With Full Force 2013

  • Datum: 27.06.2013 - 30.06.2013
  • Ort: Roitzschjora
  • Besucher: 25.000
  • Tickets: 89 € + VVK
  • Redakteur: Marcel Hübner

Das With Full Force hat den Ruf des härtesten Ackers im Osten Deutschlands und diesen Rang kann dem Festival so schnell auch niemand streitig machen. Ganz besonders dann nicht, wenn das WFF seinen 20. Geburtstag feiert, wie es 2013 der Fall war. Zu diesem Anlass haben die Macher den härtesten Acker noch etwas härter gemacht, indem sie uns einen vierten Festivaltag geschenkt haben. Nun mussten wir zeigen, wie hartgesotten wir tatsächlich sind.

Donnerstag, 27. Juni 2013

Auch wenn die Wettervorhersage durchwachsen war, haben wir uns zu dieser besonderen Geburtstagsfeier bereits am Donnerstag auf den Weg nach Roitzschjora gemacht, um mit ELSTERGLANZ, NEWSTED, AGNOSTIC FRONT, HATEBREED und SLAYER ins Festivalwochenende zu starten. Das Anniversary Special am Donnerstag startete mit Bands, die größtenteils keine Unbekannten auf dem WFF sind. Ganz besonders ELSTERGLANZ haben sich als Lokalmatadore auf dem Festival bereits Kultstatus erspielt. Auch wenn die Show der Spaßcombo aus Sachsen Anhalt nicht viel mit dem sonstigen Hardcore-Brett der restlichen Bands zu tun hat, werden ELSTERGLANZ jedes Mal aufs Neue gefeiert als würde es kein Morgen geben. Man konnte sich keinen besseren Opener für das Festival wünschen, denn mit einem Klassiker wie ‚Kapuuschlaahn‘ war gute Laune vorprogrammiert.

Etwas schwieriger hatte es da schon Ex-Metallica-Bassist Jason NEWSTED mit seinen Mannen, denn Kultstatus hatte sich diese Combo auf dem WFF noch nicht erspielen können. Dafür kam den Jungs die Neugierde auf etwas Neues zu Gute. NEWSTED konnte auf jeden Fall die Gunst der Stunde nutzen, um seine 2012 herausgebrachte EP und Songs seines für August 2013 geplanten Debütalbums „Heavy Metal Music“ vorzustellen. Mit fettem Sound und ausgereiftem Metal zeigte NEWSTED, dass er ganz sicher auch ohne Metallica dazu in der Lage ist gewaltig in den Hintern zu kicken.

Zu AGNOSTIC FRONT muss eigentlich nicht viel gesagt werden. Ebenso wie andere Bands der NY-Hardcore-Familie sind sie vom WFF nicht wegzudenken. Auch wenn mir die Auftritte der Hardcore-Heroen in kleineren Clubs nach wie vor besser gefallen, geben AGNSTIC FRONT mit ihrer Show auf der Mainstage immer wieder kräftig Gas. Natürlich giert die Masse auf Songs wie ‚Gotta Go‘ und selbstverständlich wurde dieser Klassiker auch geliefert, um den Moshpit richtig anzuheizen. In 50 Minuten stellten die New Yorker ihr Können zur Show und zeigten einmal mehr, warum sie seit 30 Jahren gefeierte Hardcorehelden sind. Eine AGNOSTIC FRONT Show pumpt jedes Mal, auch wenn man die Band schon zum zigsten Mal gesehen hat, dermaßen Adrenalin in die Gefäße, dass man das Feld nur glücklich verlassen kann.

Den härtesten Acker verlassen haben nach AGNOSTIC FRONT jedoch nur die wenigsten, schließlich standen HATEBREED als Co-Headliner als nächstes auf dem Programm. Was AGNOSTIC FRONT angefangen haben, brachte der Fünfer zur Vollendung. AGNOSTIC FRONT heizte die Crowd an, HATEBREED brachte sie zum Kochen. ‚As Diehard As They Come‘ und ‚This Is Now‘ ließen die Circle Pits wirbeln und die Surfer surfen. Mit ‚Destroy Everything‘ hoben sich HATEBREED ihren Gau bis ganz zum Schluss auf, was eine gelungene Sache war, denn mit dem Song knallten uns die Amis einen fetten Track um die Ohren, woraufhin wir alle wussten, warum wir den härtesten Acker Ostdeutschlands so dermaßen lieben.

Auch SLAYER ist keine unbekannte Größe auf dem Festival. In den vergangenen Jahren waren sie bereits mehrmals auf dem Flughafengelände zu Gast. Dennoch brachte der Auftritt 2013 sicher Einiges an Wehmut mit sich, war doch erst kurze Zeit zuvor Gründungsmitglied und Gitarrist Jeff Hanneman an Leberversagen verstorben. Auch wenn der Auftritt der Thrash-Könige SLAYER sicher für viele der Grund war, bereits am Anniversary Special am Donnerstag anzureisen, werde ich mit dieser Band live nicht so recht warm. Bereits 2010 konnte mich die Band mit ihrem Gig aufgrund des schlechten Sounds nicht überzeugen und ähnlich ging es mir auch 2013 wieder. Etwas enttäuscht über diesen Auftritt verließ ich diesen Abend das Feld.

Freitag, 28. Juni 2013

Da zu einem guten Festival das Katerpflegen, Grillen, Chillen und in der Sonne rumsitzen genauso dazu gehört wie das Anschauen von Bands, haben wir den Freitag ganz entspannt auf dem Campingplatz bei unseren Zelten, unserem Grill und unserer Musik begonnen. Als der morgendliche Kaffee ausgetrunken bzw. kalt geworden war, blieb nichts anderes übrig als den Durst mit einem kühlen Blonden zu stillen. Auf diese Art machten wir uns langsam für den zweiten Festivaltag fit. Heute standen TERROR, DOWN, THE GHOST INSIDE und  PARKWAY DRIVE auf dem Programm. MOTÖRHEAD hatten ihren für diesen Abend geplanten Auftritt krankheitsbedingt absagen müssen.

TERROR, mit ihrem Hardcore-Punk aus dem sonnigen Los Angeles, können nicht enttäuschen und das sah auch die Crowd so als die Jungs die Mainstage betraten. Mit altbekannten, aber auch mit neuen Stücken des jüngsten Albums „Live by the Code“, schmetterten sie ihr Programm runter und vor der Bühne wurde dieser Mix überschwänglich angenommen.

So langsam rückte der Abend näher und die Absage des Headliners MOTÖRHEAD hatte längst überall die Runde gemacht. An allen Ecken wurde wild spekuliert wer wohl als würdiger Ersatz einspringen würde. Letztlich profitierten der Co-Headliner PARKWAY DRIVE und auch PAIN und DOWN von der kurzfristigen Absage der Mannen um Lemmy. PAIN und DOWN spielten einfach einige Songs mehr und PARKWAY DRIVE wurden kurzerhand zum Headliner befördert. Natürlich waren viele von der Absage enttäuscht, ich jedoch konnte den Auftritt von PARKWAY DRIVE ohne großes Bedauern in vollen Zügen genießen. Im Nachhinein lässt sich auch einfach nur sagen, dass die Australier einen genialen Auftritt hingelegt haben. Natürlich gehören zu (Co)-Headlinershows solchen Kalibers heutzutage entsprechende Bühnenshows und so regnete es bei ‚Home is for the Heartless‘ kräftig Konfetti und bei ‚Carrion‘ zündeten die Feuerwerksraketen. Eine wirklich gelungene Show.

Samstag, 29. Juni 2013

Der Samstag war für mich durch Bands wie ADEPT, H2O, SICK OF IT ALL und IN FLAMES neben dem Jubiläumsdonnerstag der interessanteste Tag des Festivals. Zwar überzeugen die Jungs von ADEPT mich auf Platte mehr als live und auch das 2011er Album „Death Dealers“ hatte weitaus mehr Wumms als die einige Monate vor dem Force herausgebrachte LP „Silence The World“. Dennoch durfte man sich die Show und somit Songs wie ‚Lost Boys‘ und ‚Forever and a Day‘ live nicht entgehen lassen.

Direkt im Anschluss an ADEPT spielten H2O auf der Tentstage. Ein weiterer Auftritt, der Pflicht war. Die New Yorker Melodic-Hardcore-Band begleitet mich seit meiner Jugend und die sympathischen Jungs begeistern mich live immer wieder. Das schöne dabei ist, dass ich auch alle Alben der Bands von „H2O“ (1996) über „GO“ (2001) und „Nothing To Prove“ (2008) bis „ Don’t Forget your Roots“ gut finde und die Songauswahls somit nur passen kann. H2O versprühten in 35 Minuten gute Laune, Spaß und auch etwas Nostalgie. Ein Highlight der Show war „What Happened?“, das gemeinsam mit Freund Lou Koller von SOIA dargeboten wurde.

Gegen 21.00 Uhr machten sich SICK OF IT ALL als Co-Headliner für ihre Show warm. Auf SOIA lasse ich als Fan der NY-Hardcorszene nichts kommen, auch wenn schon der ein oder andere Auftritt beim Force aufgrund von schwierigen Soundverhältnissen nicht so angekommen ist, wie man es sich eigentlich gewünscht hätte. Dennoch ist es immer wieder Wahnsinn zu sehen, mit wie viel Spielfreude die Jungs auch nach mehreren Jahrzehnten Bandgeschichte noch bei der Sache sind. Pete Koller kickt, springt und dreht sich wie gewohnt auf der Bühne und animiert somit die Massen, die sich vor der Hauptbühne versammelt hatten, zum Tanz. In 60 Minuten bretterten Lou Koller & Co. runter was sie in den letzten Jahrzehnten zusammengeschrieben hatten. Bei guten Sound, einer genialen Atmosphäre bei beginnendem Sonnenuntergang und einem Song wie ‚Step Down‘ kann man sich nur in die ersten Reihen stürzen und feiern. Bei ‚Scratch The Surface‘ musste man sich jedoch schnell in Sicherheit bringen oder aber man wurde Teil der Wall of Death. SOIA waren genial und sie haben es wirklich verdient zur Primetime auf der Mainstage stehen zu dürfen.

Warum fahre ich dieses Jahr zum With Full Force? Wegen der grössten Macht aus Schweden! IN FLAMES gaben sich die Ehre und das war für mich in diesem Jahr der zweite Auftritt vor dem noch anstehenden Vainstream Open Air. Die Running Order unterschied sich leider nicht grossartig und die Ansagen von Anders waren fast die gleichen, was mich aber beim Force nicht störte ;-) Die Gothenburg Jungs starten mit dem aktuellen Album Opener "Sounds of a Playground Fading". Die Menge machte sofort mit und mit "Where the Dead Ships Dwell" kam der nächste Kracher aus den Lautsprechern. Mit "Alias", "Pinnball Map" und "Trigger" folgten die erfolgreichsten Songs der letzten Jahre. Ich habe die Jungs schon zum zehnten Mal erleben dürfen und sie werden immer besser. Die Anfangszeiten waren live kaum zu ertragen, aber gerade Anders Frieden entwickelte sich in den letzten fünf Jahren zu einem der besten Frontmänner Weltweit. Insgesamt eine sehr gute Show der Schweden die zum Schluss nochmal den ruhige Song "My Sweet Shadow" auspackten.

 

Sonntag, 30. Juni 2013


Auf die Jungs von BETRAYING THE MARTYRS habe ich mich sehr gefreut. Die Franzosen gibt es erst seit ein paar Jahren und bieten Deathcore von feinsten. Das Zelt war rammelvoll und die Band gab alles. Aaron brüllte was das Zeug hielt und war keine Sekunde am stehen. Auch Keyboarder und Clean-Sänger Viktor konnte sich nicht halten und warf sich in die Menge. Ein brachialer Auftritt den es schwer zu toppen gilt!

Die Texaner THE BROWNING hatten am Anfang ein wenig Soundprobleme, die sie aber schnell in den Griff bekommen konnten. Auf CD kommen die Song sehr geil rüber, was ich aber live nach 20 Minuten nicht mehr ertragen kann. Zuviel Elektro versaut der Band leider die Klasse.

DEVIL SOLD HIS SOUL sind auf Langrille ein absoluter Ohrenschmaus und ich war gespannt, ob sie ihre komplexen Songs auch live rüber bringen können. Leider war das nicht der Fall und die Engländer waren mit Abstand die schwächste Band auf dem diesjähren WFF. Gerade Songs wie "End of Days" die Gänsehaut verursachen, waren schwer abzufeiern. Das Publikum war auch kaum anwesend, was die Sache nicht besser machte. Eine grosse Band die mit Sicherheit ihren letzten Auftritt beim Force hatten.