Blast from the Past – Teil 5 mit Andreas “Gerre” Geremia von Tankard

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„Früher war alles besser” – Inwiefern das auch für TANKARD gilt, muss wohl jeder selbst entscheiden. Mit „One Foot In The Grave“ haben die Frankfurter Thrasher jedenfalls mal wieder ein bärenstarkes Album im Gepäck. Doch als an diesem Dienstagabend das Telefon klingelt und sich ein gutgelaunter Gerre, seines Zeichens Frontmann der Band, meldet, soll es vor allem um die Anfangszeit von TANKARD gehen. Willkommen also zu einer weiteren Episode unserer „Blast From The Past“ Reihe.

Früher oder später überkommt wohl jeden Musikfan die grandiose Idee eine Band zu gründen, um schließlich ein Leben als Rockstar in Saus und Braus zu führen. Bei TANKARD scheint es sich eher um so eine Art „Selbsthilfegruppe“ gehandelt zu haben. „Die Band wurde ja von Axel und Frank gegründet und wir waren Anfang der 80er auf unserem Gymnasium so ziemlich die Einzigen, die sich für die NWoBHM begeistert haben. Axel hat dann Gitarrenunterricht genommen und der zweite Gitarrist wurde Bernhard, der ebenfalls in unsere Klasse ging. Der war aber nur einige Monate dabei, dann wurde es ihm leider seitens seiner Eltern verboten sich mit solchen Subjekten abzugeben.“

Doch die Besetzung war auch innerhalb der Band noch nicht in Stein gemeißelt, denn ursprünglich war Frank als Sänger vorgesehen und Gerre sollte den Viersaiter bedienen. „Wir haben das ziemlich schnell umgeswitched und Frank hat sich dann auch ziemlich in die ganze Bassgeschichte reingehängt.“

Wie damals üblich, übten Bands wie AC/DC einen großen Einfluss auf den musikalischen Werdegang der Gymnasiasten aus. „Frank hat irgendwann mal die „If you want blood“ Scheibe von AC/DC entdeckt und da ging es mit uns los. Wir hatten zunächst Songs von der Scheibe bei einem Ami-Sender im Radio gehört und auf Tape aufgenommen.“

BLACK SABBATH, LED ZEPPELIN & Co gesellten sich zur Sammlung der Jungs und in den 80er Jahren waren sie dem Heavy Metal verfallen. „Im April 1981 war ich auf meinem ersten Konzert bei SAXON, da kann ich mich noch sehr gut dran erinnern.“

Schließlich begannen die Jungs auch Songs zu schreiben, damals allerdings noch nicht unter dem Namen TANKARD sondern zunächst als AVENGER – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Band aus der später RAGE entstehen sollte. Leider ist das Frühwerk der Band jedoch nicht erhalten. „Unser erster Song namens „Ray Death“ war ziemlich BLACK SABBATH mäßig und ging 8 Minuten lang und war so eine ganz langsame Nummer. Wir haben zwar damals immer alles auf Tape aufgenommen, aber leider habe ich den Song nicht mehr wiedergefunden.“ Was ja sehr schade ist, denn einen Gesang á la OZZY aus Gerres Kehle dürfte auch sehr interessant gewesen sein. „Keine Bange, mein Gesang war damals genauso schlecht wie heute. Nee, das war damals ziemliches Gekreische und hatte wenig mit Melodie zu tun. Der Song war aber sehr langsam und hatte, glaube ich, nur ein Riff.

Wer die musikalische Geschichte von TANKARD seit dem Debüt „Zombie Attack“ verfolgt hat, der weiß, dass es auf den Alben der Frankfurter so ziemlich alles gibt, nur keine langsamen Songs. Auf der „Meaning of Life“ Tour kündigte Sänger Gerre sogar „Total Addiction“ als Ballade an. „Unser damaliger Gitarrist Axel hat ziemlich viel Punk gehört, so dass unsere frühen Songs auch ziemlich viele Punk Einflüsse hatten. Mit Thrash Metal ging es eigentlich erst auf der zweiten Platte so richtig los.“

Anlässlich eines Umzugs Anfang des Jahres hat Gerre zwar den ein oder anderen Schatz aus den Untiefen seines Kellers bergen können, die Aufnahme des ersten TANKARD Songs waren aber nicht dabei. Die Change den Song jemals in einem TANKARD Set zu hören stehen also schlecht. „Ich habe unendlich viele Tapes von irgendwelchen Proberaumsongs gefunden, aber „Ray Death“ existiert nicht mehr. Damals war es ja unheimlich aufwendig Songs zu schreiben. Irgendjemand kam mit einem Riff in den Proberaum und dann wurde der irgendwie ausgearbeitet. Überall hingen Zettel rum, auf denen stand „Teil A fünf Mal“, „Teil B drei Mal“ usw. Heute ist es mit der modernen Technik etwas einfacher.“

Anders als bei anderen deutschen Bands der Zeit war für die Anfangsbesetzung von TANKARD der Spaß zunächst die treibende Motivation. Die professionellen Ambitionen bildeten sich erst später heraus. „Was bei uns gleich klar war, war, dass wir keine Songs nachspielen wollten und das haben wir auch anfangs nie gemacht. Wir haben erst später Coversongs aufgenommen. Als wir die Band 1982 gegründet haben, stand der Spaß bei uns im Vordergrund.“

Und es dauerte dann auch zwei Jahre, bis mit „Heavy Metal Vanguard“ 1984 das erste Demo erschien. Immerhin enthielt das Tape bereits Klassiker wie „Mercenary“. Bereits im folgenden Jahr wurde dann mit „Alcoholic Metal“ nachgelegt und Songs wie „Zombie Attack“, „Alien“ oder „Poison“, die noch heute zum Live-Programm der Thrasher gehören, erblickten das Licht der Welt.

„Das Demo erschien, glaube ich, am Tag nachdem das erste Mal Heavy Metal im deutschen Fernsehen gezeigt wurde. Da liefen IRON MAIDEN, QUIET RIOT, SCORPIONS usw. bei Top of the Pops oder sowas und am nächsten Tag erschien unser erstes Demo.

An professionelle Aufnahmen war damals natürlich nicht zu denken. Vielmehr brachte ein befreundeter Techniker einer anderen Band seinen Achtspurrekorder mit in den Proberaum und nahm die Songs für TANKARD auf. Das Ergebnis wurde dann umgehend in die Welt verschickt. "Wir hatten dann so eine ganz kurze Ankündigung im Metal Hammer und danach gingen dann die Bestellungen bei mir ein. Das waren noch echte Pionier-Zeiten. Irgendwann kam mal jemand von Rockport Records, die damals wohl in Offenbach ansässig waren, bei uns im Heizungskeller vorbei und hat sich den Krach angehört. Der ist aber nach zwei oder drei Songs wieder gegangen und wir haben nie wieder etwas von denen gehört.

Die Trauer über den verpassten Plattendeal hält sich heute hörbar in Grenzen. Im September 1984 gab dann eine andere Band im Bürgerhaus in Frankfurt-Sindlingen ihren Einstand, nämlich SODOM. Auch DESTRUCTION spielten damals einige Songs und beide Bands gingen mit einem Plattenvertrag von Manfred Schütz, seines Zeichens Gründer von SPV aus Hannover, nach Hause. Die Jungs von TANKARD mussten sich noch einige Jahre gedulden, bis auch sie ihre Unterschrift unter einen Vertrag setzen konnten. Bis heute halten sich die Gerüchte, dass Manfred Schütz weniger wegen der Musik von TANKARD auf ein Vertragsangebot verzichtete, sondern vielmehr aufgrund eines modischen Fehltritts. „Unser damaliger Gitarrist Andy hatte damals einen Pullover mit Hirschmuster an und das war wohl nicht so förderlich.“

Im Gegensatz zu Wegbegleitern wie SODOM und DESTRUCTION haben TANKARD auch nie Bilder mit hautengen Lederklamotten, Schminke, Maschinengewehren oder umgedrehten Kreuzen gemacht. Die Aura des Bösen haben die Frankfurter Bierfreunde lieber anderen Bands überlassen. „Ob uns das genützt oder geschadet hat, kann man im Nachhinein nicht so genau sagen. Pioniere waren wir auf jeden Fall genauso wie SODOM oder KREATOR, denn wir sind ja genauso lange dabei. Aber unser Kredo war doch immer, dass wir recht lustige Gesellen sind und das findet sich ja auch in unseren Texten wieder. Dieses Image passt auch besser zu uns als Personen. Mit „Chemical Invasion“ und „Morning After“ haben wir natürlich viel dafür getan uns dieses Bier-Image aufzubauen. Als wir in den 90er etwas davon weg wollten, sind wir kläglich gescheitert und heute kann man vieles mit sehr viel Ironie sehen. Wir betrachten unser eigenes Image mit einem Augenzwinkern. TANKARD wurden häufig nur auf diesen Aspekt beschränkt, aber wir können bis heute eigentlich ganz gut damit leben.“

Und schließlich haben die Jungs mit Songs wie „Zombie Attack“ ja durchaus auch den ein oder anderen recht gruseligen Song im Petto. „Ja, der Song ist unheimlich gruselig. Die Songs der ersten Scheibe waren ja damals alle auch schon einige Jahre alt. Die Texte haben wir mit unserem Schulenglisch geschrieben. Als wir das erste Mal im Studio waren, hat die Plattenfirma die Texte an irgendjemanden zum Korrekturlesen gegeben und derjenige hat sich dann geweigert. So einen Schwachsinn wollte er nicht korrigieren.“

Wie bereits erwähnt, musizierten Gerre & Co zunächst nicht unter dem Namen TANKARD, sondern als AVENGER und VORTEX. Beide Kapellen existierten jedoch bereits an anderen Orten, so dass Axel und Frank schließlich im Wörterbuch nach einem neuen Namen suchten. Als sie auf den alten Ausdruck für Bierkrug stießen, war der neue Name beschlossene Sache.

Mit dem zweiten Demo wurde das Ganze dann etwas professioneller“ erinnert sich Gerre. „Wir haben das Demo fleißig rumgeschickt und schließlich kam das Angebot von NOISE. Den Vertrag haben wir stilecht in einer Kneipe unterschrieben und keiner von uns hatte irgendeine Ahnung. Anschließend sind wir dann ins Studio und das war für uns der Startschuss. Der Durchbruch kam für uns aber erst mit der zweiten Platte „Chemical Invasion“, aber trotzdem war es schon ein cooles Gefühl die erste eigene Platte in den Händen zu halten.“

Und während viele Eltern, damals wie heute, vor Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätten, haben die Jungs von TANKARD Unterstützung aus den Elternhäusern erfahren. „Ich glaube, die waren ganz froh, dass wir im Proberaum rumhingen und nicht irgendwelchen anderen Mist gebaut haben. Sie wussten wenigstens wo wir trinken.“

Wie viele andere legendäre Bands hat die Karriere der Frankfurter Thrasher mit Karl-Uwe Walterbach und seinem NOISE Label begonnen. Nachdem Gerre den Herren mit dem „Alcoholic Metal“ Demo versehen hatte, kam ein Brief zurück und Walterbach zeigte sich erfreut darüber „endlich mal eine authentische Speed Metal Band“ zu hören. Es folgte der Vertrag und im April sollte es ins Studio gehen. Doch dieser Termin musste auf Juni verschoben werden, da einige Bandmitglieder noch ihre Abiturklausuren schreiben mussten. Frisch von der Schulbank entlassen, reiste die Band nach Berlin, um mit Harris Johns (u.a. HELLOWEEN, SODOM, KREATOR, GRAVE DIGGER, SEPULTURA, SLIPKNOT) die „Zombie Attack“ Scheibe aufzunehmen. Diese Konstellation sollte von 1986 bis 2000 zur „Kings of Beer“ Scheibe Bestand haben. „Wir waren dann für einige Platten bei Century Media und danach bei AFM Records. Diese Jahre waren für uns ein echter Bruch und wir haben dann mit Andy Claasen aufgenommen und es ging mit TANKARD wieder voran.“

NOISE-Boss Walterbach hat ohne Zweifel viel für die Szene getan und grandiose Bands auf den Weg gebracht. Dennoch sind heute nicht immer alle ehemaligen Musiker gut auf ihren ehemaligen Geschäftspartner zu sprechen, was u.a. mit finanziellen Fragen zu tun gehabt haben soll. „Also um die finanziellen Fragen habe ich mich nie gekümmert. Das waren natürlich damals genau die gleichen Knebelverträge wie andere Bands sie auch unterschrieben haben. Ich glaube, dass Walterbach nicht sonderlich viel mit unserem Image anfangen konnte. Ich kann mich dunkel erinnern, dass er immer ins Studio kam, sich einen Song anhörte, „Ääch, klingt gut!“ sagte und wieder verschwand. Es war nicht so, dass wir mal zusammen essen gewesen wären oder so. Nachdem die „Zombie Attack“ erschienen war, hat Buffo angefangen uns zu managen und der musste sich da natürlich auch erst reinfinden. Der hatte anfangs auch nicht so viel Ahnung vom Geschäft. Ich kannte Buffo aber schon, da er vorher auch den POSSESSED Fan-Club gemacht hatte und Frankfurt ist letztlich auch nur ein etwas größeres Dorf. Wer etwas mit Metal zu tun hatte, kannte sich. Im Oktober 1986 haben wir mit DEATH ROW im Südbahnhof in Frankfurt gespielt und seitdem kümmert sich Buffo um unsere Geschicke. Mittlerweile ist er sowas wie ein fünftes Bandmitglied.“

Das Familiäre scheint bei TANKARD ohnehin groß geschrieben zu werden. Vielleicht mal von der Schlagzeuger-Position abgesehen, gab es bei TANKARD nie viele Besetzungswechsel. „Wir sind jetzt seit 1998 in dieser Formation zusammen. Andi Gutjahr ist eingestiegen als der Andi Bulgaropolos 1998 nach Berlin gegangen ist. Axel (Katzmann – TZ) hatte gesundheitliche Probleme, aber auch irgendwie keinen Bock mehr. Der ist wohl 1994 ausgestiegen. „The Tankard“ haben wir schon nur noch mit einem Gitarristen eingespielt. Wir haben dann gemerkt, dass ein Gitarrist genügt und eigentlich kam die Frage eines zweiten Gitarristen dann auch nicht mehr auf.“

Wirklich traurig über den Ausstieg scheinen die ehemaligen Mitglieder offenbar auch nicht zu sein.

„Den Axel habe ich schon ewig nicht gesehen. Wir laden ihn zwar immer zu irgendwelchen Jubiläumskonzerten ein, aber er hat sich noch nie blicken lassen. Da gibt es eigentlich nur losen Mailkontakt. Was Oliver (Werner (Schlagzeug bis 1989) –TZ ) und Arnulf (Thunn (Schlagzeug 1989-1994) – TZ) treiben weiß ich nicht, da gibt es gar keinen Kontakt mehr. Und der Andi Bulgaropoulos hilft uns immer noch mit den Texten und da gibt es noch einen ziemlich guten Kontakt. Wenn wir in Berlin spielen, kommt er auch immer für den letzten Song mit auf die Bühne. Aber seine aktive Zeit ist wohl auch vorbei. Unseren ersten Gitarristen Bernhard hab ich neulich bei der Feier zum 30jährigen Abitur getroffen und ein Bild mit ihm gepostet. Ansonsten gibt es aber auch keinen Kontakt. Der ist jetzt Arzt und ärgert sich wohl nicht, dass er bei uns ausgestiegen ist.“

Die Frage, ob Bernhard nun eine Entzugsklinik leitet konnte Gerre verneinen – wäre auch irgendwie ein interessanter Zufall gewesen. Doch zurück zu den Anfangstagen der Band. Ihre Feuertaufe erhielt die Band in einem Klassenzimmer am 28. Mai 1983. „Wir hatten ein Schulfest und wir hatten eine riesige Aula. Dort ist dann die damals etwas bekanntere Frankfurter Metal Band HEAVY STORM aufgetreten, während wir unsere Boxen in einem Klassenraum aufgestellt haben. Als Zugabe haben wir dann vier Songs nochmal gespielt, weil wir noch nicht genügend eigene Songs hatten. Da Alkohol damals verboten war, haben wir uns Bier in Milchtüten abgefüllt und daraus getrunken. Außerdem weiß ich noch, dass ich ein JUDAS PRIEST Shirt anhatte. Ein Lehrer hat uns dann auch mal auf den Gig angesprochen, aber er war wohl auch der einzige Lehrer der überhaupt mal reingeguckt hatte.“

Geprobt wurde damals im Heizungskeller der Kirche, die der Schule gegenüber lag. Dort musste die Band zu jeder Probe ihr Equipment auf- und wieder abbauen. Lobeshymnen durch die örtliche Heiligkeit wie ich sie mit meiner Band VICTIM erfahren durfte, blieben den Frankfurter jedoch erspart. Bei uns war dereinst der Superintendent in den Proberaum geplatzt, verstört wieder abgezogen und hatte anschließend dem Pastor berichtet, dass er direkt aus der Hölle käme. „Ich müsste mal auf unsere Homepage gucken, da stehen alle unsere Gigs aufgelistet. Ich glaube, dass unser dritter Auftritt in der Kirche stattgefunden hat – das müsste so 1984 gewesen.“ Es war der 3. März 1984.

Zum einen war es für Bands der prä-Internet Zeit deutlich schwieriger an Gigs zu kommen – zumal Heavy Metal ja seinerzeit meist  weniger mit Sympathie, sondern eher mit einem Eimerchen Weihwasser begegnet wurde -, zum anderen erforderte es einigen Einsatz, um sich mit Neuigkeiten und Musik zu versorgen. „Es war eine Sensation als das erste Heavy Metal Magazin herausgekommen ist. Ich hatte damals ein AArdschock aus Holland, aber sonst gab es erstmal nicht viel. Langsam kamen dann die ersten Fanzines. Und wir haben uns nach der Schule im Plattenladen im Hauptbahnhof getroffen und stundenlang Platten angehört. Oft haben wir aber auch Platten einfach nach dem Cover gekauft, das machte man damals so. Wenn ein Cover blutrünstig aussah, haben wir die Scheibe blind gekauft.“

Was die Gestaltung von Covern angeht, zählen TANKARD ja zu den Top-Bands. Kaum eine andere Band hat so viele gelungene Cover abgeliefert wie die Frankfurter. Vollkommen zu Recht halten Gerre und ich das Cover der Best of „Hair of the Dog“ für das beste TANKARD Cover überhaupt. Leider wurde auf der neuen aktuellen Version des T-Shirts der originale Rückenaufdruck ersetzt. „Darum kümmert sich der Buffo. Nach bestimmten T-Shirts wird immer wieder gefragt und dann gibt es natürlich auch eine Neuauflage. Warum da der Rückenaufdruck geändert wurde, weiß ich aber auch nicht. Wir werden da zwar auch gefragt, aber Buffo hat da die meiste Ahnung und da lassen wir ihn auch machen.“

Auf dem aktuellen Album „One Foot in the Grave“, die im Juni erschienen ist, ist abermals der Alien abgebildet. Erfreulicherweise ist die neue Scheibe, wie früher bereits „Chemical Invasion“, „Hair of the Dog“ und „Stone Cold Sober“, als Picture LP erschienen. Diese war auch relativ schnell bei Nuclear Blast ausverkauft. „Es gab verschiedene Versionen. Das blaue Vinyl war, glaube ich, auf300 Stück limitiert und die Picture-LP auf 1000 Stück. Die schwarze Version ist nicht limitiert. Ich finde das neue Cover auch sehr gut und es gehört zu meinen Top 5 TANKARD Covern. Wenn wir jetzt mit einem blutrünstigen Cover und Splatter-Texten kämen, würde uns das ja keiner abnehmen. Buffo hatte die Idee zum Albumcover und eigentlich sollte da ein Metalhead mit dem Rollator stehen. Ich hatte dann die Idee den Alien wieder zurückzuholen und es passt wie die Faust aufs Auge, dass der Alien mal wieder auf einem Cover auftaucht.“

Trotz des Albumtitel kann Entwarnung gegeben werden: TANKARD wollen auch weiterhin Alben aufnehmen und stehen noch voll im Leben. Doch nach 35 Jahren TANKARD stand den Herren der Sinn nach etwas Selbstironie. „Frank und ich sind dieses Jahr 50 geworden und alles tut weh wenn man morgens aufsteht oder von der Bühne geht. Wenn wir auf Abschiedstournee gehen, gehen wir hinterher nochmal auf Abschiedstournee. Ich kann mir ein Leben ohne TANKARD nicht vorstellen. Natürlich investiert man viel Zeit und Kraft, aber es gibt einem auch so viel wenn man auf der Bühne steht. Es ist schon sensationell. Wir fahren um die halbe Welt und die Leute kennen die Band, das ist schon etwas sehr, sehr Geiles. Alles andere ist Jammern auf hohem Niveau.“

Obwohl TANKARD ja ein Urgestein der Thrash Metal Szene sind und in schöner Regelmäßigkeit Alben veröffentlichen und Touren spielen, geht es dennoch nicht ohne „normalen“ Job. Erstaunlich, dass dies auf diesem Level in Einklang zu bringen ist. „Wir können natürlich nicht sechs Wochen am Stück auf Tour gehen. Im letzten Jahr waren wir mal 10 Tage in Südamerika, sowas ist dann schon mal drin. Einerseits sind wir natürlich durch unsere Job unabhängig und können tun und lassen was wir wollen. Wir müssen nicht jeden Euro umdrehen und sind vollkommen frei in dem was wir machen. Andererseits haben wir mittlerweile so viele Auftrittsangebote, dass wir sie nicht alle annehmen können, was sehr traurig ist. Aber es ist Jammern auf hohem Niveau. Allerdings ist die Aufnahme einer Platte für uns auch immer ein großer Kraftakt und wir hatten dieses Mal auch eine Krisensitzung, weil wir Zweifel hatten, ob wir es überhaupt schaffen. Wir haben uns dann zusammengerissen und schließlich hat auch alles geklappt. Uns läuft aber häufig die Zeit davon, wie es im Alter eben so ist. Irgendwann gerät man dann unter Zeitdruck und Stress, aber wir gehören zu den Bands die das brauchen. Es ging zunächst nicht viel voran und die anderen haben auch alle eine Familie und Kinder und es ist schwer das alles unter einen Hut zu bringen.“

Allerdings gehören TANKARD zu den wenigen Bands, bei denen fast alle Bandmitglieder am gleichen Ort wohnen. Oftmals sehen sich Bands ja heute auch nur noch auf der Bühne und stehen ansonsten lediglich über den Datenhighway im Kontakt. „Viele Bands treffen sich erst zwei Tage vor einem Gig und proben mal. Wir treffen uns natürlich auch nicht mehr wie in den 80ern dreimal in der Woche, um zu proben. Aber wenn wir neue Songs schreiben hat jeder seinen Teil zu erledigen. Ich muss mir die Melodien für den Gesang ausdenken und fahre dann zu unserem Gitarristen und in dessen kleinem Studio nehmen wir dann auf und gucken welche Parts der Refrain werden usw. Aber wenn wir Konzerte haben proben wir auch ein bisschen häufiger.“

Trotz ihres Images als trinkende Thrash-Barden scheuen TANKARD die ernsthaften Themen nicht. „Das machen wir schon seit 1987. Wir hatten immer aktuelle Themen in unseren Songs. Der Fokus liegt jetzt auf diesen ernsten Themen, weil man in den Nachrichten permanent mit schrecklichen Themen konfrontiert wird. Wir reden aber auch gerne mal über die ernsteren Themen und nicht nur über Spaß.“

Trotzdem macht es vor allem Spaß die Frankfurter auf der Bühne zu sehen. In unseren Breiten tauchen die Jungs im November auf, um eine Show in Braunschweig zu spielen. Glücklich ist, wer bereits eine Karte hat, denn die Show ist seit Wochen ausverkauft. Für alle anderen bleibt dann nur die „Fat, Ugly & Live“- Scheibe oder eben „One Foot in the Grave“. 

(c) Bilder: Buffo Schnädelbach