Sodom

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  • Erstellt am: Freitag, 03 Dezember 2010



Hi Tom, na alles klar?

Ja, alles bestens, danke der Nachfrage. Die neue Platte läuft und die Resonanzen sind überwiegend gut. Wir können uns nicht beklagen.

Wie ich von Dir raus hören kann, interessiert Dich die Meinung der Presse?

Wir haben eigentlich immer darauf geschissen. Die meisten Reviews sind objektiv und durchweg positiv. Für uns ist wichtig der Käufer, er und die Fans müssen letztendlich zufrieden sein. Diese Denkweise ist für mich wesentlich wichtiger als wenn einer nur ein Review schreibt.

Was mir gerade zum neuen Album auffällt ist, dass die Gitarren und Drums sehr modern, aber immer noch zu 100% SODOM sind. War das beabsichtigt?

Ich finde, die Drums klingen eigentlich recht Old-School. Die Drums sollten einfach mal anders klingen. Ich wollte einen richtig schönen, warmen, analog klingenden Drumsound haben. Er klingt schön clean, schön sauber, die Nears klingen anders wie in den 80‘ern, aber wir haben schon ungefähr das gemacht, so wie wir es wollten. Man kann nicht immer sagen, warum es besser oder schlechter klingt, aber wir haben im Proberaum alles klassisch aufgenommen. Ich wollte nicht dieses digitale Geblänkere haben.

Steht für das sagenhafte 20/12 im kommenden Jahr was an? Sind da irgendwelche Specials geplant?

Weiß ich nicht. Ich denke mal, dass die Plattenfirma was releasen wird. Aber ich hab nichts spezielles geplant, vielleicht mache ich eine Show mit Ex-Musikern, wird man sehen. Ich schaue generell lieber nach vorne.

Für das Frühjahr steht jetzt eine Europatournee an, für einige Sommerfestivals seid ihr ebenfalls schon bestätigt. Freut ihr euch? Wer ist Supporter?

Darf ich noch nicht verraten. Ein paar Option sind noch offen, es wird auf jeden Fall eine erheblich jüngere Band sein und dann eben noch eine Newcomer Band. Die Idee war entweder so ein richtiges Old-School Fest mit Old-School Bands, oder mal jüngere Bands zu nehmen. Ich will halt letztendlich deutsche Orte, zu denen die Leute wegen uns kommen und sich einfach für uns interessieren. Es kann auch sein, dass wir eine dritte örtliche Vorband nehmen, und den jüngeren Bands die Chance geben.

Was mir in letzter Zeit aufgefallen ist, ist, dass die Besucherzahlen immer weniger werden.

Ja, das ist mir natürlich auch schon aufgefallen. Ich frage mich ohnehin, wie die Leute sich das alles finanzieren. Die meisten bevorzugen vielleicht mittlerweile auch diese ganzen Festivals. Da hab ich ein ganzes WE mit vielen verschieden Bands. Das Problem ist einfach, dass der Markt gerade hier in Deutschland, Europa ziemlich satt ist. Zu viele Bands und Tourneen. Früher war das eben alles anders. Nach dem Statement: Platte-Tour, Platte-Tour und alles war meistens ausverkauft, was heutzutage sehr schwierig ist. Ich denke, das neue Album hat sich etabliert und ist auch wieder im Gespräch, ich denke schon, dass es seine Hörer finden wird.

Wie siehst Du die aktuelle Download Situation?

Man kann es nicht verhindern. Aber ich denke ein anständiger Metalfan bzw. SODOM-Fan wird in den Laden gehen und sich die Platte kaufen. Wir hatten damals ein Tool eingerichtet, das die Leute sich das anhören können, für Journalisten auch zum herunterladen. Aber da kann man nichts dagegen machen. Es ist wirklich schade, man muss schon ein Produkt in der Hand halten. Der Metal lebt ja immer noch von den Produkten und er sollte erhalten bleiben. Wenn du mich ehrlich fragst, halte ich von Download nicht viel. Man muss da aber einfach irgendwie mitmachen, es geht nicht anders.

Covertechnisch hat sich Eliran Kantor austoben dürfen. Welche Anhaltspunkte hatte er zum Arbeiten?

Ich habe ihm jegliche Freiheit, wie Farbgestaltung etc. gelassen. Ich wollte einfach die chaotische Kriegsszene haben und er von der älteren Schule, hat es meiner Meinung nach gut umgesetzt. Ich hatte ihm ein paar Vorlagen und ein paar Demos geschickt, woran er sich orientieren konnte. Ich wollte schon, dass alles aus seiner Hand kommt. Ich bin sehr zufrieden. Es ist eine Mischung aus handgemalt und Photoshop.

Aufgenommen wurde „In War And Pieces“ mit Waldemar Sorychta. Wie kam der Kontakt zustande?

Wir haben uns auf dem Rock Hard-Festival getroffen und uns unterhalten. Da hab ich mir überlegt, ob ich einen Haufen Geld pro Tag im Studio ausgebe, oder ich das Geld alleine in einen Produzenten investiere, der dann wirklich von vorne bis hinten dabei ist. Wir haben dann alles roh bei ihm aufgenommen, der Bernd hat seine Gitarre z. B. bei ihm im Keller aufgenommen und es hat auch funktioniert.

Wie war es, einen festen Produzenten zu haben? Gab es ein Punkt, an dem ihr gemerkt habt, jetzt brauchen wir einen richtigen Produzenten?

Schwierig. Er hat mich auch gefordert, die anderen natürlich ebenfalls. Letztlich hatten wir viele verschiedene Optionen und konnten dadurch variieren. Es ist schon wichtig, wenn man einen hat der wirklich hinhört, der einem sagt, war gut, oder war nicht gut. Heutzutage geht man ohnehin nicht mehr ins Studio, die machen alle Pleite. Es bieten sich viele andere Möglichkeiten an, ein Album zu produzieren.

Wie lange habt ihr für die Songs gebraucht?

Die Songs sind im Laufe der Jahre entstanden. Wir hatten ja auch genügend Zeit. Ohne Vorproduktion haben wir ungefähr 6-7 Wochen gebraucht.

Also ihr hattet euch keine bestimmt Deadline gesetzt?

Überhaupt nicht... Wir haben frühzeitig angefangen, das war eben immer nach Absprache mit den Anderen.

Ihr seid ja auch für einige Sommerfestivals schon bestätigt. Auf welche Festivals freut man sich?

Die Anfrage fürs SummerBreeze ist am Laufen, aber noch nicht bestätigt. Es gibt mittlerweile viele Festivals und bei einigen werden wir sicherlich dabei sein. Ich freue mich immer auf die Sommerfestivals, da möchte man natürlich immer gerne dabei sein.

Als Sänger in einer Thrash-Band bist du in einer optimalen Situation deinen Ärger und Frust herausschreien zu können.

Genau. Man braucht nur den Fernseher anzumachen, da ist schon wieder der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea und das gibt mir natürlich schon wieder zu denken. Das sind so Sachen, über die ich mir auch Gedanken darüber mache und die mich auch traurig machen. Oder der eine, der die Kinder umgebracht hat, so was sieht man ja wirklich jeden Tag im Fernsehen. Ich versuche solche Sachen in lyrischer Art umzusetzen.

Interessiert du dich für Politik?

Das betrifft uns ja auch direkt. Es gibt auch viele Sachen, z. B. Stuttgart 21 kostet Milliarden Euro und bei uns machen sie Kindergärten, Jugendheime zu. Da ist doch irgendwas falsch. Das sind so die wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten, die einen ärgern und da schreib ich auch Texte drüber.

Abschließend ein paar Weise Worte?

Ja, was soll ich sagen... Ich bin wirklich froh, dass es SODOM noch gibt und wir immer noch erfolgreich sind. Ich kann mich halt auch immer nur bei den Fans bedanken. Was wäre eine Band ohne ihre Fans. Deshalb ist mir die Meinung der Fans wichtiger als alle anderen Meinungen, jetzt auch ohne kommerzielle Interessen oder so. Wir werden daher versuchen, unsere Fans nicht zu enttäuschen und weiterzumachen.

Danke fürs Interview! Yeah, man sieht sich auf Tour!