Angra, Operation:Mindcrime, Halcyon Way

  • Datum: Dienstag, 17 April 2018
  • Ort: Underworld, Camden, London, UK
  • Redakteur: Thorsten Zwingelberg
Angra, Operation:Mindcrime, Halcyon Way

Als wir am recht überschaubaren Club Underworld im Stadtteil Camden ankamen, hatte sich schon eine entsprechende Schlange von primär portugiesisch sprechenden Fans vor dem Eingang positioniert. War es doch der einzige Gig der Brasilianer hier auf der Insel, deren Bekanntheitsgrad unter der inselanischen Bevölkerung relativ gering zu sein scheint. Allerdings hatten sie aber entsprechenden Support von Geoff Tate’s OPERATION: MINDCRIME (ehemals Queensryche) und HALCYON WAY mitgebracht.

Letztere USA Metaller eröffneten das Konzert. HALCYON WAY veröffentlichten 2014 ihr 4. Studioalbum „Conquer“ und bezeichnen ihre Musik als heavy und catchty, was man an diesem Abend allerdings vermisste. Grund dafür war sicherlich nicht ihr Songmaterial, aber der doch wirklich schlecht abgestimmte Sound und die Kürze ihres Auftritts.

Als nächstes stand Geoff Tate mit seiner Band OPERATION: MINDCRIME auf der doch eher überschaulichen Bühne. Der Bandname des QUEENSRYCHE Albums war dann auch Programm aufgrund des 30. Geburtstages dieser legendären Veröffentlichung. Wie bekannt hatte sich Tate im Jahre 2012 von QUEENSRYCHE getrennt und hat seitdem die Trilogie „The Key“, „Resurrection“ und „The new Reality“ veröffentlicht. Also, beschäftigt ist der Mann, der sich mit alten und jungen Freunden umgiebt, und denen man allen den Spass an der Sache ansieht. Fans des Bandnamens wurden dann auch warhaftig mit einer Reise in die Vergangenheit belohnt, als die Ära von Konzept-Alben noch im Mittelpunkt des Progressive Metal stand. Songs wie "Revolution Calling" und "Suite Sister Mary" brachten das versammelte Publikum in Stimmung und wurden mit dem Trio von Nikis Abstieg ins Chaos "Breaking the Silence", "I don’t believe in Love" & "Eyes of the Stranger" vollendet. Freunde der Band die gekommen waren, um Lieder der letzteren Veröffentlichungen zu hören waren vielleicht enttäuscht, aber wir waren nach 10 Songs vollkommen gegeistert und das Publikum auch.

Headliner des Abends waren ANGRA, die ihr neuntes Album „OMNI“ promoteten. Ein super Sound brachte das primär aus Die Hard Fans bestehende Publikum so richtig in Schwung. Da waren brasilianische Fahnen, alte Tour T-shirts zu sehen, während sich das Set über die letzten 27 Jahre der Bandgeschichte spannte und drei Lieder der neuen Platte beinhaltete. Obwohl sich die Besetzung abgesehen von Rafael Bittencourt (guitars, vocals) im laufe der Zeit komplett verändert hat, ist die Band ihrem Originalsound im Wesentlichen treu geblieben.

Frontmann Fabio Lione bemerkte, dass ihr Schlagzeuger Bruno Valverde im selben Jahr geboren wurde, in dem die Band sich formte. Songs wie "Nothing to Say" vom Album „Holy Land“, "Angels and Demons" von „Temple of Shadows“, "Acid Rain" von „Rebirth“ sind alles Progressive/Powermetal Hymnen die nicht nur die technische Versiertheit, sondern besonders die kreative Komponente des Songschreibens veranschaulichen. Die doch auch für diese sechsköpfige Band eher üppige Bühne wurde vollends ausgenutzt, und man hatte nicht den Eindruck, dass eine Band, die normalerweise ein Publikum von mehreren Tausend Menschen wie beim Rock in Rio Festival begeistert, sich an diesem Abend nicht wohlfühlte. Ganz im Gegenteil, der gemeinsame Auftritt mit Goeff Tate zu "Silent Lucidity" rundete einen musikalischen Abend und ein Set von 14 Songs zufriedenstellend ab, und wir hofften, dass diese Tour nicht das Ende der Bandgeschichte einläutet. Der Applaus der Fans am Ende wird hoffentlich das Gegenteil bewirken.

Autoren: Claire Chinnock / Johannes Mellinghoff