ROCKHARZ 2010

  • Datum: 08. - 07.2010
  • Ort: Ballenstedt
  • Besucher: 7500
  • Tickets: 54 Euro + VVK

Das heisseste Rockharz aller Zeiten!

Seit das Rock – Harz Open Air auf dem neuen Gelände in Ballenstedt stattfindet stimmt auch die Organisation. Endlich hat man einen kompakten Platz mit kurzen Wegen vorzuweisen und nicht wie die Jahre zuvor total quaotisch mit den zersplitteten Campingmöglichkeiten und unzumutbar weiten Wegen bis zum Festivalplatz. Weiter so !

Hatten die Veranstalter die letzten Jahre oft mit dem Wetter Probleme , denn der Harz ist für seine regenreiche Witterung bekannt. Ich weiß nicht wie oft ich mit dem Motorrad dort abgesoffen oder vom Sonnenschein in den Regen rein gefahren bin oder in letzter Minute die Flucht aus den Kammlagen ergriffen habe und den schwarzen Wolken davon gefahren bin. Dieses Jahr jedoch bot sich genau das andere Extrem. Brütende ,kaum zu ertragende Hitze. Um die 40 Grad müssen denn dann doch nicht sein. Zehn Weniger hätten es auch getan.

DONNERSTAG

Mit Devil Driver kam das erste Highlight für mich auf die Bühne. Nach anfänglichen Soundproblemen kamen die Jungs in Fahrt und die ersten Kreise wurde in den heissen Boden getrampelt. Mit Wasserschläuchen versuchte die Feuerwehr und Secu die Menschen ein wenig Abkühlung zu Verschaffen, was bei Temperaturen von 38 Grad auch sehr hilfreich war, aber ob ich unbedingt Wasser von anderen Leuten ins Gesicht bekommen möchte, wag ich zu bezeifeln. Die US Boys hatten eine gute Setlist mit u.a. "Pray For Villains" und "Clauds over California" und brachten als erste Band ein Wenig Stimmung in die Harzer Fangemeinde.

The Haunted waren für mich eine der wenige Bands, die ich noch nie live gesehen habe und ich war gespannt, was die Schweden uns bieten konnten. Peter ist am Micro ne wirkliche Rampensau und man sieht in seinen Gesichtsausdrücken, dass er den Metal noch wirklich lebt. Irgendwie kommen die Jungs aber beim Publikum nicht wirklich an und so wurde es ein eher mäßiger Auftritt und für mich eine klare Enttäuschung und hoffe das sie nochmal eine Chance bekommen werden.

Mit Sonata Arctica enterte am ersten Festivaltag eine der kurzweiligsten Bands die Bühne. Ich verfolge die Jungs nun schon seit einigen Jahren und bin immer wieder erfreut, mit welchem Spass die Finnen ihre Konzerte abfeiern.
Frontmann Tony schafft es immer wieder seine Fans auch zwischen den Songs mit Witz zu unterhalten und zeigt, dass er bei den Songs nicht nur unter Studiobedingungen seine Stimme so richtig hochdrücken kann (…ob er sich wohl öfter mit Tobi Sammet von Edguy trifft?). Der gute Sound tat sein Übriges dazu, dass auch bei den ruhigen Liedern die symphonischen Keyboardelemente gut herauskamen (was bei Festivals oftmals untergeht). Die Songauswahl ist da fast schon nebensächlich, obwohl die Jungs mit „Flag in the ground“, „The last amazing days“ oder „Don´t say a word” (um nur drei zu nennen) eine gute Wahl getroffen haben.
Ein gelungener, aber viel zu kurzer Auftritt.


Die Apokalyptischen Reiter sind live immer wieder ein Erlebnis und für mich eine der wenigen Deutschen Bands, die es schaffe, das Publikum in den Bann zu ziehen und in Begeisterung und mitsingen zu bringen. Fuchs ist einer der wenigen Sänger im Metalbereich, der alles gibt und ständig in Bewegung ist. Songs wie "Riders on the Storm", "We will never die", "Revolution" und "Friede sei mit dir" durften auch bei diesem Auftritt nicht fehlen. Rundum zwar fast nur neue Songs, aber eine gute Setlist und gelungener Auftritt.

Auf Feuerengel habe ich mich persönlich sehr gefreut. Da es mittlerweile fast unmöglich geworden ist, als normalsterblicher an die Tickets ihrer Songwriter Rammstein heranzukommen (es sei denn, man will 200 Euro bezahlen), kam es vielleicht auch vielen anderen Rammsteinfans gelegen, die gecoverten Versionen zu hören, bzw. zu sehen. Feuerengel machten da auch keine Gefangenen und legten sofort wie ihre Vorbilder los. Leider konnte man nicht wie Rammstein riesige Bühnenaufbauten und die volle Pyroshow auffahren, aber es kam schon sehr nahe daran. Wenn ich zwischendurch die Augen geschlossen habe und nur zur Musik hörte, hätte man auch meinen können, dass dort Herr Lindemann & Co. musizieren.
Nicht umsonst werden Feuerengel als Rammstein-Coverband Nr.1 gehandelt.
Auch hier lautet mein Fazit: eine super Show und viel zu kurz.

FREITAG

Equilibrium kamen auf die Bühne und ich war echt gespannt, wie der neue Sänger sich machen würde. Charisma hat der 2m Klotz auf jeden Fall und die Stimme ist ebenfalls sehr fett. Hätte nicht gedacht, dass die Jungs und Mädel einen so guten Ersatz für Helge finden werden. Die Menge war auch gleich Feuer und Flamme und Equilibrium brachte ein HIT nach dem anderen. Songs wie "Met", "Blut im Auge", "In heiligen Hallen" und "Unter der Eiche" durften natürlich nicht fehlen. Insgesamt ein solider Auftritt im neuen Gewand.

Die schwedischen Black-Metaller von „Marduk habe ich schon desöfteren live gesehen aber überzeugen konnte mich die Band nie richtig. Aber ich finde das Problem liegt in der Stielrichtung. Alle brutalen Schwarzmetaller haben Schwierigkeiten die teilweise krasse Marschrichtung interessant und druckvoll auch live rüber zu bringen. Auf CD noch ok bleibt live meistens was auf der Strecke. Genau so war es leider auch.

Kreator und Overkill diese beiden Namen stehen für Thrash-Geschichte. Beide Bands veröffentlichten 1985 Ihr Debut-Album und markieren seitdem die Speerspitze der internationalen Thrash-Bewegung. Unzählige Veröffentlichungen und eine Auswahl an Hammersongs die überhaupt für so einen Gig nicht zu kompensieren sind. Da gibt es keine Frage ein Auftritt dieser Truppen ist immer oberste Qualität. Ich für meinen Teil habe beide schon so oft gesehen da ist dann doch irgendwo der Reiz weg.


SAMSTAG

Der „Checker“ mag ja ein cooler netter Typ sein. In der Glotze immer gern gesehen aber auf der Bühne lockt er mich mit seiner Band „Eisbrecher„ aber hinter keinem Ofen vor. Zum weglaufen die Mucke. Aber den Kids gefiel es und das ist die Hauptsache. Bei mir fängt das Eis noch nicht mal an zu reißen, das Ding ist fest gefahren.
Ich ergriff die Flucht!

Der eigentliche Höhepunkt für mich waren die deutschen Deather von „Disbelief“. Ihr relativ simpler, mittelschneller Stiel hat das gewisse etwas. Power und Feeling werden gekonnt vereint und fesseln mich. Auch nicht seit gestern in Szene merkt man der Band die jahrelange Erfahrung an und dementsprechend professionell wirkt der Gig.

Therion“ habe ich Anfang der 90ér gehört. Kaum jemandem werden diese Frühwerke bekannt sein. Dumpfer, düsterer Death-Metal herrschte damals im Hause „Therion“. Doch mit jeder Veröffentlichung verlies man immer mehr diese Pfade und ich die Band aus den Augen. Genau deshalb wollte ich jetzt sehen was geworden ist. Und es ist wie Tag und Nacht. Nicht das geringste erinnert an die Anfangstage. Der Name „Therion“ steht heute für Melodie, Melancholie und größtenteils für Frauengesang der gewöhnungsbedürftigen Sorte. Einerseits erschreckend andererseits bietet man dem Hörer einen hohen Widererkennungswert. Ich jedoch würde die Wurzeln bevorzugen zu denen die Band aber mit Sicherheit niemals zurück kehren wird.

Für den Freitag habe ich mir Rage auf den Plan geschrieben, die bei mir seit der Lingua Mortis-Scheibe nicht mehr wegzudenken sind (und die ist ja schon eine Weile her…). Auch Peavy und seinen Mannen ist der Spass, auf der Bühne stehen zu dürfen, immer noch anzusehen. Was drei Musiker so alles abfeuern können (natürlich hilft ein Sampler für die symphonischen Parts im Hintergrund ein wenig nach). Kein Wunder, da Viktor Smolski zu einem der besten Gitarristen gehören dürfte und es immer wieder schafft, auch live saubere Soli und fette Riffs hinzuschmettern. Nicht zu vergessen Drummer Andre Hilgers, der technisch immer wieder top ist und sich nicht hinter seiner Schießbude verkriecht, wie es so manch anderer Drummer macht. Peavy war super aufgelegt und konnte das Publikum rundherum begeistern, sodass die Dreiviertelstunde auch hier wieder viel zu kurz war. Aber mal im Ernst: selbst bei einer Headlinertour könnte diese top aufeinander eingespielte Band nicht alle ihre Hits bringen.

Sonic Syndicate aus Südschweden sind in Sachen Melodic Death Metal zu einem Geheimtip geworden. Bereits vor 2 Jahren haben sie mich auf der In Flames Tour begeistert. Die Mischung mit zwei Sängern ist gut abgestimmt und die Songs sind extrem melodisch, sodass sich diese Band doch von vielen anderen ihres Genre abhebt.

Da die Bandmitglieder noch sehr jung sind, haben sie extrem Feuer im Arsch und zeigen das auch ihren Fans. Da stand so mancher Headbanger, der die Band noch nicht kannte, mit offenem Mund neben mir. Wem extremes Geballer zu heftig ist und Powermetal zu schnulzig, der sollte sich Sonic Syndicate reinziehen!

Mit DORO war am letzten Abend einer der Headliner angesagt. Die Metalqueen aus Düsseldorf ist auch nach 25 Jahren Bühne immer noch nett anzusehen und hat immer noch eine Menge Dampf im Hintern. Auch wenn sich alle paar Jahre das Karussel in ihrer Band dreht und hier auf dem Rock Harz wieder zwei neue Musiker auf der Bühne standen, leidet die Show nicht darunter. Songs wie „I rule the ruins“, „Burning witches“ oder das niemals fehlende “All we are” kann jeder mitsingen. Auch ihre Bandvorstellung mit Drummer Johnny Dee und Basser Nick Douglas, die ihr als einzige nun schon seit 17 Jahren die Treue halten, darf nicht fehlen. Als tolle Geste muss man ihr die Worte zum Tode von Ronny James Dio anrechnen, den sie sehr gut gekannt hat. Sicherlich war es eine typische DORO-Show mit wenig Überraschungen, aber dennoch eine solide Vorstellung, wie man es von ihr gewohnt ist. Den Fans hat es jedenfalls gefallen.

Eure Twilight Crew: Burkhard Becker, Frank Beck und Marcel Hübner

Drei Tage absolute Hitze, drei Tage geile Bands. Das ist das kurze Fazit dieses Festivals.

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