es denn mag. Aus meiner Sicht hat die Band musikalisch seit jeher nicht wirklich viel zu bieten, weshalb ich mich den Catering- und Merchständen widme. Erfreulicherweise gibt es in diesem Jahr gleich wieder zwei ernstzunehmende Anbieter, die geschmacklich guten, handgemachten Tee und Kaffee feilbieten, was ich seit einigen Jahren besonders am letzten Festivaltag sehr schätze. In diesem Jahr ist ein aromatisches Heißgetränk aber bei dem sich zunehmend eintrübenden Himmel eine wohlige wie anregende Alternative zum Bier.

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darkened nocturn slaughtercult

Den wiedererstarkten Rückkehrern DAWN OF DISEASE statte ich im Zelt darüber hinaus einen Besuch ab, um die Wartezeit zu meinem nächsten Highlight URFAUST zu überbrücken. Wie schon bei ULTHA zuvor lässt sich nicht verleugnen, dass die Zelt-PA in diesem Jahr ziemlich schwach auf der Brust ist. Kommt doch hinten an der Bar fast gar kein Sound mehr an. Urfaust hatte ich bisher noch nicht gesehen, und so hatte ich mich im Vorfeld besonders auf die Niederländer gefreut. Wenn die Vorstellung von Festival-Gespenst Onielar ein Regentanz gewesen ist, dann hat sie ihre Aufgabe mit Bravour gemeistert, denn pünktlich zum Intro von Urfaust öffnet der Himmel seine Schleusen in sintflutartiger bzw. Asphyx-2010er-Manier.

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urfaust

Mag sein, dass mich der Festival-Gott dafür strafen will, dass ich in diesem Jahr zu lax mit dem Equipment bzw. meiner eingeplanten Bekleidung umgegangen bin. Während das Gros des Publikums gen Zelt flüchtet, ziehen die Schwarzmetall-Clochards ihren Stiefel nahezu unbeteiligt runter und unterstreichen damit die unheilvolle Atmosphäre ihres Sounds. Doch ich muss zugeben, dass diese Atmosphäre mich - inzwischen fast nassgeregnet bis auf den Schlüppi - nicht mehr wirklich länger vor der Bühne halten kann, so dass ich mich widerwillig zum Klamottentausch unter den heimischen Pavillon begebe und mich trotzig OVERKILL widersetze. (JD)

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overkill

Nachdem sich das Wetter bei "Urfaust" abregnete, konnte ich die sichere Überdachung des Pavillons beim Thrash-Urgestein aus New Jersey verlassen und mich vor der Bühne einfinden. Geboten wird ein kleiner aber feiner Querschnitt der mittlerweile 37 Jahre umfassenden Diskografie des ziemlichen fitten Fünfers. Seit meinem letzten und bis dato ersten Overkill-Gig im Jahre ‘98 hat sich zwar das Besetzungskarussell stetig gedreht, doch ist an diesem Abend wenig davon zu merken. Bobby Blitz und seiner Truppe merkt man nach wie vor an, dass sie Lust haben auf der Bühne zu stehen, um die Massen zu begeistern. Was vor allem an der Setlist liegt, die sich sehen lassen kann. Mit Krachern wie "Elimination" oder "I Hate" von der grandiosen 89er Scheibe "The Years Of Decay", sowie den Hymnen "In Union We Stand" oder dem rotzigen The Subhumans-Cover "Fuck You!" bis hin zu den aktuelleren Werken wie "Ironbound" und "Mean, Green, Killing Machine" können sie das Publikum schön bei Laune halten. Für das überwiegende Endzwanziger-Publikum passt Overkill trotz ihrer Bühnenpräsenz und dem wirklich guten Sound zugegebenermaßen leider nicht so recht ins diesjährige Billing des PARTY.SAN METAL OPEN AIR. In diese Old-School Fraktion reihen sich außerdem Bands wie Possessed, Autopsy oder gar Celtic Frost aka Triptykon ein. Ich für meinen Teil habe neben Overkill auch die anderen Urgesteine vollends ausgekostet und mitunter sogar ein kleines Tränchen der Freude verdrückt. (TK) Wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, so macht ein ABBATH noch kein Immortal. Ebenso wie das selbstbetitelte Debut aus dem vergangenen Jahr bietet auch der Gig nur Mittelmaß, dass sich allenfalls mit durchschnittlichem Material der Söhne der nordischen Dunkelheit messen lassen kann. Was hier geboten wird ist für meinen Geschmack erschreckend blutleer, uninspiriert und hat als Headliner hier nichts zu suchen. Fazit: Der einstige Chef-Panda Abbath Doom Okkulta wäre deutlich besser damit beraten gewesen, mit seinem Soloprojekt an "Between Two Worlds" anzuknüpfen.(JD)

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abbath

 

Freitag, 11.08.2017

Der Festival-Freitag ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie vergleichsweise überschaubar und familiär das PARTY.SAN METAL OPEN AIR trotz seinen Dimensionen immer noch ist. Es standen nämlich nicht wenige Bands auf meiner Agenda. Aber zeitweise schaffe ich es kaum, mich auf dem Infield länger als eine Viertelstunde aufzuhalten, ohne in ein weiteres, vertrautes Gesicht zu blicken, wodurch die Konzentration weniger auf die Bühne, denn auf die Kontaktpflege gerichtet ist. Wenn diese dann noch von den verlockenden Getränken aus dem Hause Brutz & Brakel eingerahmt wird, dann läuft alles auf eine denkwürdige, erfüllende und erfolgreiche Party hinaus, allerdings bei Gefahr von Erinnerungslücken zu mehr oder weniger früher Stunde.

Los geht´s auch heute ganz traditionell nach dem Salutschuss Highnoon mit Grindcore der kultigsten Sorte. GUT verstehen es gekonnt, Publikum und Fans aufzuwecken und verbal wie musikalisch mit Exkrementen zu beschmeißen. Ein Brachial-Soundtrack aus bitterbösem Humor, der hinter den Masken der Protagonisten versteckt ist sorgt für einen amtlichen Hallo-Wach-Effekt. DEMILICH liefern danach ziemlich undergroundigen, skandinavischen Todesstahl finnischer Bauart. Solide für mich, für Death Metal - Puristen zum Zungeschnalzen, alles andere als eingängig aber sehr authentisch sowie mit knochentrockenem Sound absolut drückend.

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Zeit, sich mal im (Whisky-) Pub umzuschauen. Hierhin hatte ich es im vergangenen Jahr einfach nicht geschafft. Und ich kann festhalten, dass unter der Führung von Whisky-Freund und Reiter-Basser Volkmar Weber eine wahre Wohlfühloase in Sichtweite der Hauptbühne entstanden ist, in der man in ruhiger Atmosphäre manch´ edlen und hochprozentigen Tropfen aus dem Glas testen und genießen kann. Angeboten werden darüber hinaus auch Cider, Ale, Klassiker wie Guinness oder Kilkenny, nicht zu vergessen das Sacrum, welches Behemoth im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Brauerei Peroun auf den Markt gebracht haben. Letzterem bin ich sehr zugeneigt und kann konstatieren, dass das Indian Pale Ale von Nergal und Konsorten mehr als nur ein Merchandise-Gag ist. Das mit 6,2 Umdrehungen gehaltvolle Craftbier zeichnet sich durch einen kräftigen Geschmack mit einer blumigen und leicht fruchtigen Note im Abgang aus. Nichts für ein Besäufnis, sondern ein Charakterbier zum genießen.(JD) DEMOLITION HAMMER sind für mich eine völlig unterschätzte Band. Gemeinsam mit Combos wie Solstice oder Exhorder verein(t)en sie in großartiger Weise Thrash- und Death Metal. Da ich die New Yorker noch nie gesehen habe ist das für mich einer der interessantesten Gigs auf dem Festival. Dass die Band so früh auf die Bühne muss, kann ich mir nur damit erklären, dass die Veranstalter die Massen schon jetzt auf das Gelände ziehen wollen. Und die Jungs, die inzwischen auch zwischen 55 und 60 sein müssten, legen los wie die Feuerwehr. Nur wenig Jungspunde gehen mit derartiger Spielfreude an den Start. Laut Sänger Steve Reynolds hat die Band heute zwei Aufgaben zu erledigen: Die eine ist, das er so oft "fuck", "fucking" oder "(Mother)Fucker" wie möglich sagt. Geschafft, mehr geht nun wirklich nicht. Die zweite Aufgabe besteht darin, den Fans ordentlich einzuheizen und auch das schaffen sie mit Bravour. Spätestens ab dem kompakten ´Hydrophobia´ (und wer unterschreibt den Titel bei dem Regen vom Vortag nicht?) hat die Band den Laden im Griff. Als dann auch noch der Klassiker ´Infectious Hospital Waste´ gespielt wird, bin ich vollends überzeugt. Während auf andern Festivals das Crowdsurfen mit Hausverbot belegt wird (Was für ein unglaublicher Scheiß, dass die Vollkasko-Mentalität nun auch schon auf Festivals Einzug hält... Anm. d. Verf.) fordern Demolition Hammer immer mehr Crowdsurfer. Und die gibt es dann auch. So kann ich nur sagen: Fucking thanks to you Motherfuckers of DEMOLITION fucking HAMMER for a motherfucking awesome fucking Gig. Fuck Yeah! Für mich neben Possessed das Highlight des Festivals.

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demolition hammer

Nach dem Gig von Demolition Hammer ist es wohl für jede Band schwer auf die Bühne zu gehen. KALMAH versemmeln es danach aber komplett. Ich kann mit dem Party (Black) Metal der Finnen nichts anfangen und die Besucher neben mir stimmten „Kamah, Kamah de Mallorca“ an. Eine großartig kreative Adaption, der ich nichts hinzuzufügen habe.(Tr)

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kalmah

Ich muss zugeben, dass ich von VITAL REMAINS eigentlich nur die von Glenn Benton eingegrunzte 2003er Scheibe "Dechristianize" kenne, obwohl die Amis eine ganze Menge qualitativ hochwertiger Tonträger vorzuweisen haben. Trotzdem sind sie für mich seither der Inbegriff von okkult angehauchtem mit technischen Death Metal und filigranen Leads, wobei das benannte Werk für mich einen ähnlich hohen Stellenwert wie Monstrosity´s Jahrhundertwerk "Millenium" hat. Und die Mannen um Tony Lazaro erfüllen alle in sie gesetzte Erwartungen und bringen einen eindrucksvollen Todesstahl-Gig auf die Bühne, technisch absolut versiert und auf den Punkt. So muss technischer Death Metal für mich klingen. Nach dem Urgestein geht es mit einem Senkrechtstarter aus der amerikanischen Black Metal - Szene weiter. UADA, welche im letzten Jahr über die Eisenwald-Schmiede ihr Debut ihr Debut "Devoid Of Light" veröffentlicht haben. Mit einem unglaublichen Gespür für Melodien und Aggressivität fegt das Quartett gleich einem Herbststurm über das Gelände. Trotz etwas verwaschenem Sound ist die Leidenschaft und Hingabe, die in den Oden an die Natur stecken, zu jedem Zeitpunkt spürbar. Wenn Uads den eingeschlagenen Weg fortsetzen und ihre Potenziale vollends auschöpfen, dann ist von den Herren überragendes zu erwarten. MOONSORROW und AURA NOIR gehen mir leider als angenehm wahrgenommenes Hintergrundrauschen bei dem einen oder anderen Gespräch inklusive Drink durch die Lappen und VADER werden Opfer der nächsten Sintflut.(JD)

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Auch wenn ich von dem neuen Album nicht ganz so begeistert bin gehören NAILED TO OBSCURITY zu den besten einheimischen Melodic - Death Metal Bands. Heute machen mir auch die neuen Songs Laune und der Fünfer zeigt sich spielfreudig. Ein grundsolider Auftritt. Wirklich bemerkenswert ist die ostfriesische Metal-Community. Wie schon im letzten Jahr bei Weak Aside gibt es nach dem Gig „Ost, Ost, Ostfriesland!“-Schlachtrufe. Wenn Metallica auf der Hauptbühne mit auferstandenem Cliff Burton in Gänze ´Kill'em All´ zocken und im Zelt gleichzeitig eine ostfriesische Band ihr erstes Demo vorstellen würde, wäre die einzige Frage dieser Jungs wohl: „Wer sind eigentlich Metallica?“. Sehr schön, dass es noch lokale Szenen mit einem solchen Zusammenhalt über Genre-Grenzen hinweg gibt. Ich war so verwundert wie erfreut DEW SCENTED im Billing zu sehen. Mit ihrem eher modernen Thrash stechen sie schon etwas heraus. Aber was heißt schon modern? Immerhin sind die Jungs um Leif Jensen auch schon 25 Jahre unterwegs. Wie es aussieht hat der Thrash weiterhin seinen Platz auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR. So sind mit Tankard und Toxic Holocaust bereits zwei amtliche Dreschkommandos für 2018 angekündigt. Gut so, denn das ist einfach eine Mucke, die sehr feiertauglich ist. Das belegen auch Dew Scented als Headliner im Zelt. Die Truppe spielt die Songs auf den Punkt und mit jeder Menge Energie. Schade, dass es mein Lieblingssong ´Cities Of The Dead´ nicht in die Setlist geschafft hat. Das ist bei einem ansonsten starken Auftritt aber locker zu verschmerzen.(Tr)

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nailed to obscurity

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dew scented

Die Ägyptologen von NILE legen mehr oder weniger zeitgleich die Messlatte in Sachen Technik und Figuckchen in nicht mehr überbietbare Höhen und schwören eine gewaltige Soundwand herauf, die alles vor der Hauptbühne nieder walzt. Was Vital Remains begonnen haben, das führen die Jungs um Karls Sanders in beeindruckender Weise auf die Spitze. Chapeau! (JD)

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nile

CANDLEMASS sind eine Legende, mit der ich persönlich nie viel anfangen konnte. Das ist das Gute an solchen Festivals, es gibt die Chance sich solche Combos anzuschauen. Auf einen Clubgig würde ich wohl nicht gehen. Es mag auch daran liegen, dass ich kein Freund der klassischen Metal-Vocals bin, dass mich diese Band nicht begeistert. Sicher hat Sänger Mats Levén eine gute Stimme (sonst hätte er wohl unter anderen nicht bei Yngwie Malmsteen gesungen - Anm. d. Verf.), ich mag einfachdie Art des Gesangs nicht Das ist halt Geschmackssache. Ich vergleiche das mal mit Meerrettich: den mag ich auch nicht und selbst wenn man ihn abkratzt, schmeckt mit das halbe Brötchen vom Buffet trotzdem nicht mehr. Andere finden´s lecker - Geschmack halt. Aber auch musikalisch bin ich nicht wirklich angetan. Wenn langsam, dann fies und düster, wie Triptykon, Winter oder Natem. Selbst AUTOPSY haben im Anschluss schleppendere Parts. So bleibt es dabei, dass ich mit der Band nicht viel anfangen kann. Für Fans war das sicherlich ein solider Auftritt. Auf der Fahrt zum Festival habe ich mir die ersten beiden Autopsy Alben noch mal genau angehört und war wieder begeistert. Die Jungs sind einfach eine der Blaupausen für Death Metal mit extremen Sickness-Faktor. Wer braucht technische Finessen, wenn er eine solche Atmosphäre schaffen kann? Eigentlich könnten die Amis also offene Türen bei mir einrennen, das machen sie aber nur bedingt. Obwohl ich weiter vorn bin, will der Funke nicht überspringen. Im Zelt wäre ich sicher steil gegangen. Autopsy schaffen es für mich nicht, die große Bühne zu füllen. Das mag zum Teil daran liegen, dass der klassische Frontman fehlt, Chris Reifert ist halt hinter den Drums festgenagelt. Die drei an der Front spielen mir das Set über weite Strecken zu unambitioniert runter. Merkwürdig ist, dass die Spielfreude bei der Coverversion ´Fuck You´ am größten war. Der Track stammt von Bloodbath (nein, nicht die Schweden), einer ehemaligen Band von Gitarrist Danny Coralles. Autopsy haben einen guten Sound und großartige Songs. Für einen überzeugenden Gig als Headliner reicht es dennoch nicht. Schade und darüber hinaus habe ich auch den Eindruck, dass es vor der Bühne nicht viel voller als am Nachmittag ist.(Tr)

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Samstag, 12.08.2017:

Der Frühschoppen am Festival-Samstag ist in diesem Jahr aufgesplittet. Los geht´s wie immer um Zehn Uhr in der Frühe, um das Finale des PARTY.SAN METAL OPEN AIR´s 2017 einzuleuten. SIDEBURNS stehen in der Tradition von Bonsai Kitten, Cowboy Bob & Trailer Thrash oder auch Cashley und bieten eine süffige Rock N Roll-Breitseite, um langsam wach zu werden oder eben um wach zu bleiben. Nicht spektakulär aber durchaus unterhaltsam. Deutlich derber geht es danach bei INDIAN NIGHTMARE zur Sache. Unter dem jüngst veröffentlichten Motto "Taking Back The Land" ist ein wütender Stamm mexikanischer, türkischer, italienischer und indonesischer Herkunft auf dem Kriegspfad, der sich in Berlin gefunden hat. Die fünf "War-Metal-Punks" vereinen eine wilde Mischung aus Speed-/Thrash- und Black Metal ganz alter Schule und präsentieren ihn mit martialischer Kriegsbemalung und jeder Menge Energie und Spirit. Einige Aussetzer und technische Probleme zeigen offensichtlich, dass ein Auftritt dieser Größenordnung noch nicht zum Standard der Band zählen. Doch gerade diese Schwächen machen Indian Nightmare am heutigen Vormittag umso sympathischer, denn am Ende ist trotz einiger weniger Verluste zumindest das PARTY.SAN-Publikum (zurück) erobert. Und ich kann nur jedem Fan von Impending Doom, Bewitched, (alten) Sodom und Impaled Nazarene Indian Nightmare und "Taking Back The Land" ans Herz legen.

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GRUESOME STUFF RELISH bedienen die Grindcore-Anhängerschaft danach auf der Hauptbühne, während ich die Zeit nutze, um vor MOURNING BELOVETH noch einmal zu verschnaufen. Die Iren haben für mich nach dem nahezu katastrophalen Auftritt auf dem In Flammen Open Air 2017 einiges gut zu machen und das gelingt nicht nur mit "The Sickness" vom "A Disease For The Ages"-Album. Die gesamte Band ist heute deutlich mehr bei sich und ihrer Musik und kann die intensive Schwere und Düsternis ihrer starken Diskografie heute zumindest ansatzweise auf die Bühne bringen. Zwar ist der traditionelle, britische Death-Doom von Natur aus kein Quell des Frohsinns und der Leichtigkeit, dennoch sind die Live-Qualitäten von Mourning Beloveth im Vergleich mit der Intensität, die Legenden wie My Dying Bride mit ihrem Sound zu entfachen vermögen, doch eher beschränkt.(JD)

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Der 13:35 Uhr - Slot ist dieses Jahr wohl den unterbewerteten und szeneprägenden Bands vorbehalten. Am Vortag waren es Demolition Hammer, nun sind MERCILESS dran. Ohne sie müsste die Geschichte des schwedischen Death Metals wohl umgeschrieben werden. Die Death-Thrasher waren ein großer Einfluss für Nihilist und die die folgten. Mit diesem Status braucht man auch kein aktuelles Album, um einen Platz auf der Hauptbühne zu verdienen. Rechtfertigen muss man ihn dann dennoch mit einem guten Gig und das machen Merciless. Nur Madame Slaughtercult war vorgestern auf der Bühne wohl heller gekleidet als Sänger Rogga heute. Als Thrasher kann man ja locker in Hose und Jacke als hellblauem Jeansstoff auf die Bühne gehen. Aber wir sind ja auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR und nicht auf einer Modenschau - also zur Musik. Da lassen Merciless nichts anbrennen. Ich muss zugeben, dass ich nur mit dem Debüt wirklich vertraut bin. Das ist aber würdig vertreten und spätestens beim Titeltrack wird klar, dass Merciless weiterhin wissen, wie man einem Publikum einheizt. Ein überzeugender Gig was Sound, Songs und Agilität der Mucker angeht.(Tr)

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Auf die schwedische Death-Thrash- folgt die norwegische Schwarzmetall-Legende HADES ALMIGHTY. Zwar bin ich mit dem Material der Bergener nicht vertraut, die getragene, düster-atmosphärische Mucke lässt mich jedoch weder in Jubelstürme ausbrechen, noch das Weite suchen. Insgesamt eine in allen Belangen neutrale Vorstellung, wobei ich den Mannen ihren Status in der Szene nicht absprechen möchte. Deutlich mehr Alarm machen danach CRYPTOPSY. Die kanadischen Pioniere des hochanspruchsvollen, progressiven und technischen Death-Grinds fangen da an, wo Nile am vergangenen Tag aufgehört haben. Bis auf Ausnahmen ist mir dieser Stoff auf Konserve definitiv zu anstrengend aber die Art und Weise, wie hier finessenreicher, filigranger "Krach" hochpräzise in Höchstgeschwindigkeit heruntergebrettert wird, ist für mich einmal mehr beeindruckend, sehens- und hörenswert. Nach Hate Eternal im Jahre 2009 eine der mächtigsten Soundwände, die nur durch (eine) Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR kreiert wurden.

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cryptopsy

Mit INQUISITION folgt eine weitere Band, auf die ich gut und gerne verzichten könnte, hat doch das Duo außer optischer Effekthascherei musikalisch nicht wirklich etwas zu bieten, außer Standard-Black Metal zwischen frühen Immortal und den Nebengeräuschen der Gorgoroth´schen "Destroyer"-Scheibe. Allerdings kann ich den Protagonisten Dagon und Incubus, wenn ich sie mir heuer so anschaue und anhöre, den Schneid nicht absprechen und muss anerkennen, dass ich ihnen das, was sie da fabrizieren zwar weder toll noch musikalisch relevant finde. Die Art und Weise, wie sie ihr primitives Geholze jedoch kompromisslos durchziehen und optisch in Szene setzen neheme ich ihnen jedoch vollends ab. Und ganz nebenbei sehen das noch viele andere außer mir ähnlich und finden darüber hinaus auch die Mucke noch klasse.

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inquisition

Klasse waren einst auch NECROPHOBIC, bis sie nach dem Skandal um den ehemaligen Sänger/Basser Tobias Sidegård und die daraus resultierenden personellen Querelen auch musikalisch den Faden verloren, was zuletzt im durchschnittlichen "Womb Of Lilithu" gipfelte. Umso mehr freute ich mich im Vorfeld über die Tatsache, dass man mit der, auf diesem Festival veröffentlichten. Siebenzoller "Pesta" neben Ur-Sänger Anders Strokirk auch das begnadete Gitarren-Duo Ramsted/Bergebäck zurück gewinnen konnte. Und so wird es ein umjubelter Auftritt, der zwar zum einen mit einer Setlist der Extraklasse aufwartet, zum anderen jedoch unter einer zurückhaltenden Performance und einem drucklosen Sound leidet. Dennoch, die Talsohle im Hause Necrophobic ist definitiv durchschritten.(JD)

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necrophobic

Europa scheint doch noch nicht ganz am Ende, wenn eine italienische Band auf einem deutschen Festival schwedischen Death Metal spielt. Die alten Sachen der Band kenne ich nicht, das gestern erschienene Album BLOOD OF SEKLUSION´s, ´Servants of Chaos´, hinterließ bei mir einen gemischten Eindruck, was auch der Produktion geschuldet ist. Von schlechtem Sound kann heute keine Rede sein. Fett und differenziert klingt, was die Italiener abfeuern. Songs wie der Titeltrack des neuen Albums zünden live richtig. Irgendwie ist es für die Show doch von Vorteil, wenn drei Langhaarige die Saiten bearbeiten.Insbesondere dann, wenn sie so einen Hang zum Bangen haben wie Blood Of Seklusion. Ein rundum gelungener Auftakt für den letzten Tag im Zelt. Ich werde mir das Album auf jeden Fall noch mal zu Gemüte führen. Nach diesem Gig kann das eigentlich nur gut sein. Vor einigen Jahren habe ich mir beim Record Store Day mal ein Package mit den schön aufgemachten ersten vier INSOMNIUM-Alben gekauft. Irgendwie hatte ich die Finnen unter atmosphärischem Doom-Death abgespeichert. Nach dem Hören der ersten beiden Scheiben habe ich mich entschlossen, die anderen verschweißt zu lassen, damit ich sie besser weiterverkaufen kann. Teile der Redaktion feiern die Band, ich finde sie einfach nur öde. Das sieht meine Zeltnachbarin Natascha völlig anders und trippelt, im Insomnium-Shirt gekleidet. voller Vorfreude unter dem Pavillon herum. OK, geh´ ich mit und schau sie mir an. Hey Leute, wer will auf einen Festival, ausschließlich Material vom aktuellen und 7. Album einer Band hören? Ich kenne niemanden. Insomnium spielen ihr neues Album - also den einen Monstertrack - durch und das war es mit dem 45 Minuten Slot. Das ist eher was fürs Ego als die Fans. Das findet auch die Zeltnachbarin, die völlig enttäuscht wiederkommt „Und ich wollte zu denen feiern, so 'ne Scheiße“. Über den Gig sind wir uns einig geworden, über die alten Platten nicht. Das muss ja auch nicht sein.(Tr)

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insomnium

ATOMWINTER verfolgen mich in diesem Sommer. Oder ich sie? Keine Ahnung. Aber nach den Gigs beim Underground Remains Open Air und dem Protzen Open Air empfiehlt sich das Göttinger Abrisskommando für nächsthöhere Weihen auf der Zeltbühne des PARTY.SAN METAL OPEN AIR´s. Ehrlichgesagt habe ich nicht wirklich gezweifelt, dass die simplen und ungemein effektiven, vor allem aber in Kopf und Gebein gehenden Granaten wie "Iron Flesh", "Ghouls Of The Pit" oder "Death Doomination" zusammen mit der leidenschaftlichen Performance, die die wilden Kerle einmal mehr an den Tag legen und von der sich viele etablierte Bands mal eine dicke Scheibe abschneiden dürfen, nicht auch auf der vergleichsweise großen Bühne in Schlotheim funktionieren werden. Zwar wird es kein Triumphzug wie auf dem Protzen aber die Botschaft kommt beim Publikum an und das Zelt weiß damit vortrefflich umzugehen. Nach einer halben Stunde Volldampf ist es vorbei, der Schreiber endgültig Fan in Vorfreude auf das kommende Album, welches dann hoffentlich genau den Live-Sound von Atomwinter auf Scheiblette bannt.(JD)

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atomwinter

Die Entwicklung von DESASTER ist wirklich erstaunlich. Ich weiß noch, wie ich mich damals über die ´Stormbrigner´ EP gefreut habe. Kaum eine Band hatte noch diesen Spirit und war so glaubwürdig. Erstaunlich ist, dass sich die Jungs sich das bewahrt haben und gleichzeitig, mit einem Vertrag bei Metal Blade in der Hinterhand, derartig spät auf der Hauptbühne spielen. Hätte ich ihnen das 1997 gesagt, sie hätten mir wohl einen Vogel gezeigt. Desaster sind keine der „wir rumpeln möglichst odlschoolig durch die Gegend und glauben das reicht“-Bands. Die Jungs haben inzwischen viele überzeugende Tracks im Köcher und beherrschen ihre Instrumente. Asphyx würden sich Husky sicher nicht hinter die Schießbude holen, wenn es nicht auch musikalisch stimmte. Desaster vergessen trotz der eigenen Erfolge die Wurzeln nicht und so beenden sie einen gelungenen Gig standesgemäß mit ´Tormentor`. Und das zum Glück und im Gegensatz zum Original ganz ohne goldenes Konfetti.

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desaster

Obwohl ich POSSESSED´s "Seven Churches" schon Ende der 80er beim Gang vom Busbahnhof zu Schule auf meinem Walkman rauf und runter gedudelt habe (und mit Bleistift zurückgespult, damit die Batterie länger hält), ist mir die Band noch nie live untergekommen. Entsprechend hoch ist meine Vorfreude und sie wird nicht enttäuscht. Die Jungs haben einfach Bock, die Songs zu spielen, und während alle von Inklusion reden, ist ein Frotmann im Rollstuhl auf der Bühne. Zu den Tracks selber muss man nicht viel sagen. Die Sachen von der ´Beyond The Gates´ haben live sogar einen wesentlich besseren Sound als auf Platte. Und dann ertönt endlich das Intro zu "The Exorzist". Hey Meat Loaf, so geht Spinett im Metal! Insbesondere dieser Song ist absolut zeitlos, aber auch Geschosse wie "Death Metal" überzeugen völlig. Neben dem alten Material gibt es auch einen neuen Song, die Band hat einen Deal mit Nuclear Blast abgeschlossen. Nach dem Track zu urteilen ist Vorfreude auf die erste wirklich neue Platte seit 1997 angesagt. Ein begeisternder Gig.

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possessed

Krieg ist scheiße, aber der Sound ist geil“ ist ein grandioses Zitat eines unbekannten Verfassers. Da es Bolt Thrower sowie Hail Of Bullets nicht mehr gibt und Memoriam schon im letzten Jahr gespielt haben, mussten sich die Veranstalter jemand anderen suchen, der den Panzer über das Gelände fährt. Die Wahl viel auf die Malaien von HUMILIATION. Die haben sowohl live als auch auf Platte zur Genüge gezeigt, dass sie den alles platt walzenden Midtempo - Death Metal beherrschen. Die Jungs zeigen einen engagierten Gig und das obwohl Sänger Bear-Bee am Abend zuvor das Fest ordentlich feierte wie es fiel. Ein wahrlich würdiger Abschluss auf der Tentstage.(Tr) Auch wenn Humilation schon ein beachtliches Brett bohren, dass mir zu gefallen weiß. An ihre, von Kollege Trille aufgeführten Vorbilder, reichen die Asiaten allerdings aus meiner Sicht noch nicht heran. Dafür entfalten sie mit ihren zwei Klampfen zu wenig Druck und zieren sich viel zu oft vor den viel zu selten eingeschobenen Leads, die die mitunter ähnlichen Songstrukturen auflockern. Somit sind die eigentlichen Panzer-Fahrer MARDUK. Hätte mir vor drei Jahren beim letzten Gig der Schweden auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR jemand prophezeit, dass Marduk als Headliner heute den mit Abstand besten Gig des Tages abliefern würden, ich hätte ihn ausgelacht. Mit "Frontschwein" hat die Band im vergangenen Jahr wieder zurück in die Spur gefunden und noch dazu die Amosphäre wieder entdeckt. Natürlich sind Marduk heute nicht mehr die Marduk von "Those Of The Unlight" oder "Opus Nocturne" aber Morgan Håkansson hat es mit dem aktuellen Album irgenwie verstanden, eine atmosphärische Brücke zwischen den, frühen Werken, der "Panzerdivision Marduk"-Phase und den immer trockeneren, klinischeren Folgealben zu schlagen. Kalt und unnahbar sind nur noch der perfekt inszenierte Auftritt und die Lichtshow, Dazu gibt´s jedoch mit reichlich Feuer aus den Töpfen vor der Bühne aber auch durch Geschützfeuer aus der Kanone, die sonst Einlass und Festivalende verkündet. Darüber hinaus haben Marduk mit Mortuus zweifelsohne ein wahres Frontschwein himself in ihren Reihen, der seinen Teil zum herausragenden Gelingen beiträgt. Mit "Panzerdivision Marduk", "Materialized In Stone", "Wartheland" und nicht zuletzt "Wolves" habe ich mich heute endgültig mit Marduk ausgesöhnt.

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marduk

Obwohl die ursprünglich als Headliner vorgesehenen Morbid Angel diese Vorstellung kaum hätten toppen können, so wären mir die aus hinlänglich bekannten, wie überflüssigen Gründen verhinderten Amis, insbesondere mit Steven Tucker deutlich lieber gewesen, als TRIPTYKON. Die Band um Tom G. Warrior führt das musikalische Erbe von Celtic Frost fort und steigt passend dazu mit "Procreation Of The Wicked" ein. Was darauf folgt ist jedoch dass, was ein Bekannter vor dem Festival bei der Ankündigung der Eidgenossen als Morbid Angel-Ersatz über die Band ausführte: "Vertonte Langeweile." Tom ist ein netter Kerl mit feinfühligem schwarzem Humor und seine Musik ist mitnichten etwas für Party-Granaten aber es liegt nicht allein an den ausgeprägten technischen Problemen, dass ich mich nach dem ersten Drittel des Sets in den wohlverdienten Feierabend verabschiede. Fazit: Falsche Band, zur falschen Zeit am falschen Ort.

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triptykon

Als bald darauf die Kanone zum letzten Mal in diesem Jahr in Erscheinung tritt, ist es auch schon wieder vorbei. Drei beziehungsweise vier Tage musikalische, kulinarische, kommerzielle Vollbedienung für die Schwermetallszene und einmal mehr ein gelungenes Rundumsorglos-Paket des größten Festivals unter den kleinen. Es mag nicht mehr unbedingt zu den günstigsten Festivals gehören aber dafür bekommt man für sein Eintrittsgeld ein gutes und abwechslungsreiches Billing, eine gute Infrastruktur und eine reibungslose Organisation geboten. Wiederum können wir im Namen der Redaktion nur den Hut vor den Veranstaltern und der gesamten Crew ziehen, die einen tollen Job gemacht haben und uns mit dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2017 ein entspanntes Musikwochenende geboten haben. Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass im Rahmen der Aktion "Stark für todkranke Kinder" 4.500 Euro an das Kinderhospiz Mitteldeutschland gespendet werden konnten.

Sicher hätte man gut und gerne auf den einen Wolkenbruch verzichten können aber insgesamt war es wettertechnisch zwar durchwachsen aber darin stabil, nicht zu heiß und nicht zu kalt... Und: Irgendetwas ist ja immer.

In diesem Sinne sehen wir uns im kommenden Jahr in Schlotheim!

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Die Twilight-Reisegruppe zum PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2017:

Melanie Freier (Fotos), Tobias Trillmich (Tr), Carsten Brandt (Fotos) und Jens Dunemann (JD - Chef De Mission, Text & Fotos) sowie Tobe K. (TK - Gastkommentar zu Overkill)

 

Bisher sind für das PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2018 vom 09.-11. August die folgenden Acts bestätigt:

WATAIN

TANKARD

HARAKIRI FOR THE SKY

TOXIC HOLCAUST

BENIGHTET

UNANIMATED

REVENGE

THE COMMITTEE

ENDSEEKER

Der Ticketpresale via cudgel Vertrieb hat bereits begonnen:

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 Zwiebel Assault 2017 - Supported By PARTY.SAN METAL OPEN AIR:

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