Party.San Open Air 2012

  • Datum: 09.-11.08.2012
  • Ort: Schlotheim - Flugplatz Obermehler / Thüringen
  • Redakteur: Jens Dunemann
Party.San Open Air 2012

Mittwoch, 08.08.2012:
Umso gespannter bin ich auf die neue Heimstatt des Party.Sans nach all dem Positiven, was im Nachgang des letztjährigen Durchlaufs berichtet wurde, als ich mich am Mittwoch Vormittag durch die tiefste mitteldeutsche Provinz dem Flugplatz Obermehler nähere. Als wir den Campground dann schließlich entern herrscht noch die besagte Ruhe vor dem Sturm. Noch ist die ersteHauptanreisewelle noch nicht im Gange. Die Fahrzeugkontrolle ist erträglich, die Security freundlich, die Einweiser so verständnisvoll, was das Freihalten von Parkraum für nachrückende Bekannte, wie penibel, was die Parkordnung angeht.
Zelt und Pavillon sind schnell aufgebaut, auch wenn auf diesem Untergrund Qualitätserdnägel mit einer entsprechenden zugelassenen Einschlaghilfe von Vorteil sind. Nun denn, das Wetter ist bestens, vor allem wird es in den kommenden Tagen noch besser, sonniger und damit heißer werden. Die Hölle kann also über uns hereinbrechen.
Zeit also, um auch von meiner Seite noch einmal kurz auf das neue Gelände einzugehen:
Nein, den Charme des beschaulichen Ambientes in Bad Berka hat der Flugplatz Obermehler leider nicht aber das Gelände erfüllt seine Aufgabe als Location dafür perfekt. Der Landeplatz ist funktionell und garantiert sowohl asphaltiert, als auch mit dem drainierten Grün unter widrigen Bedingungen eine reibungslose Organisation und Logistik. Die neuralgischen Punkte wie Frühstücks-, Sanizelt, Sanitärcontainer, Bierwagen, Bändchenausgabe und Einlass sind gut kenntlich gemacht.
Kurz: Das neue Gelände ist funktionell, nicht mehr und nicht weniger und die Behaglichkeit kommt erhält eh mit dem Programm Einzug.

Und so beginnt das Party.San 2012 also mit einer langen Nacht im Partyzelt, viel Bier und lauter Musik! (JD)

Donnerstag, 09.08.2012:
Nach dem schwedischen Heavy Metal von IN SOLITUDE und dem griechischen Todesstahl-Brett DEAD CONGREGATION sind die Berliner NECROS CHRISTOS die erste Band des Festivals, die ich bewusst wahrnehme. Denn das heutige Billing enthält spätestens ab halbacht nur noch musikalisch unverzichtbare Sahnehäppchen, die eine effiziente Einteilung bzw. ein Gleichgewicht von Kraft, Training der Nackenmuskulatur und alkoholischen Betriebsmitteln erfordert.

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Necros Christos stehen für tiefschwarzen Midtempo-Doom/Death Metal. Über das Publikum ergießt sich eine massive Soundwand, die alles, was nicht sofort von dieser niedergewalzt wird im Nachgang verschluckt. Leider wird dieser musikalische Okkultismus von Song zu Song eintöniger und kann nicht nur bei mir die Stimmung nicht wirklich anheizen, auch wenn die Burschen showmäßig alles in die Waagschale werfen. Letzteres ist man von den Gustavsson-Brüdern Tyrant und Hellbutcher nicht anders gewohnt. NIFELHEIM liefern nach 2006 einmal mehr einen wahnwitzigen leder- und nietenbewehrten Metal-Gig der Extraklasse auf dem Party.San -Parkett ab.

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Hier wird der Metal-Untergrund mittels mörderischer Mixtur aus Death-, Black-, Thrash- und Heavy Metal-Elementen noch wahrhaft zelebriert. Diese Band macht immer wieder Freude und man sollte Nifelheim zwingend einmal erlebt haben. VALLENFYRE, die Band um Paradise Lost – Gitarrero Greg MacIntosh, der hier als Grunzer und Frontmann mit seinem Drummer-Kollegen Adrian Erlandson, Hamish Glencross (My Dying Bride), Mully und Scoot schneidigem Frühneunziger-Death Metal mit doomigen Einflüssen fröhnt, bestreiten auf dem Party.San 2012 erst ihren dritten Auftritt überhaupt.

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Zurückhaltend, unaufdringlich und minimalistisch präsentieren sie das beachtliche Debut "A Fragile King", wobei man Greg sehr deutlich anmerkt, dass für ihn die Rolle als im Fokus stehende Rampensau ohne Gitarre ungewohnt ist. Bei der Qualität des Materials, welches auch handwerklich einwandfrei dargeboten wird, täte ein wenig mehr Action auf der Bühne gut. Grundsätzlich ziehe ich jedoch in Anbetracht der Exklusivität dieses Gigs ein äußerst positives Fazit. Die Island-Barden von SOLSTAFIR wurden 2009 bei ihrem Nachmittags-Auftritt von vielen noch belächelt.

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Drei Jahre später hat sich das Quartett noch mehr vom klassischen Metal der härteren Couleur entfernt, man ist Paradiesvogel mehr denn je, doch Respekt und Anerkennung vor der einzigartigen Ausrichtung des künstlerischen Strebens sind seither nicht nur bei den Veranstaltern noch einmal deutlich gewachsen, so dass Solstafir nun einen Platz im Billing des Party.San´s haben, der ihnen gebührt. In der folgenden Dreiviertelstunde folgt ein musikalisches Kontrastprogramm bzw. ein farbenfrohes Klangspektakel im Vergleich zu allen anderen Bands des Abends. Fast könnte man es als Provokation betrachten, verlassen sich Solstafir nämlich noch nicht einmal auf Ihre rockigen Nummern des aktuellen Doppel-CD-Epos "Svartir Sandar", sondern man gibt hier fast ausschließlich ruhige und oftmals langsame und sphärische Stücke zu besten, was die gute Stimmung und die Intensität der Darbietung jedoch nicht schmälert. Bei denen, auf die man nicht chronisch verstörend wirkt, sorgt man definitiv für offene Münder, Staunen und Verzückung. Das hier ist ganz große Kunst... Dass SODOM sich auf dem Party.San ein Stelldichein geben ist schon seit Jahren überfällig, ist das Trio um Tom Angelripper doch ein unbestritten großer Einfluss für eine Vielzahl von Bands und Künstler, die sich seit dem Beginn der PSOA-Historie auf dem Festival die Ehre gegeben haben. Und dass Tom, Bernemann und Neuzugang Kult-Trommler Maka Freiwald bei den Fans einen absoluten Stein im Brett haben merkt man nicht nur bei der Signing-Session. Tom & Co. geben der Meute nach dem Solstafir-Gig den nötigen Hallo-Wach-Effekt. Sodom treten das Gaspedal nach dem "In War And Pieces"-Einstieg voll durch und zünden ein nicht erwartetes Klassiker-Feuerwerk, das sich gewaschen hat. "Sodomy And Lust", "The Saw Is The Law", "Remember The Fallen", "Agent Orange", "Blasphemer" sind nur die Spitze des Eisberges, der leider viel zu früh und zu Unrecht noch vor Ende der regulären Spielzeit zum Unmut von Band und Fans abgetaut wird.

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Sodom haben heute Abend viel Boden gut gemacht, waren ein absolutes Highlight und nicht nur deshalb haben sie diesen unwürdigen Abgang nicht verdient. BOLT THROWER-Konzerte sind gemeinhin immer etwas ganz Besonderes, nicht nur, weil es eben das begehrte Merchandise zum Untergrund-Kurs nur auf Konzerte zu kaufen gibt und weil sich das britische Death Metal-Flaggschiff äußerst rar auf den Festival-Bühnen macht. Bolt Thrower sind sowohl in geschäftlicher, als auch in musikalischer Hinsicht schon immer eine Ausnahmeband gewesen.

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Das letzte Album "Those Once Loyal" liegt bereits sieben Jahre im Schützengraben und wartet seither auf Verstärkung, welche jedoch noch nicht wirklich in Sicht ist. Also muss der Bolt Thrower-Anhänger einmal mehr mit dem Material vorlieb nehmen, was vorhanden ist. An Durchschlagskraft haben jedoch weder Band noch Songs verloren und so bauen die Engländer einmal mehr ihre unvergleichliche Kombination aus Gitarrenwand und Groove-Walze auf, der man sich nicht entziehen kann. Bolt Thrower sind ein würdiger Headliner, auch wenn sie längst nicht so stark auftrumpfen, wie noch 2008. Das liegt zum einen am fehlenden Überraschungsmoment und zum anderen am saustarken Auftritt von Sodom zuvor. (JD)

Nachdem und IN SOLITUDE und DEAD CONGREGATION wegen des Anreisestaus für mich flach fielen, sind die erste Band des Tages somit NECROS CHRISTOS aus Berlin. Mit dem Focus auf ihrem aktuellen Album „Doom Of The Occult", einem schwammigen Sound sowie einer absoluten Stehgeigerperformance beibt die Küche hier allerdings ziemlich kalt.
Eine All-Star Band zu sein reicht manchmal nicht aus. Freilich merkt man VALLENFYRE die Erfahrung aus Bands wie Paradise Lost oder My Dying Bride an. Dieses reicht aber noch lange nicht aus, um das Publikum auf seine Seite zu bekommen. Am Zusammenspiel und den individuellen instrumentalen Fähigkeiten lag es sicher nicht, trotzdem laufen Vallenfyre irgendwie an mir vorbei. Old School-Thrash ist groß auf dem Party San. Richtig groß. Kündigte sich dieses schon während der SODOM Autogrammstunde an (Onkel Tom musste zwischenzeitlich unterbrechen um auszutreten), so geht dieses auf der Bühne munter weiter. „In War And Pieces" macht den Anfang, Schlotheim steht Kopf und nichts kann mehr schiefgehen. Als dann auch noch der gute alte „Blasphemer" ausgepackt wird, hat auch der letzte Black Metaller Tränen in den Augen. Über BOLT THROWER hier noch groß Worte zu verlieren ist reine Zeitverschwendung. Die Live-Qualitäten der wohl größten Death Metal-Band sind Legende. So auch heute Abend. „War", „Remembrance", „World Eater" oder „The IVth Crusade": Alles Hits, alles Selbstläufer, alles hammergeil. Und endlich ist er auch wieder da: Der Effekt, den ich den „Die Wand kommt langsam auf die zu und wird dich zerquetschen"-Effekt nenne. Den gab´s bisher eigentlich nur bei Indoor Konzerten der Briten. Jetzt haben sie es tatsächlich geschafft, ihn auch auf die Open Air-Bühnen zu zaubern. Definitiv DER Headliner 2012. (ET)

Der Donnerstag des diesjährigen PSOA´s konnte mit einer der qualitativ hochwertigsten, wenn nicht sogar der hochwertigsten Besetzung der Party.San-Geschichte aufwarten, von dem der Verfasser noch lange erzählen wird. Berauscht von soviel komprimiert dargebotener guter Musik ist nach dem Headliner Zapfenstreich. Denn der Freitag kommt bestimmt... (JD)

Freitag, 10.08.2012:

Die Tschechen von MALIGNANT TUMOUR sind Punkt High Noon der perfekte Faustschlag, um sich von der durchzechten Nacht zu verabschieden und in den Freitag zu starten. Räudiger, abgefuckter und cooler als dieses Quartett kann man schon nicht mehr auftreten. Mit wilden Locken, angeklebten Bärten, teilweise perrückt, mit Spandexhosen, sonnenbebrillt und mit Nieten und Kutten ausgestattet wird hier ein rohes Heavy Metal-Grindcore-Rock-N-Roll-Inferno mit einem harschen Crust Einschlag losgetreten. Die vier Herren, die bereits seit 1992 unter dem Namen Malignant Tumour firmieren, nehmen sich wahrlich nicht ernst. Die Musik macht ebenfalls Laune und vor allem Durst, ist aber qualitativ gut genug, dass sie auch ohne die kaputte Show auf der Bühne funktioniert. Einzig der Sound weiß noch nicht zu überzeugen, was einen stimmigen Tagesauftakt am Ende etwas abflachen lässt. (JD)

Aufgrund eines Überangebotes an Bier und anderen hochprozentigen Getränken, Schwarzwälderkirschtorte, Erdbeer-Rhabarberkuchen und weiteren Delikatessen komme ich erst wieder zum Entombed-Schwesterschiff ENTRAILS auf das Gelände. Geburtstage müssen halt gefeiert werden, wie sie fallen. Aber während die schwedischen Death Metal-Veteranen solide, wenn auch wenig originelle Kost abliefern, übertreffen danach SKALMÖLD meine schlimmsten Befürchtungen. Fürchterlicher kann profilloser Melodic Metal mit Death Metal-Vocals und Pseudo-Pagan-Einschlag nicht klingen. Gerade wenn er aus Island kommt. GENERAL SURGERY rücken die Verhältnisse wieder gerade und schlachten in bester Goregrind-Manier blutig vor sich hin. Etwas Herausragendes ist die Schwedensuppe, die ihre Hauptingredenzien aus dem Frühwerk von Carcass bezieht, freilich auch nicht mehr, aber wenigstens passen Show und musikalische Güte zusammen.

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Die deutsche Schwarzmetall-Institution DARK FORTRESS kann mich danach in der grellen Abendsonne nicht wirklich begeistern, auch wenn ich den Bajuwaren, die sich in den letzten Jahren musikalisch konsequent und stetig weiter entwickelt haben, eigentlich immer zugetan war. Heute können mich Klänge und Show nicht wirklich mitreißen. Vielleicht liegt´s am Wetter und zuviel Sonne macht am Ende doch albern. Mit den rohen Ami-Technikern von IMMOLATION bin ich hingegen noch nie wirklich warm geworden und auch heute rauscht der Death Metal-Zug vom BigApple komplett an mir vorbei. Hochgelobt und komplett überbewertet, das ist meine persönliche Meinung zu GHOST BRIGADE. Diese Einschätzung gebe ich auch nicht nach dem Gesehenen und Gebotenen auf dem PSOA 2012 auf. Punkt. (JD)

Es ist soweit, Punkt 20.40 Uhr starten die Finnen von GHOST BRIGADE ihre Show. Sie haben in diesem Jahr einen weitaus besseren Platz im Billing erwischt als 2010, wo sie am helllichten Tage spielen mussten. Trotz ihrer steigenden Bekanntheit ist nicht allzuviel los vor der Bühne aber die, die gekommen sind geben alles. Zur untergehenden Sonne werden Leckerbissen wie „Into The Black Light" und „Clawmaster" gespielt und es entsteht eine Gänsehautstimmung. Nach und nach füllt es sich vor der Bühne etwas und man sieht mehr und mehr Köpfe im Takt nicken. Sicher sind Bands wie Ghost Brigade auf dem Party.San ein nicht ganz so gern gesehener Gast, da sie es etwas ruhiger angehen lassen. Aber auch sie haben ihre Fangemeinde unter den „harten Kerlen" und natürlich sind viele weibliche Wesen vor der Bühne zu sehen (mich eingeschlossen). Zum Ende des Sets wird, wie eigentlich auch zu erwarten war, der Ohrwurm „My Heart Is A Tomb" ausgepackt welcher noch mal alle Köpfe in Bewegung setzt. (KT)

Was hab ich mich auf ENTRAILS gefreut. Stockholm-Death Metal as Fuck!!! Den guten alten Boss HM-2 ausgepackt und los geht's. Ob „Crawling Death" oder „The Morgue": Die Drums klingen wie auf Left Hand Path und die Gitarren sägen und bruzzeln alles nieder. Herrlich und mein persönliches Highlight. Von SKALMÖLD aus Island hatte ich bisher nichts gehört. Mit gleich drei Hauptgesängen und ebenfalls drei Gitarren schunkelten diese auch gleich los, vor der Bühne schunkelten alle mit zu folkigem Nordmänner Metal. Leider mit der Betonung auf dem Wörtchen Folk, der Metal kommt eindeutig zu kurz. Damit war der Schnaps den Skalmöld aus Island mitbrachten und ausschenkten wesentlich kurzweiliger als ihre Show. Wenn ich mich nicht verzählt hab, spielen GENERAL SURGERY heuer bereits das dritte Mal auf dem Party.San. Im Vergleich zu den Auftritten der letzten Jahre hat sich hier auch nicht viel verändert, und das mein ich durchaus nicht negativ. Kraftfutter für alle Elchtod und Carcass Freunde gleichermaßen. Gegen Ende zieht sich die Sache etwas, trotz allem aber eine gute Show. Auch IMMOLATION waren bereits Gäste auf dem Party:San. Und auch hier hat sich wenig geändert, Russ Dolan hat immer noch die längsten Haare. Aber da das hier keine Fachzeitschrift der Friseurinnung ist, dieses nur am Rande. Beindruckend ist, wie Immolation es schaffen, ihren Old School Death Metal rau; ungeschliffen und trotzdem auf technisch allerhöchstem Niveau zu präsentieren. „Into Everlasting Fire" ist dann der Höhepunkt einer beeindruckenden Show. (ET)

NILE überraschen mich an diesem Abend äußerst positiv. Im Gegensatz zu Ihrer fürchterlichen glasklaren Nähmaschinen-Produktion des aktuellen Albums "At The Gate Of Sethu" stimmt der Live-Sound des technisch hochbeschlagenen Trios um Karl Sanders.

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Nile zelebrieren eine wahrhaft mystische Death Metal-Messe mit einer ansprechenden Bühnenkulisse, die die von der ägyptischen Mythologie inspirierten Themen auch optisch in Szene setzen. Trotz einer intensiven Show ist deutlich zu merken, dass ein Großteil der Anwesenden Fans dem hochkomplexen Schauspiel nicht folgen kann oder will. Was sich beim abschließenden Headliner des Abends ganz schnell ändert.
So überflüssig wie das 2009er "All Shall Fall"-Comeback von IMMORTAL auch war, so grandios und spektakulär sind die norwegischen Urgesteine live anzuschauen und anzuhören. Klar muss man die Darbietung abgekoppelt von all dem betrachten, wofür der ursprüngliche Black Metal und damit auch die frühen Werke des infernalischen Trios in seinen Anfängen gestanden hat. Die Rebellion, der menschenverachtende Zorn, die mystisch-epische Verehrung der Naturgewalten, diesen Tiefgang sucht man im gleißend-bunten Scheinwerfer-Gewitter vergebens.

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Stattdessen regiert hier ganz großes Black Metal-Kino, das zur Festival-Primetime für die gesamte Metal-Familie etwas bietet: Spaß, jede Menge Action, episch-bombastischer Pathos und Dramaturgie im 16:9-Format, einzig der Faktor Spannung bleibt in Anbetracht einer Setlist, die die grimmigen Anfangstage nahezu komplett außen vor lässt und mit den neueren Stücken auf Nummer sicher geht, ausbaufähig.
Diese Band mag inzwischen Mainstream sein aber Immortal bieten großartige Metal-Unterhaltung und wer hätte sich bitte im Angesicht des Kultvideos "Blashyrkh" 1995 jemals erträumen lassen, dass diese grimmigen Black Metal-Pandas einmal Bühnen dieser Größenordnung mit einem formatfüllenden Headliner-Status beackern würden?
Es wird gebangt, gelacht, gelästert aber bei aller Häme will sich diesen nordisch-klirrenden Schwarzmetall-Orkan anscheinend niemand entgehen lassen, wie das proppsackvolle Gelände zeigt. Ich für meinen Teil fühle mich prima unterhalten.
So gut, dass ich mich nach kurzem Abstecher an die heimische Heldentafel unter dem Pavillon mangels kräftebindender Wetterkapriolen dazu entschließe, den Abend im Partyzelt bis zum bitteren Ende durchzuziehen und im Gegensatz zu manch jüngerem Mitstreiter in unserer Riege überlebe... Gelobt sei, was hart macht! (JD)

Samstag, 11.08.2012:

Die Nacht war kurz und trotzdem fühle ich mich am Morgen überraschend fit, was unter anderem an der stählenden Eisdusche, welche ich aufgrund der defekten Warmwasseraufbereitung in aller Frühe über mich ergehen lassen musste.
Leider muss ich aufgrund persönlicher bzw. privater Umstände das Festival in diesem Jahr schon am Samstag-Mittag beenden.
Doch steht mir unverhofft nach dem Frühstück noch mein persönliches Festival-Highlight bevor. CASHLEY aus Berlin spielen "Finest Rock´N´Roll" und sollen satte zwei Stunden musikalische Unterhaltung zur "Frühschoppen-Metal-Kampfpause" bieten und die feierwütigen Party.Sanen auf den finalen Festival-Tag einschwören.

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Eigentlich sind Cashley nicht einmal originell, der Name bestimmt den Stil, die meisten Titel sind sowohl im Original, als auch als Coverversionen hinlänglich bekannt. Aber das Trio hat eine gehörige Portion des gewissen Etwas, das eine schnöde Coverband zu einem Phänomen, ja fast schon zu einer Ausnahmeformation werden lässt. Cashley sind beängstigend authentisch und derart intensiv, zelebrieren feinsten Rockabilly mit jeder Körperfaser, dass man bei geschlossenen Augen meinen könnte, der King und der Man In Black stünden hier gemeinsam auf der Bühne und intonieren Klassiker wie "Ring Of Fire", "Folsom Prison Blues" gleichsam mit modernen Stücken von Nirvana, Chris Isaak, U2 oder auch Rammstein. Dabei ist es "nur" Mr. Cashley persönlich, der neben einer außergewöhnlichen Stimme auch eine übermenschliche Ausstrahlung hat. Basser Timo und Schlagwerker Jens Cashley setzen ihren Frontmann im 4/4-Takt musikalisch perfekt in Szene und ergänzen das stimmige Gesamtbild nicht nur optisch. Die Jungs, die noch am selben Tag einen weiteren Gig im Eichsfeld vor der Brust haben, spielen sich nicht nur in den zwei vorgesehenen Stunden förmlich den Arsch ab. Immer wieder lassen sie das handverlesene aber nicht minder begeisterungsfähige Publikum an ihrer minmalistischen Show aus nächster Nähe teilhaben, mal posieren die Musiker im Bühnengraben, mal direkt inmitten der Anwesenden. Cashley und ihre dankbaren Musikliebhaber vor der Bühne befeuern sich so sehr, dass man schon lange das metallische Dröhnen der ersten Band von der Hauptbühne im Zelt vernimmt, bis die Berliner am Rande der Erschöpfung ein äußerst glückliches Publikum zurück in die Party.San-Hölle entlassen.
Diese Band sollte man nicht nur Live unbedingt testen!!!

Das, was CASHLEY für mich letztendlich geworden sind, sollten die THRASH AMIGOS für mich eigentlich werden. Nämlich das abschließende Highlight des Festivals, denn alles, was ich bisher von den schwedischen Sombrero-Thrashern, die inzwischen bei War Anthem Records unterschlupf gefunden haben, gehört hatte, klang doch sehr verlockend. Die optische Darbietung -man kommt stilecht mit Ponchos, Sombreros und maskiert auf die Bühne- des Banditen-Quartetts nährt gleich zu Beginn die positive Erwartungshaltung. Musikalisch können die Skandinavier mit der unüberhörbaren Slayer-Schlagseite aber mit zunehmender Dauer des Sets immer weniger punkten. Die im Netz konservierten Präzisionsgeschosse verfehlen auf der Party.San-Bühne ihr eigentlich tödliches Ziel, was nicht zuletzt am Sound und einer mäßigen Sangesleistung – insbesondere bei den melodischeren Passagen – liegt. (JD)

„Alter, der Gitarrist ist aber fett" denke ich noch, bevor ich versuche mich durch die optischen Gegebenheiten von RAGNARÖK nicht ablenken zu lassen.

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Ich schließe kurz die Augen und höre.....Nichts. Nichts was mich beeindruckt, nichts was mich anspricht, nichts was ich „Musik"; „Metal" oder Ähnliches nennen würde. Auch Ragnarök sehe ich nicht zum ersten Mal, aber vielleicht hätt´ ich es dabei belassen sollen. Sicher, eine gewisse Prise Chaos und Dreck würde mancher Band gut zu Gesicht stehen, speziell in Zeiten künstlich erzeugter Perfektion. Wenn dieses Chaos aber aufgrund fehlender musikalischer Kompetenz entsteht, nervt es gewaltig. Wie in diesem Falle. Wie man gescheit zusammenspielt und damit auch ordentlich Druck erzeugt, zeigen WARBRINGER. Seit einigen Wochen schon in der alten Welt auf Tour sind die Amis perfekt aufeinander eingespielt. Da sitzt jedes Riff und jeder Break. Und wer sich aufs Spielen nicht konzentrieren muss kann eine ordentliche Show und zackiges Stageacting bieten. Und genau das machen Warbringer. Ein echtes Thrash Metal Feuerwerk das zeigt, dass in diesem Bereich sich niemand um den Nachwuchs sorgen muss. Old School Thrash auch bei TOXIC HOLOCAUST. Allerdings in wesentlich rauerer und urwüchsigerer Form als bei Warbringer. Dies ist allerdings kein Manko. Wenngleich bei weitem nicht so furios und beeindruckend wie bei Warbringer und auch ohne deren technisches Level zu erreichen, fahren Toxic Holocaust einen Auswärtssieg ein. Und noch mal alte Schule. INCANTATION aus den USA versuchen mit ihrem Old School DM zu punkten. Leider wird das hier nicht mehr als ein knapper Punkt Sieg mit Nostalgie Bonus. Für mehr reicht es aufgrund fehlender Abwechselung nicht. Da Linse schon den Heimweg angetreten hat, bleibt es an mir die Finnen INSOMNIUM zu rezensieren. Eigentlich hatte ich mir schon das ein oder andere Plätzchen ausgeguckt wo ich mich vor dieser weichgespülten Mädchenmusik verstecken konnte, aber leider kommt alles anders und ich bemühe mich um Objektivität: Einige Melodien zünden sogar bei mir, hier und da wippe ich mit dem Fuß oder nicke anerkennend (nein, ich habe nicht gebangt) ob der tighten Performance. Aber erwartungsgemäß haben Insomnium es hier sehr schwer, das PSOA ist sicher nicht das beste Festival für diese Art von Musik. Freibier für alle, sonst gibt's Krawalle. Eben jenes Freibier fordert Gerre auch vom Veranstalter – Team. Dieses verweigert allerdings die Herausgabe des kostenfreien Gerstensaftes. Aber auch ohne Freibier wird der TANKARD-Gig zu einem Triumphzug sondergleichen. Niemals hätte ich gedacht, dass Tankard auf einem Festival wie dem Party.San derartig abräumen können. Falsch gedacht. Sechs Jahre haben NAGLFAR sich nicht live blicken lassen, nun sind sie wieder zurück. Und das ist gut so, wenngleich die Eingespieltheit vorheriger Shows noch nicht wieder da ist. Ebenfalls nicht da ist der klare Sound. Beides kommt aber im Verlauf der Show, und spätestens bei „I Am Vengeance" sind Naglfar komplett auf der Bühne und auf dem Party.San angekommen. Zurück im wahrsten Sinne des Wortes sind auch BEHEMOTH. Zwar wirkt Nergal noch nicht vollkommen gesund, aber das hat nach seiner Krebserkrankung wohl auch niemand erwartet. Vollkommen „gesund" ist aber die Mannschaftsleistung von Behemoth. Wie bei den beiden vorangegangenen Auftritten beim Party.San in den letzten Jahren, wird auch heuer wieder eine Lehrstunde in Perfektion und Vollkommenheit geboten. Nicht mehr und nicht weniger. „Slaves Shall Serve", „Pazuzu" oder „Ov Fire And The Void": Alles sitzt wie ein Maßanzug, auf der Bühne haben Licht und Pyros ihre Wirkung und alle würdigen den Headliner. So soll es sein, bis zum nächsten Mal!

Auf ein Wort noch: Dieses Jahr liegt es an mir, ein paar würdige Schlussworte zu finden: Zum zweiten Mal nach der Schlammkatastrophe von 2010 fand das PSOA nun in Schlotheim statt. Das Gelände hat sich bewährt, auch wenn dieses Jahr gar kein Regen fiel. Wäre er aber gefallen, hätte er durch die Drainagesysteme ablaufen können. Alle Zu – und Abfahrtswege sind asphaltiert, auch hier hätte es keine Probleme gegeben.

Ansonsten ist das beste Festival der Welt NOCH besser geworden. Und ich weiß wovon ich rede, ich besuche das Party.San seit 2000. Sicher ist es größer geworden, und trotzdem hat es sich – ungeachtet eines Standortwechsels und vervielfachter Besucherzahlen – seine ganz eigene Atmosphäre bewahrt. Nach wie vor sind alle Preise zivil, die Crew sehr freundlich, das Publikum unvergleichlich und fast alle Bands gut, so dass man sich an keinem Punkt verarscht fühlt. Welches Festival kann das von sich behaupten? Wir sehen uns im nächsten Jahr, wettet drauf! (ET)

Auf dem PSOA 2012 feierten, lachten, tranken, experimentierten, schwitzten, fotografierten...

Carolin Bayer (Fotos), Tobias Fritzsche -SOD-Metalradion-R.I.P.- (Fotos Cashley) Jens Dunemann (JD), Eiko Truckenbrodt (ET) und Katrin Truckenbrodt (KT)