Serengeti Festival 2011

  • Datum: 22 - 23.07.2011
  • Ort: Schloß Holte-Stuckenbrock
  • Besucher: 8000
  • Tickets: 50 Euro + VVK
Serengeti Festival 2011

Sonne, Sonne, nichts als Sonne. So zeigte sich die letzte Festivalsaison. Dieses Jahr allerdings schienen die Festivals unter keinem guten Wetterstern zu stehen. Erst Anfang Juli ist das With Full Force im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen und nun wurde für das Serengeti Festival auch kühles und regnerisches Wetter vorhergesagt. Zum Glück zeigte sich der Wettergott gnädig und verschonte uns trotz kühler Temperaturen größtenteils vom Regen. So öffnete also das sichtlich wachsende Serengeti im beschaulichen Städtchen Schloß Holte-Stukenbrock vom 22.-23.7.2011 bei akzeptablem Wetter mit einigen Veränderungen seine Pforten. Eine Veränderung war zum Beispiel die neue Lokation. Während im vergangenen Jahr aufgrund knapp kalkulierter offizieller Campingmöglichkeiten noch Wiesen und Parkplätze rund um das Festivalgelände belagert wurden (was durchaus auch seinen Charme hatte), hatte man beim neuen Gelände direkt neben dem Safaripark fast an alles gedacht. Neben einem größeren Festivalgelände wurde für einen eigenen Campingplatz mit Duschen, Toiletten, einer Art Kiosk und für ausreichend Parkplätze gesorgt. Schade nur, dass man nicht neben seinem Auto zelten durfte, denn so wurden die Arme, bepackt mit Zelt, Grillgut, Getränken und Klamotten auf dem Weg zwischen Parkplatz und Zeltplatz ganz schön lang. Aber davon mal abgesehen hat das Serengeti absolut gehalten was es versprach. Mit einem bunten musikalischen Mix und hochkarätigen Bands lockten die Veranstalter Besucher von nah und fern. Genauso wie im vergangenen Jahr brachte das Serengeti die unterschiedlichsten Genres wie Punk, Mittelalterrock, Hard- und Metalcore, Psychobilly und sogar Hip-Hop und Rap unter einen Hut und begeisterte damit seine Fanscharen! Was im vergangenen Jahr Boppin’B (D) war, waren dieses Jahr Mad Sin. Anstelle von Sonderschule waren WIZO geladen. Die Mr. Irish Bastard und Subway to Sally des letzen Jahres fanden sich dieses Mal in der Letzten Instanz und In Extremo. Tja, und was im vergangenen Jahr Skindred waren, waren auch beim diesjährigen Serengeti Skindred. Und glaubt mir, das war noch lange nicht Alles!

Freitag, 22. Juli
Arbeitsbedingt konnten wir leider erst am Freitagabend anreisen. Eigentlich dachten wir, genug Puffer bis zum Start von Pennywise eingeplant zu haben, doch wie so oft kommt alles anders als man denkt. Wir hatten einfach nicht damit gerechnet, dass uns unser Navi zu einem britischen Truppenübungsplatz führt, anstatt den direkten Weg zum Festivalgelände zu weisen. Als nun plötzlich ein Militärjeep mit Sirene an uns vorbeidüste, hätte man glatt denken können, von einem Ranger aus der Serengeti Savanne überholt zu werden. Nachdem diese Schwierigkeit gemeistert, das Auto entladen und das Zelt aufgebaut war, schafften wir es doch noch zu den letzten 20 Minuten von Pennywise. Wer die kalifornische Punk-/Melodic-/Hardcore-Rocker schon mal live erleben durfte, weiß, welch unglaubliche Bühnenpräsenz die Jungs haben. Deswegen war klar, dass vor der Bühne kräftig gepogt, gegrölt und gefeiert wurde. Hand aufs Herz, Songs wie „The Western World“ und „Something To Live For“ sind einfach nur genial und gehen geradewegs unter die Haut. Außerdem steht der Band, wie ich finde, die Stimme des Ingnite Sängers Zoli (seit 2010 auch festes Pennywisemitglied) ganz ausgezeichnet. Krönender Abschluss des Gigs und Singalong-Muss für Jedermann war natürlich traditionell die Bro Hymn. Pennywise waren für uns der perfekte Einstieg ins Festivalwochenende. Wir waren bereit für Mehr und das sollte nach einer kurzen Umbaupause mit WIZO nicht lange auf sich warten lassen.
WIZO live zu erleben war schon eine Ehre, schließlich haben mich die deutschen Punkrocker musikalisch durch meine Jugend begleitet. Außerdem sind die Liveauftritte auch nach der WIZO Reunion von 2009 rar. Das haben sich wahrscheinlich auch die anderen so zahlreich erschienenen Feierwütigen gedacht. Wer den Deutschpunk kennt, kann sich vorstellen, wie es im Mop abging. Zum Aufwärme haben WIZO trotzdem erst einmal ruhig begonnen und „Hey Thomas“ zum Besten gegeben. Bei „Dieser Welt“ gings zu Ska-Klängen dann schon etwas heißer her. Nur gut, dass „Waiting for You” wieder Zeit zum Verschnaufen ließ. Auch wenn es sicher Punkbands gibt, die mit einem stärkeren Garagensound und schnelleren Rhythmen auffahren, wussten WIZO ihre Fans über eine Stunde lang zu begeistern. Die Jungs machen Spaß und deswegen waren sie für mich auch der heimliche Headliner des Abends.
Das Serengeti wäre nicht das Serengeti, wenn es nicht den Spagat zwischen den verschiedensten Spielarten wagen und natürlich auch mit Bravour hinbekommen würde. Wen wundert es also, dass die Feierlustigen das Tanzbein nach deutschem Punk zu deutschem Mittelalterrock schwangen. In Extremo dürften den meisten ein Begriff sein, schließlich kennt man sie nicht nur wegen ihrer langen Bandhistorie sondern auch aus den Top Ten der deutschen Albumcharts und durch ihren Auftritt bei Raabs Bundesvision Song Contest. Auch wenn ich selbst keine große Liebhaberin von derartigen Mittelalterklängen bin, habe ich mir die Show angesehen und musste wieder einmal feststellen, wie Textsicher die In Extremo Anhänger doch sind. So wurde zu allen Liedern kräftig mitgesungen und die Headlinershow entwickelte sich zu einem illustren Tanzfest.
Erst weit nach Mitternacht fiel der Vorhang und der erste, sehr gelungene Festivalabend war vorbei. Diejenigen, die noch nicht genug hatten, machten noch einen Abstecher ins festivaleigene Partyzelt, die anderen stolperten Richtung Zeltplatz, wo noch bis tief in die Nacht gegrillt, getrunken und ausgelassen gefeiert wurde.

Samstag, 23. Juli
Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht im Zelt begann der Samstag mit mehreren kleinen Regenschauern. Als der Wettergott sich dann jedoch endlich für Sonnenschein entschieden hatte, nutzten wir die freie Zeit bis zur ersten Band für eine morgendliche Dusche. Also ging es los zu den Duschkabinen und was sich dort meinen Augen bot, konnte ich kaum glauben: Bei gleicher Duschenanzahl hatte sich vor dem Männerwagen eine mindestens 20 Meter lange Schlange gebildet! Und bei den Frauen? Nichts, rein in den Wagen und los ging es! Irgendwie ging mir in dieser Situation immer wieder die Aussage alteingesessener Festivalgänger durch den Kopf: „Duschen auf nem Festival ist nur was für Frauen.“ Tja, ihr Lieben, diese Zeiten sind wohl längst vorbei!
Frisch geduscht stand für uns zuerst Adept auf dem Programm. Komisch nur, dass wir es gar nicht pünktlich geschafft haben. Das lag wohl an dem eher ungeplanten, aber doch sehr entspannten, AUSGEDEHNTEN Grillen zum Mittag. Dabei ist Adept eine Band, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Für mich eindeutig eines der Highlights des Festivals. Erst im März veröffentlichten die Schweden ihre zweite LP, die durchweg positive Kritiken erhaschte. Nun war es also an der Zeit auch die Livequalitäten unter Beweis zu stellen. Eins ist sicher, die Post-Hardcore/Metalcore Band wütet on Stage genauso wie auf Platte. Für mich gehören die Schweden mit ihrem facettenreichen Gesang, den knallharten Breakdowns, Blastbeats und den vielen kleinen instrumentalen Raffinessen zu den ganz großen Hoffnungsträgern dieser Spielart. In “This Ends Tonight” singen sie: „You say you’ll die for me, so what are you waiting for“. So weit ist es mit meiner Zuneigung dann doch noch nicht, aber dennoch hoffe ich sehr, dass die Jungs eines Tages das Abendprogramm der Festivals füllen werden!
Weiter ging es mit Mad Sin und schon stachen Psychobillies mit gegelten Harren, hochgeschlagenen Bluejeans und die weiblichen Begleitungen mit rot glänzenden Fingernägeln und Lippen in die Augen

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Mit Mad Sin trat eine der bekanntesten deutschen Psychobilly-Bands auf die Bühne. Obwohl Köfte nach einigen Song sichtlich (bzw. hörbar) außer Atem war, strotze er nur so vor Spielfreude. Das Publikum dankt es ihm und so pogte der Pulk um die Wette. Natürlich ließen es sich die Berliner nicht nehmen, ihre im vergangenen Jahr rausgebrachte Platte „Burn And Rise“ zum Besten zu geben, aber auch „Oldies“ wie „Point of no Return“ und „Communication Breakdown“ durften nicht fehlen. Somit machte auch der Auftritt von Mad Sin auf dem Serengeti 2011 einiges her.
BOYHITSCAR lassen sich, wie ihr Name so schön sagt, nicht nur an Autos sondern auch am Mop aus.

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Kaum auf der Bühne erschienen, war Sänger Craig Rondell samt Mikro auch schon auf die Grabenabsperrung geklettert, wo er sogleich begeistert von den ersten Reihen gefeiert wurde. Auf der Bühne zurück entledigte sich der Sänger dann noch schnell von unnötigem Ballast wie Mütze und Schuhe und so sang und tanzte der agile Frontmann barfuß fast eine Stunde fröhlich auf der Bühne herum. Die Songs waren durchweg mitreißend. Die Kalifornier hatten es wirklich drauf, die Meute anzuheizen und so blieb in den ersten Reihen kaum jemand ruhig stehen. Zum Schluss ließ Frontmann Rondell dann noch eine Bombe platzen, indem er sich ohne Vorwarnung ins Publikum stürzte und vom Crowdsurfen wohl nicht genug bekommen konnte. Den sichtlich überraschten Securities stand Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben, doch schließlich wurde Rondell auf hunderten von Händen unversehrt wieder zurück zur Bühne transportiert und alle waren glücklich.
Kaum hatten die Kalifornier das Feld geräumt, öffnete sich der Vorhang für die deutsche HIP-HOP-Formation K.I.Z.. Leider mussten auch wir zu diesem Auftritt das Feld räumen. Statt provokanten, ironischen und von schwarzem Humor gefärbten Texten zu lauschen, mussten wir unsere sieben Sachen für die nächtliche Heimreise packen und im Auto verstauen.
Kaum vom Packen zurück standen auch schon die Hardcoreheroen von Agnostic Front auf der Bühne. Tja, was soll man über die New Yorker noch sagen. Unzählige Male auf deutschen Club- und Festivaltouren gesehen und dennoch niemals langweilig. Die Pioniere der US-Hardcoreszene streifen unermüdlich durch die Welt ohne an Power zu verlieren. So brodelte der Kessel auch beim Serengeti und ein Circle Pit reihte sich an den anderen. Leider habe ich bei Agnostic Front auch die meisten Violent Dancer gesehen, eine Entwicklung an die ich mich nicht so recht gewöhnen kann. Selbst beim guten alten Pogo kommt man nicht selten ohne blaue Flecken aus dem Pulk, aber beim Violent Dancing wird man durch die hohen Tritte gleich mal eben komplett ausgeknockt. Kann mir auch keiner erzählen, dass man dabei sein Umfeld im Blick hat. Aber egal, zurück zu AF: Wie immer haben Roger Miret, Stigma & Co. in bekannter Manier gerockt. Natürlich durfte „Gotta Go“ nicht fehlen, doch der Gassenhauer allein ist es nicht, der einen AF Gig ausmacht. Vielmehr ist es der Mix aus genialen Songs wie „My Life My Way“, „That’s Life“, „Self Pride“, und „For My Family“. Agnostic Front waren also ein ebenbürtiger Ersatz für Sick Of It All, die ursprünglich das Line up des Serengetis schmückten, jedoch wegen ihrer Australien-Tour mit Rise Against absagen mussten.
Nach einer kleinen Verschnaufpause ging es weiter mitHouse of Pain, die mich allerdings nicht überzeugen konnten. Irgendwie fehlte mir da der Pepp. Deswegen zogen wir es vor, das Festivalgelände zu erforschen und leckere Speisen wie Veggi Döner und Crêpes zu genießen.
Von Bier und Essen gestärkt waren wir bereit für Skindred.

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Es war nicht anders zu erwarten, aber Skindred haben wirklich mal wieder alles übertroffen! Die Briten sind für mich eine der besten Livebands ever. Sie verstehen es Reggae, Metal, Hip-Hop und Punk zu einer absolut explosiven Mischung zusammenzubasteln. Momentan ist das Quartett auf allen möglichen Festivalbühnen unterwegs und ich kann nur jedem empfehlen, sich diese Energiebündel unbedingt live anzusehen. Seien es nun brandaktuellen Songs von „Union Black“ oder Stücke der Vorgängeralben „Shark Bites And Dog Fights“ und „Roots Rock Riot“, egal, Metal trifft auf chilligen Reggae und das fetzt!
Zu bereits etwas fortgeschrittener Samstagabendstunde traten Bullet For My Valentine ins Rampenlicht.

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Man drängelte sich vor der Bühne zwar nicht mehr ganz so stark wie bei Skindred, dennoch lag ein Hauch von Vorfreude auf den Gig der Waliser in der Luft. Und so kam es schließlich, dass wir von der Metalcoreband eine gute Stunde aalglatt durch ihre Discographie geführt wurden. Das Serengeti bebte unter dem Moshpit, den Circlepits und den zahlreichen Crowdsurfern. Als Zugabe gab es mit „Creeping Death“ von Metallica ein gelungenes Coverstück, wobei der Stil des Songs bewahrt wurde, von Bullet For My Vallentine aber dennoch eine ganz eigene Note verliehen bekam.
Nach B4MV näherte sich das Serengeti leider immer schneller seinem Ende. Bevor die Bühnenlichter für 2011 jedoch komplett ausgeschaltet bleiben sollten, fieberten wir noch einem ganz besonderen Headliner entgegen. Die Punk-Rock Heroen von Bad Religion baten zum Tanz und die Wenigsten konnten ihnen diesen Wunsch ausschlagen.

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Die Kalifornier hatten knappe 1,5 Stunden Zeit, um uns Klassiker, Gassenhauer und Neulinge aus ihrer 30-jährigen Bandgeschichte um die Ohren zu knallen. Natürlich durften „21st Century (Digital Boy)“, „Generator“, „Atomic Garden“, der „Punk Rock Song“ und „American Jesus“ keinesfalls auf der Playlist fehlen. Mit Bad Religion hat sich das Serengeti ohne Frage einen ganz großen Fisch als Headliner geangelt und ich denke viele der Festivalbesucher sind gerade auch wegen der Kalifornier nach Schloß Holte-Stukenbrock gereist. Selbst wenn hinter dem Gig auch nicht mehr ganz so viel Schwung und Spielfreude steckte, wie hinter einem Gig aus den 90ern, haben Bad Religion das Festival ohne Frage gerockt. Nach diesem Auftritt konnten wir selig ins Auto steigen und den Heimweg antreten!

Wie dem Bericht unschwer zu entnehmen ist, bin ich in den vergangenen beiden Jahren ein großer Fan des Serengetis geworden. Mit ca. 8500 Besuchern war es ein Festival auf dem man alles genießen konnte. Tanzende Menschen im Mop um einen herum, Platz zum Verschnaufen am Rande, die Nähe zur Bühne und zu den Band und die Möglichkeit, sich entspannt an den Ess- und Trinkbuden zu stärken. Bliebt den Machern nur zu sagen „Weiter so“ und den Festivalgängern zu empfehlen „Strömt 2012 zahlreich in die Serengeti nach Holte-Stukenbrock. Es lohnt sich ganz bestimmt!“