Revel In Flesh im Interview

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Revel In Flesh im Interview

Deutschland – Schweden: 2:1. Was auf dem Fußballplatz eine gewisse Berechtigung haben mag, gilt für das musikalische Schlachtfeld noch lange nicht. Dort haben die Schweden in Sachen Death Metal lange Zeit die Oberhand gehabt. Doch seit 2011 konnte baden-württembergische Schwedentodkapelle REVEL IN FLESH ordentlich Boden gut machen. Jüngst wurde mit „Relics of the Deathkult“ noch ein besonderes Schmankerl für die Death Metal Jünger vorgelegt. Ein guter Anlass also, um Frontmann Haubersson und Gitarrist Herrmannsgard mit einigen Fragen zu Leibe zu rücken. 
Im April stand die Band mit den Hildesheimern SAXNOT und den Hannoveranern INSIDIOUS VOICE in der Subkultur in Hannover auf der Bühne. Ein richtig gutes Konzert, wie ihr hier nachlesen könnt. Leider machte sich einige Anhänger der Supportbands frühzeitig aus dem Staub. Selber schuld!
Habt ihr euch von der Show in Hannover wieder erholt? Es tat mir Leid für euch, dass einige der Fans der anderen Bands recht früh vom Konzert abgehauen sind. Nervt das nicht, wenn man selber so eine lange Anfahrt und so hatte?


Herrmannsgard: Körperlich sind wir wieder voll auf dem Damm, der Rest wird so langsam wieder... Nein, das ist nichts, was uns großartig berührt. Es ist egal ob auf großer oder kleiner Bühne, ob 20, 200 oder 2000 Leute. Wichtig ist, dass die Leute die auf das Konzert kommen Bock auf Death Metal haben. Wir haben immer Bock! Und die langen Fahrten vertreiben wir uns durch Schach und intellektuelle Gespräche. :) Nein, es gibt wesentlich Schlimmeres, als ein paar Stunden mit seinen Kollegen im Bus zu sitzen. Und bei der besagten Show in Hannover war sogar ein Fan aus Italien da, welcher uns wohl zum ersten Mal sehen konnte! Der zählt zehnfach! :)

Dazu passt, dass REVEL IN FLESH quasi ein Paradebeispiel für eine DIY Band sind. In den letzten Jahren ist die Band kontinuierlich gewachsen, so dass man sich fragt, ob es irgendwann einen Punkt gibt, an dem Aufgaben an ein ein Management und eine Booking Agency abgeben werden müssen. Welche Bedingungen müssten dafür erfüllt werden?

Haubersson: Nach dem Release von "Death kult Legions" (2014) kam der Stein bereits sehr ins Rollen und es wäre da schon der Punkt gewesen an welchen sich ein echter Label Partner im Rücken für ein entsprechendes Back Up hätte stark machen müssen! Es hat sich jedoch nichts ergeben, weil an entscheidender Quelle das Durchsetzungsvermögen und vielleicht auch die finanzielle Risikobereitschaft gefehlt hat! Mit "Emissary of all plagues" (2016) hatten wir bisher unseren Zenit! Das Album hatte bärenstarke Presse und erstmals nicht nur in Deutschland. Im Prinzip hat die Band alles gegeben, was aus eigener Kraft möglich war, um an den Punkt zu kommen, aber wiederum standen wir vor der Entscheidung selber durchboxen oder auf ein Wunder warten! Wir haben uns für den harten Weg entschieden, d.h. selber ‘ran an den Speck! Die Schlacht wird heute auf dem Live Sektor geschlagen! Ein Album ist nur in der Promo Phase heiß, das flacht nach dem Releasedate unheimlich schnell ab, weil a) die Masse an Releases heute alles erschlägt und b) nur wenige Labels nachhaltig eine Band aufbauen. Kurzum, wenn du im Rennen bleiben willst, musst du live spielen und die Seelen von der Bühne aus sammeln! Wir haben dann auf eigene Faust die Mini Touren mit FACEBREAKER und FLESHCRAWL gebucht sowie diverse andere Events. Fakt ist jedoch, dass wir nicht alleine sind! Es gibt in Deutschland eine sehr vitale Szene von Underground-Veranstaltern, kleinen Festivals, coolen Typen, Die Hards, welche Ihren Kram mit Herzblut machen und ohne diese Maniacs wäre wir heute nicht an dieser Stelle! DANKE HIERFÜR! Wir haben zwischenzeitlich jemand, der uns mit dem Booking etwas unterstützt, aber zu deiner letzten Frage, es sieht einfach so aus, dass jemand erst überzeugt, wenn er es besser hinbekommt als das mit eigener Kraft möglich wäre! Nicht zu vergessen, Agenturen wollen auch was an dir verdienen und mit Underground Death Metal kann man finanziell keine Pferde stehlen! Hier müssen immer viele Komponenten harmonieren, damit alles passt!

Im „Teeth of Devine" Interview hast du die Metalszene mit der Mafia verglichen. In der Literaturwissenschaft nennt man diesen Moment „Schock der Erkenntnis". Wie gelingt es dir zwischen Metalfans und Metalmafia zu unterscheiden? Will sagen: einerseits erlebt ihr ja sicherlich treue Fans die Kohle und Zeit für euch opfern, andererseits aber Businessleute, die sich eher als knallharte Geschäftsleute gebärden.

Haubersson: Die Frage geht eher "Back to the Basics", d.h. warum machen wir diese Band und wer hält diese Band am Leben!?! Hier kann ich dir sagen, dass es in aller erster Linie die "Die Hard" Manaics sind, welche wir uns seit 2011 mühsam erspielt haben! Wir haben uns ein beachtliches Netz an Supportern geschaffen, welche z. T. aus entferntesten Winkeln der Welt kommen. Kürzlich kam ein Foto von einem "Die Hard Maniac" bei St. Petersburg, welcher sich das komplette "Deathkult" Design mit REVEL IN FLESH Logo auf den Unterarm tätowieren ließ! Solche Aktionen sind nicht in Worte zu packen. Es gibt auch bei unseren Gigs immer wieder Leute, welche lange (!!!) Strecken auf sich nehmen, um die Band einmal live zu sehen. Sowas verdient Respekt und da spielt es am Ende keine Rolle, ob im Club 30 Leute vor der Bühne stehen oder 100. Wir sind jedenfalls unheimlich dankbar über diesen Support!!! Eine Band muss für mich greifbar sein und sollte den eigenen "Fans" auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen!!!
Zu dem Businesskram: Es ist wie überall im Leben: mit Kontakten kommst du weiter! Richtige Kontakte können dir mit Glück große Türen aufmachen, Aber am Ende ist es auch so: du kannst nix erzwingen und wenn du anfängst dich zu verbiegen stirbt der Spirit, was einer Band über kurz oder lang das Genick brechen kann! Am Ende müssen wir mit der Band auch nicht unseren Lebensunterhalt verdienen....

Und doch kommen in schöner Regelmäßigkeit auch Veröffentlichungen auf den Markt. Der jüngste Output „Relics of the Deathkult" ist bei War Anthem Records erschienen. Warum nicht bei Cyclone Empire, so wie „Emissary Of All Plagues"?

Herrmannsgard: Unser Vertrag mit CE war mit dem Release von „Emissary Of All Plagues“ erfüllt. Wir konnten dank guter Zusammenarbeit, besonders in der Veröffentlichungsphase von „EOAP“, als Band auch noch einen weiteren Schritt gehen. „Relics Of The Deathkult" sollte ein eigenständiges Projekt ohne weitere Bindungen sein, da wir die aktuelle "Freiheit" nutzen möchten, um uns auf den Nachfolger für „EOAP“ zu konzentrieren. Mit War Anthem haben wir für diese Veröffentlichung einen großartigen Partner gefunden, da die Leute hinter dem Label mit dem Herz bei der Sache sind. Ich erachte das als eine wichtige "zielführende Grundlage zur Kommunikation", wenn man etwas Gutes abliefern möchte.

Stichwort „Bindungen“. Oftmals haben Bands keine Rechte an ihren eigenen Songs. Wie sieht das bei euch aus?

Haubersson: Leider nicht an allen! Das Songmaterial von zwei Alben hängt momentan noch vertraglich fest, aber die gute Nachricht ist, dass die beiden Alben "Deathevokation" und "Manifested darkness" wieder rechtlich im Schoße der Band liegen.
Beide Tonträger sind auch auf CD und Vinyl nahezu vergriffen! Von "Deathevokation" gibt es vom Vinyl Repress noch wenige Restbestände.
"Manifested darkness" ist auf Vinyl seit 2014 vergriffen und die CD Versionen sind bei beiden Alben bei Label und Band Out of Stock.
In naher Zukunft möchten wir hier auch einen Re-Release ansteuern und suchen hier noch nach einem geeigneten Partner, eventuell auch aus Übersee, um an einen neuen Markt zu kommen. Wir wären auch einer Tapeversion von den beiden ersten Alben nicht abgeneigt!

Ich würde mich ja sehr über eine Vinylversion von „Death Kult Legions“ freuen. Neben den musikalischen Konserven zeigen sich REVEL IN FLESH in Sachen Merchandise sehr aktiv und es kommen ständig neue Designs oder Gimmicks auf den Markt. So gab es eine limitierte Edition von „Relics …“ und jüngst sogar einen Flaschenöffner mit Bandlogo. Wer kommt auf diese ganzen Sachen und wie bekommt man das zeitlich und finanziell hin?

Herrmannsgard: Ja, ich denke gemessen an unserer "Timeline" haben wir bereits einige Shirtmotive und Merchartikel in den Umlauf gebracht. Wir versuchen den Leuten immer wieder etwas Neues bieten zu können und arbeiten dabei seit Beginn an mit großartigen Künstlern zusammen. Zum Teil bestehen die Kontakte zu diesen Künstlern schon länger als REVEL IN FLESH. Es ist auch für uns immer wieder cool, mit anderen Szene-Maniacs an einem Projekt zu arbeiten und den visuellen REVEL IN FLESH-Part zu gestalten. Das kostet im Hintergrund natürlich alles seine Zeit, aber wir möchten auch hier keine halbgaren Waren abliefern. Zeit, Geld, Nerven, Schlaf, Hirn... alles Dinge die diese Band schon reichlich gefressen hat, aber solange wir noch aufrecht gehen können, machen wir weiter! :) 

Einer diese Szene-Maniacs ist zweifelsohne Dan Swanö, mit dem ihr ja verschiedentlich zusammenarbeitet. Soweit ich weiß lebt er ja in Krefeld. Trefft ihr euch manchmal oder schickt ihr nur Songs hin und her? Und welche Tipps und Anregungen hat er euch gegeben – er ist ja ein recht gesprächiger Zeitgenosse.

Haubersson: Ja, der werte Herr Swanö lebt zwischenzeitlich bei Krefeld! Wir haben uns bereits schon zwei Mal getroffen. Das erste Mal war bei unserer Essen Show mit THANATOS und SOULBURN Anfang 2015 und dann nochmals auf dem SUMMER BREEZE 2017.
Dan machte auf mich einen sehr entspannten Eindruck, netter Typ! Ich denke, er hätte in Essen gerne noch mehrere Biere mit uns getrunken :-)
Die Arbeit am Mix und Mastering läuft hauptsächlich über Filesharing und E-Mail Kommunikation. Das ist alles sehr fokussiert! Die Zusammenarbeit ist jetzt über die Jahre auch gewachsen, d.h. die Qualität unseres Rohmaterials wurde besser und Swanö weiß auch mehr und mehr, wie er das REVEL IN FLESH Soundgewand final zurechtzimmert!
Klar hat er Tipps, er greift jedoch nicht in die Kompositionen ein. Er holt ganz einfach das Beste aus unserem Material raus! Ganz klar steckt in uns auch nach wie vor eine große EDGE OF SANITY Fanboy Mentalität, was der Zusammenarbeit immer noch etwas Würze gibt!

Mit Henriksson an den Drums habt ihr nun euer Line-Up wieder vervollständigt und könnt euch hoffentlich wieder auf die Musik konzentrieren. Führt die Art von „Tourleben" und „Bandarbeit" die es bei REVEL IN FLESH gibt zwangsweise irgendwann dazu, dass es zu Ermüdungserscheinungen bei einzelnen Mitgliedern kommt?

Herrmannsgard: Ich hoffe nicht, dass hier eine zwanghafte Verbindung besteht - bisher macht es mir zumindest noch ziemlich Spaß, den Großteil meines Jahresurlaubs auf der A7 im Stau zu verbringen und neue (Rast-)Plätze kennen zu lernen. (Diese Erfahrungen teilen wir übrigens alle – dafür muss man nicht in einer Death Metal Band spielen J - TZ)
Seit Beginn des Jahres heißt unser neues Mitglied Henriksson. Hen hat sich in kürzester Zeit unser Live-Set drauf gepackt und bringt mit seiner Art zu spielen auch eine neue Dynamik in unser Lager. Ein wichtiger Schub, da wir im Moment verstärkt an neuem Material arbeiten. Auch sonst bringt er alle nötigen Fähigkeiten und Defizite mit, welche bei uns Voraussetzung sind :)

Das klingt vielversprechend, aber auch irgendwie mysteriös. Wir lassen das für den Moment mal so stehen. Was dürfen wir denn für 2018 noch von euch erwarten?

Herrmannsgard: Ein paar Shows stehen noch auf dem Plan. Wir werden im Juli mit dem Symbolic Open Air in Tschechien, dem Boarstream und dem Masters Of The Unicorn noch drei Festivals mitnehmen. Im Oktober stehen dann noch einmal drei Shows in Balingen, Augsburg und auf dem Way Of Darkness an. Die Zeit dazwischen und danach werden wir uns im Proberaum und im Studio aufhalten und vorrangig am „Emissary Of All Plagues“ - Nachfolger arbeiten. Es gilt ganz klar, den Blick nach vorne zu schärfen!!!