Party.San Open Air 2016

  • Datum: 11.-13.08.2016
  • Ort: Schlotheim
  • Besucher: 10:000
  • Tickets: 77,50 €
  • Redakteur: Jens Dunemann
Party.San Open Air 2016

"Ich glaube die Ehrlichkeit ist es, was dieses Festival zu einem besonderen Festival macht. Es gibt zu viele kapitalgesteuerte Festivals. Da sind wir ein bischen anders aufgestellt. Und das wollen wir auch ganz bewusst so halten." Dieses Statement von Mitorganisator Mieze im MDR-Interview sagt eigentlich alles über das PARTY.SAN METAL OPEN AIR aus. Im Kontext zur Größe gibt es nach wie vor deutschlandweit keine vergleichbare Veranstaltung, bei der man einen so hohen Gegenwert für sein hart verdientes Geld bekommt, wie im thüringischen Schlotheim. Ein Gegenwert, der weit über den rein monetären Wert der gebotenen Leistung hinaus geht. Denn selbst nach rund 20 Jahren im Geschäft merkt man zweifelsohne, dass hinter den legitimen betriebswirtschaftlichen Interessen der Veranstalter immer noch jede Menge Herzblut und Idealismus steckt, um den Fans und Gästen, das Festival Jahr für Jahr so angenehm und entspannt wie möglich zu machen und nebenbei noch für Innovationen zu sorgen. So bietet man in diesem Jahr erstmals einen Whiskey-Pub an und hat die Möglichkeit der Zeltplatzreservierungen für Gruppen massiv ausgebaut. Doch bei allem Rahmenprogramm "bierernster" Feierwut des Publikums geht es am Ende immer noch in erster Linie um die Bands, Künstler und die Musik, sei es auf der Hauptbühne oder im Zelt, wo sich seit einigen Jahren vornehmlich der "Szene-Nachwuchs" die Klinkenstecker in die Hand gibt.

Und das Line-Up bot auch in diesem Jahr einmal mehr so ziemlich alles, wonach sich Underground-Jünger auf einem Extrem-Metal-Festival dieser Größenordnung die Finger lecken. Doch der Reihe nach.

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Nachdem man den Besuchern mit dem Whiskey-Pub eine äußerst gediegene Neuerung angekündigt hatte, darf man den massiven Ausbau der (gegen Entgelt) vorreservierbaren Campingflächen und dem damit verbundenen Verlust an freien Flächen durchaus diskutieren. Denn die Reservation garantiert keinesfalls kurze Wege, allerdings kann sie zeitversetzt anreisenden Gruppen jedoch einiges an Stress ersparen. Es gilt das Windhund-Prinzip und damit die alte Tatsache "Wer zuerst kommt...", sowohl bei der Reservierung, wie auch bei der klassischen Anreise ohne Vorreservierung. Eine Vielzahl von im Vorfeld abgesteckter Claims sollte eigentlich auch der Security bzw. den Einweisern die Arbeit erleichtern, doch bei unserer zeitigen Anreise am Mittwoch-Vormittag müssen wir leider erstmalig im Bereich der freien Camping-Flächen eine komplett überforderte Crew dabei erleben, die auf den Platz strömenden Massen mit angemessenen Campingflächen zu versorgen und dabei sicherheitsrelevante Aspekte zu beachten. Letztendlich ist das Problem dann aber relativ schnell behoben und nachdem unser massiver Pavillon ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt aufgebaut wird, als sich der einzige relevant aber sturmumtoste, unwetterartige Regenguss des gesamten Wochenendes über die noch jungfreuliche Spielwiese ergießt, kehrt nicht nur Ruhe sondern feierliche Vorfreude ins alljährliche Lagerleben ein. Und diese positive Erwartungshaltung will gepflegt werden, wofür einmal mehr beim traditionellen Metal-Disko - Auftakt im Zelt mit Speis und Trank der Boden bereitet ist, wobei dem Stammkunden recht schnell auffällt, dass sowohl die Bierpreise wie auch der Preis der superben Weimarer Bratwurst leicht angezogen haben. Neben der feuchten Husche von oben haben die Meteorologen auch zielsicher den damit einhergehenden massiven Temperatursturz vorher gesagt, was des Nächtens nicht nur für ungewöhnliche Temperaturen nahe des Gefrierpunktes, sondern am Donnerstag Vormittag auch zum Wolldecken-Engpass bei einem Textil-Discounter in der Schlotheimer City sorgt. Selbst in den schattigen Nächten zu Bad Berka habe ich es in all den Jahren nie so frostig empfunden, wie in diesem Jahr zum Festival-Auftakt. Weitere Kapriolen bleiben jedoch erfreulicher Weise aus und insgesamt meinen es die Wetterfrösche mit den Veranstaltern und dem Publikum auch 2016 mehr als gut. Zwar bleibt es mitunter durchwachsen, doch mit mit voranschreitender Dauer darf sich im Verlauf der nächsten Tage mehr und mehr die Sonne durchsetzen.

 

Donnerstag, 11.08.2016

Nach der traditionellen Stipvisite in mit dem Bus ins Städtchen beginnt der Startschuss für mich mit den schwedischen Recken von MÖRK GRYNING, die sich für´s PARTY.SAN METAL OPEN AIR reformiert haben. Die traditionelle Black Metal - Breitseite der "dunklen Morgendämmerung" bleibt in den Nachmittagsstunden jedoch weitestgehend blass und lässt trotz solider Darbietung nur wenig Feeling bei mir aufkommen.(JD)

mrk gryning

mörk gryning

Nachdem ERED an mir vorbeigerauscht sind folgt gleich das erste Highlight. GRUESOME um Exhumed-Matt bieten super Endachtziger-, Frühneunziger-Death Metal, bei denen sie kein Hehl d´raus machen, dass Death zu "Leprosy"-Zeiten der Haupteinfluss ist. Mittendrin gibt´s dann auch ´nen Cover von "Open Casket". Top Band und trotz der frühen Spielzeit der Hammer.(LT) TRIBULATION gehören neben MGLA für mich (O-Ton Leif: "...eine dieser modernen Bands, die mir komplett am Arsch vorbeigehen..." nach wie vor zu den überbewertetsten Bands. Und weder die Schweden, die spätestens mit dem aktuellen Album "Children Of The Night" und ihrer angeschwärzten Version von straffem Düstermetal in aller Munde sind, wie auch die derzeitigen polnischen Lieblinge der Black Metal - Puristen sind in der Lage, mein Vorurteil zu widerlegen. Solides Material bleibt trotz gehobener, engagierter und mitunter minimalistischer Darbietung unterm Strich nichts Besonderes.(JD) Im Zelt feiert sich zum Auftakt das Veranstalterlabel War Anthem Records. Nachdem die Spanier um ERED und GRAVEYARD den Reigen auf der Tentstage eröffneten geht´s mit den schwedischen LIK zum ersten Mal so richtig zur Sache. Mit den Youngstern hat sich das Label einen wahren Rohdiamanten in Sachen Elchtod an Land gezogen und das Debut "Mass Funeral Evocation" ist spätestens mit dem Husarenritt im brechend vollen Zelt kein Geheimtipp mehr. Mir ist derzeit jedenfalls kaum eine andere Schweden-Death-Kapelle bekannt, die den Spirit der alten Dismember-Schule mit soviel Hingabe zelebriert, ohne dabei stumpf zu kopieren. Nach dieser halbstündigen, intensiven Vorstellung ist sowohl Publikum, wie auch die Band am Rande der Glückseeligkeit und es steht fest, dass die alten Recken ab sofort einen ernstzunehmenden Konkurrenten im Nacken haben und dass wir diese Jungs in Bälde auf der Hauptbühne wieder sehen werden. (JD) Auch mich können Dismember´s Erben um den ex-KAAMOS - Drummer Christofer Barkensjö überzeugen. Bei ihrem feinsten Schweden-Death wird schnell klar, dass die Tentstage mitunter um einiges geiler als die Hauptbühne ist. Fetter Sound, keine Irritationen durch Wind und speziell der Drumsound ist hier um längen besser: Die Berliner NECROS CHRISTOS sind auch jedes Mal wieder ein feines Ding. Zwar kommt die Mucke bzw. die Stimmung auf der großen Bühne nicht wirklich rüber und irgendwie kann ich die zweite Gitarre kaum vernehmen, aber trotzdem liefert das doomige Brachial-Quartett ´ne gute Show. Aber Halle passt hier für mich natürlich besser.

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necros christos 

Im Zelt geht´s anschließend mit BOMBS OF HADES weiter, die mir irgendwie zu rock'n'rollig und nicht das erwartete Schwedenbrett sind, welches schnell langweilt. (LT) Mit ARCTURUS debutiert ein weiteres Schwergewicht und ein metallischer Paradiesvogel auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR. Mit ihrem Comeback "Arcturian" konnten die Ulver-Recken Sverd, Skoll und Knut sowie Ausnahme-Sänger ICS Vortex und Schlagzeuglegende Hellhammer an das Meisterwerk "La Masquerade Infernale" anknüpfen. Auch wenn die Norweger insgesamt feinstes Breitwand-Space-(Black)-Metal Kino auf die Bühne bringen, werden leider viele technische und spielerische Finessen zum einen Opfer des Windes, zum anderen ärgerlicherweise jedoch auch der getriggerten und übersteuerten Bassdrum. Musikalische Highlights sind neben meinem fehlenden persönlichen Highlight "Alone" zweifelsohne "The Chaospath", "To Thou Who Dwellest In The Night" und "Angst". Kollege Leif kommentiert den Gig der Norweger stattdessen lieber mit "Watt´ nen Kack" und ärgert sich den Allerwertesten wund, warum er nicht früher zu ins Zelt entschwunden ist, um der sächsischen Death Metal - Ikone PURGATORY zu huldigen, die - wie er danach betont - immer wieder ein Fest sind. (JD)

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arcturus

Anschließend ist auch schon der erste Headliner an die Reihe. OBITUARY sind wie gewohnt gut, aber nix Besonderes. Das Songmaterial insbesondere der ersten drei Scheiben ist natürlich der Killer und die Liveshow ist auch um längen besser geworden. Super Band, die mit dem Material im Köcher einfach nicht schlecht sein kann aber ich habe sie wohl einfach zu häufig gesehen, um hier noch in Begeisterungsstürme auszubrechen. Und dann ist da ja noch ´ne Rausschmeißerband am Start. Die alten Goten von PARADISE LOST wollen nochmal richtig einen drufflegen und spielen die komplette "Lost Paradise" durch. Am Arsch..., natürlich nicht, kann man auf einem Death Metal - Festival eigentlich auch nicht erwarten.

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Na gut, trotzdem gibt es immer noch einige lange nicht mehr gehörte Highlights der Folgescheiben zu hören. Kann mich noch an "Rapture", "Eternal" und "Dead Emotion" ("Gothic"), "As I Die" ("Shades Of God") und an "Embers Fire" ("Icon") erinnern. Gesanglich war es dann doch recht mager: cleaner Gesang top, DM-Vocals schwach. Ob so eine Band jetzt wirklich den Headliner machen sollten, man weiss es nicht. (LT) Eine Frage, die ich persönlich ganz klar mit ja beantworten kann. Klar, die Live-Darbeitungen haben nicht nur in der Vergangenheit qualitativ immer wieder mal extrem gestreut. Aber die Briten präsentieren sich auf dem diesjährigen PARTY.SAN METAL OPEN AIR als würdiger Abschluss des ersten Festival-Tages, den sie mit Spielfreude, Humor, gutem Sound und einer mit zahlreichen unverhofften Klassikern gespickten Setlist würdevoll meistern. Nicht erst mit seinem Bloodbath-Gig im vergangenen Jahr hat "Old-Nick" der Welt gezeigt, dass er mit seinem Organ durchaus noch in der Lage ist, todesmetallische Gefilde zu erreichen. Und dass ist wesentlich besser, als wie die alten Gothic Metal - Heiligtümer à la "As I Die" melodisch zu "zersingen". Mut beweisen Paradise Lost darüber hinaus mit der Zugabe, für die man ausgerechnet das poppige "Say Just Words" vom "One Second"-Album rauskramt. Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass der Song an dieser Stelle vor einem Publikum mit vornehmlich death- und blackmetallischen Vorlieben funktioniert. Doch der Erfolg gibt ihnen recht und somit verkriecht sich ein beseelter Fan der ersten Stunde nach einem ereignisreichen und musikalisch abwechslungsreichen Auftakt mit dem abschließenden Salutschuss der Festival-Kanone "Esmiralda" ins Zelt.

 

Freitag, 12.08.2016

Gore Grind und Black Metal mit SPASM und ISVIND zum Frühstück. Sehr schön, da kann man noch gepflegt ´nen Bierchen am Zelt trinken. Gut gemacht. Für mich kommen dann als erste Band SUICIDAL TENDENCIES auf die Bühne. Lang muss ich auf "War Inside My Head" warten und werde bitterlich enttäuscht. Kommt nicht. Na gut, dafür gibt's ´nen ordentlichen Batzen anspruchsvollen Slam auf die Mütze. Im Gegensatz zu viele anderen Bands aus dem Bereich, verstehen es KATALEPSY um den "kleinen Mike Muir-Bruder" eingängige, technisch versierte und old school beeinflusste Mugge zu zelebrieren. Ich mag´s.

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katalepsy

Goatwhore

goatwhore

Kein Plan was bei GOATWHORE los ist. Ich war in der Vergangenheit bestimmt schon fünf oder sechs Mal auf Konzerten, bei denen die Amis auch dabei waren, aber gesehen hab ich sie noch nie. Und auch in diesem Jahr verpasse ich sie. Naja, Fluch oder einfach nur Abneigung? Weiter geht es mit einer großartigen Crustkeule, dargeboten mit Lust und Energie. Alter Schwede, mit WOLFBRIGADE kommt mal ein ordentlicher Hassbatzen. Die Jungs überzeugen total. Fette, sägende Gitarren, fetter Drumsound und ein ordentlich hasserfüllter Sänger. So mag ich Crust. Gerne wieder, aber dann bitte in ´nem kleinen Club. Danach folgt ein krasses stilistisches Break. OBSCURA sind neben ihrem musikalisch über jeden Zweifel erhabenen technischen Progressive-Death in letzter Zeit eher durch öffentlich ausgetragenen Bandzwist aufgefallen. Klar, super, technischer Death Metal, mit neuer Mannschaft technisch sauber bis fast schon arrogant vorgetragen, der mir gut gefällt. Aber Formationen, die ihren Scheiß in der Öffentlichkeit austragen sind mir insbesondere heute ein bisser´l zu obskur(a). (LT) Im Zelt eröffnet das Golfsburger Death-Doom-Dreigestirn CRYPTIC BROOD. Was den Jungs an Eigenständigkeit fehlt, machen sie mit Engagement, Live-Präsenz und einem Gespür an simplen, rohen Kompositionen wett, sowohl auf ihren Demo-, EP- und Split-Veröffentlichungen, wie auch auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR.

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cryptic brood

Manchmal ist weniger mehr, aus dieser Devise machen Cryptic Brood eine Tugend. (JD) Fett, finde auch ich die Jungs aus Wolfsburg. Eine gute Mischung aus Funeral Doom und simplen Frühneunziger-Death Metal in Richtung Finnland und New York mit meinem Tipp für Schlagzeuger Steffen, die Drumsticks am besten nächstes Mal an die Hände kleben, dann fliegen ´se nicht immer davon, hehe.(LT) BÖLZER schaffen es am Nachmittag bei Tageslicht auf der großen Hauptbühne leider nicht, ihre ureigene atmosphärische Zwei-Mann-Wand zu entfesseln. Trotz solider Leistung sind "Abnutzungserscheinungen" der "Aura"- und "Soma"-EP´s, trotz eingestreutem Neumaterial vom kommenden Debut aufgrund der Live-(Über?)-Präsenz unübersehbar. Der wenig optimale Sound tut sein Übriges. Es wird tatsächlich Zeit, dass "Hero" erscheint. (JD)

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bölzer

Ja, mal wieder so 'ne Band, mit der ich gar nix anfangen kann. Ziemlich öder Death/Black Metal. Ist bestimmt modern und total trendy, mir reichen zehn Minuten, um total gelangweilig zum Bierstand zu hampeln. Während die sich das War Anthem - Kommando VIDARGÄNGR über klirrend und rasend über die Zeltbühne fröstelt rauscht macht sich der erste Festivaldurchhänger in mir breit. ANGELCORPSE und IMPLORE fallen dem zum Opfer. Im Falle letzterer kann ich es verschmerzen, habe ich die Band mit ihrem angeschwärzten Grind in letzter Zeit des öfteren gesehen. Im Falle der Amis könnte ich mich in den Allerwertesten beißen, auch wenn die Meinungen aus meinem Umfeld über die Leistung doch von "ziemlich öde" bis "der totale Hammer" sehr weit auseinander gehen. Ich weiss nicht, ich weiß nicht.

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angelcorpse

 

Schon auf dem In Flammen - Festival konnte ich nix mit DESTRÖYER 666 anfangen, zumal sie mit dem "Iron Fist"-Cover Sodom vorweg nehmen. Ist mir zu true und wer zum Trinken auffordert, der soll sich nicht wundern, wenn man´s macht...(LT)

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deströyer 666

Die deutschen Shooting-Stars DECEMBRE NOIR aus dem FDA-Stall feiern die Veröffentlichung ihres Zweitwerks "Forsaken Earth" auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR. Die Vorstellung des Materials, welches stilistisch im Bereich des melancholischen Death-Doom anzusiedeln ist, gerät für die Jungspunde aus Thüringen zum Siegeszug. Einen Originalitätspreis gewinnt man damit zwar noch nicht aber in Songs und Band steckt jede Menge Potenzial, das in Verbindung mit der hingebungsvollen Performance deutlich zeigt, dass man DECEMBRE NOIR in Zukunft auf dem Zettel haben sollte. Das Publikum im brechend vollen Zelt weiß das ohnehin schon und huldigt dem Quintett entsprechend.(JD) Ja, und mal ´ne Überraschnung. Wurde mir davor eingeredet, dass es mir eh´ nicht gefallen wird, kann ich mich selbst überzeugen, dass es sehr wohl etwas für mich ist. Grob gesagt gehen Decembre Noir in Richtung alter My Dying Bride oder Anathema und Katatonia, nur dass die Jungs einen großen Bogen um die kitschigen Sachen machen und zudem ´ne wirklich fette Atmosphäre in ihren Songs haben. Fazit: Super Live-Band, die ich mir unbedingt nochmal auf Scheibe geben muss. Tja, EQUILIBRIUM habe ich immer erfolgreich ignoriert und (fälschlicherweise?) in die Heidenkackecken-Schublade gesteckt. Naja, wirklich prickelnd ist der Dummi Burger-geschwängerte Black Metal jetzt auch nicht wirklich, aber wenigstens fabrizieren sie keine Heidenpolka. Nicht schlecht, aber ziemlich langweilig mit der Zeit, so dass ich mir nicht die ganzen 30 Minuten geben des relativ simplen Death Metal aus dem Hause BODYFARM geben kann. Hier fehlt mir einfach die Durchschlagskraft.

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Ha, DYING FETUS sind für mich die einzige Band, bei der der Drumsound auf der Mainstage passt. Was soll man zu dieser Band noch großartig sagen, entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Ich lieb sie und schaue sie mir auch beim 20. Mal noch gerne an. Super Liveband und technisch perfekt. Ohne große Erwartungen gehe ich an EXODUS ran und das zu Recht.

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Ich mag den Uptempo-Thrash der Jungs nicht wirklich. Komisch auch, dass alles bei den amerikanischen Kult-Thrashern extrem laut und übersteuert ist. Respekt, dass sie den Krams seit über 30 Jahren durchziehen und letztendlich auch nicht ausgewimpt sind, aber wirklich berühren tut´s mich nicht. CARCASS. Wollt ich mir eigentlich aus Prinzip nicht angucken, nachdem ich sie damals auf dem Neurotic Deathfest einfach nur lächerlich fand. Naja, zunächst gibt es ´ne Ladung neuer Songs und die relativ langweiligen Songs von der „Heartwork“ und „Necroticism“. Aber der letzte Teil der Show ist dann doch der Hammer und die Jungs haben dann am Ende eigentlich doch alle Klassiker gespielt. Fazit: Carcass haben wieder was gut gemacht. (LT)

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Die britischen Grind-Urgesteine sind letztlich ein würdiger Headliner des zweiten Festivaltages. Ich hatte ebenfalls keine großen Erwartungen, da Carcass für mich bei ihrem 2013er Debut auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR, ebenfalls auf der Headliner-Position, ziemlich blass geblieben waren. Heute stimmt jedoch alles: Knackiger Sound, abwechslungsreiche Setlist,eine gleißende Lichtshow und Musiker mit Spielfreude und guter Laune. Komisch nur, dass das Spektakel nach einer knappen Dreiviertelstunde bereits vorbei ist. Ich hätte durchaus noch Geschmack an mehr gefunden. Allerdings sollte man nicht unerwähnt lassen, dass sich die Reihen vor der Hauptbühne schon sehr gelichtet hatten und man Zugabenrufe allenfalls vereinzelt vernehmen konnte. (JD)

 

Samstag, 13.08.2016

Cowboy Bob & Trailer Thrash, Bonsai Kitten oder die grandiosen Cashley. Der traditionelle Frühschoppen-Auftakt im Zelt des finalen Festival-Tages war bisher immer genre-verwandten (Cover-)Formationen vorbehalten, die allen Wachgebliebenen und "Frühaufstehern" mit Country-, Rockabilly oder auch mal Punk-Einflüssen zur Vormittagszeit den Gerstensaft (wieder) schmackhaft machen sollten.

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asomvel

In diesem Jahr geht es jedoch mit ASOMVEL gleich morgens um zehn gleich wieder so richtig in die vollen. Und einen schöneren, vor allem aber besseren Tribut an den hochverehrten, verstorbenen Lemmy hätten Mieze und Boy kaum aus dem Hut zaubern können. Das britische Power-Trio existiert in wechselnden Besetzungen bereits seit 1993 und atmet den Geist von Motörhead in beängstigender Art und Weise. Und das liegt nicht nur an der Tatsache, dass man mit Sänger/Basser Ralph einen Frontmann in den Reihen hat, der in allen Belangen frappierend an den "jungen" Godfather of Rock ´N´Roll erinnert, inklusive Rickenbacker Bass. Erfreulicherweise sind die drei für einen Rip-Off musikalisch einfach zu gut und Ralph einfach zu authentisch, dass man es sich mit eigenen Krachern der Marke, "The Nightmare Ain´t Over", "Kamikaze" oder "Railroaded" während des gesamten, gut anderthalbstündigen(!) Sets locker leisten kann, auf Cover der offenkundigen Vorbilder zu verzichten. Die Stimmung im Zelt kocht folglich, bevor der Tag richtig begonnen hat, der Durst ist groß, das Bier schmeckt und alle sind zufrieden. Asomvel dürfen gerne wieder kommen. Chapeau an die Veranstalter, dass sie diese Band aufgetrieben haben. (JD) Nachdem ich meinen Körper bei Asomvel und RECTAL SMEGMA so gar nicht davon überzeugen konnte, vor die Bühne zu gehen, geht´s weiter mit IRON REAGAN. Die Band konnte ich bisher gar nicht einordnen,aber beim ersten Ton des Sängers ist klar: Municipal Waste - Sänger und die Mucke geht in die gleiche Richtung, wenn auch ´nen Zacken mehr Hardcore mit reingemischt ist. Somit mähen sie mir auf jeden Fall die letzten Schlaffalten aus dem Gesicht und mit dem Cannibal Corpse - Klassiker "A Skull Full Of Maggots" legen sie auch ´ne perfekte Covernummer hin. Der Song komplett im Thrash Gewand klingt wirklich sehr, sehr geil!(LT)

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SVARTTJERN und SULPHUR AEON gehen mir im folgenden durch die Lappen, was bei den norwegischen Schwedenblack-Liebhabern verschmerzbar, im Falle der deutschen Antwort auf Morbid Angel und Behemoth ärgerlich ist. Die Griechen-Thrasher der SUICIDAL ANGELS sind wie ihre holländischen Kollegen nicht nur auf Langrille, sondern auch auf der PARTY.SAN-Bühne solide unterwegs, aber mich konnten die Jungs schon 2010 nicht wirklich überzeugen, fehlt es dem Material einfach an Substanz. Das sollte man von MEMORIAM normalerweise nicht erwarten. Kaum eine Death Metal - Combo hat in den letzten Jahren derart Erwartungen geschürt, wie die Band aus dem Umfeld der (Ex-) Bolt Thrower- und Benediction-Mucker Karl Willets und Frank Healy. Insbesondere die "Hellfire Demos" Siebenzoller ließ in diesem Jahr schon einmal aufhorchen. Diesen guten Eindruck können die Ikonen des britischen Death Metal, die just einen Vertrag beim Branchenriesen Nuclear Blast unter Dach und Fach bringen konnten live leider nicht bestätigen. Mehr als gefällig kann man den Set des Quartetts, dem es mit nur einer Gitarre merklich an Durchschlagskraft fehlt, nicht bezeichnen. Der vom Winde verwehte Gesamtsound macht es nicht besser. Dass man den Set mit Cover-Versionen auffüllt ist eigentlich kein Problem aber insbesondere die beiden Bolt Thrower-Klassiker sind ein Schatten ihrer selbst und es grenzt schon fast an Leichenfledderei, diese so schwachbrüstig zu präsentieren. Auch wenn ich mir wesentlich mehr erhofft hatte, liefern müssen Memoriam letztendlich mit dem Debut im Frühjahr und ich bin mir sicher, dass man dann wieder Boden gut machen wird. Nachdem MOSAIC auf der Tentstage eröffnen durften geht´s für mich mit NIFELHEIM weiter. Die sind so giftig und garstig, wie ihr beeindruckendes Schlangenkopf-Backdrop cool ist. Leder, Nieten, Corpsepaint, in Verbindung mit den Gustavsson-Krawallbrüdern bzw. ihrem räudigem angeschwärzten Thrash Metal, besser lässt sich das Bier in der Nachmittagssonne kaum genießen. (JD)

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nifelheim

MOR DAGOR bieten im Zelt klassischen "Baller Black Metal", nicht mehr, nicht weniger. Gut umgesetzt, guter Sound aber auch nicht wirklich reizend. (LT) War ich von GRAVE 2014, trotz einer rein musikalisch grundsoliden Leistung, noch ziemlich enttäuscht, so macht Ola Lindgren mit seinen drei Mitstreitern heuer wieder einiges an Boden gut. Nicht nur der Frontmann ist gut drauf, die rohen und ungeschminkten Schweden-Death-Stampfer gehen mir heute wesentlich besser in die Beine und in den Nacken. Und doch entfaltet das Quartett seine volle Wirkung im kleinen Club noch wesentlich besser. Doch das ist Erbsenzählerei. (JD)

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Wie angekündigt, gibt es dann die würdige Bolt Thrower-Schlagseite in Form von den Emderanern WEAK ASIDE. Schon wirklich fett, was die Bengels da auf der Tentstage abziehen. So muss 90er Death Metal im Jahre 2016 klingen. Die größte Enttäuschung des Festivals sind ohne Frage IMMOLATION. "Die hab ich noch nie kacke gesehen" meinte ich noch vor der Show. Na ja, nun schon. Wie kann eine solche Band mit nur einem Gitarristen auf Tour gehen? Wie kann man so´ner Band, so einen beschissenen Drumsound mischen? Man, man, man... Hoffe das war nur ein Ausrutscher.

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Uhh, anschließend hab´ ich mich wieder so gefühlt, wie 1997, als ich Krisiun zum ersten Mal live gesehen hab. Abriss! Wahnsinn, was die Brasilianer da zaubern und der Sound ist für das Geholze auch mehr als brillant. Was soll man dazu noch sagen? BRAZILIAN DEATH METAL rules! Während die norwegischen Schwarzheimer von TAAKE mit Standard-Kost krampfhaft zu schocken versuchen überzeugen die berliner Occult-Deather DROWNED als Abschluss im Zelt vollends. Da stimmt alles von hinten bis vorne. Sound super, Songs super, Sonne fast weg. So soll es sein.(JD/LT) 2012 wurde SODOM leider nicht der Respekt (Position im Billing und Spielzeit) entgegen gebracht, der einer Formation gebührt, von der mindestens die Hälfte aller Combos, die in den vergangenen Dekaden auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR die Klinke in die Hand gegeben haben, in irgendeiner Weise beeinflusst wurde. Tom Angelripper, Bernemann und Maka machen richtig Spaß und glänzen mit guter Laune, Spielfreude und sind damit weit entfernt von einer "Standard-Altherren-Bühnenshow". Klar, bei der Setlist samt (u. a.) "Ausgebombt", "Remember The Fallen", "Tired And Red", "Sodomy And Lust", "Outbreak Of Evil" sowie "Stigmatized" oder "City Of God" kann man auch nicht viel verkehrt machen. Das Ruhrpott-Trio überzeugt und erfüllt alle Hoffnungen, die ich in Onkel Tom und seine Mannen gelegt habe.

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AT THE GATES haben danach die Ehre, den Schlusspunkt unter das diesjährige Festival zu setzen. Und sie machen das bravourös. Ich muss zugeben, dass ich die Jungs bisher noch nie live erleben durfte und darüber hinaus mit dem 2014er Comeback-Album relativ wenig anfangen kann, wie mir der Hype um den heiligen Gral "Slaughter Of The Soul" bis heute ziemlich suspekt ist. Liegt mein persönliches Vermächtnis der Mannen um Tompa Lindberg doch eher im Schaffen vom "Gardens Of Grief"-Demo bis zu eben jenem, keineswegs schlechten Schweden-Death-Opus, welches bis heute als Blaupause für die Melodic- und Göteborg-Fraktion nicht nur von der Metalcore-Community bis zum Erbrechen widergekäut wurde. Doch auch wenn die Setlist erwartbar von "Slaughter Of The Soul" dominiert wird, haben sie doch neben dem aktuellen "At War With Reality"-Material durchaus noch Platz für den einen oder anderen meiner Favoriten wie "The Swarm" oder auch "Kingdom Gone". Eine souveräne Performance mit jeder Menge Hingabe und Bewegung, dazu ein transparenter, knallharter Sound sowie eine stimmige Lichtshow, fertig ist die Show eines würdigen Headliners und das PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2016 kurze Zeit später mit dem abschließenden Salutschuss schon wieder Geschichte.

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Bleibt uns nur festzuhalten, dass Veranstaltern und Crew insgesamt einmal mehr einen großartigen Job gemacht haben und Fans und Publikum wieder einmal ein entspanntes und in allen Belangen abwechslungsreiches Wochenende geboten und das Angebot wieder ein Stück weit weiter entwickelt haben, ohne dabei in Kirmes-Gefilde abzudriften. Dafür Dank, Anerkennung und Respekt! Und es gibt nach den einleitenden Worten aus dem Fernseh-Interview keinen Grund, daran zu Zweifeln, dass Mieze und Jarne ihren eingeschlagenen Weg auch im kommenden Jahr für ihre "Kundschaft" konsequent fortführen werden. Nicht unerwähnt bleiben soll die fantastische Idee, teile der diesjährigen Merchandise-Kollektion mit exklusiven Motiven aus der Feder von Dan Seagrave auszustatten. Das schreit geradezu nach einer Fortführung.

In diesem Sinne, wir freuen uns schon auf´s nächste Jahr!

Die Twilight-Jury für das PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2016:

Katrin Truckenbrodt (KT) & (Fotos), Leif Timm (LT), Tobias Trillmich (TT), Carsten Brandt (Fotos) und Jens Dunemann (JD)

 

Bisher sind für das PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2017 vom 10.-12. August die folgenden Acts bestätigt:

NECROPHOBIC

VADER

URFAUST

DESASTER

MOURNING BELOVETH

HADES ALMIGHTY

CRYPTOPSY

ABBATH

CANDLEMASS

MANTAR

ASTARATH

MISTHYRMING

 flyer ll 2017

 

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