Wacken Open Air 2015

  • Datum: 30.07.2015 - 01.08.2015
  • Ort: Wacken
  • Besucher: 75.000
  • Tickets: 160,- +vvk
  • Redakteur: Marcel Hübner
Wacken Open Air 2015

Als ich am Mittwoch Abend in Wacken anreiste, hätte ich nicht gedacht das überhaupt eine Band spielen wird. Die Wassermassen von Oben und überall her waren enorm.

So überraschte mich NEW MODELARMY im natürlich sehr vollen Zelt zu erleben. So richtig passte die Band ja nun nicht nach Wacken. Zu dem Zeitpunkt allerdings perfekt. Die puristische Party-Musik, bestehend aus einfachen Riffs, durchgehenden Grooves und die durchdringende markante Stimme von Justin Sullivan kam sogar bei den Death Metal Fans an. Ab und an kam eine Wassersalve von oben und klatschte in die zweite-dritte Reihe. Die doch sehr erfahrene Band gab alles und versprühte bei bestem Sound mega gute Laune, auch ohne ihren absoluten Hit „51 State“ zu spielen. Daumen Hoch !
 
SAVATAGE zusammen mit dem TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA
Neugierig, aufgeregt fieberte ich dieser Show entgegen. Wurde ja nun einiges angekündigt.
Die Messlatte hing verdammt hoch. Mastermind John Olivia hatte sich viel vorgenommen.
Doch ich denke es wurde Niemand enttäuscht.
Allein das Intro des Openers „Gutter Ballet“ zusammen mit den gigantischen Videoprojektionen über die gesamten zwei Hauptbühnen, verursachte eine Gänsehaut nach der anderen. Super Sound!
Erst gab es 30 Minuten SAVATAGE auf der linken Bühne, mit dabei auch Sänger Zack Stevens.
Dann der fließende Übergang durch Videoprojektionen auf die rechte Hauptbühne.
Hier gab es eine perfekte Show des TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA mit John Olivia.
Gigantomanie. Gitarren, Streicher, gleich mehrere Sänger, Sängerinnen und Frauenchöre und schließlich boten 75 Minuten beide Acts auf beiden Bühnen zusammen eine sensationelles Spektakel, welches auch „Carmina Burana“ von Carl Orff in einer besonderen Metal Version beinhaltete.
Ich bin sehr gespannt auf die hoffentlich bald veröffentlichte Blue Ray/DVD.

BLACK LABEL SOCIETY spielten auch auf einer der Hauptbühnen, der Black Stage.
Zur besten Abendzeit 21 Uhr gings los. Zack's Les Paul machte wie immer ordentlich Druck. Die Band spielte sich quer durch alle Alben. Das Dimbag gewidmete „In this River“ war sehr eindrucksvoll, trotzdem ist dieses einfach keine Party-Band.
 
AMORPHIS gingen tatsächlich bei strahlender Sonne auf die Bühne.
Das Classic Album „Tales From A Thousand Lakes“ wurde komplett zelebriert. Von „Elegy“ noch drei Tracks hinterher. Eine musikalische Glanzzeit der Bandgeschichte. Der Sound großartig.
Die Band agiert auf hohem Niveau. Für mich eines der besten Konzerte des gesamten Wacken Weekend.

DANKO JONES tritt an. 1-2-3 und los.
Einfacher Rock ohne frickelige Soli ist auch 2015 ein gutes Rezept.
Von der für das Trio vielleicht etwas zu großen Bühne kam das Set gut rüber, machte Spaß und wurde von der schon sehr großen Menge Nachmittags um 16 Uhr gefeiert. Leider redet Herr Jones wieder gerne etwas zu viel. Dafür sind locker zwei Songs drauf gegangen. Schade.

Grailknights
Auf der Suche nach dem heiligen Gral! Ob die sympathischen Recken einen ersten Auftrag verfolgen? Nunja, zweifelsohne verrichten sie ihr Werk mit allerlei heroischem Auftreten und einer großartigen Bühnenshow, die immer wieder von Gastauftritten bestimmter Figuren gespickt ist. Master oft he Universe Frontmann Sir Optimus Prime führt seine Band an im Kampf gegen das Böse. Dr. Skull muss vernichtet werden und so bezieht sich das Set kontinuierlich um die Schlacht am Ende zu gewinnen. Nicht nur ein normaler Auftritt, sondern definitiv ein optischer Hingucker. Doch auch musikalisch brauchen sich die Hannoveraner nicht zu verstecken. True Metal vom Fach in verschiedensten Geschwindigkeiten. Gespielt mit unheimlicher Präzision und spielerischem Können. Insgesamt macht der Auftritt im Zelt mehr als nur Spaß, lässt das Bier nochmal so gut schmecken und die relativ kurze Stage Time im Fluge vergehen.

Rob Zombie
Eigentlich wollte ich mir den Auftritt unbedingt aus nächster Nähe ansehen, und das ein oder andere Foto mitbringen. Leider habe ich es nicht rechtzeitig nach vorne zur Bühne geschafft, abgeschafftem Shuttle Bus  sei Dank.
Was man aus der Ferne hören konnte war eine gute Show, aber eigentlich keine wirkliche Rob Zombie Show. Da gab es schon deutlich bessere von. Auch scheint beim Publikum die Show nicht im üblichen Rob-Ausmaß anzukommen. Auch der Evergreen „Dragula“ oder Coverversionen etwa von  Metallica „Enter Sandman“ können da das Ruder nicht mehr rumreissen.

Mambo Kurt
Ein Evergreen und unzählige Male zu Gast auf dem Festival. Es wäre wohl kein Wacken ohne diese Ikone vorstellbar. Die Heimorgel ist legendär und quietscht auch nach mehr als ein Dutzend Jahren noch fröhlich munter vor sich hin. Was soll man da noch groß zu sagen? Stell Mambo Kurt auf die Bühne und das Publikum fängt zu grölen an.  Neben seiner Heimorgel hatte er auch sein Keytar dabei, um noch mobiler zu performen. Im Gepäck war natürlich ein bunter Strauss an Cover Songs aus allen möglichen musikalischen Richtungen. „I was made for loving you“ lockerte schnell die ohnehin schon gute Stimmung und tauchte das Publikum vollends ins Mambo Fieber. „I need some GoGos now“ mit diesen Worten lockte Mambo ein paar Damen aus dem Publikum auf die Bühne. Diese durften dann passend tanzen und das Publikum weiter anheizen. Nach gut 50 Minuten war der Slot vorbei und Mambo Kurt  verabschiedete sich.

Mantar
Moin. So kurz wie die Hamburger Begrüßung, so schnell geht auch die Auflistung der Bandbesetzung von Mantar. Mit gerade mal zwei Leuten stehen die beiden Nordlichter auf der Bühne. „Sie werden die Headbanger Stage auswringen“. Und diese Ankündigung war beileibe nicht  untertrieben. Vom ersten Takt an geht es zur Sache. Sänger und Gitarrist Hanno macht jedenfalls keine Gefangenen und springt wie von der Tarantel gestochen quer über die Bühne, lässt auch schon mal die Gitarre fliegen. Mit Zwischenansagen wie „ Ihr musstet einiges erleiden: Regen und Dudelsäcke, Typen die Piraten sind“ macht das Duo deutlich, dass es nicht viel von Firlefanz hält. Mit ihrem dreckigen Punk, gepaart mit Doom und allerlei Metal Elementen rotzen sie fleißig von der Bühne und stellen dabei manch große 5er Combo in den Schatten. Gerade im Hamburger Raum erfreuen  sie sich einer recht großen Fanbase. Und mit dem Slot auf dem Wacken zeigen sie einmal mehr auf eindrucksvolle Weise, dass sie den internationalen Durchbruch mehr als verdient haben. Die Bandkarriere geht steil nach vorne und ich drücke beiden den Daumen, dass da noch zahlreiche Alben kommen mögen.

Kvelertak
Eine kleine Eule sitzt einsam auf der Orange Box. Doch diese Ruhe soll nicht lange anhalten. Wirbelwind Erlend weiß das Publikum anzuheizen und steht keine Sekunde still auf der Bühne. Obenrum nur mit einer offenen Jeansjacke bekleidet führt der Frontmann von Kvelertak munter durchs Set. Sehr sehr rollender Rock N Roll schmettert von der Bühne, wird leider durch stärkeren Wind immer wieder abgeschwächt. Das hindert die Norweger aber keineswegs daran, Vollgas zu geben. Und auch für einen  Ausflug ins Publikum ist Zeit. 

Opeth
Gefrickel auf einem neuen Level. Opeth live zu erleben ist immer ein Hochgenuss. Noch dazu wenn die Band derart motiviert ist, wie auf dem Wacken. Mit einem unglaublichen Gefrickel zu „Eternal rains will come“ geht es los im Opeth Slot. Nun ja, genug geregnet hatte es ja bereits. Sänger Mikael hat sichtlich Spaß an den Zwischenansagen und dem Kommentieren der eigenen Band. Neben der progressiven Seite, präsentiert der Frontmann auch gern noch seine ‚alten‘ Growl Künste, beispielsweise bei „heir apparent“. Über eine Stunde lang geht der Slot und ist doch zu kurz.

Ill Nino
Eine Band, die es sich immer lohnt live anzuhören. „Te amo, i hate you“ mag sich der Sänger in den ersten Sekunden gedacht haben. Statt die Fans ordentlich begrüßen zu können streikt das Mikro eine ganze Weile. Doch dann funktioniert alles sauber und es kann losgehen. Nu Metal wie er sein soll. Kein weinerliches Geblubber von Kids. Ill Nino steht für ausgereifte und großartige Musik, bei der nicht nur die klassischen Elemente Paltz finden, sondern sich gern auch mal abseits bedient wird. Sänger Cristian bedient sich dabei einer sehr breiten Varianz an Stimmen, vom knüppelschnellen Shouts und Growls bis hin zu markerschütterndem Klargesang. Wie eine Dampfwalze fegen die Amerikaner zu vorgerückter Stunde über die Headbanger Stage. Der Auftritt endet nebulös für mich, schmeckt das Bier im Zelt doch besonnders gut. Allerdings kommt kaum etwas an die Stimmung im Moshpit in den ersten Reihen heran.

My Dying Bride
Schwer, düster, melancholisch. My dying Bride betreten um 1 Uhr nachts die WET Stage und bringen schweren, schleppenden Doom mit sich. Funktioniert das zu solch später Stunde überhaupt noch? Das Zelt ist mittlerweile nicht mehr voll gefüllt, dennoch wissen My dying bride eine breite Fanschar um sich. Sänger Aaron zelebriert den Auftritt auf seine unvergleichliche Weise, Klargesang geht über in abgrundtiefe Growl Parts. Als absolutes Highlight sei hier „Turn loose the swans“ festgehalten.

In Flames

Der absulte Hightlight und seit Jahren die besten Headliner für mich. Es war zwar schwierig im tiefen Matsch zu springen, aber alle gaben ihr bestes und Gänsehaut war vorprogrammiert. Der weiß gekleidetet Anders machte wieder eine super Show und gute Ansagen. Das Publikum war in seinem Element und vergaß kurzer Zeit in welchem Schlamm Sie stecken. Die neuen Songs kamen insgesamt nicht so gut an, aber das war bei dem Metalpublikum zu erwarten. Trotz alledem ein perfekter Auftritt und glückliche Gesichter!