Summer Breeze 2012

  • Datum: 16. - 18.8. 2012
  • Ort: Dinkelsbühl (Bayern)
  • Besucher: 30.000


Ganz ehrlich: nach dem letzten Jahr hatte ich so meine Bedenken, was das Summer Breeze angeht: der Sound war mir 2011 teilweise zu dünn, und so wirklich wohlgefühlt habe ich mich unter den Leuten auch nicht: für einen Norddeutschen ist der fränkische Dialekt schon eine Herausforderung. Dazu war mir die Zahl der Leute mit BURZUM und KATEGORIE C T-Shirts eindeutig zu hoch. Aber, jeder hat eine zweite Chance verdient, und siehe da: das Summer Breeze 2012 hat mich positiv überrascht! Der Sound auf den Hauptbühnen war deutlich besser, und auch im Partyzelt hat sich etwas getan. Verpflichtungen zuhause haben mich leider daran gehindert, schon am Mittwoch oder Donnerstag anzureisen. Also gibt’s hier nur die Zusammenfassung von Freitag und Samstag.



Den Einstieg machen im Partyzelt die Frischlinge von ESKIMO CALLBOY. Mit ihrer Mischung aus Elektro und Metalcore bringen sie vor allem die jüngeren Gäste in Wallung. Mir wird das Ganze aber – wie die Klamotten der Bandmitglieder – schnell zu bunt. An einer der Hauptbühnen angekommen, höre ich noch kurz bei MONO INC. rein. Die treffen ebenfalls einen Nerv bei vielen Festivalbesuchern. Vor allem bei ihrer IGGY POP Coverversion (‚The Passenger‘) wird mit geklatscht und –gegröhlt. Naja, wenn man’s mag. Erster Höhepunkt sind für mich dann UNEARTH: die Amis machen ordentlich Druck und auf der Bühne und davor wird alles gegeben. Gefällt mir fast besser als der Auftritt von AS I LAY DYING im vergangenen Jahr.



UNEARTH

Mittlerweile ist später Nachmittag und die Sonne knallt den Summer Breeze Besuchern auf den Kopf. Dann betreten NILE die Pain Stage. Ihr rasend schneller Technical Death Metal mit ägyptischen Einflüssen passt bei diesem Wetter nicht nur wie die Faust aufs Auge, sondern fühlt sich auch an – wie eine Faust im Auge. Auf dem Gelände füllt es sich, und der brachiale Sound kommt auch in den letzten Reihen noch gut an. So geht es auch bei SIX FEET UNDER weiter. Offensichtlich haben viele der Besucher Lust auf Death Metal – wie Sänger Chris Barnes zufrieden feststellt.



NILE

Jetzt schnell raus aus der Sonne und rüber in die skandinavische Kälte: die Finnen von BEFORE THE DAWN sind dran. Gut, wirklich kalt ist es im Zelt natürlich auch nicht, und die Band um Sänger Tuomas Saukkonen sorgt dafür, dass das Publikum nicht zu sehr runter kühlt. Gänsehautfeeling gibt’s trotzdem: beim Intro von ‚Throne of Ice‘. Danach bleibt es finnisch – mit INSOMNIUM: sie feiern einen umjubelten Auftritt im Zelt: gleich beim zweiten Song ‚WEATHER THE STORM‘ springt überraschend Gastsänger Mikael Stanne von DARK TRANQUILITY auf die Bühne. Kurze Zeit später muss der auf der Hauptbühne schon mit seiner eigenen Band ran.





INSOMNIUM



BEFORE THE DAWN

Bevor das Dudelsack-Gedudel von CORVUS CORAX das Programm auf der Hauptbühne beschließt, liefern noch IMMORTAL eine geile Show ab – wie immer. Mit viel Feuer. Und ich bin immer wieder erstaunt, was für einen satten Sound die norwegischen Blackmetaller zu dritt abliefern. Für Fans des Old School Death Metal gibt es im Zelt dann noch MORGOTH. Die werden einigermaßen abgefeiert – mich lässt das ganze aber dann doch einigermaßen kalt. Klar, Hits wie ‚Suffer Life‘ oder ‚Resistance‘ sind geil, aber es ist jetzt schon der zweite Festivalsommer, auf dem MORGOTH quasi auf Reunion-Tour sind – und ein bisschen was Neues wäre schon nicht schlecht. Dann geht’s auf den Zeltplatz – schlafen ist aber erst mal nicht, dank der Dudelsack-Musik von der Hauptbühne...



MORGOTH

Am Sonntag knallt die Sonne noch doller – jedenfalls fühlt es sich so an. NIGHT IN GALES eröffnen den Tag auf der Hauptbühne, und für die frühe Stunde – etwa 11 Uhr 30 - haben schon viele Fans den Weg zur Hauptbühne gefunden. Grufties und Mittelalter-Fans freuen sich danach über TANZWUT, die unter anderem mit dem Ärzte-Song ‚Bitte, bitte‘ das Publikum begeistern. Einen extra Applaus gibt es auch für die „Männer mit dem dicken Schlauch“ (O-Ton von Sänger Teufel): die Securitys, die die verschwitzten Fans immer wieder tapfer mit Wasser abkühlen.



NIGHT IN GALES

Erster Höhepunkt des Tages dann bei NAGLFAR: Wirklich ein klasse Set, das die Schweden da abliefern. Und schön böse gucken können sie auch. Mit UNLEASHED geht es weiter: Sie prügeln sich durch die verschiedenen Schaffensperioden, von ‚To Asgaard we fly‘, über ‚The Longships are coming‘ und ‚Wir kapitulieren niemals‘ bis hin zu ‚Fimbulwinter‘ vom neuen Album. Letzteres wirkt in Anbetracht der Hitze etwas fehl am Platz – das stört aber niemanden. Perfekt zum Wetter passen dann SEPULTURA: Die Brasilianer machen mit dem Eröffnungsdoppel ‚Beneath the Remains‘ und ‚Refuse/Resist‘ gleich alles platt, und das Publikum rastet völlig aus. Selbst die neuen Songs kommen gut an – insgesamt halten sich SEPULTURA aber vor allem an die Klassiker.



NAGLFAR



UNLEASHED

Dann wird es endlich Zeit für Blastbeats: CATTLE DECAPITATION aus San Diego schaffen es mit ihrem abgefahrenen Deathgrind/Tech-Death, doch einige Zuschauer ins Zelt zu locken. Im Pit geht es gut zur Sache, und besonders die harmonischeren Songs vom neuen Album „Monolith of Inhumanity“ begeistern die Zuhörer. Krasse Show, echt. Die gefällt mir so gut, dass ich mir den Anfang von PARADISE LOST schenke. Die bringen auf der Hauptbühne Klassiker und neue Songs. Am meisten gefeiert wird ‚As I die‘, obwohl Sänger Nick Holmes anmerkt, dass er findet, dass sie den Song schon viel zu lange spielen – er sei aber nun mal in der Minderheit. Manche Fans verschwinden dann schon, verpassen dadurch die Highlights ‚In this we dwell‘ und ‚Faith divides us, Death unites us‘ direkt hintereinander. Sollte Gitarrist Greg Mackintosh sich bei dem vergleichsweise ruhigen Set gelangweilt haben: im Zelt darf er sich kurze Zeit später mit seiner Band VALLENFYRE austoben. Lustig, dass der Mann, der gut 20 Jahre Bühnenerfahrung hat, dann verkündet: „Das ist unser fünfter Auftritt!“ Der gelingt ziemlich gut, natürlich hat die Band noch nicht das Massenpublikum von Paradise Lost. Aber Songs wie ‚Desecration‘ und ‚Ravenous Whore‘ kommen an, und Mackintosh scheint sich mit der Rolle als Frontmann langsam anzufreunden. Vor VALLENFYRE hatten ASPHYX ein weitaus volleres Zelt in Rage versetzt. Ein traumhafter Abend also für diejenigen, die Growls und tiefe Gitarren mögen. Bevor ich den Abend aber komplett im Zelt verbringe, schaue ich noch einmal zur Hauptbühne rüber: das Gelände ist jetzt bis auf den letzten Platz gefüllt, denn AMON AMARTH stehen auf der Bühne. Eine geile Show, die die Schweden da abliefern. Der Sound ist fett, das Feuer steigt von der Bühne auf, und die Band spielt neben den Hits vom neuen Album auch Klassiker wie ‚Death in Fire‘ und Songs vom Vorgänger, wie – mein Highlight – ‚Live for the Kill‘.





CATTLE DECAPITATION



VALLENFYRE





ANAAL NATHRAKH

Zum Abschluss geht’s noch einmal ins Zelt: ANAAL NATHRAKH sind seit ein paar Jahren meine Favoriten und heute will ich sie endlich live sehen. Vorher spielen noch die australischen Core-Helden DEEZ NUTS und sorgen dafür, dass das Publikum scheinbar ausschließlich aus jüngeren Leuten mit Caps und Shorts besteht. Nicht wirklich meine Musik, aber die Australier liefern ne geile Show ab, und den Leuten macht’s Spaß. Bei ANAAL NATHRAKH gibt es dann kein Halten mehr: um mich herum nur kreisende Köpfe und in die Luft gereckte Fäuste. Sänger Dave Hunt aka V.I.T.R.I.O.L bewegt sich auf der Bühne trotz Beinverletzung („ich komme mir vor wie ein verdammter Pirat!“) mehr als mancher andere Frontman, und sowohl Klargesang als auch Gekreische kommen perfekt rüber. Als Ausblick aufs neue Album gibt’s einen neuen Song, und zum Abschluss einen Circle Pit zu ‚Pandemonic Hyperblast‘. Danach strahlende Gesichter. Und ein Feuerwerk. Wunderschön.