With Full Force 2011

  • Datum: 01.-03.07.2011
  • Ort: Roitzschjora
  • Besucher: 25.000
  • Tickets: 79,90 Euro + Camping
With Full Force 2011

Das With Full Force 2011 wird wahrscheinlich stärker in die Annalen der Geschichte eingehen als alle anderen zuvor erlebten Festivals auf dem Flughafengelände Roitzschjora. Das jährlich wachsende Festival nördlich von Leipzig ist vielen nicht nur unter dem offiziellen Namen „With Full Force“ ein Begriff sondern ebenso als das Festival auf dem heftigsten Acker Deutschlands bekannt. Eigentlich sollten 2011 natürlich auch in erster Linie die Bands für Furore sorgen, als wir dann aber am Freitag unsere Zelte aufschlugen, zeigte sich bald, dass uns dieses Jahr vor allem das Wetter auf eine ganz harte Probe stellen sollte. Während wir am Freitag lediglich mit kühlen Temperaturen und Wind zu kämpfen hatten, bescherte uns der Wettergott das restliche Wochenende über eine Eiseskälte, Sturm und nicht enden wollenden Regen … Wettertechnisch war das With Full Force 2011 tatsächlich das heftigste was ich in meiner Festivalhistorie bis dato erlebt hatte. Natürlich machten sich die Auswirkungen des Wettertiefs auch vor den Bühnen bemerkbar. Obwohl wie jedes Jahr hochkarätige Acts nach Roitzschjora gelockt hatten, war es vor der Hauptbühne im Schnitt wesentlich leerer als in den vorangegangenen Jahren. Dafür tummelte man sich umso mehr im Zelt vor der Tentstage. Nicht nur Bands und Festivalgänger hatten zu kämpfen, auch die Imbissstände hatten für 2011 sicher anders kalkuliert. Ganz besonders leid tat mir der Softeisstand, denn dort herrschte stets gähnende Leere. Aber wie auch immer das mit dem Wetter war, wir versuchten trotzdem alle das Beste aus der Situation zu machen, tranken also in gewohnter Manier unsere Bierchen und feierten zu boCampingmbastischer Musik … auch wenn man 2011 insgesamt etwas seltener aus dem eigenen Zelt gekrochen kam als sonst, waren doch einige Bands dabei, deren Auftritt man auf keinen Fall verpassen durfte.


Freitag, 01.07.2011

Nachdem wir uns am Freitag nun so gut es ging häuslich eingerichtet hatten, den Grill zum ersten Mal angezündelt und die Bring me the horizon (2)ersten Biere getrunken hatten, begann das Festivalprogramm mit BRING ME THE HORIZON. Im Sommer 2011 lief ‚Blessed With A Curse‘ gerade in allen CD/MP3-Playern rauf und runter was das Zeug hielt. Natürlich hatten auch wir uns auf der Hinfahrt schon mit diesem Song auf BMTH eingestimmt. In freudiger Erwartung zogen wir also los, um die Engländer live zu erleben. ‚Blessed With A Curse‘ bestach durch viel Atmosphäre und auch ein wenig durch Melancholie, die anderen Songs der Combo allerdings durch Härte und Power. Der Hammer sind natürlich auch die Tatoos von Sänger Oliver Scott Sykes, der ja ohnehin was Feines fürs Auge ist (zumindest für das weibliche). BMTH hatten 50 Minuten Zeit, um ihren Metalcore/Deathcore unters Volk zu bringen. Und das ist ihnen sehr, sehr gut gelungen. Für uns waren die Engländer ein ausgezeichneter Start.

Wie das bei Festivals nun leider immer mal wieder so ist, treten zwei Bands, die man eigentlich beide unbedingt sehen möchte, zur gleichen Zeit auf. Mir stellte sich dieses Problem auf dem WFF 2011 schon sehr früh, nämlich als AGNOSTIC FRONT und MILLENCOLIN am Freitag gegen 21 Uhr fast zeitgleich auftraten. Da Agnostic Frontich Agnostic Front schon unzählig Male auf Festivals und in kleineren Clubs gesehen hatte, fiel die Wahl an diesem Abend - nachdem wir einigen Songs von Agnostic Front gelauscht und ein paar Fotos geschossen hatten - auf Millencolin. Vor der Tentstage hatte sich bereits ein ansehnlicher Mop gebildet, der fröhlich tanzend selten stillstand. Neues war von Millencolin, deren letzte Veröffentlich bereits einige Jahre zurückliegt, natürlich nicht zu erwarten. Mich störte das jedoch gar nicht, freute ich mich doch sowieso mehr über die Stücke der 1990er Jahre. Damals begleiteten die Schweden mich mit ihrer Musik nämlich durch meine Jugend. Eins steht fest, auch wenn der ein oder andere „knallharte“ Metalcore-Anhänger sicher über die seichtGeländeeren Klänge schmunzelte, Skatepunk wie von Millencolin mach einfach nur Spaß und gute Laune. Und das Publikum nahm alles dankend an.

 

Samstag, 02.07.2011

Ab Samstag hatten nun alle mit dem einsetzenden Regen zu kämpfen. So gut es ging versuchten wir uns den Vormittag über warm bzw. trocken zu halten und uns mit Frühstück, Grillgut und Flüssigkost für den Tag zu stärken. Zu den EMIL BULLS wagten wir den Schritt vom eigenen Unterschlupf zur Zeltbühne. Die New-Metaller aus Süddeutschland wurden nicht zum ersten Mal auf dem Full Force gesichtet. Von daher wusste man schon so in etwa, was einen erwarten sollte. Bei ausgezeichnetem Klang, ließ man sich die durch den Wechsel von harten und melodiösen Parts charakterisierten Lieder, durch die Ohren blasen. Die Emil Bulls sind eine ausgezeichnete Liveband, die es versteht, die Meute vor der Bühne zum Tanzen zu bewegen.    

Direkt im Anschluss ging es mit den RADIO DEAD ONES weiter. Uns erwartete dreckiger, aus deutschen Gefilden stammender Kultpunk, bei dem einfach alles zusammenpasste. Zu dem rotzigen 70/80er Jahre Sound gesellte sich so einiges an Melodie und auch die Tattoos wirkten bei der nicht aalglatt auftretenden Truppe sehr authentisch.
Callejon (0)
Nach einer kurzen Pause sahen wir uns alle bei den U.S. BOMBS im Zelt wieder … oder auch nicht, denn vor der Bühne herrschte erstaunende Leere. Nach einem kurzen Blick auf das Programm war die Sache klar. Auf der Mainstage spielten Callejon, eine Band gegen die man erstmal ankommen muss. Auch wenn die U.S. Bombs versuchten kräftig einzuheizen, blieb die Stimmung eher gedrückt. Das machte aber nichts, so hatte man eben mal kurz Zeit zum Verschnaufen oder man ging nach nebenan zu CALLEJON, wo der Tanz weiterging.

Obwohl es von Oben noch immer nicht trockener werden wollte, waren TERROR im Vorabendprogramm auf der Hauptbühne Pflicht. Natürlich war der Name Programm: Die Hardcore-Amis knüppelten was das Zeug hielt, ohne dass ihnen der Atem jemals auszugehen schien. Das Publikum nahm Spielfreude und Power bereitwillig an und dankte es den Jungs mit dem einen oder anderen Circle Pit. „Always The Hard Way“, manchmal braucht man ihn zum glücklich sein. So auch beim WFF 2011, bei dem Terror mit diesem Song allen Anwesenden Glückshormone in die Venen pumpten.  

Nun ging es Schlag auf Schlag. Nach diesem Freudentaumel wollten uns BLOOD FOR BLOOD zeigen, dass sie die Meute mindestens genauso zum pogen und surfen bringen können wie Terror. Wesentlich seichter natürlich, aber dafür nicht weniger mitreißend, machte die US-Truppe klar, warum sie sich den Headlinerplatz im Zelt redlich verdient hatten. Es war proppenvoll und kaum jemand blieb still stehen.  

HATEBREED beehrten uns am Samstagabend auf der Hauptbühne als Headliner. Die Jungs um Sänger Jamey Jasta spielen auch 2012 einige Festivals und ich habe bereits mehrere Freudentänze deswegen mitbekommen. Die Amis sind angesagt und das nicht ohne Grund. Wer kann sich schon solchen Songs wie „Destroy Everything“ oder „Everyone Bleeds Now“ entziehen? Der Pflugplatzacker wurde 2011 auf jeden Fall kräftig umgepflügt und das obwohl der Boden so langsam einer einzigen Schlammgrube glich.

Wer jetzt noch nicht genug hatte, konnte sich im Zelt beim Saturday Night Fever mit KNORKATOR, PETER PAN SPEEDROCK, MAD SIN und den CANCER BATS trocken und warm tanzen. Wir machten das auch eine Weile, bevor wir unseren eigenen Rastplatz für ein gute-Nacht-Bier vorzogen.

 

Sonntag, 03.07.2012

Die Samstagnacht war zerstörerisch, aber nicht wie zu vermuten wäre, aufgrund der lauten Musik oder den vielen Drinks, nein, vielmehr weil uns das Wetter immer böser mitspielte. Vom Campingplatz flogen Pavillons und Zelte und wer kein gut imprägniertes Zelt hatte, musste wohl oder übel in einer Pfütze schlafen. Der Wetterbericht kündigte für den Sonntag keine Besserung an, so dass viele den Rückzug in die eigenen, trockenen vier Wände antraten. Das Festivalgelände zeigte sich verlassener als in den 12 Jahren zuvor jemals erlebt. Auch wir gingen mehrere Male tief in uns, verfluchten diese Eiseskälte und Nässe und hielten doch bis zum Sonntagsheadliner durch.

Zuvor aber erhellten wir uns unsere Laune mit SKINDRED, meiner Meinung nach einer der spaßigsten Livebands die es so gibt. Das Quartett macht vor allem Spaß, weil sie sich mit ihrem Mix aus Metal, Hip Hop und Reggae stark vom Rest abheben. Dazu kommt, dass Sänger Benji Webbe immer voll bei der Sache ist. Kein Wunder also, dass die Massen bei „Roots Rock Riot“ oder „Trouble“ kräftig mitschwofen. In der Theorie zumindest, denn leider gab auf dem Full Force nach kurzer Zeit die Elektrik den Geist auf. Der Aufritt wurde abgebrochen und sollte später im Zelt nachgeholt wParkway Drive (0)erden.

PARKWAY DRIVE haben uns ganz klar bewiesen, dass es richtig war durchzuhalten. Die kräftigen Break Downs pusteten uns die Tropfen aus den triefenden Klamotten und ließen uns zumindest für diese 45 Minuten das Festival in vollen Zügen genießen.

Wer tapfer bis zu VOLBEAT durchgehalten hatte, wurde auch dafürVolbeat (0) belohnt. Die Dänen habe sich seit ihren Aufritten im Nachmittagsprogramm des WFF vor einigen Jahren in die Herzen unzähliger Metalheads gespielt. Was die Elvis Metaler auf der Bühne fabrizierten schien fast wie ein Heimspiel. Melodie und Härte und dieses typisch stylische, etwas statisch wirkende Auftreten brachte nochmal alle zum Feiern. Sänger Michael Poulsen zeigte sich dem Publikum solidarisch und goss eine Flache Wasser über seinem Kopf aus.

Froh, auch am Sonntag noch einige im Gedächtnis bleibende Auftritte miterlebt zu haben, stiegen wir nach Volbeat in unsere Autos und kehrten Roitzchjora für dieses Jahr den Rücken zu. Irgendwie passend zu allem an diesem Wochenende fing es genau beim Hinunterrollen vom Festivalgelände an zu blitzen und zu donnern was das Zeug hielt. Ich bin mir nicht sicher, was der Wettergott uns mit alledem sagen wollte, sicher ist jedoch, dass die With Full Forcler so schnell nicht kleinzukriegen sind. Grüße an alle, die dabei waren und tapfer durchgehalten haben. Über das härteste WFF aller Zeiten wird mit Sicherheit noch lange und viel gesprochen werden. Vor allem, wenn wir uns 2012 alle auf dem „heftigsten Acker Deutschlands“ wiedersehen.
WithFullForce