Ragnarök Festival 2014

  • Datum: 25. / 26.04.2014
  • Ort: Stadthalle Lichtenfels
  • Besucher: ca. 3500
  • Tickets: 60 €
  • Redakteur: Martin Storf
Ragnarök Festival 2014

Jahreszeitenbedingt ist es Ende April noch sinnvoll, das Ganze drinnen stattfinden zu lassen. Das sollte sich auch dieses Jahr wieder bestätigen. Im Inneren der Stadthalle Lichtenfels befinden sich zwei Bühnen, die jeweils abwechselnd bespielt werden, so dass es weder zu Überschneidungen, noch zu langen Umbaupausen kommt. Sehr praktisch ist auch die Tribüne, die sich perfekt zum Ausruhen eignet ohne dass man etwas verpasst. Vor der Stadthalle sind ein paar Fress- und Saufstände, sowie der übliche Metalmarkt aufgebaut. Vor den Toren lagern in einer Ecke ein paar Wikinger und hinter der Halle dürfen die ganz Harten zelten. Die Mittel-Harten nächtigen in der zum Schlafsaal umfunktionierten Turnhalle und die Whimps (wie beispielsweise Presseberichterstatter) bevölkern die umliegenden Pensionen und Hotels.

Nicht nur der Reporter, auch die Bands haben mit Verkehrsstaus zu kämpfen. So schaffen es FÄULNIS nur wegen leichten Verschiebungen in der Running Order pünktlich auf die Bühne. Aus Berlin kommend, springen sie quasi direkt vom Auto auf die Bühne. Vorher haben dann schon Bands wie CRAVING (die gerade mit ihrer Coverversion von "Only Teardrops" in einem dänischen Handy-Werbespot für Furore sorgen), KRAMPUS und MINAS MORGUL die Bretter gerockt.

Von außerhalb der Halle kann man dann schon die Klänge von EIS eindeutig zuordnen. Endlich im Innern angekommen, sieht man dann auch die Bühnendeko mit dem Wetterkreuz als Markenzeichen. Das ebenso benamte letzte Album bildet dann auch einen Schwerpunkt des Auftritts, mit dem Black Metal-Brett "Mann aus Stein" als abschließendem Highlight. Jedoch greift die Band auch auf alte Stücke zurück und spielt "Tiefenrausch" aus der EISMALSOTT-Demophase oder "Winters Schwingenschlag" für die schon ziemlich volle Halle.

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Wegen gesundheitlicher Probleme des GRAVEWORM-Drummers mussten die Südtiroler spontan absagen. Deswegen dürfen die anderen Bands einen Song länger spielen und die Russen ARKONA betreten als nächstes die Bühne. Diese stellen ihr neues Album "Yav" vor, dessen Titelsong auf die Repräsentation der irdischen Welt in der russischen Mythologie verweist. Dem heidnischen Stil entsprechend, ist Sängerin Masha auch in Fell gekleidet. Kalt ist ihr zumindest bei der Performance in der Halle nicht. Des Öfteren schreit sie sich auf Russisch die Seele aus dem Leib, während ihre Bandkollegen sie mit typischen Paganmetal-Elementen inklusive einer Flöte unterstützen. Interessanter Auftritt.

Bei den Folkmetal-Veteranen BORKNAGAR steht heute Athera von SUSPERIA am Mikrofon. Und der meistert seine Rolle gut. Bei Liedern wie dem Opener "The Genuine Pulse" bilden die Bandmitglieder den typischen Wikingerchor, während das Publikum auch neue Lieder wie den "Urd"-Opener "Epochalypse" abfeiert. Auch Bassist ICS Vortex darf sich mehrmals als Sänger betätigen und sorgt im Duett mit Athera für den typischen BORKNAGAR-Sound.

Nun wird es Zeit für den Headliner des ersten Abends. Schnell werden am Metstand (von dem man einen exzellenten Blick auf die rechte der beiden Bühnen hat) noch die Trinkhörner nachgefüllt, der Wikingerhelm wird gerichtet und es geht ab in die Menge. FINNTROLL beherrschen unter ihrem selbstgewählten Motto "Rot'n'Troll" die Menge nach Belieben. Das Keyboard-Akkordeon gibt die Melodie vor und im Publikum wird gegrölt und getanzt, Smashhits wie "Jaktens Tid" und "Trollhammeren" werden abgefeiert. Das Set bietet eine muntere Abwechslung aus allen Schaffensperioden und findet mit "Solsagan", bei dem das Publikum noch einmal ausrasten und den Happy Viking Metal feiern darf nach über einer Stunde ein würdiges Ende.

Dann wird es schnell merklich leerer, obwohl nun mit KAMPFAR eine Band kommt, die mit "Djevelmakt" ein sehr gutes neues Album am Start hat. Aber von der doch um einiges schwarzmetallischeren Ausrichtung werden wohl einige FINNTROLL-Fans verschreckt und suchen das Weite. Mit dem Introsong "Mylder" vom neuen Album beginnt dann auch das Set und die Blackmetal-Riffs vertreiben schnell alle um nach Mitternacht aufkommende Müdigkeit. Sänger Ask gibt sich redselig und beschwert sich, dass der deutsche Zoll ihm diesmal tatsächlich all Spikes weggenommen hat, obwohl das früher nie ein Problem war. Unbespiket kündigt er dann auch noch an, "alten Scheiß von 1994" zu spielen. Den Anwesenden gefällt's. Die akustischen Zwischenstücke werden schnell von Blackmetal-Attacken weggeblasen, so dass die 50 Minuten Spielzeit wie im Fluge vergehen. Nach dem Auftritt wird man dann recht schnell aus der Halle gekehrt, so dass man vor der Halle, auf dem Zeltplatz oder bei den Wikingern weiterfeiern muss.
 
Der Freitag beginnt für viele frühmorgens (das heißt um kurz vor 14 Uhr) mit SKÁLMÖLD. Die Isländer haben das Symphonieorchester, mit dem sie ihr letztes Album aufgenommen haben, zu Hause gelassen, trotzdem ist es vor der Bühne schon ziemlich voll. Der groovende Rhythmus von Liedern wie "Miðgarðsormur" zielt direkt auf die Magengrube, getragener, isländischer Gesang wird von obligatorischen Wikingerchoreinlagen unterstützt.

ADORNED BROOD hat sich in ihrem langen Bestehen eine recht große Fanbasis erspielt, die nun den Platz vor der Bühne bevölkert. Und die scheint zu wissen, was sie erwartet. Mit Kirmestechno-Intro startet das Set. Die Querflötistin  liefert sich packende Duelle mit dem tragbaren Modern-Talking-Gedächtniskeyboard. Eine Nora-Halskette kann ich allerdings zum Glück nicht entdecken. Auch im weiteren Verlauf wird viel geflötet und Party-Kracher wie BOTS' "7 Tage lang" verwurstet, was die Menge begeistert. Aber natürlich kommen auch die eigenen Songs wie "Victory or Valhall" oder "Call of the Wild" nicht zu kurz.

Bei XIV DARK CENTURIES wird es voll auf der Bühne. Die Thüringer haben sich Verstärkung mitgebracht und so schlagen zwischen Fackeln und Geweihen Recken in stolzer Rüstung aufeinander ein, während die Band unbeirrt ihren Pagan Metal zelebriert. Lieder wie "Runibergun" und "Skithingi" werden mit Keyboard-Fanfaren untermalt. Draußen hat es inzwischen angefangen zu regnen, was die restliche Ritterschar aber nicht davon abhält, den Vorplatz zum Kampfschauplatz zu machen. Eine kurzweilige Show.

Dem Namen entsprechend düster geht es bei FINSTERFORST los. Nach einem bedrohlichen Intro wird sofort mit "Hammerfeste" losgebrettert, das mitgebrachte Akkordeon schafft es ob des blackmetallischen Einschlags kaum, sich Gehör zu verschaffen. Lediglich bei den ruhigen Passagen hat es eine Chance. Ein guter Auftritt, bis es dann mit dem obligatorischen "Vogelhochzeit" doch etwas arg albern wird. Die Zuschauer bekommen, was sie erwarten und haben Spaß dabei. Fiderallala…

Ein Heimspiel auf dem Festival haben FJOERGYN, die ihre "Misanthropie in E-Moll" mit ganz eigenen Klangwelten präsentieren. Die drei Sänger (inklusive Ragnarök-Veranstalter Ivo) teilen sich auf in Growls, Klargesang und flüsternden Sprechgesang, die Musik ist oft langsam und intensiv. Bei Stücken wie "Katharsis" und "S. I. N." werden Feuereffekte stimmungsvoll eingesetzt.

Nebenan dürfen dann STORMLORD ihren italienischen Hang zum Bombast ausleben. Zu Beginn darf eine weißgewandete Schönheit ein Schild hochhalten, dann legen die maskierten Musiker los. Während beim ersten Song noch Midtempo-Gekreische mit hohem Keyboardeinsatz dominiert und das Publikum eher verhalten agiert, werden kurz darauf die Masken aus- und das Tempo angezogen. Bei "Legacy of the Snake" kommen dann sogar orientalische Töne zum Einsatz, das Keyboard hat das ganze Set über einiges zu tun.

Dann wird es Zeit für ein TROLLFEST. Von vielen heiß ersehnt, von einigen mit hochgezogenen Augenbrauen quittiert. Nachdem das Carmina-Burana-Intro verklungen ist, steht ein lustiges Trollvolk in weißen Laborkitteln auf der Bühne. Einer hat einen grünen Laserpointer auf dem Kopf. Der zweite Drummer scheint vollkommen durchgeknallt, ab und zu drischt auch noch der vollbärtige Sänger auf eine Trommel ein, auch das Akkordeon kommt wieder zum Einsatz. Das Britney-Spears-Cover "Toxic" wird abgefeiert, ein Abbath-Double spielt Tamburin. Am Ende bevölkern circa 30 Leute die Bühne und das Publikum darf bellen. Alles verstanden? Nicht? Dann selber schauen.

Bei den nachfolgenden AGRYPNIE hat die Humppa-Spaß-Fraktion Pause. Mit kaltem, klinischen Black Metal gehtes  um einiges ernster zur Sache. Das Set das nach dem "Trümmer/Aetas Cineris"-Intro folgt, besteht aus zehn Jahren Bandgeschichte. Die Doublebassgewitter werden von Flammenstößen untermalt, Sänger Torsten schreit sich bei Stücken wie  "Cogito Ergo Sum" oder "Zorn" die Seele aus dem Leib. Das düstere "Fenster zum Hof" wird wieder von Feuer begleitet. Als letzter Song spielt die Band "Brücke aus Glas" ohne Gastsänger, und vor der Bühne wird noch einmal ordentlich gebangt.

Morituri Te Salutant! IMPERIUM DEKADENZ geben sich die Ehre. Die Bühne ist mit Efeu geschmückt. Das Duo mit Gast-Drummer bleibt mit seinem Black Metal meist im Midtempo-Bereich (Opener "Der Dolch im Gewande"), der des Öfteren mit Akustikelementen durchsetzt wird. Härte und Düsternis verliert er dadurch aber nicht, das Bedrückende der überlangen Stücke ist fast mit Händen greifbar. Da kein Lied unter sieben Minuten bleibt, ist wird schon nach fünf Liedern mit "Tränen des Bacchus" eine würdiger Schlusspunkt des Auftritts gesetzt.

Bei MANEGARM kommt noch einmal die Wikingerfraktion zum Zuge. Folgerichtig sorgen die Schweden mit ihren Nordmann-Chören für ordentlich Moshpit im Publikum. Das ganze Set wird ordentlich nach vorne geprügelt, aber auch die Synthies vom Band kommen nicht zu kurz bei den in Schwedisch oder Englisch gegrölten Songs.

Nun wird es Zeit für den eindeutigen Headliner des Abends. Es wird still auf und vor der Bühne und alles wartet auf SATYRICON. Der langsame Herzschlag von Frosts Bassdrum setzt ein, dann folgen die Gitarren und spielen eine monotone Melodie, bis Frontmann Satyr die Bühne betritt. Dann bricht mit dem 94er-Klassiker "Hvite Krists død" die Hölle los. Der Sänger dirigiert das Publikum und hat es fest im Griff. Kompromisslos dürfen sich die Musiker austoben. Bei Klassikern wie "Now Diabolical" grooven die Gitarren und die Menge übernimmt begeistert den Refrain, "Fuel for Hatred" wird abgefeiert, während sich Satyr immer wieder an seinem Mikrofonständer festkrallt. "Mother North" und "K.I.N.G" sind dann der krönende Abschluss des Sets, das etwas unter dem vermatschten Sound leiden muss, den auch schon ein paar Bands vorher hatten.

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Die undankbare Aufgabe als nächste Band aufzutreten haben dann TODTGELICHTER. Aber wer nicht da bleibt, der verpasst etwas! Die Band ist ganz in weiß, selbst Haare und Gesichter sind weiß gefärbt. Die vielseitige Frontfrau Marta wechselt bein Liedern wie "Neon" zwischem harschem und klaren Gesang. Die sehr gute Stimme klingt teilweise fast chansonartig. Bei "Phobos & Deimos" darf AGRYPNIE-Sänger Torsten noch einmal aushelfen. Nach sieben Songs ist mit "Allmählich" dann viel zu früh Schluss.

Den Festivalrausschmeißer dürfen dann NEGATOR spielen. Und das schaffen sie mit ihrem "Panzermetal" recht gut. Kompromissloser Blackmetal ohne viel Abwechslung, bei dem Doublebass und Blastbeats regieren. "The Last Sermon" passt perfekt, um die letzten Biere zu kippen, bevor dann die Halle für dieses Mal endgültig geschlossen wird.