Party.San Open Air 2007

  • Datum: 09.-11.08.2007
  • Ort: Bad Berka

Sonntag, 12.08.2007: Wie ein überlebender Soldat einer abartigen kriegerischen Materialschlacht, die letztendlich unter schmerzlichen und zahlreichen Verlusten im Kampf, Mann gegen Mann, ausgetragen wurde, schäle ich mich aus meinem nasskalten Schlafsack, krieche durch ein muffiges Vorzelt, der matte Blick wandernd über ein paar bestialisch verschlammte und abartig stinkende Stiefel und luke vorsichtig, Deckung suchend unter der einseitig offenen Plane gen Morgen. Vor mir ergießt sich ein gleißender, wunderschöner Sonnenaufgang, der die Wolken und Sturzbäche der vergangenen Tage auf diesem Schlachtfeld, denn genau diesen Zustand beschreibt mir mein Auge, hinfort zu wischen scheint. Es ist vorbei, ich war dabei, habe Wind und Wetter getrotzt und mit mir eine ganze Schaar von abgekämpften Metalheads, die soeben im Begriff sind aufzustehen oder den letzten Humpen zu leeren, die Zelte abzubrechen, die gepeinigten Habseligkeiten zusammenzuraffen und dabei dem grellen Sonnenlicht Tribut zu zollen. Es gibt Festivals, die man getrost, just nach dem verhallen der letzten Noten als denkwürdiges Ereignis bezeichnet werden können. Zwar war das Party-San Open Air in den letzten Jahren nie ein Garant für eitlen Sonnenschein und jedem großen Massenspektakel ähnlicher Art ist in den Jahren ein mehr oder minder schwerer meteorologischer Supergau widerfahren, wieso das 13. musikalische Zusammentreffen der Death- und Black Metal Superlativen in diesem Jahr derart vom Sonnengott missachtet wurde, weiß der Schlechtwettergott allein. So richtig gute Laune will an diesem Morgen nämlich erst wieder aufkommen, als feststeht, dass mein alter Golf ohne die Hilfe der Traktoren und vermeindlich drohender Unterbodenschäden abseits der unpassierbaren Hauptwege und dennoch auf durchweichtem Boden den Weg vom Festivalgelände nimmt. Es ist vollbracht, doch alles der Reihe nach...

Mittwoch 08.08.07

...oder die Vorboten drohenden Unheils

Dass die Wetterfrösche Bad Berka nicht wohlgesonnen sein sollten recherchierten wir bereits im Vorfeld über wetter.com, trotzdem erfolgt der Aufbruch hoffnungsvoll und gelassen vom Harz gen Thüringen. Doch spätestestens, als wir uns bei der Auffahrt auf die Autobahn hinter Erfurt in einer dunklen Wand aus stetigem Nieselregen wiederfinden scheinen sich die Wahrsagungen des Witterungsportals langsam aber sicher zu bestätigen. Beim Check-In auf dem Festivalgelände hat der Regen zwar nachgelassen doch der gesamte Ort des Geschehens ist unter einer trüben und wolkenverhangenen Glocke verborgen. Aber zunächst geht es einmal darum, die Ordner davon zu überzeugen, unser Zelt ca. 50 m von dem uns zugewiesenen Platz, im Kreise unserer, einen Tag zuvor angereisten Freunde, aufbauen zu dürfen. Diese haben bereits am Vortag einige Meter Boden abgesteckt und es kostet die ersten Nerven, bis man uns dann tatsächlich durchlässt und wir unser Ankunftsbier genießen dürfen. Liebe Leute, auf nahezu allen großen Festivals ist es möglich, kleine Flächen für später anreisende Freunde abzustecken und es gab dabei auf dem Party-San auch nie Probleme und man kann sich nur wünschen, dass dies im nächsten Jahr wieder auf sensiblere Ohren in den Reihen der Ordner stößt. Hier herscht jedenfalls in Zukunft Nachholbedarf in Sachen Fanfreundlichkeit... Wie dem auch sei, die Zelte werden aufgebaut, Pässe geholt und schon geht´s hinein in einen feuchtfröhlichen Eröffnungsumtrunk ins, bereits geöffnete, Party-Zelt, ein Wochenende voller Spaß und lauter Musik vor Augen und Ohren. Und das Wetter? Die Vorboten beginnen sich in Form von, vom Himmel fallender Feuchtigkeit mal mehr und mal weniger zu formieren...

Donnerstag, 09.08.2007

...oder das Unheil nimmt seinen Lauf

Was gibt es schöneres, als den Tag nach einem ausgedehnten Frühstück mit einem Spaziergang nach Bad Berka zu beginnen und mit einem Besuch der Eisdiele zu krönen. Es ist weiterhin mehr als trüb aber immerhin trocken und nachdem im Supermarkt noch schnell ein paar Rationen in Form von fester und flüssiger Nahrung erstanden sind, geht es wieder zurück, in Erwartung des ersten Konzertabends. Das Gelände hat sich in den letzten 24 Stunden üppig gefüllt und minütlich reiht sich Auto für Auto in den KfZ-Lindwurm am Eingang der Festival-Area ein, bereits jetzt eine Strapaze für den weichen Boden auf den Hauptwegen.

Aufgrund des hohen Besucheransturms im letzten Jahr und eines daraus resultierenden völlig überfüllten Party-Zeltes entschlossen sich die Veranstalter bereits frühzeitig, den Festivalauftakt auf einer etwas vergrößerten Hauptbühne vorzunehmen, was eine äußerst begrüßenswerte und logische Sache darstellt. Spätestens beim, pünktlich zum Opener DISASTER K.F.W. um Ex-Reiter Drummer Skeleton, einsetzenden Platzregen, sehnte wohl jeder Anwesende die überdachte Version des letzten Jahres zurück, so dass eine mehr als kuriose Situation entsteht, die den Abend prägen soll. Der Großteil der Vorstelligen zieht sich in ein wiederum, zum Bersten gefülltes Festival-Schneckenhaus zurück, während die eigentliche Party am anderen Ende stattfindet und sich nur verhältnismäßig wenige Tapfere finden, die der Nässe trotzen und sich binnen weniger Minuten durchweichen lassen. So kommt es, dass durchaus schmackhafte Hörgenüsse von Größen wie DYING FETUS, PENTACLE oder eben den, äußerst seltenen live zu erlebenden, Thrash-Veteranen MERCILESS mal eben von der Flut weggespült wurden. Was bleibt ist ca. ein Drittel Auftritt von SECRETS OF THE MOON, dem ich mich, als der Regen einmal etwas abflacht nicht entziehen kann. Eine gereifte und gewachsene Band, die innerhalb diesen Augenblicken manifestiert, dass sie auf dem Wege ist, zu einer wahren Institution in Sachen Black Metal aufzusteigen. Spätestens als die Band das legendäre "Am I Evil"-Intro in ihren Klassiker "Miasma" einwebt, stehen die SECRETS als absoluter Gewinner dieses Abends fest. Beweisfotos? Elektronik und Feuchtigkeit sind wie der sagenumwobene Fön in der Badewanne. Als mir bei der ersten Flutwelle zum Start von DISASTER K.F.W. der Regen vom vorgezogenen Dach der Bühne auf die Linse pladdert entschließe ich mich reißaus zu nehmen und an diesem Abend auf Fotos zu verzichten. Eine weise Entscheidung, denn der eine oder ander Hobby- oder Profifotograf zollt den Wolkenbrüchen dieser Nacht an den folgenden Tagen mit mehr oder minder schweren Wasserschäden an Kamera und Zubehör Tribut. Lichtblicke? Allen "Niederschlägen" zum Trotz, es gibt auch noch Positives vom Auftakt des 13. Party-San Open Airs zu berichten. Eine Aktion die man Jarne, Mieze und Boy gar nicht hoch genug anrechnen kann, ist die Aktion "Flagge zeigen". Für fünf Euro kann man am Merchandise-Stand das Shirt "Party-San Against NSBM - keep nazi scum out of metal!"erstehen. Ein Betrag der niemandem weh tut, eine gute und überfällige Sache sowieso, die so erfolgreich anläuft, dass die Shirts bereits am ersten Abend bis auf einige wenige Restexemplare in der Größe XXL komplett ausverkauft sind. Mit einem solch´ gesunden Zuspruch hatte wohl niemand gerechnet, soll es doch noch bis zum Samstag Nachmittag dauern, bis diese Leibchen wieder in allen Größen erhältlich sind. Und auch da verkaufen sie sich noch sprichwörtlich wie die warmen Semmeln. Eine Maßnahme mit Symbolcharakter, nicht nur für andere Veranstalter, zeigt sie doch, dass die meisten Metaller gehörig die Schnauze voll von der Infiltrierung der Szene durch geistige Hobbypiloten haben, es soll vielmehr für mich persönlich der erste von insgesamt neun Party-San Besuchen werden, bei dem sich meine Augen und Ohren nicht mit braunem Müll und sonstigen Ergüssen auseinandersetzen müssen... Mit diesen Erkenntnissen überlassen wir das Wetter doch den Meteorologen und den Rest einer grandiosen Party-Nacht.

Freitag, 10.08.07

...oder Schlammcatchen erwünscht

Ein grauer, verregneter Himmel begrüßt an diesem Morgen die, vom Kater gepeinigten Musikusse, die Spuren der vergangenen Nacht sind ebenso unüberseh- wie spürbar... Matsch und Schlamm soweit das Auge reicht und soweit die Höhe der Stiefelschäfte zulassen. Nach einem ausgelassenen Frühstück geht´s ersteinmal in Richtung Dusche, wobei der Weg dorthin schon ein Abenteuer für sich ist. Der Hauptzufahrtsweg über das Festival-Gelände ist schon längst aufgegeben watet man doch schon jetzt durch einen knöcheltiefen übelriechenden Brei, so dass alles was an diesem Tage vier Räder hat über die eigentliche Ausfahrt auf das Gelände geschleust wird. Angekommen im Backstage Bereich wird einem das ganze Ausmaß der nächtlichen Regengüsse vor Augen geführt. Hier steht man tatsächlich fast knietief im Schlamm, während ein Teil der Crew samt Radlader redlich bemüht ist, die Schlammmassen abzugraben um eine halbwegs feste Grundlage für die Ausbettung des Bodens mit dutzenden von Strohballen zu bereiten. Es liegt ein Stimmung aus Verzweiflung und Selbstironie in der Luft. Niemand denkt hier allerdings an Resignation.

Pünktlich zum Mittagessen eröffneten der Mett-Gott und seine Schergen

LAY DOWN ROTTEN aus dem beschaulichen Hessen das PSOA. Selbstverständlich regnete wie aus Eimern, aber das tat der erstaunlich guten Stimmung vor der Bühne keinen Abbruch. Ich kann mich nicht erinnern in den letzten Jahren einen Freitags-Opener gesehen zu haben bei dem die Leute derartig abgingen. Mitgerissen von den Publikumsreaktionen und ihrer eigenen Wucht legten LAY DOWN ROTTEN auch einen mehr als amtlichen Gig hin.(ET) Mit dem Achtungserfolg "Acoustic Warfare" brachten die verbliebenen Gründungsmitglieder C4 und Björn Lankopf alias Bernd Korades Ende letzten Jahres den Spirit der alten Viu Drakh zurück in die Metal-Welt und am heutigen Tage auf die Bühne des Party-San´s. Die KORADES-Besetzung wurde im Vergleich zum Album-Line-Up noch einmal gründlich durchgewürfelt, Sänger/Bassist Torsten Thon wurde durch gleich zwei neue Akteure ersetzt. Darunter ein alter Bekannter, "Jo", seines Zeichens früherer Viu Drakh-Bassist übernimmt von nun an den Part am Mikro. Musikalisch ist die Truppe trotz des neu hinzu genommenen Bassisten tight wie immer und rotzt ihren Mischung aus Death Metal, Punk, Crust- und Grindcore mit jeder Menge Energie dem Publikum entgegen. Ob sich die Jungs mit dem Wiedereinstieg von Jo als Sänger jedoch einen Gefallen getan haben, wage ich zu bezweifeln. Mit ihm tendieren KORADES einen großen Schritt mehr zum reinen Crustcore, was an sich nichts schlechtes ist, jedoch hat es bisher immer die ausgewogene Mischung aus allen eingangs erwähnten Stilen gemacht und der Death Metal-lastige Gesang von Ex-Sänger Thon machte da deutlich mehr her. Zumal die Vocals von Jo in manchen Passagen extrem schwachbrüstig rüberkommen und es ein ums andere mal an der Textfestigkeit hapert. Die Meute vor der Bühne weiß auch nicht so recht, was sie mit KORADES anfangen soll und so vergnügt sich ein Teil lieber im Stroh, welches am Vormittag von der Crew vor der Bühne ausgebracht wurde. Fazit: Musikalisch gut wie eh und jeh und ein dicker Punktabzug in der B-Note. Warten wir mal ab, was die Zukunft bringt...(JD) CLITEATER liefern anschließend eine Grind-Vollbedienung, mit allem, was das Porn-Fun Herz begehrt, druckvoll, aggressiv und mit einer gehörigen Portion Humor liefern die Holländer eine kurzweilige dreiviertel Stunde ab. Hört sich jedenfalls um einiges runder an als KORADES, die zuvor den einen oder anderen irritierten Blick ernteten. Pechschwarz und böse, ohne jegliche Klischees bricht danach eine infernalische Soundwand über das Party-San herein.

RED HARVEST sind wahrlich nichts für schwache nerven und wollen eigentlich überhaupt nicht so richtig auf dieses Festival passen. Lavaartig wabernd ergießt sich ihre Musik über das, vom Wetter arg geschundene Gelände sowie das Publikum. Diese Band gebar vor Jahren ihre eigene Vision des ursprünglichen, verklärt romantischen Black Metals und ist dabei in einer Hölle namens Realität und Neuzeit angekommen. Ein monumentaler und einzigartiger Gig, geführt von einem charismatischen Fronter, der, eingetaucht in seine Musik, alles um sich herum zu vergessen scheint.(CP)

Der rasante Aufstieg sowie der Erfolg von EQUILIBRIUM ist den anwesenden Redaktionsmitgliedern so schleierhaft, wie sicher die Gesundschrumpfung einer paganisierten Metal-Szene Not tut. Niemand von uns möchte sich diesem Musik gewordenen Klischee rezensionstechnisch stellen. Ein gemeinsames Bier erscheint uns an dieser Stelle wichtiger als ein sicherer Verriss. So überlassen wir die Bayern sich selbst und ihren Fans, denn irgendetwas scheinen die Jungs und das Mädel bei allem Erfolg ja richtig zu machen, für unsere Ohren sind sie jedoch nichts.(JD) Grimmig dreinschauend stapften die Salzburger BELPHEGOR auf die Bühne um dem Gehörnten für 45 min zu huldigen. Und das taten sie wahrlich angemessen. Präzise wie ein Schwyzer Uhrwerk und bei bestem Sound trümmerten sie ihre "Chants For The Devil" in das thüringische Scheißwetter. So hatte der "Lucifer Incestus" auch ein Einsehen und stellte das Pinkeln vorrübergehend ein. Zum Schluß gabs noch "Seyn Todt In Schwarz" und alle, aber auch wirklich alle waren zufrieden. Wirklich beeindruckend. (ET) Was soll man bitte noch über VADER schreiben? Diese jahrelangen konstanten Leistungen und die Regelmäßigkeit mit der diese Band brilliante Veröffentlichungen liefert ist absolut beängstigend. Ich habe in all den Jahren noch nie ein schlechtes Konzert von den Polen gesehen, so auch heute. Im Gegenteil VADER scheinen mit zunehmendem Alter nicht nur reifer sondern auch immer besser zu werden. Die Jungs um Alleinunterhalter Peter haben die Menge jedenfalls von der ersten bis zu letzten Note vollends im Griff und werden zurecht gnadenlos abgefeiert. (CP) Nach 2002 standen die 2 Naglfar Recken Kristoffer und Marcus mit ihrem Side Projekt BEWITCHED erneut auf dem höllischen Speiseplan. Und genau wie vor 5 Jahren machen servieren die Schweden eine Mischung aus Old School Metal, RocknRoll und BM die einfach nur Spass macht. Da stört es auch wirklich niemanden wenn sich mal ein kleiner Spielfehler einschleicht oder nicht unbedingt jeder Ton exakt getroffen wird. Klassiker wie "Deathspell" machen sich prächtig auf einer Open Air Party..Basta!(ET) Nach der polnischen Death Metal Standarte wird es Zeit für die absolute Reitermania.

Die APOKALYPTISCHEN REITER aus der Klassikstadt Weimar haben heute ein ganz besonderes Heimspiel, bietet man doch in Form eines Sets aus der Ära der ersten drei Alben die absolute Vollbedienung für Reiter-Fans der ersten Stunde, welcher für ein opulentes Live-Package in Bild und Ton auch noch aufgezeichnet wird. Mittendrin statt nur dabei. Nach einem gediegenen und perfekt inszenierten Intro voller Pathos, inklusive weiblicher Tanzeinlage, beginnt der Auftakt in gitarrentechnischer Hinsicht jedoch mit einer Panne, denn wo eine verzerrte Gitarre erklingen sollte, erklingt in den ersten Minuten nur cleanes Sechssaitergeschrammel. Was bei Pitrone und diversen Roadies zu Hektik und Schweißperlen führt, überspielen (im wahrsten Sinne des Wortes) Fuchs, Volk-Man, Dr. Pest und Sir G. mit Leichtigkeit und Routine. Ich bin gespannt, ob dieses Missgeschick bei der Live-Produktion nachbearbeitet wird oder nicht. Die Reiter treten in diesen Minuten einen magischen und energiegeladenen Siegeszug an, bei dem es nicht nur ein Dejà Vue mit den alten Krachern, sondern auch einigen sehr seltenen Songs, wie z.B. V.A.D.E.R., sondern zum Grande Finale auch ein Wiedersehen Ex-Drummer Skeleton gibt, der, zusammen mit seinem Bruder im Geiste, Fuchs, die Bandhymne "Metal Will Never Die" anstimmt. Ein absolut intimes (trotz riesigen Publikumszuspruches) und einmaliges Konzert, an welches man sich noch lange zurück erinnern wird.(JD) Nach dem "Friede, Freude, Eierkuchen"-Nostalgiegig der Reiter war es aber nun auch Zeit für ein finsteres, US-Amerikanisches Riffgewitter. Zwar zählten IMMOLATION nominell nie wirklich zu den ganz großen des Death Metals, man verkaufte sich, obwohl man zweifelsohne zu den Bands der ersten Stunde gehört, von Album zu Album stetig unter Wert. Das Party-San liefert allerdings die richtige Bühne, um den Gegenbeweis anzutreten. Was hier geboten wird ist ganz großes schwermetallisches Kino, filigrane und aberwitzige Soli kombiniert mit jeder Menge beinharter und vertrackter Riffs, vom Drumming will ich hier gar nicht erst reden, mit einer krassen Perfomance. Ehre, wem Ehre gebührt sach´ ich da nur, hoch die Tassen und gebangt.(CP) Zum Abschluss des Abends übergeben danach IMMOLATION den Staffelstab an die deutsche Thrash-Legende KREATOR. Und Mille & Co bieten all das, was man von ihnen erwartet. Außer SLAYER fällt mir keine andere vergleichbare Band ein, die stetig mit solch konstant hochklassigen Live-Darbietungen glänzen kann. Wahnsinn, woher die perfekt eingespielte Truppe diese Energie nimmt. Die Setlist ist im Vergleich zum Rock Harz Open Air noch einmal ordentlich durchgewürfelt, so dass mit "Europe After The Rain" auch endlich mal wieder ein Song vom "Renewal"-Album zum Zuge kommt (auch wenn mir der Titel-Track noch lieber gewesen wäre). Konnte ich auf dem Rock Harz die ansagen von Mille noch als platt und übermotiviert kommentieren, so gehen mir die ähnlich überzogenen und gekünstelt wirkenden Kommentare des Altmeisters gehörig auf den Sack... Doch was macht diese Tatsache schon aus, wenn die musikalische Vorstellung mal wieder alles in den Schatten stellt. Ein Headliner auf den die Veranstalter einige Jahre warten mussten, erledigt seine Sache mit absoluter Bravour und entläßt einen glücklichen Schreiber in eine schlammige Nacht!

Samstag, 11.08.2007

...oder mit dem Schlitten durch den Schlamm

...die lang werden sollte... Um sieben in den nasskalten Schlaffsack ab um elfe wieder dem Met gefrönt und schon kommt die ganze Planung durcheinander. Die darauffolgende Schlafpause widme ich LENG TCH´E und INTERMENT, welche eigentlich auf meiner Liste standen. Nennt es, Verantwortungslosigkeit, Arbeitsverweigerung oder Kontrollverlust, für mich bedeutete es eine Menge Spaß, nicht dabei sein zu können. Auch das ist das Party-San, Schwamm drüber...(JD) Das haben THE BLACK DAHLIA MURDER nun wirklich nicht verdient: Auf eigentlich guter Position im Billing fängt es zu ihrem Auftritt derartig an zu schiffen, dass sich ein Großteil der Leute an trockenere Orte verzieht und Sänger Strnad die verbliebenen Anwesenden fast einzeln begrüßen kann. Dieses wiederum erfreut einige derartig, dass sie sich ihre ohnehin nassen Klamotten entledigen und nackt durch den Schlamm vor der Bühne springen. Die Band hingegen bleibt angezogen, wuchtet aber ihre technisch anspruchsvollen Granaten tight wie Sänger Strnads Hosenbund durch die PA.(ET) MitHAEMORRHAGE geben sich danach die spanischen Pathologen die Ehre. Optisch und akustisch sägen sich die Hobby-Ärzte mit der Präzision einer Kreissäge durch Ihren Set, den Sänger Lugubrious durch seine krasse Performance in Sachen Kunstblut (da wird so manche Black Metal Band blass) und Knabbereinlagen an Schaufensterpuppenteilen maßgeblich beeinflusst. Für Grindcore-Fans ein absolutes Muß sowie ein absolutes Hightlight dieses Nachmittages.(CP) Nach dem spanischen Frontalangriff folgt eine der außergewöhnlichsten Bands im gesamten Metal-Kosmos. Die multinationale Truppe MELECHESH, deren Karriere in Israel begann, ist eine der am meisterwartetsten Bands auf dem Party-San 2007. So ziehen Mastermind Ashmedi und seine Mannen die Heerscharen mit ihrem Mesopotanian Metal, einer Mischung aus Thrash und Black Metal, vermengt mit jeder Menge orientalischen Tonfolgen und Rythmen von der ersten Sekunde an, in ihren Bann. Mit leidenschaftlicher Hingabe vermischen sie die musikalischen Traditionen des Morgenlandes mit der Metal-Welt des Okzidents. Intensiv und technisch absolut perfekt verleihen die Paradiesvögel diesem Event einen weiteren originellen Farbtupfer.(JD) Mit GRAVE wirds danach wieder klassisch. Zuletzt lieferten die Schweden 2005 in Bad Berka eine absolute Todesstahl-Messe ab. Und das dies in diesem Jahr nicht anders werden sollte, daran bestand spätestens zu dem Zeitpunkt kein Zweifel mehr, als man ankündigte den aktuellen Set nur mit Highlights der ersten drei Alben zu spicken. Zwar waren die Auftritte von GRAVE in der Vergangenheit oftmals extrem schwankend und tagesformabhängig aber heute halten die Gotländer die Flagge des skandinavischen Ur-Death Metals hoch und ziehen eine Walze nach der anderen aus dem Ärmel. Der Sound ist massiv und gewaltig, wenn er auch nicht an die Wände der britischen Bolzenwerfer heranreicht. Doch die Message ist klar: Die Band erlebt gerade ihren x-ten Frühling und mit jedem scheinen die Schweden besser und besser zu werden. Ohne überheblich zu wirken können es sich die Jungs mit ihrem starken Material sogar erlauben, die Bandhymne schlechthin, "Soulless", einfach wegzulassen. Den Fans ist es trotzdem egal, sie fressen GRAVE wahrhaft aus der Hand. (CP) PRIMORDIAL sollten heute genau wie Bewitched ihren zweiten PSOA Auftritt absolvieren. 2003 geriet dieser zu einem denkwürdigen Triumphzug und auch heuer ließ die Sache sich gut an. Wenngleich die ganz spezielle Magie von 2003 fehlte sorgten auch dieses Jahr "Gods To The Godless" oder "Coffin Ships" für Gänsehaut. Dreh und Angelpunkt war wie immer Sänger Alan, der jede Textzeile die er singt, jammert oder schreit auch wirklich zu durchleben scheint. Am ende des Sets konstatierte er dann noch "remember, some music still stands for something"..dem ist absolut nichts hinzuzufügen. (ET)

Nach den kongenialen Iren sind die verrückten Finnen von KORPIKLAANI an der Reihe und geben diesem Festival-Samstag erneut einen musikalischen Farbtupfer sowie Abwechslung. Ehrlichgesagt hatte ich im Vorfeld ernsthafte Bedenken, ob denn die Mischung aus Metal, Folk-Rock und finnischer Folklore zwischen all den schwarzen und bösen Death-, Thrash- und Black Metal Bands funktionieren würde. Einmal mehr machen Frontmann Jonne Järvelä und der Rest des "Waldclans" keinen Hehl daraus, dass man angetreten ist um Spaß zu haben und um mit Bier, sowie ausgelassener Fröhlichkeit und Party-Musik das miese Wetter aus Bad Berka zu vertreiben. Es ist immer wieder faszinierend, wie die Finnen es schaffen, einen immer wieder mitzureißen, was bei Songs der Marke "Happy Little Boozer", "Cottages And Saunas" oder dem Nackenbrecher "Beer" auch kein Wunder ist. Ferner merkt man der Band das ausgiebige Touren der letzten Jahre und die Erfahrung, die sie auf den großen Festivals sammeln konnte, deutlich an, so dass ich zweifelsfrei konstatieren kann, dass bei KORPIKLAANI das Ende der Fahnenstange längst noch nicht erreicht ist. Hier steht eine überaus routinierte Combo auf den Bühnenbrettern, die die Massen mit jeder Note nach vorne treibt und anheizt und der man die Spielfreude wie keiner anderen Band auf dem Party-San 2007 anmerkt. Gute Musik, großer ungekünstelter Entertainmentfaktor, weiter so!(JD) Götterdämmerung für älter Herrschaften wie mich. ASPHYX Reunion. Ich erinner mich noch fast an jeden einzelnen Ton als ich die Tulpenzwiebeln im Vorprogramm von Bolt Thrower vor 16 Jahren zuletzt gesehen hab. Und was der Vierer (Wannes Gubbels übernahm Martin van Drunens Bass) an diesem Abend bieten übertrifft einfach ALLES. Zwar ist van Drunen optisch ein wenig in die Jahre gekommen, was der Mann allerdings in sein Mikro keift ist nicht von dieser Welt, das ist derartig böse das alle Nachwuchs Shouter augenblicklich elefantöses Fracksausen bekommen. Bei dem besten Sound den ich je bei einem DM Gig erlebt hab bekommt das Publikum eine absolute Jahrhundert Setlist. "MS Bismark", "Wasteland Of Terror" und natürlich "The Rack"..absolut unglaublich.(ET) Was soll bitte nach dem größten Headliner der letzten zehn Jahre noch kommen? Es mag zwar eine Ehre sein, die Bühne an einem Abend mit den reformierten ASPHYX zu teilen, aber nachdem diese eine so starke Show abgelieferten haben, kann jeder Band danach eigentlich nur einpacken. Wieso gerade die, menschlich, höchst zweifelhaften GORGOROTH überhaupt einen solch´ hohen Platz im Billing erhielten, ist und bleibt mir ein Rätsel. Zwar zeigt das Publikumsinteresse, das die norwegischen Schwarzheimer immer noch überaus angesagt sind, für mich persönlich haben GORGOROTH spätestens nach dem Ausstieg von Pest ihr Feeling für gute Musik verloren. Darüber kann auch der enorme materielle Aufwand in Form von Nieten, Schminke und Leder nicht hinwegtäuschen. So wirklich evil und zum Fürchten ist das, was Gaahl, Infernus & Co hier bieten beim besten Willen nicht. Im Gegenteil, der Vergleich zu ASPHYX mag hinken, aber nach den Holländern wirken GORGOROTH irgendwie wie eine Meute kleiner Teufelchen in einem Puppentheater. Egal, die Massen feiern, mein Ding ist es jedenfalls nicht.(CP) Der Abschluß des diesjährigen Party-Sans ist denn Ami-Urgesteinen MALEVOLENT CREATION vorbehalten. Brachialer Florida Death Metal in Reinkultur ist für mich zu dieser vorgerückten Stunde so rein gar nichts mehr. Nachdem ich bei GORGOROTH ein letztes mal für Fotos angestanden habe, soll es genug sein, mit der "Schlammwaterei", es ist feucht, nass, kühl und ich beschließe, mich dem musikalischen Gewitter zu entziehen und langsam aber sicher unser Basiscamp aufzusuchen. Es reicht, die Schlacht ist geschlagen und mit ASPHYX grandios gewonnen, um es mal mit den Worten des werten Kollegen Pfanne zu sagen. An den geordneten Rückzug am Morgen mag ich beim besten Willen noch nicht denken, zu sehr haben sich die Bilder des vom Regen gepeinigten Geländes in die Hirnrinde gebrannt. Todmüde falle ich in meinen Schlafsack, während die letzte Nacht für viele noch verdammt lang werden soll, sei es beim Feiern im Party-Zelt oder beim Warten auf die gelben Engel oder einen Schlepper, der vorzeitig Abreisende aus den total verschlammten Wegen zieht...

Der Weckruf folgt mit der obligatorischen ABBA-Endlosschleife irgendwann zwischen sechs und acht Uhr in der Frühe. Es ist vorbei und es bleibt einer Crew zu danken, die sich über alle Maßen verausgabt und bis ans Ende ihrer Kräfte geackert hat. Dass das in diesem Jahr bei weitem nicht gereicht hat, liegt zum Großteil am Wetterchaos, für welches Crew und Veranstalter bei weitem nicht verantworlich gemacht werden kann. Allerdings sollte man daraus für die kommenden Jahre die richtigen Schlüsse ziehen, denn die logistischen Probleme, die zwangsläufig auftreten mussten können beim nächsten Mal nicht wieder auf die Leute abgewälzt werden, die dieses Festival so zahlungskräftig am Leben erhalten. Ein "...viel Glück..." sowie ein Traktor dürfte zukünftig in einer ähnlichen Situation nicht ausreichen, denn ich spreche wohl nicht nur für mich, wenn ich die Behauptung aufstelle, dass gerade die Metal-Fans auf dem unteren Hauptzeltplatz mit den größten Schlammproblem am Sonntag Morgen mehr als allein gelassen wurden. Stellenweise war man einfach gezwungen, sich mit dem Auto auf den unpassierbaren Hauptweg zu begeben, im Wissen darum, sich eher früher als später festzufahren und sich danach auf Gedeih und Verderb und teilweise gegen Gebühr den Schlepperfahrern ausgeliefert zu wissen. Schäden am Fahrzeug vorprogrammiert. Hier besteht auf jeden Fall Diskussionsbedarf.

Klammern wir die zermürbenden Witterungsverhältnisse einmal aus, so können wir dann doch von einem überaus gelungenen Party-San sprechen, welches mit einem der interessantesten Billings der letzten Jahre aufwartete.

Unser Dank geht an dieser Stelle noch einmal an Mieze, Boy und Jarne sowie die gesamte Crew. Wir sehen uns im nächsten Jahr, dann hoffentlich bei besserem Wetter. (JD)

Auf dem Party-San Open Air 2007 lachten, feierten und tranken Eiko Truckenbrodt (ET), Christian Pfannkuchen(CP) und Jens Dunemann (JD)