Kreator, Arch Enemy, Sodom, Vader

  • Datum: Dienstag, 09 Dezember 2014
  • Ort: Berlin Huxleys
  • Redakteur: Tobias Trillmich
Kreator, Arch Enemy, Sodom, Vader

Bei dem stolzen Eintrittspreis sollte man den Besuchern doch die Möglichkeit geben, am Tag des Gigs noch für das Ticket zu arbeiten. Als ich direkt nach der Arbeit um 18:15 im Huxleys eintreffe sind VADER leider schon durch und die Bühne wird für SODOM vorbereitet.Bei dem stolzen Eintrittspreis sollte man den Besuchern doch die Möglichkeit geben, am Tag des Gigs noch für das Ticket zu arbeiten. Als ich direkt nach der Arbeit um 18:15 im Huxleys eintreffe sind VADER leider schon durch und die Bühne wird für SODOM vorbereitet.

Die starten dann gleich mal mit ´Agent Orange´ würdig in den Gig. Es wird deutlich, dass Drummer Markus "Makka" Freiwald mit dem Original etwas unterfordert ist. So pimpt er die Drums dezent aber effektiv auf. Im Anschluss thrasht sich das Trio grundsolide durch die Diskographie. Von ´Outbreak Of Evil´ bis zu ´Sacred Warpath´, dem Namensgeber der neuen EP reicht das Spektrum. Insbesondere ´Sodomy & Lust´ überzeugt, der Song ist einfach groß. Das Publikum ist gut dabei und auch die Band hat sichtlich Spaß. Das einzige Manko ist Toms Stimme, die doch etwas angeschlagen und krächziger als sonst kling. Na ja, hatten sie mal einen kleinen Black Metal Einschlag. Unterm Strich gab es einmal mehr einen guten Gig der Veteranen.

Dann kommen ARCH ENEMY auf die Bühne. Mit ihrem Debüt ´Black Earth´ haben sie für mich eine der zehn besten Death Metal Platten aller Zeiten abgeliefert und ich bin der damaligen Tour begeistert hinterhergefahren. Daher ist dieser Auftritt für mich umso bitterer. Die neue Sängerin ist nicht besonders gut bei Stimme, das kann ja passieren, insbesondere, wenn eine Tour schon so lange unterwegs ist. Ihr Stageacting ist aber ein absolutes No Go. Die einstudierten Posen sind bestenfalls langweilig, in der Regel aber lächer- bis ärgerlich. Dazu kommen 0815 Ansagen und die Aufforderung mitzuhüpfen. Hey, wer auf die Rückseite seines Shirts ´This is fucking war´ druckt, sollte nicht zum Hüpfen auffordern – Kongruenz ist das Stichwort. Das Publikum lässt sich auch nur kurzzeitig animieren, da war bei SODOM wesentlich mehr Bewegung zu sehen. Wenn es vor der Bühne Bewegung zu sehen gibt, dann auf den Screens der Handyfilmer. Zum Schluss wurde dann noch ´Fields Of Desolation´ vom Debüt kurz angespielt. An sich bin ich froh, dass es bis auf diese kurze Sequenz nichts vom Erstling zu hören gab, es hätte mir ´Black Earth´ nur vermiesen können. Sicher sind bei ARCH ENEMY äußerst kompetente Musiker am Werk, die auch gute Songs haben. Was bringt es aber, wenn es eine so schlechte Präsentation gibt. Ein anderer Besucher brachte den Auftritt mit zwei Worten auf den Punkt: Seelenlose Scheiße.

Nun ist es Zeit für den Headliner. Zunächst fällt auf, dass KREATOR bühnenbautechnisch etwas abgerüstet haben. Die hinteren Podeste mit den zugehörigen Treppen sind verschwunden, daher hält sich auch die Umbaupause in Grenzen. Neu ist eine Lightshow und Videoprojektionen anstatt des Backdrops. Als Intro ertönt ´In the Year 2525´ ehe es dann mit ´Violent Revolution´ in die Vollen geht. Und KREATOR können wahrlich aus dem Vollen schöpfen. Die Band hat von den Anfangstagen bis heute unglaublich viele Klassiker an den Start gebracht. Songs aus den unterschiedlichsten Schaffensphasen finden ihren Weg auf die Setlist. Es ist mir unverständlich, warum KREATOR als erste Zugabe ein Cover des totgedudelten ´Number Of The Beast´ geben. Viel lieber hätte ich ´Bringer Of Torture´ oder ´Radical Resitence´ gehabt. Und wenn schon ein Cover, dann doch bitte BAD RELIGION oder SLIME, die sich KREATOR ja auch schon vorgenommen haben. Musikalisch bleibt unterm Strich aber ein überzeugender Gig, der glücklicherweise ohne große Zwischenreden von Mille auskam. Die Lightshow hingegen hat mich eher an eine Großraumdisko in den 80ern erinnert. Das passt nicht wirklich zur Musik. Und auch sonst gab es mir zu viel Schnick Schnack. Von mir aus sind die Feuersäulen ja noch OK, aber goldenes Konfetti geht bei der Mucke gar nicht. Überlasst das doch Helene Fischer. Für mich hat dieses Beiwerk - das KREATOR überhaupt nicht nötig haben - die Intensität der Show geschmälert. Ich weiß, der Vergleich hinkt etwas, aber am nächsten Tag haben ULCERATE nur in rotem Licht mit etwas Stroboskop im K17 gespielt und das gesamte Publikum auch deshalb  in den Bann gezogen. Manchmal ist viel weniger viel mehr. Und ganz nebenbei kann man dann vielleicht auch noch den Eintrittspreis etwas senken.
Unterm Strich bleibt ein doch sehr durchwachsener Abend im Gedächtnis.