Protzen Open Air 2017

  • Datum: 22.-25.06.2017
  • Ort: Protzen
  • Besucher: 1000
  • Tickets: 49,90
  • Redakteur: Jens Dunemann
Protzen Open Air 2017

Donnerstag, 22.06.2017:

Puh, 20 Jahre Protzen Open Air, da lässt sich sogar der Deutsche Wetterdienst nicht lumpen. Mit seiner Unwetterwarnung für den Kreis Ostprignitz-Ruppin soll er am heutigen Anreisetag Recht behalten. Erste Vorboten machen sich bereits in Höhe Magdeburg auf der Warschauer Allee, besser bekannt als Autobahn 2, bemerkbar, als sei es der Leibhaftige höchst selbst, der mit jedem Kilometer den Himmel ein wenig mehr verfinstert und eine bleierne, alles erdrückende Schwüle unaufhaltsam durch die Lüftungsschlitze meines Gefährts zu schicken scheint. Auf dem letzten Viertel meiner bis dahin reibungslos verlaufenen Anreise wähne mich schon fast in Sicherheit und freue mich schon, mein Zelt vielleicht doch noch vor der großen Flut aufbauen zu können, als mich der Stau-Troll kurz vor dem Dreieck Werder erwischt, um mich danach unmittelbar in eine unheilvolle, schwarze Wetter-Wand zu treiben, in der Thor seinen Hammer ungestüm schwingt, Zeus Blitz um Blitz vom Olymp herab schleudert und Petrus sintflutartig seine Schleusen öffnet. Die letzten Kilometer auf der Autobahn werden zum Kampf mit den Elementen, der neben Fahrkunst auch die Vitalität der Bäume am Rande der Autobahn testet und die jahrelangen Planungen deutscher Siedlungswasserwirtschafts-Ingenieure mächtig auf die Probe stellt. Aber im Gegensatz zu den frühen Vögeln, welche sich seit den Morgenstunden auf dem Deadland-Gelände tummeln, befinde ich mich in meinem faradayschen Käfig wenigstens im Trockenen. Nach den letztjährigen Glutofen-Temperaturen nun also die Sintflut ausgerechnet zum Jubileum, denke ich mir noch, nachdem die Unwetter-Front vorüber gezogen ist und ich bei trockener aber kaum weniger grimmiger Witterung endlich das "Wohnzimmer" für die kommenden drei Tage erreiche. Ein schlechtes Omen? Weit gefehlt, das Wetter wird an diesem Wochenende zwar äußerst launisch und wechselhaft bleiben aber Crew, Bands und Fans kommen nicht nach Protzen, um Trübsal zu blasen, sondern um den Heavy Metal zu zelebrieren, zu feiern und zu huldigen. Und da ist für (schlechtes) Wetter nun mal kein Platz.

Zum Jubileum gibt´s erstmals und (laut Veranstalter Mario) auch einmalig eine zweite Bühne, auf der das Festival schon am Donnerstag Abend mit Live-Musik, statt nur mit Konserven-Mucke von der Festplatte des Keksgrinders, eröffnet wird. Hierzu wurde das Party-Zelt in der Größe und um eine Bühne mit PA erweitert. Das führt unter anderem dazu, dass der Zeltplatz bereits ab dem frühen Nachmittag fast komplett ausgelastet ist, da nahezu die gesamte Besucher-Gemeinde diesmal bereits am Donnerstag anreist. Vergessen werden soll auch nicht, dass es in diesem Jahr nach 19 Jahren ein schickes, gewebtes Festival-Bändchen im Tausch gegen den Abriss der Eintrittskarte gibt.

Aber nicht nur das Wetter sondern auch der Verkehr wirbeln den Zeitplan zum Auftakt mächtig durcheinander. Während Black Mood und die Kamikaze Kings noch im Stau feststecken beginnt der etatmäßige Headliner GORILLA MONSOON gegen 21 Uhr als Opener seinen Set, nachdem Sänger/Gitarrist Jack die Frage des Tontechnikers, ob man denn nach dem Einzel-Soundcheck noch einmal einen Song gemeinsam antesten wolle, mit einem verschmitzten Lächeln und einem lapidaren "NÖ" quittiert hat. Hier sind mittlerweile nicht einfach alte Hasen, sondern gestandene Silberrücken des deutschen Undergrounds am Werk, die um ihre Stärken und ihr Können wissen. Kraftstrotzend und mehr als souverän trommelt das Quartett dem Publikum seinen animalisch groovenden Höllenrock mit Doom-, Südstaaten und Stoner-Einflüssen vor die Brust. Das kann nach über anderthalb Dekaden in dieser Intensität keine andere deutsche Band. Das Zelt ist gerammelte voll, wie der Osten sagt, während draußen der nächste Platzregen niedergeht, die Pfützen mehr, größer und tiefer werden, das Lagerfeuer kaum brennen will und die Getränke-Beschaffung mangels Bar im Zelt bei einem Sprint quer über das "Infield" des Protzen Open Airs zu einem feuchtfröhlichen Vergnügen der anderen Art wird.

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gorilla monsoon

Weniger Black Sabbath als Pantera haben die Sondershausener von BLACK MOOD in ihren Einflüssen, wodurch sie sich in ihrer ähnlichen Grundausrichtung von ihren Kollegen abheben. Das Duo, um die Brüder Izz (Gitarre, Vocals) und Sleaze (Drums) steht mittlerweile in der Tradition von Bands, die einen Bassisten für verzichtbar halten und stattdessen für die Gitarre mit allerlei Verstärker-Technik experimentieren, um möglichst wenig Sound-Einbußen zu haben. Wie schon bei meinem ersten Kontakt mit den Thüringern, die im vergangenen Jahr als Opener für die kongenialen Castle in Göttingen fungierten, spielen sich die beiden Herren den Allerwertesten ab und wissen das Publikum von Beginn an mit ihrem groovenden, metallischen Southern-Rock zu überzeugen.

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kamikaze kings

So sehr dass die Twilight-Belegschaft danach aufgrund einer Mischung aus Schlafmangel und Genussmittel-Konsum beim Abschluss durch die schrillen KAMIKAZE KINGS leider indisponiert ist. Dennoch oder gerade deshalb ein Auftakt nach Maß für die diesjährige Geburtstagsfeier.

 

Freitag, 23.06.2017:

In der Nacht hat es sich zwar mächtig abgekühlt aber drückend, windig und regnerisch ist es nach wie vor, so dass sich erstmals seit meinem eigenen, relativ späten Protzen-Debut nicht der Drang einstellt, einen vormittäglichen Ausflug zu den nahe gelegenen Badeseen zu unternehmen. Was nicht nur Nachteile hat, denn somit komme ich in den seltenen Genuss, dem Festivalauftakt am Freitag beizuwohnen. Und der gehört den Heidelberger Altmeistern von INTO DARKNESS. Mit Unterbrechungen gibt es das Quartett schon seit 1997 und die Erfahrung merkt man den Jungs deutlich an, doch auch wenn Performance, Technik und Songmaterial jedem Morbid Angel - Jünger ein anerkennendes Grinsen ins Gesicht zaubert, originell und wirklich bahnbrechend ist die Vorstellung im mäßig gefüllten Hangar nicht. Insgesamt aber eine achtbare Vorstellung eines soliden Openers.

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into darkness

ARROGANZ können da schon mit deutlich vollerem Saal und besseren Reaktionen rechnen. Das Trio aus dem FDA-Stall ist nah am Zeitgeist und derzeit in vielen metallischen Mündern, für mich ist der schwarzmetallische Rumpel-Death mit Fuck-Off-Attitüde weder Fisch noch Fleisch, nichts Halbes und nichts Ganzes aber immerhin bilden Bandname, Musik und Auftreten ein stimmiges Ganzes ab.

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arroganz

Dann doch lieber technischer Death Metal aus dem Pott. SABIENDAS orientieren sich wie der Opener an der amerikanischen Schule, sind aber bei weitem nicht so vertrackt, klingen kompositorisch runder und sind sogar einen Hauch melodischer als Into Darkness. Natürlich wird auch hier das Todesstahl-Rad nicht neu erfunden aber eine satte, technisch hochklassige Breitseite liefert man trotzdem ab.

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sabiendas

HARMONY DIES gehören irgendwie schon all die Jahre zum Protzen-Inventar und die Berliner Death Metaller um Bühnentechniker Kai und DJ Keksgrinder sind auch in diesem Jahr wieder eine absolute Bank. Staight, zielsicher und ohne jeglichen Firlefanz direkt in die Kauleiste. Mehr braucht es nicht zum Glück.

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harmony dies

Das ATOMWINTER zu daheim überzeugen können, davon konnte ich mir kürzlich in Göttingen beim Underground Remains Open Air ein eindrucksvolles Bild machen. Was das Quartett aus Niedersachsen aber an diesem frühen Abend im Zelt veranstaltet ist fast schon beängstigend. Mit simplen aber ungeheuer effektiven teils groovenden, teils doomenden Up-Tempo Death Metal, einem einmal mehr nicht nur stimmlich herausstechenden Fronter und Einpeitscher Holzschneider füllen Atomwinter das Zelt innerhalb kürzester Zeit nicht nur, sie sorgen auch dafür, dass nahezu alle Anwesenden zu Songs wie "Iron Flesh", "Ghouls Of The Pit" oder "Death Doomination" völlig steil gehen. Bessere Werbung kann man nicht machen und wenn die Herren auf dem kommenden Album endlich ihren mächtigen Live-Sound adäquat auf Konserve bannen, dann dürfte Atomwinter ein wahrer Paukenschlag gelingen. Chapeau und next stop Party.San Metal Open Air 2017.

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atomwinter

Einen gewaltigen Schritt nach vorn haben auch DECEMBRE NOIR im vergangenen Jahr mit der Veröffentlichung ihres aktuellen Albums "Forsaken Earth" gemacht. Die sympathischen Jungs aus Thüringen sind die perfekte deutsche Doom Death - Antwort auf Katatonia und Ghost Brigade. Mittlerweile sehr gut eingespielt nimmt das Protzen-Publikum den musikalisch schwermütigen wie melodischen und doch finsteren Farbtupfer im Billing dankbar an, wenn der Gig auch nicht ganz so emotional wie auf dem letztjährigen Party.San ausfällt.

Wo DESERTED FEAR auftauchen, da hinterlassen sie in der Regel nichts als verbrannte Erde. Die ehemaligen Label-Kollegen von Decembre Noir gehören nicht erst seit ihrem Wechsel zu Century Media mit dem dortigen Label-Debut "Dead Shores Rising" zu einer der aktuell besten Live-Formationen der gesamten Metal-Szene.Was soll man also zu dem Trio noch groß schreiben, außer dass man diese Tatsache einmal mehr unter Beweis stellt. Wie schon vor drei Jahren gleicht der Auftritt einem außergewöhnlichen Siegeszug, der die Meute vor und im proppevollen Hanger vollends in Wallung bringt, Haare und Körper fliegen lassen, alles abverlangt und nach dem obligatorischen "Bury Your Dead" mit einem breiten Grinsen in die Abendsonne entlässt. In jeder Hinsicht einzigartig.

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deserted fear

Des einen Freud ist des anderen Leid. Nach einem so fulminanten Gig haben es selbst gestandene Szenegrößen wie Silenoz und Marc Grewe mit ihren Kollegen von INSIDIOUS DISEASE schwer. Was mich im vergangenen Jahr auf dem Wacken Open Air noch äußerst positiv flashte, wirkt trotz gutem Sound, handwerklich einwandfeier Performance und gutem Songmaterial im direkten Vergleich zu Deserted Fear ziemlich blutleer. Davon zeugt, dass sich nur wenige Fans zur besten "Sendezeit" die Vorstellung der Al(t)lstar-Kapelle anschauen. Da muss auf dem kommenden Album mehr kommen, als bei diesem Gig.

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insidious disease

MILKING THE GOATMACHINE wissen da im Anschluss deutlich besser zu mobilisieren. Das Grindcore Trio mit den Ziegenmasken und der Vorliebe für Euro-Dance um den brüllenden Trommler Goatleeb Udder versteht sich durchaus auf brutalen, simplen aber abwechslungsreichen Death-Grind mit einer ordentlichen Prise Ironie, ohne dabei albern zu wirken. Auch wenn nicht wirklich meine musikalische Baustelle, so lasse ich mich am Ende doch gerne packen und mitreißen. Ganz starke Performance, die zeigt, wieso die Berliner schon seit geraumer Zeit in aller Munde sind. Wer sich übrigens in der Zwischenzeit fragt, wo denn die BEARDED BASTARDS und SUCCUBUS abgeblieben sind, welche gemeinsam mit Atomwinter das Zelt gerockt haben, dem sei gesagt, dass die Band- und Bühnenaufstockung durchaus Vorteile aber eben auch Nachteile hat, wenn es eben Schlag auf Schlag ohne Unterbrechung durchgeht. Und da das Zelebrieren des Wiedersehens und die Gespräche bei diversen Getränken mit vielen Freunden und Wegbegleitern im Rahmen der Protzen-Familie ein wesentlicher Bestandteil dieses Festivals ist, möge man mir es nachsehen, wenn ich diese beiden Bands unterschlage, um genussvoll durchzuschnaufen.

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milking the goatmachine

Paul Speckmann wirkt nicht nur optisch wie Vater Abraham, er ist tatsächlich der Methusalem der Death Metal - Szene. Zwar hat der MASTER-Frontmann musikalisch in über drei Dekaden meiner Ansicht nie die ganz hochkarätigen Klassiker erschaffen, sein Einfluss und vor allem seine musikalische Beständigkeit und Präsenz ist jedoch unbestritten und das rechtfertigt tatsächlich die hohe Position im Billing. Knochentrocken rotzt der Wahl-Tscheche mit seinen beiden Mitstreitern die tief im Thrash verwurzelten Brecher aus 35 Jahren Bandgeschichte aus dem Ärmel. Auch wenn ich dem alten Mann immer noch nachtrage, dass er Krabathor einst auseinanderdividiert hat, Master werden an diesem Abend ihrer Position gerecht.

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master

Mit Martin van Drunen folgt Speckmann nun die nächste angegraute Eminenz des Todesstahls auf die Bühne, darf er doch mit ASPHYX den Sack zu machen. Und wie: Zwar ist der Sound nicht ganz so brilliant wie auf dem Rock Hard Festival aber was das Quartett hier abzieht ist kaum in Worte zu fassen. Die gesamte Band sprudelt über vor Energie und ist fast schon übermotiviert, was bei diesem Set der Extraklasse jedoch kein Wunder ist. "MS Bismark", "The Sickened Dwell", "Der Landser", "The Rack", "Scorbutics", "Deathhammer", "Death: The Only Immortal", "Last One On Earth" und so weiter und sofort... Klassiker reiht sich an Klassiker und somit sind Asphyx die einzige Band der alten Garde, denen sich Deserted Fear heute nach punkten geschlagen geben müssen. Aber Asphyx in dieser Form zu unterliegen, ist wahrlich keine Schande. Ein denkwürdiger Abschluss, der Band und Fans die letzten Reserven abgetrotzt hat, unglaublich intensiv war und sehr viel Spaß gemacht hat.

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Samstag, der 24.06.2017:

Die Protzen-Familie ist früh auf den Beinen und bereits bei der ersten Band am Samstag zahlreich im Hangar erschienen. TERRIBLE SICKNESS legen gleich "morgens" um zwölf Uhr Zeugnis darüber ab, wie talentiert und fit der deutsche Underground ist, bietet das Quintett doch genau die richtige Mischung aus Technik, Härte und Melodien. Fronter Flo ist eine imponierende Erscheinung und wütet mit seinem eindrucksvollen Organ derart über die Bühne, dass eine Freundin konstatiert: "Wenn ich den neben mir auf der Bühne hätte, dann hätte ich Angst." So muss Death Metal sein.

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terrible sickness

Die Wolfsburger CRYPTIC BROOD schrauben langsam aber unaufhaltsam an ihrem Aufstieg in die erste Liga. In den letzten Monaten war es für jemanden, der regelmäßig im Underground unterwegs ist, nahezu unmöglich, nicht mit der Musik, dem Logo und den Live-Aktivitäten des Trios konfrontiert zu werden. Cryptic Brood haben sich der absolut ursprünglichsten und ungeschliffensten Form des Death Metal mit hohem Doom-Anteil verschrieben und entsprechend ihrer kontinuierlichen Aktivitäten in den, seit der Veröffentlichung ihres aktuellen Albums "Braineater", geht man routiniert und abgeklärt aber bei weitem nicht weniger mitreißend zu Werke. Besonders gesanglich klingt man zu dritt außergewöhnlich abwechslungsreich. Aber auch in Sachen Songmaterial und Performance wissen die Jungs aus der Autostadt zu überzeugen. Zwar gibt es durchaus originellere Bands aber das wird durch die ungekünstelte, sympathische Art und Weise, wie die räudigen Stücke vorgetragen werden locker ausgeglichen, vom Potenzial welches in dieser Combo schlummert, die noch relativ weit am Anfang steht, mal ganz abgesehen. Cryptic Brood machen einfach Lust auf mehr. DEMONBREED haben zwar das bessere Logo und die besseren Artworks als die Vorgängerband Lay Down Rotten aber musikalisch kann ich kaum wesentliche Unterschiede zwischen beiden Bands ausmachen. Solider, melodischer Todesmetall, gute Live-Umsetzung, nicht mehr und nicht weniger.

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demonbreed

Die Schwaben von REVEL IN FLESH gastieren im Rahmen ihrer Mini-Tour mit FACEBREAKER in Protzen. Die deutschen Schwedenstahl-Anbeter sind seit ihrem letzten Auftritt 2015 wesentlich besser geworden und präsentieren einen amtlichen Abriss. Insgesamt kommen sie aber nach wie vor nicht über den Status einer - wenn auch sehr guten - Dismember-Gedächtniskapelle hinaus. Mir fehlt hier einfach das letzte, gewisse Etwas, was die schwedischen Kollegen LIK zweifelsohne haben. Immerhin, ihren deutschen Kollegen von Fleshcrawl haben Revel In Flesh mittlerweile den Rang ganz klar abgelaufen. Und sie gefallen mir auch einmal mehr besser als ihre Tourkollegen von Facebreaker, eine Schweden-Band, die so gar nicht nach typischen Schwedensound tönt. Knochentrocken, brutal und direkt ins Gesicht und irgendwie beliebig und austauschbar konnte mich das Quintett noch nie wirklich hinter dem Ofen hervor locken und ich denke das wird in diesem Leben auch nichts mehr.

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revel in flesh

 Die Magdeburger TORTURIZED haben in den letzten zehn Jahren eine gewaltige Entwicklung genommen, von der klassischen Old-School - Death Metal - Band zur modern ausgerichteten Tech-Death-Formation, und das komplett ohne Label im Rücken. Das jüngste Zeugnis "Omnivore" gleicht einer Urgewalt, die, gebündelt durch die spielerische Klasse der Musiker in kontrollierte Bahnen gelenkt wird. Das unterstreicht auch die beeindruckende halbe Stunde im Zelt, bei der der Sound heute leider nicht ganz so gut wie an den vorangegangenen Tagen ist. Dennoch würde ich mir zukünftig wieder mehr Bauch statt Kopf im Hause Torturized wünschen, sind Songs und handwerkliches Können zwar über jeden Zweifel erhaben, aber gerade Live wirkt mir das ganze mittlerweile zu klinisch, steril und klingt manchmal schon fast (Siggi, verzeih´ mir diesen Ausdruck!!!) wie Hipster - Death Metal. (JD)

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torturized

 Kollege Linses Ohren sind ja einiges gewohnt. Als der mit den Worten „das ist mir zu krass“ aus dem Zelt kommt, in dem WOJCZECH gerade ihr Set begonnen haben, ist mein Interesse noch weiter geweckt. Das war eh´ schon da, denn Sänger Danilo übernimmt auch bei den von mir geschätzten Entrails Massacre die Vocals. Auf Bandcamp beschreiben die Rostocker ihren Sound als hardcoregrinddeathblackdoomcrustpunk. Das trifft es. Und tatsächlich klingen andere Bands wie Revel In Flesh oder Facebreaker, die zuvor gespielt haben im Vergleich fast schon nach Easy Listening. Die Mucke von Wojczech ist im besten Sinne chaotisch und radikal, ohne sich dabei in reinem Krach zu verlieren. Musikalisch ist mir das ein willkommener Farbtupfer im Billing.

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Nichts reimt sich auf Protzen - auch nicht Clit. Trotz dieser phonetischen Ungereimtheit ist es gut, dass die Veranstalter die holländischen Porn-Grinder auf das Billing gesetzt haben. Ich kann mit deren inhaltlichen Konzept nicht viel anfangen, mit ihrem straighten, groovenden Grind machen sie aber live immer Spaß. Es scheint das Wochenende der agilen Holländer zu sein, denn wie Asphyx am Vorabend bieten auch CLITEATER einen äußerst spielfreudigen Auftritt. Insbesondere Drummer Marten van Kruijssen legt sich richtig rein. Der Gute bangt mit seiner Afro-Frisur unaufhörlich. Erstaunlich, dass er sein Kit trotzdem noch präzise und in Hochgeschwindigkeit verdrischt. Auch der Rest gibt ordentlich Gas und so hinterlassen die Klitorisesser einen guten Eindruck. Als mein Magen kurz darauf knurrt entscheide ich mich dann aber doch für ein Steak im Brötchen. (TR) Brötchen sind das Stichwort, denn das, was die Herren am Grill heuer vom Grill servieren ist mitunter nicht nur eine echte Beleidigung für die Tiere, die für die hungrigen Protzen-Besucher ihr Leben gelassen haben, sondern darüber hinaus eine Frechheit und eines Caterers nicht würdig. Schwarz, statt durch und kross scheint hier die Devise zu sein. Egal ob Würstchen, Fleisch oder Maiskolben, es ist erschreckend, mit welcher Regelmäßigkeit hier Essen gegen Geld überreicht wird, welches nach dem Anrösten in den Warmhaltebottich wandert, um dann später bis zur Unkenntlichkeit verkohlt zu werden. Ohne dass hier gleich die Profession mit meinen rudimentären Toxikologie-Kenntnissen mit mir durchgeht, das kann das Umweltbundesamt viel besser erklären, Appetit auf die sonstigen feilgebotenen Speisen macht die Belegschaft am Grill nicht gerade. Im Zweifel hätte ich mich lieber vom Konfetti, Luftschlangen und Luftballonresten aus dem Fundus der Cliteater-Fans ernährt. Da lobe ich mir doch einmal mehr die Damen und Herren am Knofibrot-Stand, die getreu dem Motto "Vitamine und Naschen" wiederum ihre ausgezeichnete Erdbeerbowle am Start haben und die Familie am Pizza-Stand mit ihrem ernstzunehmenden Chilie zum Nachwürzen. Doch zurück zur Musik. Ich war im Vorfeld äußerst skeptisch, ob Formationen wie OBCURITY und EKTOMORF stilistisch auf dem Protzen Open Air funktionieren würden, obwohl mich mit beiden gewisse Dinge und Erlebnisse verbinden, ohne dass ich beide Bands zu meinen heutigen Favoriten zähle. Mit ersteren, den Schlachtenmetallern aus dem Bergischen Land sind es zum Einen meine eigenen Wurzeln und zum Anderen die Tatsache, als dass die Band mich seinerzeit mit dem Release "Tenkterra" ziemlich herausgefordert hat. Mit Ektomorf verbinde ich heute immer noch eines der besten und intensivsten Konzerte, welches je erlebt habe. Auf dem Summerbreeze 2002 war die Band noch relativ unbekannt, brachte aber mit ihrem, an die Sepultura angelehnten Sound, innerhalb von Minuten rund 10.000 Leute im Kollektiv komplett zum Ausrasten.

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ektomorf

Dass die Band ihr stilistisches Alleinstellungsmerkmal, nämlich die ungarischen Folklore-Einflüsse, auf ihren zukünftigen Veröffentlichungen zunehmend vernachlässigte, führte nicht nur dazu, dass sich das Quartett spätestens ab "Destroy" zunehmend aus meiner Hörweite verabschiedete, sondern, dass ich mit Ektomorf bis heute vornehmlich Musik verbinde, die wie Sepultura klingt, als diese schon scheiße waren. Doch die Band funktioniert hervorragend und sogar als Co-Headliner ziehen sie die Leute nicht nur in Scharen in den Hangar, sondern wissen diese auch noch amtlich zum Toben zu bringen, so dass ich neidlos anerkennen muss, dass diese Formation, wenn sie auch musikalisch nicht originell sein mag, nach wie vor über überragende Live-Qualitäten verfügt. Und auch die Streitmacht Bergisch´ Land weiß rund drei Stunden zuvor zu überzeugen. Der melodische Death Metal mit deutschen Texten ist mittlerweile erfreulich weit entfernt von Pagan Metal - Klischees und wildert stattdessen in Amon Amarth´schen gefilden, aus der Zeit, als diese noch musikalisch ernstzunehmen waren. Somit muss ich auch hier konstatieren, dass Obscurity, die wie das Protzen in diesem Jahr bereits den zwanzigsten Geburtstag feiern, sich selbst mit diesem durchaus abgefeierten Auftritt ein schönes Präsent machen, dass musikalisch eine weitere Abwechslung zwischen all dem Geballer ist. Was sonst noch passierte? Nachdem Auftritt der emsländischen Melodic-Deather ISLAY beginnt mit DISASTER K. F. W. im Zelt der Auftakt zum Abend der ostdeutschen Metal-Legenden. Auch wenn das seit 1985 aktive Quintett um den ehemaligen Reiter-Drummer Skeleton die Intensität ihres bärenstarken jüngsten Albums "Pieces" nicht voll auf die Bühne bringen kann, so machen Songs wie "The Black Death" doch ordentlich Laune und bereiten den Boden, für das, was da noch kommen soll.

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Ich gebe offen zu, dass erst die Absage von Haemorrhage und die damit verbundene Bekanntgabe von VIU DRAKH als Ersatz dazu geführt hatten, dass der Besuch des diesjährigen Protzen-Jubileums für mich unverzichtbar wurde. Vielen jüngeren Lesern und Besuchern dürften die Hallenser nahezu unbekannt sein. Sie waren jedoch um die Jahrtausendwende eine der aktivsten und besten deutschen Live-Bands und noch dazu eine der musikalisch außergewöhnlichsten Bands in der Schnittmenge zwischen Death Metal, Crust, Grind und Punk. Das 2002er Album "Death Riff Society" ist ein bis heute kaum gewürdigter, vergessener und unerreichter Klassiker, der die Band seinerzeit sogar auf Europatour mit Cannibal Corpse führte. Danach folgte ein Split auf Raten und teilweise die Fortführung mit den nicht weniger genialen Korades. Und dass die Band nun ausgerechnet auf dem diesjährigen Open Air ihr Comeback feiert ist dem alljährlichen, gebetsmühlenartigen Einreden von Veranstalter Mario auf alle Beteiligten des Origina l- Line-Up´s zu verdanken, eine Beharrlichkeit, die man ihm gar nicht hoch genug anrechnen kann. Doch kann die Band aus dem Stand tatsächlich die gleiche Explosivität wie vor mehr als einer Dekade auf die Bretter bringen oder sollte eine große Enttäuschung anstehen? Erste, durchgesickerte Stimmen vom Vorabend, an dem Viu Drakh mit ihren Freunden von Malignant Turmour daheim eine Generalprobe veranstaltet hatten, verhießen Gutes, ließen aber die Spannung im Vorfeld nur noch weiter ins Unermessliche steigen. Doch schon mit den ersten Takten macht das Quartett klar, dass sie es immer noch können. Mit rasiermesserscharfem, krachendem Sound knallen Viu Drakh dem Publikum Klassiker für Klassiker vor den Latz, als wären sie nie weg gewesen. "Death Riff Society", "Mutant Gods", "Caravan", "Dead Or Alive", "Black Milk" vom "Take No Prisoners..."-Album, ja sogar "Noize Militia" vom Demo der Vorgängerband TinPanAlley ist in der Setlist und am Ende fehlt auch die obligatorische Motörhead-Hymne "Ace Of Spades" natürlich nicht. Dieser Gig ist Zeitreise und Frischzellenkur zugleich. Während der nachdrücklichen Vorstellung verjünge ich mich mal eben locker um 15 Jahre, um mich hernach sofort wieder um 20 Jahre gealtert zu fühlen. Was bleibt ist pures Glück und ein breites Grinsen angesichts dieser Vorstellung, sowohl bei den Musikern auf der Bühne, wie auch bei den Fans. Dieser Gig ist eine Machtdemonstration. Fortsetzung folgt? Eigentlich führt kein weg daran vorbei allerdings dürfte es wohl eher unwahrscheinlich sein. Aber ich bin unheimlich glücklich und dankbar, dass ich Viu Drakh und ihre Songs noch einmal live erleben durfte, noch dazu in dieser Art und Weise. (JD)

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Dieser Slot war verflucht. Zunächst sagen Misery Index alle Europa-Gigs ab und dann wird es auch nichts mit dem Auftritt der ehemaligen Massacre-Mucker Kam Lee und Rick Rozz. Grund hier scheint Ego-Gewichse zu sein. Die Veranstalter sind gut vernetzt und so zaubern sie sehr kurzfristig mit SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH einen würdigen Ersatz aus dem Hut. Die haben ja selber leidvolle Erfahrungen mit dem Weiterführen einer Band unter dem ursprünglichen Namen... Der Gestank im Hangar war für die meisten am ersten Abend noch nicht beißend genug, aber Schirenc Plays Pungent Stench sorgen dafür, dass sich der Schweißgeruch noch einmal potenziert. Wie schon 2014 liefern die Österreicher einen wirklich guten Gig ab bei dem die Stimmung vortrefflich auf das Publikum überspringt.(TT)

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Nachdem die bereits erwähnten Ethno-Trasher Ektomorf anschließend nach zwanzig Ausgaben das Protzen zum ersten Mal hüpfen lassen und die vermeintlich letzten Reserven aus der Meute heraus kitzeln, könnte man meinen, MANOS würden es schwer haben, den vermeintlichen (Plumps-)Sack zu zumachen. Schließlich haben sich die ostdeutschen Kult-Grinder aus Querfurt in den letzten Jahren doch durchaus rar gemacht. Aber weit gefehlt, zwar polarisiert das Trio, ob der schrillen Darbietung, durchaus und sorgt bei einigen, insbesondere jüngeren oder in Westdeutschland beheimateten Anwesenden zunehmend für irritierte Blicke und immer größer werdende Fragezeichen in den Augen. Doch wo vergleichbare Formationen wie J.B.O oder die Grindfuckers in die Albernheit abdriften, da bieten Andrew, Eule und Co. feinsten, mal mehr, mal weniger metallischen Slapstick mit hintergründigem Humor. Angefangen beim Auftaktmaskerade von Eule, der die Bühne samt Wäschegerüst samt Leine und Wäsche am Bass sowie mit Kopftuch und Vogelkäfig auf dem Rücken entert, über die "Bad Chicken Attack" - Einlage, bei der das Publikum erstmals mit auf die Bühne gebeten wird sowie das Geburtagsständchen, bei dem die Veranstalter Andrea und Mario auf die Bühne zitiert und unter dem frenetischen Jubel der Besucher, der die Organisatoren mehr als verlegen werden lässt bis hin zu der Erkenntnis dass man die Gitarren auch mit Störchen, Schlitten und Schaukelpferden vortrefflich bedienen kann und dass Arbeitsbienen und Metalheads gerne und ausgiebig rutschen. MANOS setzen einen phänomenalen Schlusspunkt unter ein prall gefülltes musiktherapeutisches Wochenende in Protzen, dass bis in die frühen Morgenstunden am Lagerfeuer und im Diskozelt ausklingt.

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Die Twilight-Redakteure gratulieren noch einmal zur 20 und hoffen auf noch viele weitere Auflagen. Danke, für die Party oder um es mit Abba zu sagen: "Thank you for the music!"

Aus Protzen berichteten Jens Dunemann - Text (JD), Carsten Brandt - Fotos und Tobias Trillmich - Text.

 

 

Weitere Presse-Stimmen:

Das Wunder von Protzen - Märkische Online Zeitung vom 26.06.2017

Metal-Fans feierten 20. Open Air - Märkische Allgemeine vom 25.06.2017

Manos auf dem Protzen Open Air 2017:

 

20 Jahre Protzen Open Air - Offizielles "After-Movie":

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Das PROTZEN OPEN AIR 2018 wird vom 22.-24.06.2018 stattfinden.

 Der Vorverkauf startet am 08.01.2018!

POA 2018