Debauchery, Inquiring Blood, Xicution

Debauchery, Inquiring Blood, Xicution

Der Landkreis Peine hat dem Normalsterblichen nun wirklich wenig zu bieten. Doch im beschaulichen Gadenstedt lässt Clubchef Roger in regelmäßigen Abständen die Wände der Kuhställe erzittern. Halloween war zwar gerade vorbei, dennoch stand der heutige Abend ganz unter dem Motto „Back In Blood!“. Nicht nur, dass DEBAUCHERY bereits das dritte Mal in Gadenstedt gastierten, nein, auch zwei von drei Bands und der ein oder andere Gast tauchten blutüberströmt auf.

Pünktlich um 20 Uhr enterten die Eberswalder von XICUTION die Bühne. Abgesehen davon, dass das Haupthaar recht ungerecht zwischen den fünf Muckern verteilt worden war, passte die Band mit ihrem blutverschmierten Groove Death Metal hervorragend ins heutige Programm. Mittlerweile zum Vollzeitfrontmann mutiert, versprach Jano Zombie zwar immer wieder sehr schnelle Songs, doch letztlich kann die Band nicht verheimlichen, dass ihre Wurzeln wohl im Thrash Metal liegen und so verfiel man immer wieder in gemächlichere Riffpassagen, was mir persönlich sehr zusagte. In der Playlist fand man sowohl aktuelles Material der „Infected“ EP (z.B. „We kill what weg et“ und „We are all infected“) als auch ältere Songs, wie z.B. „Bloodbath“ oder „Zombie War“.

Auffällig unblutig muteten die Hannoveraner von INQUIRING BLOOD an – zumindest hatten sie den roten Lebenssaft aber im Bandnamen verewigt. Das Quartett aus der Landeshauptstadt feierte im vergangen Jahr den zehnten Geburtstag des ersten Demos und kündigte nach sechsjähriger Abstinenz für Dezember eine neue Scheibe an. Kein Wunder, dass die Jungs gleich einige neue Songs vorstellten.
Textlich und musikalisch ist sich die Band treu geblieben, wie Songs wie „Horsekiller“ oder „Suffocation“ bewiesen. Doch auch die Fans älterer Stücke wurden nicht enttäuscht – ohnehin hatte die Truppe offenbar ihren eigenen Fanclub mitgebracht und wurde entsprechend positiv abgefeiert. INQUIRING BLOOD waren mit ihrem beinharten Death Metal wohl nicht nur die technischste, sondern auch die brutalste Band des Abends.

Gute zwei Stunden nach Beginn betraten dann auch die blutüberströmten DEBAUCHERY, die mittlerweile als Trio agieren, die Bühne des Black Hand Inn. Mr. Kill übernahm den Viersaiter, während sich Thomas auf die Gitarre und den Gesang konzentrierte. Um es gleich vorweg zu nehmen: Warum die Tour unter dem DEBAUCHERY vs. BLOODGOD Banner firmierte, ist mir an diesem Abend nicht so richtig klar geworden. Auf dem aktuellen Werk „Thunderbeast“ werden ja zwei Versionen aller Songs mit unterschiedlichem Gesang angeboten, doch live beschränkte sich Frontmann Thomas zumeist mit dem Grunzgesang. Ich hatte mich, ehrlich gesagt, auf einen rockigeren Abend mit Songs wie „Rocker“, „3 Riff Hit“ oder „New Rock“ gefreut. Mit „Super Hot Vampire Lady“ hätte man ja ähnliche Kaliber auch auf dem aktuellen Album gehabt. Allerdings beschränkte man sich, wie gesagt, auch bei den aktuellen Songs meist auf die DEBAUCHERY Versionen. Letztlich wirkten Songs wie „Vampire Holocaust“ dann auf der Bühne leider etwas einsilbig. Aus dem Publikum wurde dann schließlich auch der „alte Scheiß“ gefordert, was die Band spontan zu "Kill Maim Burn“ vom gleichnamigen Debüt animierte. Insgesamt konnte man sich über die Mischung der Playlist aber nicht wirklich beschweren, zumindest dann nicht, wenn man nicht, so wie ich, auf die rockige Seite der Band gehofft hatte. „Back in Blood“ stand ebenso auf der Playlist wie „Warmachines at War“, „School Shooter“ oder „Demonslayer“. Das Trio aus Baden-Württemberg kämpfte sich unermüdlich durch das zweistündige Set. Basser Mr. Kill wurde nicht müde den Fans das Bier wegzutrinken, während Mr. Death an der Schießbude ordentlich groovte. Neben überflüssigen Gitarren-, Bass- und Drumsolos gehören wohl unaufhörliche Schrammelsongenden zu den Geißeln der Menschheit. Leider beendeten DEBAUCHERY etwa jeden zweiten Song auf diese Weise, was mich persönlich nervte, den Rest der Fans aber nicht zu stören schien. Diese feierten ihre Idole amtlich ab und bangten in der ersten Reihe fröhlich vor sich hin.

Clubchef Roger hat es mit diesem Package definitiv mal wieder geschafft, den Fans Value for Money zu bieten, denn bei einem Eintrittspreis von 17-20€ für 4 Stunden extreme Hartwurst kann sich heutzutage nun wirklich niemand mehr beschweren, zumal ich im Black Hand Inn noch nie ein Konzert mit schlechtem Sound oder schlechtem Licht erlebt habe. Dass Roger mit ganzem Herzen dabei war, stellte er nicht nur dadurch unter Beweis, dass er sich vor der Show noch die Hand verletzte und mit zum Motto des Abends passenden Verband herumlief, sondern auch dadurch, dass er vor DEBAUCHERY noch ausversehen von der Bühne stürzte – das hält aber einen echten Metalhead nicht vom Feiern ab.

Für mich hat sich heute wieder bestätigt, dass ich DEBAUCHERY aus der Konserve bevorzuge. Doch die Fans des harten Metal bekamen heute definitiv eine Vollbedienung der verschiedenen Spielarten des Todesbleis!

 

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