Wacken Open Air 2011

Wacken Open Air 2011

Ozzy Osbourne

Auf Ozzy war wohl fast jeder gespannt. Würde es dem in die Jahre gekommenen Madman gelingen, eine gelungene Performance abzuliefern? Es würde, um dies einmal vorwegzunehmen. Das lag zum natürlich zuerst daran, dass der ehemalige Black Sabbath-Fronter recht gut bei Stimme war und vor allem äußerst agil über die Bretter tobte. Die Stimmung vor der Bühne war jedenfalls prächtig und hatte absoluten Partycharakter. Alle Anwesenden waren geil darauf, noch einmal Perlen wie „I Don’t Know“, „Bark At The Moon“ oder „I Don’t Want To Change The World“ zu hören. Mit „War Pigs“, „Iron Man“ und „Paranoid“ (Zugabe neben „Mama, I’m Coming Home“) wurde natürlich auch in die Sabbath-Plattenkiste gegriffen. Der Gitarrenersatz für Zakk Wylde, Gus G. von Firewind, machte seine Sache übrigens ordentlich, wenn er auch nicht an das Charisma seines Vorgängers heranreichen konnte. Die Meinungen zum Auftritt waren dann folgerichtig einhellig: Wen man auch fragte, alle schwärmten voll Überraschung vom Ozzy-Gig. (Eric)

 
Morbid Angel

Was hatten Morbid Angel mit ihrem neuen Album „Illud Divinum Insanus“ nicht für gespaltene Reaktionen hervorgerufen. Logisch, dass sich viele Death Metaller an Industrialexperimenten wie „Too Extreme!“ stoßen. Doch wer aufgrund dieser neuen Einflüsse im MA-Sound dem Auftritt fernblieb, machte definitiv einen großen Fehler. Wie ein Sturm fegten die kranken Engel über die Meute hinweg und hinterließen nichts als verbrannte Erde. Jedenfalls taten die jungen Damen, die sich vorher bei Ensiferum noch zuhauf vor der Bühne tummelten, gut daran, umgehende das Weite zu suchen. Treffsichere Hits wie „Immortal Rites“, „Fall From Grace“ und „Rapture“ (was für ein Eröffnungs-Triple!) ließen von Anfang an keine Zweifel aufkommen: Vor uns steht die beste Death Metal Band aller Zeiten! David Vincent gab den durchaus nicht unsympathischen Entertainer und lächelte sogar gelegentlich und Trey Azogthoth brillierte an der Gitarre mal wieder in seiner eigenen Welt. Sein Gesicht bekam vor lauter Haaren mal wieder nicht zu sehen (kleiner Tipp: wo die Gitarre hängt ist vorne). Und auch vom neuen Album wählte man mit „Nevermore“, „Existo Vulgore“ und „I Am Morbid“ die Songs aus, die gut zum Klassikerrepertoire passen. Was für ein Hammer! (Eric)


Bullet

Schade, dass Bullet nur ins kleine Zelt gelegt wurden, hätten sie es doch allemal verdient gehabt, vor mehr Leuten zu spielen. Aber nein, auf der Hauptbühne musste ja die talentfreie Metallcore- Combo den Kindergarten vor derselbigen bespaßen. Das Zelt jedenfalls war rappelvoll und halb draußen stehend hörte ich zum Teil Bullet und zum Teil Heaven Shall Burn (besorgniserregend). Was ich von Bullet gesehen und gehört habe, machte jedenfalls viel Spaß und ich gelobe, mir die Band beim nächsten Mal unter besseren Vorzeichen anzutun. (Eric)

 
Judas Priest

Auf keine andere Band war meine Vorfreude im Vorfeld (okay, wann auch sonst?) so groß gewesen. DIE Stahlschmiede schlechthin, Hits im Dutzend und Metalgeschichte mit Onkel Halford. Und dann? Pustekuchen! Selten wurde ich in Wacken so von einem Auftritt enttäuscht. Und das lag überraschenderweise nicht daran, dass Rob Halford schlecht gesungen hätte, wie zu befürchten war. Nein, seine Stimme war durchaus okay. Was den Priestern leider abging, war jegliches Maß an Spielfreude. Vom neuen Gitarristen abgesehen, sah alles wie Dienst nach Vorschrift aus. Meister Halford trug seine Ansagen mit der Inbrunst eines Nachrichtensprechers von NDR-Info vor und über seine Outfits decken wir hier lieber auch mal den Mantel des Schweigens. Musikalisch hatte ich das Gefühl, dass die Band immer einen Tacken zu langsam spielt, so dass selbst bei Hits wie „The Sentinel“ oder „Night Crawler“ bei mir kaum Stimmung aufkam. Tut mir leid, aber als ich Priest das letzte Mal Mitte der Neunziger mit dem Ripper sah, hat mir das alles viel besser gemundet. Fairerweise muss man noch anmerken, dass es auch viele positive Stimmen zum Auftritt gab, nur frage ich mich: Sitzen diese Leute auf ihren Ohren? (Eric)

 
Airbourne

Nach dem Priest-Desaster half nur noch eines: Bier und eine ordentliche Dosis Aussie Pub Rock. Und den zelebrierten Airbourne par exellence. Es ist schon ein Phänomen, wie es eine Truppe schafft, ein völlig ausgelaugtes Publikum noch nach Mitternacht zu begeistern. Schuld daran war das Hitfeuerwerk, das man nach wohlgemerkt nur zwei Platten raushaute. Kaum auszudenken, was man wohl mit sechs oder sieben Alben in der Hinterhand als Setlist erwarten kann. Was mir bei Judas Priest vorher noch fehlte, gab es hier im Sonderangebot: Spielfreude und gute Laune pur! Unmöglich, bei messerscharf rausgerotzten Nummern wie „No Way But The Hard Way“ oder „Black Jack“ (samt waghalsiger Klettereinleige von Joel O’Keefe) den Fuß auch nur eine Sekunde still zu halten. Keine Frage: Gelingt es Airbourne, das Niveau live und auf Konserve auch nur ansatzweise zu halten, steht den Australiern eine grandiose Karriere bevor. (Trille)


Suicidal Tendencies

Am Freitag musste ich mich musste ich mich erst durch die Massen von Ensiferum Fans schieben, um zur True Metal Stage zu kommen. Ich werde nie verstehen, warum diese Band so viele Menschen anzieht und es bei SUICIDAL TENDENCIES vergleichsweise leer war. Allen, die nicht da waren, sei gesagt, dass sie richtig was verpasst haben. Von den ersten Tönen des Intros zu ´You Can’t Bring Me Down´ an war die Stimmung exzellent Mike Muir ist rastlos wie eh und je und scharrt zwischen den Songs am Bühnenrand mit den Hufen, um dann wieder in seiner einzigarteigen Weise zu performen. Es folgte eine zugegebener Maßen nicht ganz geglückte Version von ´Join The Army´ ehe die Band dann mit Klassikern wie ´War Inside My Head´, ´Possessed To Skate´ oder ´How Will I Laugh Tomorrow´ richtig abräumte. Zum Abschluss gab es dann das obligatorische ´Pledge Your Allegiance´, bei dem die Band verdientermaßen abgefeiert wurde. Sogar der ´America Spirit´ Verkäufer konnte nicht mehr an sich halten und tobte samt Bauchladen und Fahne durch den Pit. Zu erwähnen ist noch Monsterdrummer Eric Moore, der ein absoluter Könner ist. Was Spielen und Show angeht, hat er gezeigt, dass Auswüchse wie vier Bassdrums bei Helloween absoluter Quatsch sind. Dieser Gig war (wie der im letzten Jahr auf dem With Full Force) ein absoluter Höhepunkt des Festivals. Wenn das angekündigte neue Album auch nur ansatzweise so stark wie der aktuellste Track ´Come Alive´ ist, steht da mal wieder ein Oberhammer aus Venice ins Haus. (Trille)


Slime

Ich war gespannt wie die Urpunks auf dem größten Metalfestival aufgenommen werden und war überrascht. Obwohl Airborne auf der großen Bühne einen hervorragenden Gig boten, war das Zelt bei SLIME rappelvoll. Dass die Jungs und Bassistin Nici wirklich spielen können und gute Songs an Bord ihrer Punkkogge haben, sollte sich ja inzwischen rumgesprochen haben. Insbesondere Neu- Drummer Alex Schwers  machte auch ordentlich Show. Das bunt durchmischte Publikum zeigte sich erstaunlich textsicher. Vom Opener ´ACAB´ über das Claudia Roth gewidmete ´Linke Spießer´ und den Hit ´Alle gegen Alle´ feierten Band und Publikum - bis nach ´Deutschland verrecke´ dann Schluss war. Ich weiß, dass es da andere Meinungen von Wacken Puristen gibt, aber meinen Ohren hat die punkige Abwechslung im Billing gut getan. (Trille)


Skeletonwitch

SKELETONWITCH kann man nicht vorwerfen, auf den momentanen Thrash Hype aufzuspringen. Das hat zwei Gründe. Zum einen hat die Band ihr erstes Album 2004 vorgelegt, da lag der Thrash  noch danieder. Zum anderen zocken die Amis auch keinen Thrash in Reinkultur, sondern packen auch Elemente aus klassischem  Metal und schwedischem Death Metal in ihren Sound. Besonders hörbar  ist das bei den unterschiedlichen Stimmlagen von Sänger Chance Garnette. Leider hatte sich nur eine überschaubare Zahl von Besuchern in der WET Stage angesammelt. Davon ließen sich SKELETONWITCH aber nicht beirren und lieferten einen überzeugenden Gig ab. Und es ist ja auch mal schön, eine Band aus 25 Metern sehen zu können und nicht mitten im Gedränge zu sein. Ein starker Gig einer starken Band, die definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Das könnte mit dem nächsten Langeisen klappen, denn der neue Song, den SKELETONWITCH zum Besten gaben, erinnerte etwas an Dissection und steht der Qualität der bisherigen Tracks in nichts nach. (Trille)


Kyuss Lives

Es ist eigentlich kaum nachvollziehbar, warum KYUSS LIVES „nur“ auf der  Partystage gespielt haben. Für mich sind sie eine der Combos, die Fans unterschiedlichster Genres zusammenbringen kann. Wie dem auch sei: KYUSS LIVES haben ihren Auftritt genutzt und mit dem vielleicht besten Sound des Festivals überzeugt. Sänger John Garcia macht nicht viele Sperenzchen, singt dafür umso präziser und ausdrucksstärker. Klasse auch, dass Brant Bjork wieder das Drumkid vermöbelt. Dadurch, dass mein Lieblings Hippie mit der rechten Hand oft 16tel spielt, wirken KYUSS LIVES einfach nicht so schnarchnasig wie viele andere Soner Rocker. Bei dem Backkatalog war es für die Band auch kein Problem 12 Hits durch die Boxen zu jagen. Den Anfang machte ´Gardenia´ und dann ging es über Songs wie ´Thumb´ oder das grandiose  ´El Rodeo´  zum finalen ´Green Machine´. Mit diesem Gig hat die Band ihren Status als Leader der Stonerrockgemeinde zementiert und Gerüchte sagen, dass nach dem Auftritt etwas Wüstenstaub über die Äcker Wackens wehte. (Trille)
 

Girlschool

Am Samstagvormittag hieß es dann: Ranzen packen und auf nach Bullhead City. Schon um 12 Uhr ging der Unterricht in der GIRLSCHOOL los – das ist in Wacken die nullte Stunde! Die vier Lehrerinnen brachten ihren Stoff mit viel Enthusiasmus rüber. Da war es erfreulich, dass es im Gegensatz zu den parallel laufenden Auftritten auf den Hauptbühnen gleich eine Doppelstunde gab. Ich war wirklich gespannt auf die Band, gerade nach dem für mich enttäuschenden Auftritt von Judas Pries am Vorabend. Sicher, die Priester haben noch 8 Jahre mehr auf dem Buckel, aber GIRSCHOOL, die inzwischen auch seit 33 Jahren dabei sind, zeigten, dass man sich Spielfreude und Agilität erhalten kann. Gerade Songs wie der Opener ´Demotition Boys´ oder Titeltrack des ´Hit And Run´ Albums bieten einen optimalen Start in einen neuen Festival Tag. Schade nur, dass Lemmy, der am selben Tag mit Motörhead spielte, es nicht geschafft hat, sich als Gast dazu zu gesellen. Immerhin verbindet beide Bands eine lange Freundschaft. Aber auch ohne den prominenten Besuch gibt es an dem Unterricht der Engländerinnen nichts auszusetzen. Es bleibt zu hoffen, dass die anwesenden Lehrer unserer Reisegruppe gut aufgepasst haben. (Trille)


Onslaught

Meine erste Begegnung mit ONSLAUGHT hatte ich Ende der 80er auf dem Speed Kills III Sampler. Schon damals begeisterte mich die Band, die auch nach ihrer Wiederbelebung im Jahr 2005 saustarke Alben ablieferte. Die Amis können, was die Qualität angeht, locker mit den Big 4 mithalten.  Auf dem Backdrop stand „Pure Thrash“ und den gab es dann auch. Es hat also 22 Jahre gedauert, bis ich die Band endlich live gesehen habe und da konnte ich mir nur Augen und Ohren reiben. Die Jungs wurden von dem Publikum ohne Ende abgefeiert und revanchierten sich mit einem Set, das die Nackenmuskeln beanspruchte. Es war der Band deutlich anzusehen, wie viel Spaß sie daran hatte, vor so vielen begeisterten Fans zu zocken. Sänger  Sy Keler freundete sich sogar Stück für Stück mit der Bühne an und nutzte diese komplett aus. Wann hat so eine Band auch schon mal einen Steg ins Publikum? Auch die sehr stickige Luft konnte Band und Fans nicht daran hindern nach vorne loszugehen. Es sind diese intensiven Gigs, abseits der großen Bühnen, die Wacken braucht um ein gelungenes Festival auf die Beine zu stellen. (Trille)


Betontod

Da Betontod am Freitag gleichzeitig mit Morbid Angel gespielt haben, habe ich sie nicht in der Bullhead City gesehen. Zum Glück haben die Punks aus Rheinsberg am Samstag dann noch ein paar Songs im Pressezelt zum Besten gegeben. Auch mit „kleinem Besteck“ konnten die Jungs überzeugen und kein Fan wird von der neuen Platte enttäuscht werden, die Ende  August in den Läden stehen wird. Noch unterhaltsamer wurde der Gig dadurch, dass hinter der Band live der Gig von Mayhem übertragen wurde. Deren bösartige Grimassen passten nicht so wirklich zu Partysongs wie ´Wir müssen aufhören, weniger zu trinken´.(Trille)


Danko Jones

Das Leben stellt einen manchmal vor schwere Aufgaben. Gleichzeitig spielten am Samstag DANKO JONES und Kreator. Da ich mit Onslaught und Skeletonwitch schon meine Portion Thrash bekommen hatte, entschied ich mich für den Kanadischen Rocker. Es war das erste Mal, dass ich die Band mit ihrem neuen Drummer Atom Willard gesehen habe, der Dan Cornelius ersetzt. An ihm lag es nicht, dass der Funke nicht so richtig überspringen wollte. Der Mann spielt präzise und hat auch showtechnisch einiges zu bieten. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich die Band schon oft gesehen habe, aber die Show von Danko ist nicht mehr so fesselnd wie früher. Viele Gesten und Ansagen haben sich im Laufe der Zeit einfach etwas abgenutzt. Im Vergleich zum Auftritt auf dem With Full Force 2008 legte die Band in Wacken einen eher schwachen Gig auf die Bretter. Sicher kann man mit Hits wie ´First Date´, Full Of Reget´ oder ´Invisible´ keinen wirklich schlechten Auftritt hinlegen. Danko hat es aber nicht geschafft mich so zu elektrisieren, wie er es sonst tut und das lag nicht (nur) an der großen Bühne. ´Had Enough´ habe ich mir dann zum Motto gemacht und bin rüber zu Kreator, um wenigstens noch ´Tormentor´ mitzubekommen. Ich hätte wohl gleich die andere Bühne wählen sollen. (Trille)
 

Morgoth

MORGOTH waren neben Atrocity die deutsche Death Metal Band der 90er. Beide Bands veränderten mit der zeit mit mehr oder weniger Erfolg ihren Stil und MORGOTH lösten sich 1998 auf. 20 Jahre nach der Veröffentlichung von ´Cursed hat sich die band reformiert. Es gibt allerdings einige Veränderungen zu verzeichnen. Schlagzeuger Rüdiger Hennecke wurde durch Marc Reign ersetz, der die letzten acht Jahre bei Destruction getrommelt hat. Auch Gitarrist Carsten Otterbach ist nicht mehr an Bord, für ihn wechselte der ehemalige Bassist Sebastian von vier auf sechs Saiten. Der Bass wird dafür von Neuzugang Sotirios Kelekidis ersetz. Das zur Historie nun zum Gig. Die Sauerländer starteten mit ´Body Count´ und ungewöhnlichen Lichtverhältnissen. Wann sonst scheint einer Death metal Band auf der Bühne die Sonne ins Gesicht? Die Band wirk inzwischen eingespielter als bei den ersten Clubgigs und arbeitete sich in der Hauptsache durch das Cursed Album, dass inzwischen auch schon 20 Jahre auf dem Buckel hat. Für mich ist Odium das Highlight der Bandgeschichte, daraus gab es die Oberhammer ´Resistence´ und ´Under The Surface´. Richtig gut wurde der Gig komischerweise erst, als Marc Grewe über eine Monitorbox fiel. Er hatte wohl zuvor Mike Muir zugehört und stand einmal mehr auf als er gefallen war. Der Sänger nahm die Situation mit Humor und so ackerte sich die Band durch den rest des Sets, dass mit ´White Gallery´ beendet wurde. Ich bin gespannt, ob es mit dieser besetzung wieder einen neue Platte gibt. Einen versuch ist es auf jeden Fall wert. (Trille)