Metal Invasion 2010

  • Datum: 15. - 16.10.2010
  • Ort: Passau
  • Besucher: 1000
  • Tickets: 38 Euro + VVK

Der Passauer ist ja allerhand gewohnt: Jedes Jahr im September muss er mit anschauen, wie sich Heerscharen halbtrunkener Trachtenträger durch die Straßen seiner Stadt wälzen, um auf der Dult (etwa vergleichbar mit dem Münchner Oktoberfest) so richtig die Sau rauszulassen. Wenn aber dann im Oktober eine etwas andere Klientel in martialischen Bandshirts, Camo-Hosen und Rangers anrückt, reibt sich manch braver Niederbayer schon etwas verdutzt die Augen und fragt sich: "Mei, wo wollen die denn hin?"
Die Antwort lautet: Zur X-Point-Halle, wo es auch dieses Jahr wieder die Fans der etwas härteren Klänge zur Metal Invasion zog. Nach einem für die Veranstalter wohl nicht allzu befriedigenden Interludium in Ruhstorf (Metal Invasion 2009; wir berichteten) war man - schon totgeglaubt - in die angestammte Passauer Location nach zurückgekehrt, um einmal mehr die Fetzen und Haare fliegen zu lassen. Sehr cool dieses Jahr auf dem (erstmals ausverkauften!) Festival: Der nebenliegende Parkplatz, auf dem dieses 2010 endlich einmal so etwas wie Camping- und Festival-Atmosphäre aufkam (ein paar Mutige ließen sich sogar trotz eisiger Nächte nicht vom Zelten abbringen).

Freitag, erster Festivaltag:

Die eigentliche Invasion 2010 startete jedoch erstmal mit organisatorischen Problemen. Wer schon zur planmäßigen Einlasszeit (13:00) gekommen war, stand erstmal vor verschlossenen Toren. Die öffneten sich erst kurz nach 14:00 Uhr, und auch dann war man drinnen alles andere als vorbereitet auf unser Kommen: Die Gästeliste war nichtmal ausgedruckt, an der Kasse waren weder Pressebändchen, noch Fotopässe vorhanden, und als wir immerhin unsere Bändchen hatten und zum Fotograben stratzten (für den die Bändchen angeblich vorerst ausreichten), wies die nette Dame uns dort ab und verlangte nach Pässen. Hinzu kam, dass niemand vom Personal uns wirklich weiterhelfen konnte oder von irgendetwas eine Ahnung hatte, so dass wir uns arg an das Asterix'sche "Haus, das Verrückte macht" erinnert fühlten. Nachdem wir durch viele Paare Hände gewandert waren, von denen keines so recht wusste, was die anderen taten, hatten wir dennoch irgendwann unsere Bändchen und Fotopässe zusammen - allerdings auch weite Teile der ersten Band verpasst.
:::Maxi




Viel zu verpassen gab's da aber zugegebenermaßen nicht. Die Aufgabe der ersten Band des Festivals fiel dieses Jahr Full of Anguish zu, einer Passauer Lokalband, deren Fronter eher an einen brünftigen Elch, als an einen Sänger erinnerte: An den grölenden Röhr-Vocals, die ganz beiläufig noch die englische Sprache mit ihrer fürchterlichen Bavaro-Aussprache malträtierten, darf jedenfalls noch gearbeitet werden. Auch die dazu servierte Gitarrenarbeit ließ echte Glanzmomente vermissen und dümpelte meist im Midtempo-Mittelmaß vor sich hin. "Was man aber aber mit Qualität nicht hinbekommt," muss die Band sich gedacht haben, "das kann man wenigstens mit Brüsten kompensieren" - und hatte prompt eine Tänzerin mit auf die Bühne gebracht, die zu den einförmigen Liedern fleißig mit den Hüften wackelte und sich nach ein paar Titeln weiterer Textilien entledigte. Auch gab man sich alle Mühe, den mangelnden Zuspruch des spärlichen Publikums mit Hybris zu überspielen: Die knapp 30 schockstarr dastehenden Seelen vor der Bühne deutete man kurzerhand in "jubelnde Fans" um und freute sich, dass einer der Songs auf dem Festival sogar "Weltpremiere" feierte. Wie auch immer diese Band es ins Festival-Lineup geschafft hat - als der Spuk nach 30 Minuten endlich vorbei war, dürfte das kaum jemand wirklich bedauert haben.
:::Maxi




Nach der gähnenden Leere bei Full of Anguish füllte sich der Zuschauerraum nun allmählich. Nicht umsonst, denn mit U.G.F. war eine echte deutsch-österreichische Abrissbirne in die Halle gewalzt. Die Marschrichtung der Underground Groove Front: Death Metal (mit viel Groove, versteht sich). Was anfangs noch mit Titeln wie dem doomigen "The Underground Lives" begann und dem Publikum zunächst nur wohlwollendes Nicken entlockte, steigerte sich im Laufe des Auftritts erheblich. Innerhalb kürzester Zeit zogen U.G.F. eine Menge Mosher an, die zu den - für seine Statur sehr beachtlichen - Screams und Grunts von Sänger Roland Kössler einen wilden Pit anzettelten. So wütete man sich energisch durch eine ganze Reihe von Prügelnummern, von "Built to Resist" bis zum Crowbar-Cover "Broken Glass". Zum Absch(l)uss gab's dann sogar noch eine "deutsche Nummer": Mit dem düsteren "Menschenfeind" holten U.G.F. nochmal den Rest aus ihrem Publikum heraus und beendeten einen klasse Auftritt mit einem klasse Titel. Wer danach nicht aufgewärmt war und heiß auf mehr, der sollte beim Frühstück demnächst mal das Valium weglassen!
:::Maxi




Das Publikum traf langsam ein, Darkfall begann zu spielen, und das mit durchschnittlichem Melo-Death. Mit Ihren Songs wie "Phoenix Rising" und einer gelungen Cover Version Von Lady Gagas "Pokerface" machten die Jungs ordentlich Stimmung und aus den wenigen Bangern zu Anfang wurden schnell mehr. Mit dem Pöbel wurde angestoßen und in brutalstem Ösi-Deutsch teilten die Jungs mit, dass sie das erste Mal in unseren Landen auftraten. Insgesamt eine lustige Truppe, die mit viel Gepose auch viel Spaß gemacht hat.
:::Simon




Als nächstes wurd's oldschoolig. Ein wenig zumindest. Denn bei der Passauer Lokalformation Steel Engraved gab's erstmals an diesem Tag auch reinrassigen Heavy Metal um die Ohren - komplett mit Lederoutfit und (etwas exzessiv genutzter) Heul-/Vibrato-Stimme. Stilistisch irgendwo zwischen Manowar und Iron Maiden zu verorten, lieferten die Fünfe zwar sicher nichts Brandneues ab - kopierten ihre Vorbilder jedoch grundsolide und kamen noch dazu recht sympathisch rüber. Das merkte auch das Publikum irgendwann: Nachdem die Meute sich den ersten Teil der Show über nur warmgehört hatte, wurde spätestens bei "Stainless Steel" ordentlich mitgegebangt und zu den elegischeren Teilen des Titels auch Feuerzeuge entzündet. Als Steel Engraved sich nach 40 Minuten Action mit "I Am the One" verabschiedeten, konnten sie daher absolut zufrieden sein, hinterließen sie doch einen gut aufgewärmten Zuschauerraum, der bereit war für mehr.
:::Maxi




Big Ball präsentierten einen Rock/Death-Mix, der sehr an AC/DC erinnerte. Es war ein sehr kurzer Auftritt, bei dem nur drei bis vier Lieder gespielt wurden und ich vermute, dass einige auch Coverversionen der eben genannten Rockband waren. Zum Schluss wurden die Jungs einfach von einer jungen Dame mit "Blut" begossen, und schon standen nicht mehr Big Ball auf der Bühne, sondern Debauchery.



Dann wurde mit ein paar Flammen und "Continue To Kill" der Death Metal Gig begonnen und die ersten Moshpits waren zu sehen. Die Frage nach einem Songwunsch von Seiten des Publikums wurde mehr oder weniger kommentarlos mit dem Hinhalten eines begrünten Zweiges beantwortet und Sänger Thomas verstand sofort. Also wurde "Blatt für den Blattgott" vorgetragen, zu dem die Meute ordentlich bangte. Die Screams waren leider gewohnt mickrig, aber das machte der Rest der Musik mal locker wieder wett.



Gegen Ende gab es dann noch eine kleine Strip-Show einer jungen Frau, die sich ebenfalls mit Blut beschmiert hatte. Viel Sinn machte diese Aktion nicht, aber hey! Seit wann macht Death Metal Sinn?
:::Simon




Illdisposed hatten nach eigener Aussage seit Mai nicht mehr zusammen gespielt, doch das hörte man den Jungs wirklich nicht an. Mit gewohnt lockeren Sprüchen, die selten im Kontext zu den Songs standen, grunzte und screamte sich Frontmann Bo durch den Auftritt. Mit "I Believe In Me", "Now We Are History" und ähnlichen Knüppelballaden wurde der Meute ordentlich eingeheizt, die das ganze mit Moshpits und Gebange belohnte. Neben Lobeshymnen auf die anwesenden Damen, die " hübsch und deutsch" sind, gab es noch einen laschen Saufspruch: "Prost, ihr Säcke", "Prost, du Sau". Ein netter Gig einer merkwürdigen Band.
:::Simon




Spätestens jetzt war die Halle brechend voll, der Sodom-Auftritt in Reichweite. Doch bevor mit den Urgesteinen aus dem Ruhrpott noch einmal die richtig alten Geschütze aufgefahren wurden, gab's auch für die Jüngeren auf dem Festival noch was auf die Ohren: Ektomorf waren angetreten, um auch einmal zu zeigen, wie moderner Thrash Metal klingen kann. Richtig zünden wollte der Groove-betonte, stark an Soulfly erinnernde Sound der Ungarn zunächst jedoch nicht. Dabei haben gerade die Texte der Band, die sich gegen die Diskriminierung der Roma-Minderheit in der Donaurepublik richten, angesichts der der Pariser Massen-Abschiebungen auch in Zentral- und Westeuropa unverhofft an Aktualität gewonnen. Zum Glück haben sich Ektomorf in den letzten Jahren nicht nur eine Menge neuer Alben, sondern auch beachtliche Entertainer-Qualitäten erspielt, und so brachte Sänger Zoltán „Zoli“ Farkas nach kleineren Startschwierigkeiten schnell den Funken ins Publikum: Spätestens beim dritten Titel hob die Hütte ab und es wurde euphorisch geklatscht, gesprungen und gebangt. Als Ektomorf nach einer guten Stunde Sodom den Platz räumten, hinterließen sie ein glückliches Publikum, das heiß auf mehr war.
:::Maxi




Sodom! Die deutsche Thrash-Legende stand auf der Bühne, um mal richtig Party zu machen. Es wurden wirklich nur die alten Hits rausgekramt und so bekam man "The Saw Is The Law", "Outbreak Of Evil", "Blasphemer" und "Sodomy And Lust" auf die Ohren und es machte tierisch Spaß. Es wurde gemosht, gebangt und trotz der kleinen Halle sogar gesurft. Die Bude war brechend voll. Als "Stumme Ursel" anstand, kaufte unser onkel Tom einem Metalfan seine Gummipuppe ab, um sie "Lady Gaga" zu taufen und anschließend den Song vorzutragen. Natürlich durften auch die Mitgröhlsongs nicht fehlen und so wurde die Menge mit "Bombenhagel" (ohne Nationalhymne), "Wachturm" und "Rember The Fallen" bombadiert. Ich liebe diese alten Hunde! Ein abolut gelungener Gig zum Ende des ersten Festivaltages!
:::Simon


Samstag, zweiter Festivaltag:



Terminus Kill stellten die erste Band des zweiten Festivaltages dar und machten ihre Sache gar nicht schlecht. Die Teilnahme des Publikums war nicht besonders groß - was in der Natur der Sache liegt - aber für die erste Band nicht schlecht. Es gab doch tatsächlich einige Banger und hier und da ein geschwenktes Feuerzeug. Der Neuzugang an der Gitarre wurde kurz vorgestellt, ein Kerl namens Patrick und anschließend "Once For All" vorgetragen, zumindest vermute ich dass der Titel so lautete. Kurzer Gig, der doch ganz gut ankam.
:::Simon




Tja, kaum Leute anwesend, maximal 30-40 Leute, von denen vielleicht 10 vor der Bühne standen, um sich The Morphean anzuhören. Zwar wurden es mit der Zeit mehr, aber dennoch nicht mehr 60 Zuschauer. Es war der erste Auftritt der Truppe und das schlug sich sehr in den schwachen Versuchen der Stimmungsmache nieder. Ein netter Versuch, aber da gehört noch viel Übung rein.
:::Simon




Ein wenig ungewohnt, der Anblick von zwei Schlagzeugen, aber Tuxedo setzten die Sache mehr oder weniger gut um. Das Publikum war ein wenig überfordert von der eigensinnigen Musik der Gruppe und hielt sich dementsprechend ziemlich zurück. Irgendwie erwaretete ich ein wahres Feuerwerk an Drumsoli, aber die meiste Zeit spielten beide ziemlich überschneidend, so dass man sich fragte: Wofür? Das Highlight des Gigs war wohl das Drum-Duett, für welches die Saiteninstrumentspieler von der Bühne verschwanden. Die Ernte des interessanten Schauspieles bestand aus gemütlichem Kopfnicken während und Begeisterungsrufen nach der Show.
:::Simon




Unsere alten Bekannten Scared to Death waren wieder da und es machte erneut Spaß, den Jungs zuzusehen. Aus unbekannten Gründen sprangen diese für Emancer ein und begann ihr Thrashgeknüppel mit "Deathstruction" und "Extrem Aggression". Zwischendruch wurden T-Shirts in die Menge geworfen, als kleine Belohnung für die große Teilnahme. Leider war das Mikro ein wenig zu leise, so dass man den Gesang kaum vernahm und das Publikum schon mit "Mikro lauter!"-Rufen begann. Besser wurde es nicht, aber das störte unsere bayrische Musikkapelle nicht und so wurde den Fans auch "Your Pain Is My Passion" entgegen geknüppelt. Das war echt eine gute Leistung mit der die Band wohl zufrieden sein dürfte. Weiter so, Männer.
:::Simon




Die Fleisch-Fanatiker von Ultrawurscht sind in der Metallosphäre des deutsch-österreichischen Grenzgebiets schon so etwas wie eine feste Institution. Die Halle war dementsprechend voll, als Sänger Dr. Mett Wurscht aus einem gigantischen Stück Papp-Käse sprang, das vom Publikum dann zu donnernden Blastbeats auch artig in Fetzen gerissen wurde. Lukas Haidinger, den man am Tag zuvor noch an der Gitarre von U.G.F. erleben durfte, hatte sich heute in Kochmütze und Metzger-Dress hinter die Drums gesetzt und führte von dort aus humorig moderierend durch einen spleenigen Auftritt voll von brachialem Geknüppel, mehreren Todesdrohungen an Würtschenproduzent Meica, Hetz-Propaganda gegen Käse und Kohlrabi (Titel: "Alle drecks Saubauan de an zaschissenen Koirabi o`Baun soin zum Deife noamoi krepieren") und natürlich viel, viel Wurscht. Selbstverständlich durfte da auch die legendäre Wurst-Kanone nicht zu kurz kommen, und so schoss Dr. Mett Wurscht kurz vor einer Wall of Death mit einer Bazooka Würstchen ins Publikum, so dass man sich gehörig darum balgen musste. Die sonst gebotene Kost - die Musik - war nach einer Weile zwar arg einförmig; dem Publikum war das allerdings buchstäblich Wurscht, schließlich macht bei den vier Wurschtcore-Fanatikern gerade die Show einen guten Teil des Auftritts aus. Das dachte sich wohl auch Dr. Mett Wurscht, der neben tiefen Grunts und fiesen Screams mit der Zeit auch immer mehr Kleidungsstücke verlor, bis er zum Schluss nur noch im schwarzen Herrentanga auf der Bühne stand. (Bilddokumente dieses Ereignisses wurden hier aus Rücksicht auf die weniger Wurscht-geneigte Leserschaft bewusst unterschlagen.) Als die Wurscht nach einer satten halben Stunde dann ihr berühmtes zweites Ende kam, hatte sich die Meute ihr geliebtes "Leberkaas mit Senf" gehört, sich gründlich ausgetobt und feierte die Viere für den durchweg gelungenen Auftritt gehörig ab.
:::Maxi




Emancer gönnten sich erst einmal ein pompöses Instrumental-Intro, erst dann ließ man Sänger Gorbag auf die Bühne, um - oftmals mit großer Geste - den wilden Mix aus Black, Thrash und Death Metal mit einem starken Schuss Elektronik zu zelebrieren. Viel rum kam dabei leider nicht: Nach Scared to Death waren die meisten Leute wohl zurück auf den Parkplatz oder an die Bar gegangen, so dass der Zuschauerraum mit müden 200 Seelen (nur 50 davon direkt vor der Bühne) immens verwaist war. Doch selbst von den Dagebliebenen konnte kaum einer etwas mit der dargebotenen Kost anfangen: Mehr als ein müdes Kopfnicken konnten Emancer ihrem Publikum meist nicht entlocken. Um mehr bemühte man sich aber auch gar nicht erst, denn in der Regel stand die Band etwas statisch in der Gegend herum, spielte ihre Titel herunter und begnügte sich in den Pausen damit, den nächsten Song anzusagen. So gesehen ernteten Emancer nur die Euphorie, die sie selbst mitgebracht hatten: Wenig bis keine.
:::Maxi




Black Metal-Bands haben es seit jeher schwer auf der Metal Invasion. Gerade der Sworn-Flop vor ein paar Jahren ist mir noch gut in Erinnerung, und auch der nun folgende Auftritt von Vreid sollte sich in die Riege der schwarzmetallischen Tiefschläge mit einreihen. Denn so viel Aufwand die vier Norweger sich mit den zahlreichen "Milorg"-Bühnenbannern und den (etwas argwöhnisch betrachteten) braunen Armbinden gemacht hatten: Der Black'n'Roll der Band wollte einfach nicht einschlagen. Fronter Sture Dingsøyr musste dem Publikum den Zuspruch regelrecht aus der Nase ziehen, und auf Aufforderung reichte es oft für nicht mehr als ein paar höfliche Pommesgabeln, die schnell wieder unten waren. So ganz glücklich waren daher wohl weder Vreid, noch das Publikum, als sie sich nach einer knappen Dreiviertelstunde voneinander trennten. Es gilt, was galt: Black Metal hat nicht viele Freunde unter den Invasion-Gängern.
:::Maxi




Nebel und Flammen auf der Bühne, schwarz-weiß bemalte Gestalten treten hervor, um die Welt erneut mit bösem und satanischem Black/Deathmetal zu betören. Belphegor gaben sich die Ehre, wieder einmal die Tore zur Hölle aufzustoßen, und fast alle Festivalbesucher waren da, um das nicht zu verpassen. Nur die Teilnahme war zu Beginn verschwindend gering. Der matschige Sound und das großspurige Gepose waren wohl etwas zuviel des Guten, aber das änderte sich im Laufe des Gigs, so dass langsam Bewegung in die Meute kam. Zu wildem Geknüppel und "Germania!"-Rufen seitens des Sängers wurde fleißig gebangt und teils auch gesurft. Leider war der einzige Song den ich heraushören konnte "Stigma Diabolicum", da die Soundprobleme nicht beseitigt werden konnten. Trotz meiner kritischen Haltung gegenüber den Jungs ein gelunger Abschluss meines Festivals.
:::Simon




Seit nunmehr zehn Jahren bemühen sich Kalmah, ihre Landsmänner von den Children of Bodom zu beerben. Im Gegensatz zu den Kindern vom Bodomsee hat die Band sich allerdings stets die Brachialität ihrer Anfangstage bewahrt, so dass sich auch heute noch genuine Black- und Death Metal-Riffs in den Kompositionen der fünf Finnen finden. Auf der Metal Invasion rollten Kalmah das ganze Repertoire einer Dekade auf, und boten von "Swampsong" (1999) bis zum aktuellen "12 Gauge"-Album (2010) alles, was das Sumpfbewohnerherz begehrte. Dabei gingen die Finnen ihrem Job mit einer Energie und Spielfreude nach, wie sie auf dem Festival ihresgleichen suchte. Chefsympathikus Pekka Kokko heizte seinem Publikum gehörig ein und animierte mehrfach zu Moshpit, Mattendreschen und Mitarbeit. Die brechend volle Halle nahm's gern auf und war selbst bis weit in die hinteren Reihen noch in Bewegung - eine schweißtreibende Angelegenheit, denn mit mehr als einer Stunde Spielzeit bewiesen Kalmah auch eine enorme Durchhaltefähigkeit bei konstant hohem Niveau. Verdient hatten sie ihr Bierchen daher allemal, als sie nach dem letzten Titel freudig die Schlagstöcke ins Publikum droschen und noch viel Spaß mit Eluveitie wünschten. Ein fulminanter Auftritt, für mich persönlich sogar der gelungenste des Festivals!
:::Maxi




Mit Eluveitie war es den Festivalorganisatoren einmal mehr gelungen, einen der richtig großen Namen ins beschauliche Passau zu holen. Nur zu verständlich, dass die Halle daher rappelvoll war, als Eluveitie um Punkt zehn ins kaltblaue Licht der mit Stellwänden und schickem Banner verzierten Bühne traten. "Nil" vom neuen Album "Everything Remains..." machte einen fulminanten Einstieg in einen grundsoliden Auftritt, der alte ("Your Gaulish War") wie auch neuere Hits der Band (etwa "Slania's Song" oder das unvermeidliche "Inis Mona") mit einer schicken Feuershow verband. Anfangs gab es noch kleinere Soundprobleme: Mal war die Geige, mal die Flöte, mal die Tin Pipes zu leise; man hat eben im Metal-Bereich nicht jeden Tag mit einer solchen Fülle von Instrumenten zu tun. Das Publikum, das viele Titel laut mitsang und die Schweizer in einem Meer von Pommesgabeln und kreisenden Matten badete, störte sich allerdings herzlich wenig daran. Zu "Dominion" zettelte man gar eine Wall of Death an, die in einen großen Moshpit mündete. Die Zugabe-Rufe, die nach dem Rausschmeißer "Tegernakô" ertönten, waren daher nur zu verständlich. Vielmehr, als nochmals zum Outro-Instrumental auf die Bühne zu kommen und sich feiern zu lassen, konnte die Band auf Grund des straffen Zeitplans allerdings nicht.
:::Maxi




Der letzte Act des abends sollte ebenfalls eine Folk-Band sein: Mit etwas Verspätung enterten Korpiklaani gegen Viertel vor zwölf die Bühne, um die letzten Feierfreudigen mit launigem Schwank zu bedienen. Trotz der explosiven Auftritte der vorangegangenen Bands war noch erstaunlich viel Publikum da, als die Folk-Finnen mit "Journey Man" in eine Setlist starteten, die von älterem bis neuerem Material die ganze Diskografie gut abdeckte. Dabei kamen die sechs Waldbewohner praktisch ohne größere Ansagen aus, im Gegenteil: Im Grunde mussten sie nur gut gelaunt ihre Titel herunterspielen, dann lief der Rest des Ladens schon. Ein letztes Mal droschen unten im Zuschauerraum die Matten durcheinander, fand sich ein kleiner Moshpit zusammen und löste sich irgendwann wieder in eine kleine Polonaise. Als kleine Dreingabe zum Schluss gab's noch ein (etwas schiefes) Jodel-Solo von Sänger Jonne, welches irgendwann in den letzten Titel des Abends, "Wooden Pints", mündete. Den anschließenden Jubel und Applaus nach dem Auftritt hatte sich die Band gründlich verdient, hatte sie doch einem denkwürdigen Festival ein angemessenes Ende gesetzt.
:::Maxi


Geschafft, abgekämpft, aber trotzdem glücklich torkle ich irgendwann gegen 1 über den Parkplatz nach Hause. Ein paar Nimmermüde haben es sich in ihren Wägen und Zelten bequem gemacht und packen das Bier aus, während drinnen in der Halle bereits eingepackt wird. Selbst am nächsten morgen sind noch einige von ihnen da, erst gegen Mittag leert sich der Platz. Es war das erste mal für mich, dass bei der Metal Invasion in der X-Point-Halle so etwas wie Camping-Atmosphäre aufkam - und es hat erheblich zur guten Atmosphäre des diesjährigen Festivals beigetragen.
Doch auch in der Halle, nicht nur drum herum, hat sich einiges zum Besseren getan. Die Umbauarbeiten gingen fast ausnahmslos flott und plangemäß, die Soundqualität war in den meisten Fällen schon von Anfang an gut bis sehr gut, und selbst die starke Rauchbelastung der vergangenen Festivals hat die Orga in den Griff bekommen. Auch die Lichtanlage und die Pyro-Effekte haben stark zugelegt (wenngleich es bei Letzteren nächstes Mal schön wäre, wenn das Personal am Fotograben wenigstens informiert wäre, wann die Anlage eingesetzt wird; wer als Fotograf in den Graben geht, möchte sowas gern wissen, bevor ihm die Stichflamme ins Gesicht schießt). Die Metal Invasion ist weiter gereift, und hat sich im vierten Jahr ihrer Existenz nochmals gesteigert und professionalisiert. Wenn nun noch Umsatz und Besucherzahlen stimmten, dann können wir uns auf eine eventuelle Metal Invasion Vol. V nur freuen. Thumbs and horns up!
:::Maxi