M’era Luna 2013

  • Datum: 10.08. - 11.08.2013
  • Ort: Hildesheim
  • Besucher: 25000
  • Tickets: Festivalticket ca. 79€+VVK
  • Redakteur: Marcel Hübner
M’era Luna 2013

Freitag

Wie seit einigen Jahren üblich, gab es am Abend vor der Warmup Disko die  Lesung mit den  bewährten Scene Literaten  Christian von Aster, Boris Koch und Markus Heitz die zur großen Freude derAnwesenden in der neuen Diskohalle Passagen aus Ihren mal mehr oder weniger blutrünstigen Werken vorlasen.

Bei meiner Platzinspektion konnte ich - neben einigen organisatorischen Neuheiten und einem etwas großzügigeren Merch- Konsumbereich- deutlich größere Sanitärbereiche ausmachen. Gut so, denn die Organisatoren haben m.E. in den letzten Jahren ein schlüssiges und geradezu komfortables Festivalkonzept entwickelt. Das vorweg: Nötig wars, denn zum ersten Mal war das Mera Luna am Sonntag dann ausverkauft, 25.000 Besucher – so viel wie noch nie.

 

 

Samstag

Los ging es, auch wie erprobt, mit den diesjährigen Online-Kontestgewinnern als Opener der Main. Das Onlinepublikum hatte sich dies Jahr füreine recht stimmgewaltige Femal-Voice Opera Metal Truppe „MOLLUST“ aus Leipzig entschieden, die mal theatralisch mal voller Inbrunst Ihrem Namen alle Ehre machten.  

Schon beim zweiten Act füllte sich diesmal bereits der Platz vor der Main deutlich, den mit einer für mich ersten Überraschung, gab es den Auftritt der „ LORD OF THE LOST“  Hatte ich beim Einstieg der Hamburger  Gothrocker noch etwas Angst vor einem böse tief gegrunztröchelten Set, wurde ich eines Besseren belehrt.  Die im Aschechic gekleideten Mannen um Chris „The Lord“ Harms rockten das Publikum mit einer erstaunlichen Bandbreite von Melodien und präsentierten alles zwischen Deathmetalanleihe und Goth-Ballade. Dazu ein paar nette Ansagen und Spaß mit dem Publikum. Große Freude bei allen (besonders bei der Langhaarschüttelfraktion), großartige Band, unbedingte Liveempfehlung für die Deutschland Tour im September und auch die aktuelle CD ist ein Kaufbefehl-wie ich hinterher festgestellt habe. Danke Dieter!

Weiter mit dem nächsten Pflichttermin auf der Main, den die „OSTFRONT“ baute sich auf ! Zu meiner Verwunderung sang sich dazu zuerst ein Chor ein, der, dem späteren Einsatz beim wunderbaren „Harmannlied“  in angemessen schön schmuddelige Leichentücher gewickelt war. Die Meute tobte, die Frontler dreschten in bewährter Manier im wilden Militär- Outfit drauf los. Noch klarer die „Neue Deutsche Härte“, noch weniger SchnickSchnack wie übrigens  zur exakt selben Zeit am selben Ort 2011. Martialisch-eindeutig zweideutig-brachial. Erst die dritte Band des Tages und schon wieder eine gelungene Liveempfehlung mit riesigem Spaßfaktor. Die Main war natürlich schon rappelvoll und das um nicht mal 13 Uhr, rekordverdächtig!

Nun wurde es Zeit die kulinarischen Köstlichkeiten zu testen, da bot sich neben dem mit 1,25 EURO immer noch angemessen und kühlen Bier vom Hauptsponsor außerhalb des inneren Bereiches, ein mir neuer Verkaufsstand an. Fantastisches Fetzenfleisch aus dem Smoker im Brötchen gabs! Klasse, wenn auch nicht billig. Dazu noch nen lecker Mokka im natürlich auch wieder aufgebauten Mittelalterbereich ( die mir zu späterer Stunde von der Mokka-Verkäuferin offerierte Burlesque Vorführung habe ich übrigens nie gesehen, Schande über Dich böse Marktfrau ) und ab in den Hangar.

Hier wartete Michi Mayer alias „EISENFUNK“ mit seiner Maschinen Combo auf die ersten Elektroniker und Cybergothjünger, die den Hanger bereits um 14:30 Uhr voll machten um dem Spektakel beizuwohnen. Ein tolles Best of Set inkl. der Klassiker „Pong“ und „Eisenfunk“ unterstützt von wilden Videos und noch wilder tanzenden Fans geben die Animateure auf der Bühne alles. Coole Idee, ausgelassene Stimmung (wirklich ungewöhnlich –sorry für das böse Wort- „fröhlich“)  – Hyper Hyper, im cyberesken Sinne. Spaß pur und guter Sound waren inklusive, was leider nicht bei allen Acts so klappen sollte.

Für alle Interessierten die so wie ich zu Gunsten der Bequemlichkeit recht großzügig mit den Rechten des Mobilfunkgerätes umgehen, hier noch der vielleicht wichtigste, organisatorische Rat fürs nächste Mera Luna: Die Mera Luna App informiert umfassend über das, was man vor oder während des Festivals wissen will! Timetable, Künstlerinfos, Karte des Geländes usw. werden hier in übersichtlicher Form präsentiert, der persönliche Timetable inkl. Erinnerungsfunktion kann leicht gebastelt werden. Falls das gute Mobilgerät nach übermäßiger Nutzung dann neuer Elektrizität bedarf, gibt es natürlich auch einen passenden Ladeservice auf dem Platz.   

Wieder vor der Main bezauberten „ MONO INC“ routiniert mit allen eingängigen Hits ala  „ Voices of Doom (Cry for me) “. Die inzwischen davor rockenden Massen sangen brav alles mit, der einbestellte Kinderchor half abermals die Publikumslieblingvorherrschaft der Ausnahmeformation um Martin Engler zu manifestieren. Den Part mit Joachim Witt als Duettpartner hab ich leider irgendwie verpasst.

Für Alexander Veljanov und Ernst Horn, diesmal in der Akustik Version von DEINE LAKAEIEN , war es für meinen Geschmack auf der Main noch deutlich zu hell. Der theatralische Funke der Klassiker wie“ Over and done“ oder „Love me tot he end“ wollte nicht recht aufs Publikum überspringen. Schade, denn das Set war äußerst abwechslungsreich, aber wohl eher was für die heimelige Theaterbühne.

Der Tanzdiktator bat danach in den Hangar und lies sich ausgiebig zu den rüde Beats feiern. NACHTMAHR Mastermind Rainer hatte natürlich auch seine leibhaftigen „Mädchen in Uniform“ dabei, die nicht nur ganz hervorragend zum gleichnamigen Song passten, sondern auch zum restlichen Liedgut und dem gewohnt militaristischen Gesamtkonzept.

Die beiden Maskenmänner von THE KLINIK bescherten mir mit „Bite now bite“ einen anspruchsvoll krachenden Elektro Abschied aus dem Hanger, ( war eigentlich schon eher beängstigender Krach) den ich in Richtung Ville Valo und seinen Mannen von HIM verließ, die u.a.  mit einem schön verschmusten „Join me“ den Samstag beendete. Gerockt wurde natürlich auch - aber mal ehrlich - deswegen hatten sich die auffallend stark vertretenden, kreischenden Mädels nicht vor der Main eingefunden - der liebe Ville hat offensichlich nix an seiner Anziehungskraft verloren und die alberne Mütze ist denen sowieso egal…..

So, das hätte nach dem obligatorischen Besuch der Aftershowdisco der Samstag gewesen sein können, aber auf einmal fehlte einer aus meinem Clan. Den fand ich im örtlichen Hospital wieder und übernahm dann bis zum Morgen die Betreuung.

An dieser Stelle Rat zwei und drei  fürs nächste Jahr: Erstens Sonnenbrille ab wenns dunkel wird, dann sieht man auch was auf dem Boden liegt und zweitens: Nie nicht über die arme Sau mit dem geschrottetem Gesicht im Krankenwagen beömmeln, könnte der eigene Kumpel sein - der nun leider wie dieser bekannte deutscher Modedesigner mit Kopf – Fritteuse Kontakt aussieht.

 

Sonntag

Nach sehr sehr kurzer Nacht und der Morgenvisite im Hopital, kamen wir grad noch rechtzeitig um die Lokalmatadoren und Dunkelrocker von UNZUCHT zu bejubeln.  Nach meinem persönlichen ML Smashhit “Kleine geile Nonne” fielen mir dann auch die vielen vielen Bestager auf, die offensichtlich in geheimer Absprache das passende Band TShirt als gemeinsame Festivalbekleidung auserwählt hatten. Sehr geil natürlich auch „Nur die Ewigkeit“ oder „Unzucht“. Früh am Morgen, Massen vor der Main und der Sänger war sichtlich beeindruckt – ich auch.

Nicht minder eindrucksvoll die gewöhnungsbedürftige Freakshow von COPPELIUS, die mittels einer Art Biedermeierfreejazzintro und bösen Texten zum swingen einluden. Mit klassischen Instrumenten und von einem Rockschlagwerk begleitet, zelebrieren die Berliner bei ständig wechselnder Geschwindigkeit einen solch rasanten Stilmix, der fast unmöglich zu beschreiben ist, aber dafür reichlich Fans hat.

Noch mehr Fans lockten kurz danach die 69 EYES mit stilechtem Gothrock an. Klassisch düster wurden die „Lost boys“ gefeiert und mit „Wasting the dawn“ dem hellen Tag getrotzt. Im Helsinki Vampires Look rockten die Finnen um Sänger Jyrki routiniert cool die Menge, Gitarren und sich drehende lange Ledermäntel satt für alle Dunkelrocker.Die paar Regenwolken störten die Meute dabei nicht im geringsten !

Nur wenig bunter aber mit gewohnter Sackpfeifenverstärkung kamen Teufel und Kollegen von TANZWUT daher, um gleich eine Reihe Songs vom neuen Album „Höllenfahrt“(Weltprämiere!) zu präsentieren. Main natürlich voll, das Spektakel der Spielleute war auch diesmal ein Garant für gute Laune und „Bitte Bitte“ muss doch wirklich jeder mitgrölen. Die sprichwörtliche Tanzwut wurde wieder erfolgreich ausgerufen, schön wie das immer noch funktioniert.  

Natürlich habe ich leider an beiden Tagen einige großartige Bands ausgelassen, so konnte ich u.a. MESH, ASP, HAUJOB, STAUBKIND, BLUTENGEL oder  auch NIGHTWISH

nicht die sicher wohlverdiente Aufmerksamkeit schenken. Schade, aber die kommen bestimmt wieder! Etwas gefehlt haben mir die skurrilen Überraschungsacts der letzten Jahre, mit einem Lachen im Gesicht denke ich an die immer gern gesehenen Horrororpunks ala „Blitzkid“, oder so spezielle Fomationen wie „Punish Yourself“, deren Auftritt für mich einer der bemerkenswertesten ever war. Da geht nächstes mal bestimmt wieder was, Shiva only is god !

Aber weiter zur aktuellen Veranstaltung: Irgendwie gar nicht mehr auf der Liste hatte ich die E-Popper „APOPTYGMA BERZERK“, was mich angesichts des mit „Non Stop Violence“ eingeleiteten Best of Sets ernsthaft beschämte. Zwar ist Frontmann Stephan m.E. der einzige original Berserker, aber die Qualität der teilweise in neuem Gewand dargebotenen „alten“ Stücke minderte das natürlich nicht im Geringsten. Ob „Kathys Song“ oder „Love never dies“  ausnahmslos alle Hits wurden vom Mob mitgesungen, auf diese Show hatten wohl reichlich viele nur gewartet. Für mich wurde es der beste Auftritt der Formation ever, denn der letzte Song war zwar von APOP neu, aber man hatte den guten alten „Major Tom“ in der englischen Version wiederbelebt und damit den Mitgrölsmashhit des Festivals gesetzt. Grandiose Stimmung und ein gefühlt 478 Minuten langer Abgang mit völlig losgelösten Massen, die auch ohne Band weitersangen. Stephan wie gesagt auf Englisch,(Zitat: Best german song ever….) wir alle auf Deutsch. Highlight

KIRLIAN CAMERA lockten mich dann gleich im Anschluss in den Hangar, wollte ich doch selbstverständlich meiner langen Anhängerschaft der Italiener frönen. Die liebreizende Elena sollte mich nicht enttäuschen, brachte man doch nicht nur Stücke aus dem aktuellen Longplayer „Nightglory“ zu Gehör. Das allerdings bei m.E. zwischendurch absolut miesesten Sound, keine Ahnung was ausgerechnet da (bei dem übers Festival gesehen sonst recht gut abgemischten Shows) los war. Unschön, aber die Songs sind auch so großartig. Mastermind Angelo konnte man unter der schwarzen Strumpfmaske nur erahnen (letztes Jahr hatte er noch den mächtigsten Schnurrbart der Scene!!!),  dafür performte Elena in äußerst knappen Beinkleider großartig. „K-Pax“, „Heldenplatz“, Nightglory“ und natürlich eins der besten Lieder der Welt  „Eclipse“  waren im Set, die volle Halle mehr als dankbar.

Nun zum finalen Auftritt meines Sonntages: Nachdem „ZEROMANCER“  den Hangar als Ersatz für „IAMX“ aufgemischt hatten, wartete draußen eine Legende auf den Abend.

FRONT 242“ baten zum EBM Oldshool Tanz und zu meiner großen Verwunderung kamen nicht ganz so viele, wie ich gedacht hätte. Offensichtlich hatten die meist jüngeren Anhänger des zuvor mit „BLUTENGEL“ aufspielenden Chris Pohl nicht alle Lust, den beiden Rampensäuen in den seltsam bläulichen Outfits zuzuhören. Auch gut, war mehr Platz für uns ältere EBM Abhängige. Wie gewohnt wurde das Liedgut krass laut von den Herren Jan-Luc de Meyer und Richard 23 ins willige Publikum geshoutet, was zeitweise auf bizarre Weise wieder mal an eine Rapdarbietung erinnerte. (natürlich viel schneller und zu guter Musik…)  Mit Klassikern wie „Body to body“ oder  „Dont crash“ wurde dem von allen ersehnten ersten Höhepunkt entgegengefiebert und schon zur Mitte des Sets wurde das Verlangen befriedigt: Der „Headhunter“ hielt endlich Einzug und macht uns glücklich – wobei ich persönlich eigentlich „Quite unusual“ am allerallerfeinsten fand. Sound war o.k., die Pogofraktion schnell und gemein und dunkel wurde es dabei auch endlich.

Ein perfektes Ende für (m)ein schönes Festival

Bericht: Matze die Ratze

Fotos: Marcel

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