Party.San Open Air 2008

  • Datum: 07.-09.08.2008
  • Ort: Bad Berka

Carolin Beyer - Fotos
Eiko Truckenbrodt, Daniel Siebert, Kristin Bremer und Christian Pfannkuchen - Text & Kritik
Jens Dunemann - Chief Inspector/Text & Kritik



Mit einer originalen Thüringer Rostbratwurst im Magen entern der Kollege Pfanne und meine Wenigkeit am frühen Mittwochnachmittag mit jeder Menge Vorfreude das Festivalgelände am Segelflugplatz zu Bad Berka. Nicht ohne ein wenig Stolz in der Brust, betreten wir den unheiligen Boden doch Anno 2008 bereits zum zehnten Mal in Folge. Es war im Jahr 1999 als uns solch´ illustre Gäste wie Protector, Edge Of Sanity und Amon Amarth zum ersten Mal, damals noch in Tiefengruben, in die thüringische Provinz lockten. Damals war uns nicht bewusst, dass hier eine Leidenschaft in uns erwachte, eine Leidenschaft für das wohl beste und sympathischste Extrem-Metal-Festival unserer Republik, vielleicht sogar ganz Europas, der wir uns von Jahr zu Jahr immer weniger entziehen konnten. Es hat schon etwas besonderes, ein Festival wie dieses wachsen, gedeihen und reifen zu sehen. Die zehn Jahre Party.San Metal Open Air, die wir an diesem Wochenende vervollständigen werden bedeuten nicht weniger als zehn Jahre voller schöner Erinnerungen, unzählige bierseelige Momente, durchzechte Nächte und alkoholbedingte Ausfallerscheinungen, nicht zu vergessen die vielen Stunden atemberaubender Live-Darbietungen und legendärer Gigs. Aber auch weniger schöne und obskure Geschichten kommen einem in Erinnerung, angefangen bei der zeitweisen Vereinnahmung durch einige "Fans" mit politisch fragwürdigen Hintergünden, die meinten, sie hätten den extremen Metal für sich gepachtet, bis zu den unwirtlichen Wetter-Kapriolen im letzten Jahr. Man hat schon so einiges mitgemacht auf dem Party.San und die eingeschränkte Funktionsfähigkeit des einen oder anderen Körperteils kündet noch heute von so mancher "Kriegsverletzung", die man in der Hölle von Bad Berka abbekommen hat. Dennoch, alle haben es bisher überlebt und sind jährlich auf´s Neue in den Kampf vor die Bühnen in der thüringischen Provinz gezogen. Nach herzlichsten Begrüßungsritualen der eigenen Mannschaft und dem obligatorischen Zelte- und Lageraufbauen steht einem erfolgreichen Party.San 2008 nichts mehr im Wege. Sogar Petrus scheint dem musikbegeisterten Metaller wohlgesonnen zu sein, ordert er doch nach der fatalen Sintflut im Vorjahr die Wüstensonne Nordafrikas gen Thüringen auf das die Kannen kochen mögen.

Während sich das Gelände in den folgenden Stunden mehr und mehr füllt bleibt Zeit, der Neuerungen gewahr zu werden, die das Festival in diesem Jahr bereit hält. Was schon bei unserer Ankunft ins Auge stach ist die Tatsache, dass es in diesem Jahr keine separate Ein- und Ausfahrt gibt. Die alte Einfahrt über die Wiese auf den unteren Teil des Hauptcampinggeländes wurde zugunsten des Festivalgeländes bzw. des Presse-Campingplatztes wegrationalisiert, was zur Folge hat, das "Arschlochfahrten" vom Festivalgelände nach Bad Berka schon im Keim unterbunden wurden, um den Untergrund der Schotterpiste, die an den nächsten beiden Tagen vornehmlich der Auffahrt auf das Areal dienen soll zu schonen. Richtig so, wer in den Ort will gönnt sich entweder einen schönen Spaziergang oder nimmt den Party-Bus mit Metal-Beschallung. Daneben gibt es in diesem Jahr neben den Dusch- und Wohnklos im Backstage-Bereich auch zwei große Nasszellen-Container auf dem Campinggelände. Für 2,50 Euro gibt´s die Dusche und schon ab 0,50 Euronen darf auf Porzellan gesch... werden. In der Flatrate kostet das Rundum-Sorglospaket für´s ganze Wochenende bescheidene sechs Euro. Fairer geht´s nimmer.

Passend zur gleißenden Sommersonne gibts Vodka-Orange mit Pfeffer und Tabasco, kurz die perfekte Einstimmung auf eine lange Party-Nacht im Zelt mit den DJ´s des Hellborn Metal-Radios, die an diesem Konserven-Auftakt des Party.Sans 2008 mal wieder Klassiker an Klassiker reihen.

Donnerstag, 07.08.2008
Was gibt es schöneres, als den Tag mit einer nahezu unangetasteten Dusche, einem wunderbaren Festivalfrühstück und einem anschließenden Spaziergang nach Bad Berka zu beginnen. Der Besuch des Eiscafés in der Fußgängerzone gehört zum Festival-Wochenende einfach dazu und ist schon seit geraumer Zeit ein fester Bestandteil des Pary.San Open Airs. Gestärkt durch Kaffee & Eis geht´s weiter in Richtung Rewe, da es uns nach Thüringer Wurstwaren zum Mittag gelüstet. Daneben ist die Anschaffung von Sonnencreme an diesem Wochenende zwingend erforderlich, denn die Sonne brennt schon wieder gnadenlos vom Himmel herab. Das hält uns allerdings nicht davon ab auch auf dem Heimweg gen Festival-Gelände die Füße in die Hand statt den verlockenden Bus zu nehmen. Außerdem bleibt auf dem halbstündigen Weg Zeit, über die anstehenden Highlights des Wochenendes zu sinnieren, während sich die Stimmung immer mehr zu einer andächtigen Vorfreude steigert.

Am Nachmittag komme ich dann noch in den Genuss einer T-Shirt-Kontrolle, als ich zwei Freunde von der Festival-Auffahrt zum Zelt geleite. Über Sinn und Unsinn wurde bereits viel diskutiert. Allerdings ist es schon etwas komisch, wenn man mit seinem Auto stichprobenhaft am Check-In herausgewunken wird, und man der Security dann ein paar seiner mitgebrachten T-Shirts präsentieren darf und den quasi Generalverdacht am eigenen Leibe erfahren muss. Letzten Endes ist alles halb so wild und eher spaßig, zumal sich das Sicherheitspersonal nicht nur in dieser Situation sondern auch in der Folgezeit absolut entspannt und der Situation angemessen Verhalten wird.(JD)

PURGATORY aus dem sächsischen Nossen sind sowas wie Stammgäste auf dem Party-San. Gern geseheneStammgäste. Und so werden sie auch wie solche empfangen. Die ersten Haarerotieren und der Sound ist angesichts der Tatsache, daß man mit Rene Kögel nureinen Gitarristen in der Band hat ausgesprochen dicht. Alles in allem eineunterhaltsame halbe Stunde die ein paarmal an Vader erinnert. Und das ist jetztmal ausnahmsweise nicht böse gemeint. (ET). DEADBORN geben sich technisch versiert, sind jedoch schon etwas zu verspielt mit all ihren vertrackten Riffings. Aufgrund dieser sehr komplizierten Spielweise, die auf Platte eindeutig besser kommt, lässt die Aufmerksamkeit dann doch sehr schnell nach. Im Publikum herrscht wenig Stimmung und niemand feiert die Band so richtig ab. Der Sänger zappelt die ganze Zeit rum und auch sonst will der musikalische Hochgenuss nicht so richtig zünden. Fazit: Auf Platte gut, live kann man sich die Band sparen.(DS) Nach einem Besuch bei Brutz & Brakel und dem ersten "Weißrussen" beginnt der Abend so richtig. Ich stoße an auf



FARSOT. Die Thüringer Avangardisten mit dem Heimspiel haben sich nach der Veröffentlichung ihres Schwarzmetall-Kleinods "llll" in Szenekreisen mehr und mehr Respekt erspielt. Trotzdem bleibt die bange Frage: Werden die Gothaer in der Lage sein, ihr Potential auch auf einer Bühne dieser Größenordnung abrufen? Sie können. Farsot übertreffen sich am heutigen Abend selbst und sorgen für eine Dreiviertelstunde Gänsehaut zur besten Sendezeit des Donnerstagabends. Minimalistisches aber ungemein effektives Stage-Acting unterstreicht eine schlichte aber grandiose Performance, die von den Songs des Debüt-Werkes getragen wird, wobei die Band erstmals ihren zwanzigminütigen Übersong in kompletter Länge live spielt. Darüber hinaus gibt es noch einen vielversprechenden neuen Titel oben drauf. In dieser Form werden Farsot ihrem Platz auf der Running Order vollends gerecht und die Thüringer dürften an diesem Abend den einen oder anderen Fan hinzu gewonnen haben. Nach diesem erfrischenden Auftritt erschrecken mich die Letten von



SKYFORGER mit einem absolut chaotischen Gig. Ich hatte die Musik der Pagan Metal-Heroen deutlich niveauvoller in Erinnerung. Jedenfalls scheinen Skyforger nicht den besten Tag erwischt zu haben. Das Trio aus dem Baltikum rumpelt sich durch die Setlist und der Soundmensch trägt auch nicht unbedingt dazu bei, das Ansehen der Jungs auf der Bühne und seiner Zunft zu stärken. Im nächsten Jahr wünsche ich mir an dieser Stelle bitte Metsatöll. Währenddessen haben Farsot sichtlich Spaß daran, der Legacy-Crew den Kühlschrank leer zu trinken und beschriften während ihrer Autogrammstunde in Ermangelung von Autogrammkarten das eine oder andere skurile Körperteil.(JD) Nachdem der letzte PSOA Auftritt der wackeren Schweden von



DISMEMBER vor einigen Jahren mal so richtig in die Hose ging da die Herrensich bereits auf dem Weg nach Deutschland im Flieger die Lampen ausschießen mussten, war heuer einiges gutzumachen. Und siehe da, die Old School Helden betraten vollzählig und nüchtern die Bühne. Freilich, auch nüchtern sind Dismember keine Filigrantechniker. Aber die Gitarren sägten wie einst auf "LikeAn Everflowing Stream". Und eben jenes Album wurde überraschend komplett aneinem Stück durchgespielt. Das gabs in der Form noch nicht. Dismember haben sich vollständig rehabilitiert. (ET)

Freitag, 08.08.2008
Nachdem die Sonne das Gelände in den letzten Stunden mehr als verwöhnt hat verspricht der Himmel gegen Mittag Abkühlung, die wir in diesem Jahr dankbar annehmen. Es tröpfelt, während sich IRATE ARCHITECT anschicken, den Freitag zu eröffnen. Die Jungs überraschten mich auf ihrem Debut "Visitors" durch eine komplexe Mischung aus Death Metal und Grindcore, die trotz aller technischer Finessen mit nachvollziehbaren Songstrukturen daher kommt. Auch auf der Bühne brauchen Irate Architect nicht hinter ihren musikalischen Paten Dying Fetus oder Misery Index zu verstecken. Die Hamburger holen auch den letzten Langschläfer mit ihrem brutalen Sound aus dem Zelt und sorgen damit für den "Hallo-Wach-Effekt". Selbst der Regen verzieht sich zwischenzeitlich.(JD) Hier braucht man nicht allzuviele Worte verlieren, diese deutschen Death-Metaller DEFLORATION rollen alles nieder. Die Grooves sind niederschmetternd und alles ist im beständigen Wechsel zwischen Blast und Midtempo. Die Stimmung ist erste Sahne und an Publikum mangelt es während dieser Band auch nicht. Fazit: Hammer! (DS) TYRANT aus Schweden machen mit ihrem rohen Sound dem Black Metal nun wieder alle Ehre und bieten eine solide Vorstellung ohne wirklich zu glänzen. Ein Achtungserfolg, welcher in punkto Eigenständigkeit im musikalischen Sinne in Zukunft ruhig noch untermauert werden darf. (CP) Er ist zurück gekehrt. Nachdem Martin van Drunen im letzten Jahr mit Asphyx ein grandioses Comeback feierte, steht der Ausnahmesänger heuer mit seiner neuen Kriegsmaschinerie



HAIL OF BULLETS, verstärkt um die Thanatos Gitarristen Stephan Gebedi und Paul Baayens, Basser Theo van Eekelen und Schlagzeug-Spezialist Ed Warby auf der Bühne. Die niederländische Allstar-Combo ist das erste große Highlight des Tages. Während



Bolt Thrower ihren separaten Merchandise-Stand ausverkaufen starten van Drunen & Co. einen derben Old School Death Metal Feldzug. Und die Geschütze aus dem Hammer Album "Of Frost And War" verfehlen ihr Ziel nicht. Souverän und siegesgewiss marschieren die gestandenen Musiker durch den erneut einsetzenden Regen in die Schlacht, geführt von einem Sänger, der weiß, wie man die Meute bedingungslos hinter sich bringt. (JD) Nach der alten Schule von Hail Of Bullets machen LIVIDITY die Brutalo-Technikschublade auf und knüppeln den Anwesenden ihre abartige Vorstellung von Sex in die Hirnrinde. Ihr Sänger ist unangefochtener Meister der unverständlichen "UiiehUhuuiehuhiieh"-Artikulationen. Musikalisch sind die US-Amerikaner über jeden Zweifel erhaben und bieten selbst denjenigen, die mit der krassen Death/Grind-Mischung nichts anfangen können großartiges Metal-Entertainment.



KAMPFAR hatte ich seit der Veröffentlichung von "Kvass" in nahezu unterirdischer Erinnerung. Mit diesem Gig rehabilitieren sich die Norweger und spielen ein solides Konzert, welches wie das ihrer Kollegen von Tyrant ohne große Höhepunkte auskommen muss. Allerdings kommt die Mischung aus klassischem rohen Black Metal und nordischer Folklore live gespielt weitaus intensiver als auf dem dem besagten, soundtechnisch etwas identitätslosen Album "Kvass".(CP) Den weiten Weg von den Faroer Inseln waren TYR gekommen um mit ihrem hymnischen Pagan Metal das Volk zu begeistern. Das gelang über weite Strecken auch sehr gut, lief aber irgendwie an mir vorbei. Zwar war das alles sehr ordentlich gespielt und auch die zweistimmigen Gesänge wurden gefällig vorgetragen, aber wirklich im Ohr blieb bei mir nur das abschließende "Hail To The Hammer".(ET) Mit der Verpflichtung von



UNANIMATED haben die Macher des Party.Sans wieder einmal einen großen Coup gelandet. Die schwedischen Urväter des mystischen Death Metals um Dismember-Basser Richard Cabeza haben Anfang bzw. Mitte der Neunziger zwei unlängst vergessene Genre-Klassiker ("In The Forest Of The Dreaming Dead" & "Ancient God Of Evil") veröffentlicht. Allein die Ankündigung von Unanimated dürfte für so manchem Fan, der jahrelang auf ein solches Ereignis gehofft aber nie mit dessen Verwirklichung gerechnet hatte, den Eintrittspreis allein wert gewesen sein. Doch die neu formierten Skandinavier haben Startschwierigkeiten bei der Erfüllung der in sie gesetzten Erwartungen. Aber man steigert sich mit jedem Song, so dass am Ende doch noch etwas von der Magie der gelobten Schwedenstahl-Scheiben durchschimmert. Immerhin bekommt hier jeder eine Antwort darauf, wer die Väter und die Inspiration des späteren Dissection-Erfolges waren. Unanimated schaffen leider nicht den ganz großen Wurf, den sich so mancher erhoffte aber trotzdem ist dieser Auftritt am Ende ein voller Erfolg, weil historisch.(JD) Die Beliebtheit von ENDSTILLE war mir schon immer ein Rätsel und sie wird es vermutlich auch bleiben. Die Musik ist abgedroschen, klischeebeladen und auch sonst einfach billig und charakterlos, der Sound eines Technikers nicht würdig. Surrende Gitarren, ein krächzender "ich hab Hass auf die Welt"-Panda, Trümmerdrums, mir bleibt es fern, wie man eine solche Rotze zu solch` einem Zeitpunkt auf die Bühne schicken kann. Zwar strafen mich die zahlreichen Anhänger (am Samstag Vormittag rennt jeder gefühlte dritte Festivalbesucher in einem Endstille-Shirt rum) lügen, ich nehme während dieser tollen Darbietung lieber Reißaus. Sollen sich doch andere damit Vergnügen.(CF) Was braucht man beim Party.San? Hut, Schirm, Gesangsbuch?Nun ja, einen Schirm eher selten, das Wetter hielt. Hüte gab es gratis nach dem zehnten Cuba Libre am Havanna Club-Stand. Und das Gesangsbuch hatte MikaelAkerfeld beim



BLOODBATH-Auftritt dabei. Gewandet in blutige Hemden traten die Schweden zu ihrer zweiten Show überhaupt an. Und da der zurück gekehrte Akerfeldt mit Opeth sehr beschäftigt ist, sei ihm der ein oder andere Blick ins Textbuch an dieser Stelle auch verziehen. Um esvorwegzunehmen: So legendär wie die Show in Wacken wurde der PSOA-Auftritt nicht.Das mag zum einen an der Setlist liegen (kein "Breeding Death" !!!!), zum anderen an der fehlenden Präsenz von Dan Swanö. Im Gegensatz zum Wacken-Auftritt konzentriert sich die Band sehr auf neues Material. Das walzt zwar auch einiges platt, aber nochmal, niemals ist es so schön wie beim ersten Mal.(ET) Was soll man über BOLT THROWER noch groß schreiben, in Wacken hätten sie spielen können aber man erteilte dem kleinen Party.San den Zuschlag. Mit ihrem eigenen Merchandise- und Autogrammstand lockten sie schon am Mittag die Festivalbesucher scharenweise an, wie sonst nur die Schnäppchenjäger zum Beginn eines Sommerschlussverkaufes. Mit "Contact and Wait Out" starten die Briten den "Tank MK ll", geben Vollgas und machen keine Gefangenen. Die übliche Soundwand überrollt alles und jeden. Klassiker reiht sich an Klassiker, da bleibt keine Zeit, sich über den erneut einsetzenden Sommerregen zu echauffieren, man ist schließlich in der Hölle zu Bad Berka, im Krieg an der Metal-Front. Bang or be banged! Bolt Thrower vereinen die Masse mit einem Wahnsinnsgig bei der nicht nur Sangeslegende Karl Willets um ein breites Grinsen des Glückes nicht umhin kommt. Soldaten dieser Erde, zieht nicht in den Krieg sondern marschiert zum nächsten Bolt Thrower Konzert und reagiert euch dort ab.(JD)

Auch wenn der Regen mittlerweile bedrohliche Ausmaße angenommen hat, so ist er doch nichts im Vergleich zu dem, was der Party.San-Gänger 2007 zu ertragen hatte. Mein mir lieb gewonnenes Zelt fällt in Ungnade, als es ausgerechnet in diesem Jahr einen Wassereinbruch rechts zu vermelden gibt, das alles während der Kollege Pfanne links tief und fest auf seiner trockenen Seite schlummert. Immerhin ist der Schlafsack trocken geblieben und ich trete den Gang zu meinem Gefährt an um auf dem unbequemen Fahrersitz zu nächtigen. Zwar lässt der Regen baldigst nach, allerdings ist es wieder eine dieser berüchtigten Party.San-Nächte, in denen die gefühlten Temperaturen nur noch knapp über der Frostgrenze zu liegen scheinen. Nach mehreren Wechseln, um eine optimale Schlafposition zu finden schlummere ich dann aber doch recht glücklich, in Erwartung eines neuen und trockenen Tages auf dem Schlachtfeld Party.San.(JD)

Samstag, 09.08.2008
Wohl dem, der den dritten und letzten Festival-Tag gediegen beginnt. Trotz des einmal wieder reichhaltigen und nahrhaften kulinarischen Angebotes von Nagelfood soll es erlaubt sein, auch einmal zum Essen von einem Porzellanteller nach Bad Berka zu gehen. Ein saftiges Steak lockt auf der Speisekarte. Leider sind wir nicht die einzigen, die sich davon locken lassen. Es dauert ewig, bis wir alle mit unserem Essen versorgt sind und somit verpasse ich leider den Auftakt der brasilianischen Exoten IMPERIOUS MALEVOLENCE und der schwedischen US-Death Sickos INSISION. Schade eigentlich...(CP) Für mich die einzige wirklich große Überraschung auf diesem Festival sind FACEBREAKER. Die CD der Jungs ist ja schon nicht schlecht, aber ohne Erwartungen zu so einem Gig zu gehen und dermaßen begeistert wieder zu gehen, wer hätte das gedacht. Absolut geile Beats und fette Riffs paaren sich mit der genialen stimmlichen Gewalt des Sängers. Ich war echt überrascht und nicht unbedingt abgeneigt diese Band in Zukunft noch öfter mal live erleben zu können. Diese Jungs gehören mal richtig promoted und als Co-Headliner auf diverse Konzerte mit ner guten Stunde Zeit sich auszutoben. Fazit: Der Wahnsinn. Wer sie nicht kennt: REINHÖREN!(DS) KOLDBRANN, wieder so eine Combo der jüngeren Black Metal Generation aus dem hohen Norden Europas. Ebenfalls wie Tyrant aus Schweden klingen die Norweger solide und bieten eigentlich alles, was man von einer grimmigen Black Metal Band erwartet. Mir fehlt trotzdem einmal wieder das gewisse Etwas, sozusagen, die Würze in der Suppe. Die Truppe versucht schließlich durch Endstille-Fronter Iblis nachzuwürzen, was den Gig am Ende auch nicht besser aussehen läßt. Wie gesagt, solide aber nicht herausragend.(CP) Zwischen den Dunkelheimern Koldbrann und Vreid sorgen die Goregrinder GENERAL SURGERY für einen blutroten eitrigen Farbtupfer der besonderen Art. Auch wenn mich solch roher Stoff mittlerweile nicht mehr ganz so vom Hocker reißen kann, solide ist es allemal, was die Schweden hier vorlegen.(JD) VREID sorgen für die saucoole dunkle Überraschung des Tages. Die Band versteht es wie keine andere den mystischen Spirit des Black Metal mit aschfahlem Endzeit-Rock ´N` Roll zu verbinden. Schlicht, ungeheuer effektiv und leidenschaftlich, das sind die Attribute mit denen Vreid hier glänzen und die feiernde Meute mehr und mehr in ihren Bann ziehen. Intensiv, authentisch, einfach mitreißend und klasse, diese Band sollte man in Zukunft auf der Rechnung haben.(CP) Das MAROON -obwohl Thüringer- es nicht leicht haben werden war wohl jedem klar. Aber warum? Weil sie eine Metalcore-Band sind? Verdammte Scheiße, Maroon machen keinen Metalcore. Definitiv nicht. Und was hier aus den Boxen kracht ist verdammt nochmal mehr Death Metal als die lauen Lüftchen von lauen Bengelchen die nur versuchen halbwegs evil aus der Wäsche zu gucken. Sänger Andre Moraweck kommt von Anfang an sympathisch rüber und lässt sich auch nicht von gelegentlichen Wurfgeschossen aus der Fassung bringen (irgendwelche Spassvögel warfen Bockwürstchen auf die Bühne). Gerade unter diesen schwierigen Umständen ist die Leistung von Maroon doppelt zu würdigen.(ET) Wer Mikka Luttinen und seine Mannen bereits am Nachmittag im Backstage zu Gesicht bekommen hat, der vermochte die wilde Entschlossenheit, nicht aber die Energie und die unglaubliche Kraft erahnen, mit der die in den letzten Jahren viel geprügelten Finnen hier zu Werke gehen.



IMPALED NAZARENE, entfachen einen apokalyptischen Feuersturm, der einmal entflammt nicht mehr zu bändigen ist. Hier stehen fünf fleischgewordene Mittelfinger auf der Bühne, fünf Sargnägel, die für "Politische Inkorrektheit" und derbsten Humor stehen. Stocknüchtern, wahnsinnig aggressiv und auf den Punkt genau, mit einem brachialen, glasklaren Sound, so prügeln sich die Stachel im Fleische der Antifa durch eine beachtliche Setlist, als müsste man die aufgestauten Emotionen der vergangenen Jahre auf einen Schlag loswerden. Hier haben sich die richtigen gefunden. Das Publikum, welches die Wiederauferstehung der Finnen herbeigesehnt hat und eine von den Fanreaktionen sichtlich gerührte Band. "Genauso habe ich mir das vorgestellt…", konstatiert ein guter Freund im Rausche der Ereignisse. Dem ist nichts hinzuzufügen, ein eindrucksvolleres Comeback hätten Impaled Nazarene kaum abliefern können. (JD) Vor nicht allzu langer Zeit waren



LEGION OF THE DAMNED als Occult schon auf diesem Festival und hatten die Hütte gerockt, nun sind sie neu formiert zurück und machen ihrem Namen alle Ehre. Diese Band ist immer schnell unterwegs, doch was mich gewundert hat, war dass so "wenig" Publikum anwesend war um sich dieses Konzert zu geben. Viele kamen erst zur Folgeband wieder und waren während der Spielzeit der Verdammten irgendwo auswärtig und anderweitig beschäftigt. (...vielleicht lag´s einfach daran, dass der Gig von Impaled Nazarene an diesem Abend einfach nicht mehr zu toppen war??? JD) Eigenartig, denn mich hat diese Band nicht zum ersten Mal überzeugt. Thrash Attack! Fazit: Live immer wieder geil!



BEHEMOTH gehören zu meinen absoluten Favoriten des Festivals und sind einer der Hauptgründe für mein diesjähriges Erscheinen. Eine absolute Ikone in Sachen Extreme Metal. Die gnadenlose Walze aus brutalen Blasts und gnadenlosen Grooves gibt jedem angetrunkenen den Rest. Pure Begeisterung strömt über den Vorplatz der Bühne und man hat das Gefühl, dass wirklich jeder für diese Band nochmal aus dem Zelt gekrochen kam. Die Setlist war einzigartig und bot mit Klassikern und Neuwertigem eine schöne Abwechslung und ließ nicht einmal die Langeweile ausbrechen. Überall flogen die Matten und kaum einer wird diese Band in schlechter Erinnerung behalten können. Fazit: "We would like to see most of the human race killed off, because it is unworthy... it is unworthy of the gift of life!" - Antichristian Phenomenon, Behemoth (...wie man´s nimmt, die Polen sind zwar spielerisch und showtechnisch eindrucksvoll, vermasseln sich und vielen anderen Anwesenden die perfekte Show, indem sie durch ihre penetrante Erbsenzählerei ein Drittel der kostbaren Spielzeit für den Soundcheck verdaddeln - Leute, dass habt ihr auf dem Tuska wesentlich besser gemacht...JD) (DS) So, Zeit für den Headliner.



OBITUARY. John Tardy schlurft über die Bühne wie ein tapsiger Bär und brüllt als wär ihm eine Dampfwalze über den großen Zeh gefahren. "Find The Arise" ist ein Einstieg nach Maß, und der Florida-Fünfer weiß ganz genau welche Erwartungen die Partisanen an sie haben. Und diese werden erfüllt. Obituary hämmern, kloppen und brüllen als wären sie nie weg gewesen und zeigen wie zeitlos ihre Form von Death Metal ist. Wo heutzutage alle versuchen sich gegenseitig in Sachen Gefrickel oder Geschwindigkeit zu überbieten, weisen Obituary eher auf ihre Celtic Frost-Schallplattensammlung hin. Und das ist gut so. Punkt. Spätestens bei "Slowly We Rot" ist jedem klar wer es erfunden hat. Eines Headliners mehr als würdig!!!(ET) Obituary beenden das Festival und entlassen ein rundum zufriedenes Festival-Publikum in die abschließende Party-Nacht 2008. Wieder einmal soll sie lang, laut und feuchtfröhlich werden. Und spätestens beim obligatorischen Abba-Klassiker "Thank You For The Music" wird klar, dass wir in diesem Jahr nicht nur aufgrund des wohlwollenden Wettergottes das entspannteste und am besten organisierteste Party.San Metal Open Air der letzten Jahre in Bad Berka erlebt haben.

Und als wenige Stunden später die Zelte abgebrochen werden, damit jeder bis zum nächsten Jahr wieder seiner Wege gehen kann ist bereits klar. Nächstes Jahr, gleiche Stelle, gleicher Ort, wo doch SATYRICON, SHINING oder MARDUK bereits heute vom PSOA 2009 künden. In diesem Sinne verneigt und bedankt sich ein erschöpftes Twilight/Metalglory-Team vor und bei der gesamten Party.San-Crew 2008 und freut sich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Namentlich tanzten, lachten, schwitzten und arbeiteten auf dem Party.San Metal Open Air 2008.