ESOTERIC & PROCESSION & ISOLE - Steinbruch, Darmstadt (13.04.14)

  • Datum: Sonntag, 13 April 2014
  • Ort: Steinbruch Darmstadt
ESOTERIC & PROCESSION & ISOLE - Steinbruch, Darmstadt (13.04.14)

Heute Abend lädt der Steinbruch (in der Nähe von Darmstadt) Anhänger doom-lastiger Musik zu den Herren von ISOLE und PROCESSION aus Schweden, sowie ESOTERIC aus England ein. Der Bruch ist den lokalen Konzert-Liebhabern wohl ein Begriff, leider nicht unserem Navigations-System. Aber nach einigen Irrwegen tauchen wir gerade noch rechtzeitig um viertel vor acht zum Auftritt der ersten Band auf. Zur Begrüßung schmeißt einen die Lautstärke auch gleich aus den Socken. Wer heute Abend nicht an den Gehörschutz gedacht hat, wird die nächsten Tage wohl von einem stetigem Tinnitus Aurium begleitet werden.

Der Raum vor der Bühne ist dezent gefüllt, mehr als 35 Personen sind nicht anwesend. Davon lassen sich ISOLE aber nicht im geringsten negativ beeindrucken. Man merkt ihrem Zusammenspiel die Freude an der gemeinsamen Sache an. Der im Schatten verborgene Drummer hat Spaß am spielen und die anderen drei Herren zeigen nicht nur an ihren Saiten-Instrumenten ihr Können sondern auch im Gesang. Besonders bei den dreistimmigen Parts wird man hier überaus positiv überrascht. Lediglich die technischen Probleme mit den Gitarren trüben das Erlebnis etwas und so gehen die teilweise stoner-lastigen Melodien bei den prägnanten Gesangseinlagen leider manchmal komplett unter. Dennoch, Fans von Candlemass und The Foreshadowing bekommen bei dieser Gruppierung bestimmt Herzklopfen. Und bei Songs wie "By Blood" und dem Black-Metal-geprägten "Moonstone" vom ersten Album kommt auch etwas Bewegung in die Menge.

Nach der guten dreiviertel Stunde Spielzeit nutze ich die Gelegenheit mich ein bisschen umzusehen. Der Steinbruch besticht vielleicht nicht durch seine Gehörgang-freundliche Lautstärke, die Atmosphäre hier ist aber ebenso einmalig wie "damals" die alte Batschkapp in Frankfurt. Herein gelassen wird man nach der Kasse durch einen Drehkäfig (nichts für Menschen mit Platzangst) und die Treppe zum Konzertraum hoch wird durch blau-rote Lichtsprenkel beleuchtet, welche an betrunkene Glühwürmchen erinnern. Oben gibt es nicht nur an der langen, urigen Bar zahlreiche Sitzmöglichkeiten sondern auch noch vereinzelt Sofas. Diese werden in der Pause auch reichlich genutzt, da der Altersdurchschnitt heute Abend deutlich über der 30 liegt.

Die knapp dreißigminütige Umbau-Pause wird durch ein Intro mit choralem Frauengesang beendet und die Mannsbilder von PROCESSION rufen zu sich. Vor der Bühne hat sich eine, im Vergleich zum Auftritt von Isole, beachtliche Menge von mindestens 70 Personen versammelt, unter ihnen erstaunlich viele Vertreter der Damenwelt. Das hat vermutlich der zweite, jüngere Gitarrist zu verschulden, der sich in hautengen Jeggins (welche wirklich keinen Spielraum der Fantasie überlassen) und einem gut gebauten, nackten Oberkörper unter der Weste präsentiert. Ihr Auftritt wird mit "Damnatio Memorae" eröffnet und schon werden beim Gitarren-Soli die ersten Köpfe fleißig geschüttelt. Procession legen einen guten Zahn zu, musikalisch würde ich ihren Stil aber eher dem Thrash und Death Metal zuordnen. Die Interaktion mit dem Publikum ist gut, ebenso die Performance auf der Bühne wesentlich aktiver als die der Vorband, dementsprechend begeistert auch die Reaktion der Anwesenden. Frenetisch wird der Titel "Tomb of Doom" begrüßt, welchen die Band laut eigenen Aussagen seit einem Auftritt 2010 in Italien nicht mehr vorgetragen hat. Die Menge grölt und bei diesem Stück lassen sich die Verbindungen zum Doom nicht leugnen. Mit "Chants of the Nameless" verabschieden sie sich vom Publikum und ignorieren die Zugabe-Rufe geflissentlich. Lediglich der Sänger kommt nach ein paar Minuten noch mal zurück gehuscht, da er seine Weinflasche auf der Bühne vergessen hat.

Gegen 22.30 Uhr betreten ESOTERIC die Stage und hier zeigt sich deutlich, warum dieser Abend dem Doom gewidmet ist. Anhänger von Year Of No Light und My Dying Bride kommen hier voll auf ihre Kosten. Unerfreulicherweise halten sich jetzt allerdings noch weniger Menschen als schon bei Isole im Raum auf. Mich stört es nicht, bei komplexen Klängen genieße ich es durchaus, nicht in der Menschenmenge eingeklemmt zu sein, aber schade ist es trotzdem, denn Esoteric hauen mich mit ihrer Live-Performance total um. Leider ist die Fläche für den Drummer, 3 Gitarristen (von denen einer dank Headset auch singt) und Bassist sowie den Keyboarder viel zu klein, weswegen letzterer in eine Ecke neben der Bühne geschoben wurde und deswegen das Foto gewidmet bekommt ;) Dem Konzerterlebnis tut das ganze aber keinen Abbruch. Die tiefen Growls und klaren Screams mit Loops vom Sänger gehen durch Mark und Knochen, drone-artige Klänge wie von Dirge oder Celeste rauben einem den Atem. Doch die Song-Strukturen werden immer wieder von Dur-lastigen Gitarrenspiel und Effekten durchbrochen, welche Licht in die Düsternis bringen. So wird das spärlich anwesende Publikum mit Liedern wie "Circle" und "Abandonment" vollkommen in den Bann gezogen. Während "Caucus of Mind" dank ausgefeilter Technik langsam ausklingt, verschwinden die sieben Herren von der Bühne, doch der Ruf nach einer Zugabe hört nicht auf und so werden wir nach ein paar Minuten mit "Cypher" ruhig gestellt. Hiernach verlässt die Band endgültig gegen Mitternacht vollkommen verausgabt die Bretter und das plötzliche helle Deckenlicht holt uns alle in die Wirklichkeit zurück.