With Full Force 2015

  • Datum: 03.07.2015 - 05.07.2015
  • Ort: Flugplatz Roitzschjora
  • Besucher: 25.000
  • Tickets: Festivalticket ca. 89€+VVK

Wenn mich jemand fragen würde was ich so beim With Full Force getrieben habe, dann würde ich ihm nur kurz antworten: „Im Prinzip saßen wir nur im Kreis und haben uns gegenseitig beim sterben zugesehen.“ Es war einfach nur unmenschlich heiß. Ob im Schatten,mit einem kalten Getränk in der Hand oder in der prallen Sonne. Es machte keinen großen Unterschied, die Hitze war das ganze Wochenende einfach unerträglich. Und wie war es so musikalisch? Kurz gesagt: großartig.

Das erste mal auf dem Full Force war ich 2004 als kleiner Jungspund. Und 2015, nach ein paar Jahren Abstinenz vom härtesten Acker Deutschlands (auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass dort jemals wieder auch nur das unwichtigste Unkraut wachsen wird) hat sich gar nicht so wirklich viel verändert. Verglichen mit dem Lineup von 2004 waren viele Bands die selben, die Songs waren die selben und die Fans wahrscheinlich auch. Sick Of It All haben z. B. jedes With Full Force bespielt. Das verdient mal ausdrücklich Respekt. Fear Factory, In Flames, Heaven Shall Burn,  Born From Pain, Arch Enemy, Agnostic Front etc.. 
Aber genug der einleitenden Worte, wie verlief den so mein Wochenende?

Freitag 14 Uhr Ankunft; Zelte in den Boden gestampft, über das Wetter geflucht, Nachbarshaftskontakte geknüpft, Utensilien getauscht und Pläne geschmiedet. Leider mein erster Wermutstropfen, Rise Of The North Star mussten krankheitsbedingt absagen. Für mich persönlich sehr Schade, da ich schon immer mal erleben wollte wie die Band ihren inneren Supersaiyan so auf der Bühne rüber bringen. Für meine Mitreisenden eher uninteressant, den diese durften sie bereits im Jahr zuvor sehen. Der Ersatzplan beinhaltete erstmals Gelände gemächlich erkunden und den Getränkewagen mit den kältesten Getränken suchen. Das Gelände selbst war verhältnismäßig spärlich besucht. Die Meisten standen dicht an dicht gedrängt an der Hardbowl Zeltbühne, bzw. saßen eher unter dem einzigen ausreichenden Schatten. Nur wenige Wahnsinnige trieben sich vor der Mainstage herum und zeigten der Sonne den symbolischen Mittelfinger. Frau trug übrigens einen Hauch von Nichts, in Form von Badeanzug und Unterwäsche; Mann trug Lappen auf dem Kopf. Ein paar wenige vermischten auch beides und trugen Unterwäsche auf dem Kopf. Anstatt wo sie eigentlich sitzen sollte. Joa...

Der erste Termin für mich am Abend war dann Fear Factory. Mit meiner Freundin scherzte ich dann noch, dass die doch alle mit einem Rollator auf die Bühne kommen müssten so lange sind die schon Geschäft. Aber Pustekuchen, Metal hält wohl jung. Die Show war gut mit Abstrichen. Die Songauswahl war „klassisch“. Viel vom Archertype Album und dem noch älteren Demanufacture, gemixt mit ein paar neuen Songs vom kommenden Album. Im ganzen eine gute Show.

Nächster Termin Enter Shikari. Ich würde es auf das Wetter schieben, aber ich war ja ein wenig enttäuscht. Die Musik war nie groß mein Fall, doch habe ich wenig Bands gesehen die so viel Energy bei einer live Bühne ausgestrahlt und umgesetzt hat. Der Auftritt 2015 hatte hingegen nicht mal Ansatzweise das Feuer alter Zeiten. Schade.

Parkway Drive, der große Freitags Headliner.  Und wie die Herren abgeliefert haben. Ich habe Konzerte von PwD vor 50 Mann in einem Keller erlebt und die waren cool. Aber das war wirklich großes Kino. Konfettishow, große Pyroshow (war ja um 22 Uhr immer noch nicht warm genug...), gute Songauswahl, ein Publikum die Spaß an der Show hatte, energiereiche Band. Das war wirklich ein guter Finisher für den ersten Tag. Kleiner Wermutstropfen: zu spät angefangen, zu früh aufgehört.

Tag zwei, und an dieser Stelle möchte namentlich Benjamin nennen, den wir noch nie vorher in unserem Leben gesehen haben uns aber Samstag unser aller Leben gerettet hat mit einer Kiste voller Eis & Speiseeis, im Austausch mit einem Einwegrasierer meine Freundin. You're tha real mvp.

Erster Pflichttermin am Samstag war für uns More Than A Thousand. Schöne und runde Show der Portugiesen. Ich war beeindruckt von ihren Emotionen und nahem Kontakt zum Publikum. Bei den Jungs merkte man; sie haben Spaß.
Zweiter Termin für mich war kurz danach Deez Nuts auf der Mainstage. Stupf, spaßig, viel Groove und eine Menge Attitude auf der Bühne. Gute Show und die Fans waren begeistert. Selbst bei utopischen Temperaturen gab es viel Bewegung in der Crowd.

Danach hieß es ersteinmal kleines Päuschen und Snacktime. Die Essensauswahl auf dem Gelände verdient übrigens auch ein ziemliches Lob. Toller Veggi Stand! Aber Ravioli auf dem Autodach gekocht taten es auch. Löblich zu erwähnen ist, dass einige Wasserstellen vorhanden waren, wo alle mit Sehnsucht ihre Köpfe drunter hielten oder ihre Flasche auffüllten.

 
Heaven Shall Burn, witzig fürs Publikum, ziemlich unlustig für die Techniker: Fehlfunktion bei den Konfettikannonen und zig tausende Konfettischlangen haben sich viel zu früh in die Luft verriet. Belustigte Gesichter in der Menge, entfernte Gesichter bei den Technikern. Als die Probleme dann beseitigt waren konnte es dann irgendwann losgehen und das hat vielleicht gekracht. Heaven Shall Burn sind mittlerweile kaum aus der deutschen Metalszene wegzudenken und das haben sie definitiv mit ihrer Show zementiert. Kleine Pyroshow, viel Konfetti wahnsinnig gute Bühnenshow, Stagediver in Massen, Circle Pits, genau das was der geneigte Festival Besucher sich wünscht.

Tag 3, eine unerträgliche Nacht im Zelt später und das Wetter fuhr zum Endspurt auf. Kein Erbarmen bei der Hitze. Doch freute ich mich besonders auf den Sonntag...

...den das erste Konzert am Sonntag war für mich ein persönliches Highlight. Silent Screams, eine Band die ich schon immer einmal sehen wollte. Es war keine besonders ausgefallene Show, kein Schnick Schnack, keine Effekte; nur guter alter (Metal)Hardcore neuer Schule, samt viel Emotion. Tolle Show, welche mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Born From Pain, boah sind die alt geworden. Und das hat man leider auch gemerkt. Ein wenig lustlos so war mein Eindruck, spielte man Songs von den früheren Platten doch fehlte mir die harte rohe Energie die für mich Born From Pain immer ausgezeichnet hat.

Arch Enemy: Ich wusste ja dass Angela Gossow die Band verlassen hat und jemand neues das Mikro übernommen hatte. Schwere Fußstapfen und meine Fresse, Alissa White-Gluz
hat defintiv das selbe Organ, bei der gleichen Größe. Das war wuchtiger Death Metal und für die Augen gabs auch mal was anzuschauen. Nicht die ganzen Herren der alten Riege ;)

Sick Of All hab ich mir entspannt aus der Entfernung angesehen. Und zu sehen gabs auch die ersten Ausläufe eines gigantischen Gewitters, dass auch zur Folge hatte das In Flames und alle folgenden Bands entfallen mussten. Wir trotzten den Sturm und fuhren müde, erschöpft, verbrannt, aber sehr zufrieden Richtung Heimat.