Wacken Open Air 2014

Donnerstag


Nach der Wacken-Altstar-Band SKYLINE darf der Mannheimer Comedian BÜLENT CEYLAN die True Metal Stage eröffnen. Nach ein paar flachen Witzen und offensichtlicher Begeisterung für die blanke Oberweite einer Besucherin verabschiedet er sich mit einer Crowdsurfing-Runde durch die Menge, Dann geht's endlich los mit echter Gitarrenmusik!

HAMMERFALL haben sich anlässlich des 17jährigen Jubiläums ihres Debütalbums überlegt doch nur dieses zu spielen. Vor allem das ältere Publikum findet das sehr gut. So besteht die Setlist also aus allen "Glory to the Brave"-Stücken in geänderter Reihenfolge und hat dementsprechend sehr hohes Mitsingpotential. Zusätzlich werden noch alte Weggefährten, wie den Ex-In-Flames-Gitarristen/Drummer Jesper Strömblad auf die Bühne geholt. Als Zugabe werden dann noch "Blood Bound" und fast-zum-allerersten-Mal-live "Bushido", sowie das obligatorisch "Hearts on Fire" gezockt.
 
STEEL PANTHER treiben dann alle Hair-Metal-Klischees auf die Spitze und verbringen fast mehr Zeit damit, pubertäre Witzchen zu machen und zeigefreudige Damen auf die Bühne zu holen, als - erstaunlich professionelle - Musik zu spielen. Death to all but Metal!
 
Als Pausenfüller dürfen die EHRLICH BROTHERS versuchen, die Leute mit dem Verbiegen einer Stahlschiene davon zu überzeugen, fleißig Tickets für ihre Magier-Tour zu kaufen.
 
Dann ist die Wacken-Hausband SAXON an der Reihe, die inzwischen (mit DORO) mindestens jedes zweite Jahr den heiligen norddeutschen Acker besucht. Aber Biff Byford und seine Mannen haben es einfach drauf die Menge zu unterhalten, auch wenn sie dieses Mal den großen Adler zu Hause gelassen haben, dafür aber durch ein paar Background-Geigerinnen unterstützt werden. Über 30 Jahre alte Klassiker wie "Motorcycle Man", "Stranger in the Night", "Denim & Leather" und "Crusader" rocken halt einfach immer noch.
Daran ändert auch ein kleiner Regenschauer nichts. (Übrigens der einzige des gesamten Wochenendes. Ist das noch Wacken?)
 
ACCEPT
In diesem Jahr waren die Diskussionen über den "wahren Headliner" auf dem 25 jährigen Jubiläum des Wacken Open Air allgegenwertig. Doch was ist ein wahrer Headliner??? Eine Band die Unsummen an Gage kostet?? Die hunderte extravaganter Wünsche hat??? Oder verbirgt sich hinter einem Headliner nicht einfach der persönliche Geschmack?? Und der ist bei jedem zum Glück unterschiedlich. Und es kann eben immer nur eine Band geben, die den Abschluss eines jeden Festivaltages krönt. Und so muss man einfach sagen, war es ein Hochgenuss eine Band aus deutschen Gefilden am Donnerstag an dieser Stelle sehen zu dürfen. Eine Band aus der Schmiede des Stahls geboren und so scharf wie die Messer aus dieser Stadt; aus Solingen. Totgeglaubt aber wie Phönix aus der Asche wiedererstanden. ACCEPT sind zurück!!! Neben den Scorpions waren Accept das Markenzeichen harter Rockmusik made in Germany. Nach etlichen Phasen des Auf und Abs, geprägt durch Phasen der Bandauflösung und Musiker Neubesetzungen kam es nach 2005 zum endgültigen Aus der Band. Die "Köpfe" Wolf Hoffmann und Peter Baltes lebten nun in den USA und gingen anderen Tätigkeiten nach. Im Jahr 2009 kam es dann durch einen Zufall zur Wiederbelebung der Rocklegende Accept. Zu einer Jamsession alter Acceptsongs von Baltes und Hoffmann gesellte sich Mark Tornillo. Ein Sänger mit derselben Stimme wie Ex Sänger Udo Dirkschneider. Und aller entgegengebrachten Skepsis zum Trotz formierten sich Accept neu. Ein Entschluss, an dem es nichts zu bereuen gab! Was auch die letzten beiden Alben "Blood of the Nation" und "Stalingrad eindeutig bewiesen haben. Und wer es nicht glauben wollte, der konnte auf dem W:O:A Jubiläum , eines Besseren belehrt werden. Angesagt...eine Show a night to remember.
Und die Wackengemeinde nimmt dieses Angebot an. Das komplette Infield vor der Black und der Truemetalstage ist restlos überfüllt. Nach Hinten stehen die Fans bis an die Eingänge.
Den Anfang macht die Band gleich mit einer Premiere.. mit dem Song "Stampede" von dem neuen Album "Blind Rage". Diesem folgt nahtlos, in meinen Augen der beste Song aus dem Album "Stalingrad"; der gleichnamige Titelsong "Stalingrad", der geprägt ist durch ein excellentes Gitarrensolo. Diesem Song folgen drei weitere neuere Stücke. Und danach folgt der erste Ausflug in die gute alte Zeit. Mit "London Leatherboys" und "Breaker". Wer Zweifel an Mark Tornillo hatte, was seine Stimmgewalt angeht, der wurde hier eines Besseren belehrt. Absolut passig integriert in diese alten Klassiker.
Jetzt ist sie da...die "Night to remember". Nur drei neuere Songs gut eingemischt lockern dieses Highlight auf.
Es folgen die grossen Hits "Pricess of the dawn" und "fast as a shark". Erfreulich ist, das Accept diesen Abend ihren Songs gewidmet haben und somit auch ihren Fans. Im Vordergrund steht eindeutig die Musik und die Show. Stundenlange Ansagen, endloses Gerede...Fehlanzeige. Stattdessen bietet die Band ein perfektes Miteinander auf der Bühne mit grossartigem "Posing" wie wir es aus den 80er Jahren kennen.
Nahtlos folgt nun ein Klassiker dem Anderen. Ein überdimensionales EKG beginnt auf der Videowand der Bühne anzulaufen...und natürlich gibt es nur einen Song der dazu passt. "Metalheart". Ein Prunkstück der alten Aera gerade in Bezug auf die Stimmlage von Udo. Aber auch hier hat sich Mark Tornillo nichts vorzuwerfen. Eine klasse stimmliche Leistung! Und es geht nahlos weiter mit "Teutonic terror" und "Balls to the wall" wo tausende Fans lauthals den Mittelpart durch ihren Gesang mitbestimmen.
Was fehlt jetzt noch...??? Um diesem Gig das krönende Ende aufzusetzen?? Da gibt es eigentlich keine Diskussion. Und so kommt es wie es kommen MUSS..."Burning" der absolute Powersong gibt diesem Abend ein kraftvolles Ende.
Fazit ist: Accept sind mehr als zurück im Metalolymp. Die alten Songs im kraftvollen neuen Design. Mit neuen Songsund Alben von hervorragender Qualität und einem neuen Sänger der kein Austauschrelikt ist sondern perfekt auch in die alten Zeiten passt!

 
Freitag


Für CHTHONIC muss man am Freitag schon früh aufstehen. Da haben die Veranstalter für die Taiwanesen wohl die Zeitzonendifferenz berücksichtigt. Für den Wacken-Auftritt haben die Asiaten Unterstützung von Mandolinen und Querflötenspielern mitgebracht. Bassistin Doris Yeh und Frontshouter Freddy Lim sorgen für die Bühnenunterhaltung während des 45-minütigen Sets, in das sie mit "Oceanquake" einsteigen. Wenn die Background-Instrumente nicht gerade einen Solopart haben, gehen sie etwas im Soundbrei unter. Als letztes Stück wird "Takao" in die Menge gefeuert, bevor sich die Band artig verabschiedet.
 
KNORKATOR muss man wohl nicht mehr vorstellen. Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Grelle Neonkostüme, ein fahrbares Keyboard, Riesenpenisse im Publikum. Die Gemüsekanone kommt diesmal nicht zum Einsatz. Es ist voll vor der Partystage und die Menge kommt nicht nur durch die Sonne, sondern auch durch die zahlreichen spaßigen Kommandos von Alf Ator und Co. ins Schwitzen. Das als "Tanzmusik" titulierte "Du bist Schuld" (an allem) macht Platz für wirklich alberne Lieder wie "Buchstabe". Da sind melodiöse Songs wie "Alter Mann" und "Wir werden alle sterben" eine richtige Wohltat.  Das durch den Fleischwolf gedrehte Boney M-Cover "Ma Baker" bildet da einen würdigen Abschluss.
 
HEAVEN SHALL BURN stellen dann auf der Hauptbühne einen neuen Wackenrekord für den größten Circle Pit auf. Dieser findet nicht nur vor der Bühne statt, sondern geht um den Mischpultturm und den sich dahinter befindenden Bierstand herum und wirbelt mächtig Staub auf. Die mit Sandsäcken, Stacheldraht und viel Feuer ausgestattete Bühne wird bei "Black Tears" dann noch zusätzlich von Dan Swanö bevölkert. Das Highlight neben "Endzeit" ist dann sicherlich noch das fast schon obligatorische Blind Guardian-Cover "Valhalla" (..die Leberwurst. Misheard lyrics, anyone?)
 
CHILDREN OF BODOM können dann nicht mehr viel falsch machen. Sie geben ihrer langjährig gewachsenen Fanbase, was sie will. Auf ihrem achten Wackenauftritt darf Alexi Laiho wieder öfter "fuck" sagen als Jules und Vincent in Pulp Fiction zusammen, Mr. Warman frickelt auf seinem Keyboard die Tonleitern rauf und runter bis die Fingerkuppen bluten und das Publikum feiert Songs vom erste Album "Something Wild"("Lake Bodom") bis zum neuesten Output "Halo of Blood" standesgemäß ab.
 
Drei Gänge zurückgeschaltet wird dann mit APOCALYPTICA. Die vier finnischen Cellisten haben ein ganzes Orchester mitgebracht. Viel Wagner diesmal (dem sie sich auf ihrem letzten Album gewidmet haben), aber natürlich auch eigene Stücke ("Burn") und die Metallica-Cover "Fight Fire With Fire" und "Nothing Else Matters". Die rein instrumentellen Stücke (auch "Bittersweet" muss ohne Sänger auskommen) sind auf Dauer etwas anstrengend und mehr als einmal fällt das Stehen schwer bis Edvard Griegs "Hall of the Mountain King" das Ende des Auftritts einläutet.


MOTÖRHEAD

Die nach der Veröffentlichung des Albums "Aftershock" gestartete Europatour brachte die Band nun erneut nach Wacken. Und um kurz vor 21:00Uhr war es dann endlich soweit. Die laufende Slotmashine am linken Bühnenrand der "Black Stage" zeigte dreimal den Schriftzug Motörhead. Und aus dem Infield vor der Bühne, welches restlos überfüllt war, waren die anfeuernden Rufe Lemmy, Lemmy obligatorisch. Besonderen Eindruck hinterließen unter anderem Schilder mit der Aufschrift " Don`t die Lemmy!"
Mit den ersten Akkorden von "Damage case" sind die Fans auch weiter abseits der Bühne nicht mehr zu halten. Hätte es sie gegeben, die Stühle, es hätte jeden von selbigen gerissen. Aber etwas war doch anders, ungewohnt. Lemmy betritt die Bühne nicht wie üblich mit Zigarette und auch sein Gang ist schleppend. Anstatt " in front of the stage", steht er im hinteren Teil der Bühne eingereiht von Monitoren. Und auch die obligatorische Ansage" we are Motörhead and we play rock`n roll" kommt sehr geschwächt. Nach "stay clean " und "over the top" sowie "the chase is better than the catch" startet Phil mit seinem Gitarrensolo. Wie auch im vergangenen Jahr mit Designergitarre..grün beleuchtetes Motiv und Stege. Lemmy verlässt die Bühne. Auch hier fällt sein erschwerter Gang auf. In einem kürzlich veröffentlichten Interview sagte er, das er zusätzlich seit 14 Jahren an Diabetes leide und ihm  dadurch bedingt nun auch das Laufen schwer fallen würde.
Als Lemmy die Bühne verlässt werden rings um Erinnerungen an 2013 wach. Neben mir fallen  spontane Äusserungen: " nein bitte nicht abbrechen!" Aber Lemmy kommt zurück, er bricht die Show nicht ab, alle Befürchtungen überflüssig!!...und es geht nahtlos weiter mit Songs wie "rock it", "lost woman blues", und "doctor rock".
Nach "just`cos you got the power" schließt sich das Drumsolo von Mikkey Dee an. Für Lemmy eine weitere Auszeit und die Möglichkeit zu verschnaufen. Ohne Frage kann man behaupten Motörhead sind zurück. Phil mit seiner lässigen Art, Mikkey der wie das Tier in der Muppetshow hinter den Drums arbeitet und auch Lemmy der des nicht an markigen Sprüchen dem Publikum gegenüber fehlen lässt. Die Band spielt druckvoll. Doch es ist nicht zu überhören das es in vielen Songs an Speed fehlt. Lemmy spielt oft langsamer als wir es von etlichen Songs gewohnt sind. Nach gewohntem Einstieg merkt man, wie er langsamer wird und das Tempo drosselt. Aber auch hier zeigt es sich, was es heißt zu einer der größten Bands der Rock und Metalgeschichte zu zählen. Binnen Bruchteilen stellen sich Phil und Mikkey auf die veränderte Situation ein und zeigen das Motörhead Voll und Ganz auf einer Wellenlänge agieren. Die Atempause während des Drumsolos hat Lemmy gut getan...Nachdem er die Bühne wieder betreten hat kommt die Frage an die tausende Fans im Infield " wollt ihrs schneller ...wollt ihr Rock`n Roll". Und Lemmy zählt an "one two three". Was nun kommt ist jedem klar. " Going to Brazil" walzt über die Fans hinweg. Und dies in vollem Speed ohne Tabu.
Diesem Klassiker schließt sich "killed by death " an. Neben Lemmy und Co dürfen die Fans nunmehr auch den immer wieder auftretenden "Überraschungsgast" Doro "bewundern". Ein Blick auf die Uhr sagt, das diese Show sich langsam dem Ende nähert. Und so ist es auch. Lemmy sagt den letzten Song für diesen Abend an. "Ace of Spades"! Leider ist gerade in diesem Stück zu erkennen; Lemmy ist nicht mehr, oder besser ausgedrückt, noch nicht der "Alte". In dem kurzen Sologesangspart ist ihm sehr deutlich die Anstrengung des Abends anzuhören. Seine Stimme ist wackelig, langsam und schwer verständlich. Nach "Ace of spades" verlassen Motörhead die Bühne. Aus dem Infield kommen immer lauter werdende Rufe nach einer Zugabe. Die Hoffnung steigt....die Bühne ist dunkel. Minuten verstreichen. Und dann sind sie wieder da. Und wer sich gefragt hatte was kommt braucht nicht lange zu rätseln. Schon die ersten Akkorde geben Aufschluss...."Overkill" ist angesagt. Und die Band, allen voran Lemmy himself geben Alles!!! Wie schon zuvor bei "going to brazil" zeigt Mr. Killmister, das er nicht unterzukriegen ist. Ohne Schnörkel wird der Song in gewohnter Schnelligkeit und Länge durchgezogen, bevor der Altmeister seinen Bass aufdreht und ihn an den Amp lehnt, damit die Rückkopplung jedem signalisiert...the show is done...the show is over.

Fazit: Motörhead sind zurück. Das Konzert, eines der Höhepunkte auf dem W:O:A 2014. Ich ziehe meinen Hut vor Lemmy und der Leistung die er nach all den widrigen Umständen des vergangenen Jahres gezeigt hat. Und auch vor der dem Rest der Band, die ihr Können und das Miteinander perfekt umgesetzt haben. Bleibt zu hoffen, dass es mit Lemmys Gesundheit weiter bergauf geht und Motörhead der Metalgemeinde noch länger erhalten bleiben.

Samstag


Wer kam eigentlich auf die Idee ARCH ENEMY als erste Band um 12 Uhr mittags auftreten zu lassen? Es ist ja nicht so, dass sie absolute Newcomer sind und nicht schon große Hallen gefüllt hätten. Auf jeden Fall kommt es zu längeren Staus an den Einlässen, von denen nur ein einziger (von vier) geöffnet ist. Ich glaube, noch nie hat ein Opener in Wacken so viele Zuhörer vor der Bühne gehabt. Und das mit Recht. Die blauhaarige Neu-Sängerin Alissa White-Gluz gibt ihr Wacken-Debüt und zeigt bei "Yesterday is dead and gone" mit einem gewaltigen Roar gleich mal wo der Hammer hängt. Viele neue Lieder von "War Eternal" haben es in die Setlist geschafft, aber auch bei den alten Angela-Gassow-Songs macht Alissa eine gute Figur. Zwischendurch darf Amott frickeln und die Menge wirbelt vor der Bühne ordentlich Staub auf.
 
Um zwei Uhr nachmittags wirken auch BEHEMOTH noch etwas deplatziert. Der böse blackened Deathmetal der Polen schreit förmlich nach Dunkelheit. So kommt die Stage- und Lichtshow nicht wirklich zur Geltung und auch der Sound ist nicht so knackig, wie er gerade für die technisch anspruchsvollen Stücke sein müsste. Trotzdem macht der Vierer das Beste daraus und hat mit "The Satanist" auch ein wirklich starkes Album im Gepäck. Zwischen dem ersten Song "Blow your trumpets Gabriel" und dem Abschluss "O Father O Satan O Sun" werden aber natürlich auch alte Stücke aus der 20jährigen Bandgeschichte gepackt und mit reichlich Feuer untermalt.
 
Vor der langerwarteten EMPEROR-Reunion-Show darf noch der verrückte Kanadier DEVIN TOWNSEND seine Fanschar unterhalten. Das tut er vor allem auch durch lustige Ansagen und Lobpreisungen der sanitären Anlagen, in die er kurz vor der Show noch eine "2 pound pretzel" gelegt hat. Er mischt munter die progressiven Songs seines "Projekts" mit Solonummern und haut auch straightere Mosher wie "Numbered" raus.
 
Dann dürfen die mal wieder wiedervereinigten EMPEROR das 20jährige Jubiläum ihres Überwerks "In the Nightside Eclipse" feiern, das spontan in "Sunshine Eclipse" umbenannt werden muss. Die Hitze wird durch zahlreiche Feuerfontänen noch zusätzlich verstärkt. Die Setlist ist natürlich wenig überraschend: Das Album wird stur von Anfang bis Ende durchgespielt. Die Band hat sich gut auf die wenigen Auftritte vorbereitet, und Ihsan ist die Spielfreude anzumerken. Als Zugabe gibt es unter anderem ein Bathory-Cover. Als letztjährig groß angekündigte Reunion hätte man aber eine etwas prominentere Platzierung erwarten können.
 
AMON AMARTH zieht dann auch wieder mehr Publikum und trifft wohl mehr den Geschmack des Durchschnitt-Wackenbesuchers. Es gibt rauchspeiende Drachen auf der Bühne und die schwedischen Wikinger um Johan Hegg lassen kräftig die Haare kreisen, während sie ein visuelles und akustisches Feuerwerk abfackeln. Reitende Gitarren laden zum Mitbangen ein, der Höhepunkt wird mit "Guardians of Asgard" und natürlich dem letzten Song "Pursuit of the Vikings" (Düp-dü-düp-düp-düp) erreicht.
 
Der prominenteste Headliner ist dann eindeutig MEGADETH. Und wie richtige Rockstars lassen Dave Mustaine und seine Mannen die Menge erstmal warten, was sich aber wohl auf technische Probleme zurückführen lässt. So ist der Soundtechniker wohl auch ziemlich überrascht, als die Band sehr plötzlich erscheint und loslegt und er muss erstmal die Regler zum Hochziehen der Lautstärke finden. Der Auftritt wird visuell mit drei Leinwänden unterstützt, auf denen sich die Bilder genauso schnell abwechseln wie die Gitarrenriffs. Megadave malträtiert seine Flying V und gibt sich gewohnt wortkarg wenn er kurze Ansagen ins Mikrofon nuschelt. Während es langsam dunkel wird, werden vor allem die alten Songs abgefeiert. "In My Darkest Hour" verursacht Gänsehaut, "Symphony of Destruction" kommt mitten im Set. Auch Dave taut auf und scheint nun sichtlich Spaß zu haben. Hätte man so nicht erwartet.
 
Parallel zum MEGADETH-Auftritt bricht nebenand auf der True-Metal-Stage hektische Betriebsamkeit aus um alles für den Auftritt von AVANTASIA vorzubereiten. Tobi Sammets Metal-Oper-Projekt fährt eine beeindruckende Videoproduktion auf, verzichtet diesmal aber auf das ganz große Orchester, das hauptsächlich vom Band kommt. Gastsänger gibt es aber natürlich trotzdem: Pretty Maids-Sänger Ronnie Atkins, Magnum-Fronter Bob Catley, "Mr. Big" Eric Martin und Michael Kiske geben sich die Klinke in die Hand, um die bombastischen, oftmals nah am Kitsch vorbei schrammenden Stücke der mittlerweise sechs Studialben zu performen. EDGUYs "Lost in Space" singt Sammet dann alleine, bevor alle nochmal zur Zugabe "Sign of the Cross" und "The Seven Angels" auf die Bühne kommen.
 
Danach kommt eine Runde Ohren durchspülen mit KREATOR zum Abschluss des 25jährigen Wackenjubiläums genau richtig, bevor die meisten erschöpft bei einer isotonischen Gerstenkaltschale das Wochenende ausklingen lassen.