Save the Date Vol. 4 – Revel in Flesh, Saxnot, Insidious Voice

Save the Date Vol. 4 – Revel in Flesh, Saxnot, Insidious Voice

Silvia Renate Sommerlath ist dem Kollegen Lison wohl besser bekannt als die schwedische König Silvia. Bereits 1976 wurde die gebürtige Heidelbergerin durch die Hochzeit mit König Carl Gustaf geadelt. Ein Hauch von schwedischem Glanz und Gloria lag auch heute im hannoverschen Subkultur in der Luft, als die Schwaben von REVEL IN FLESH dem schwedischen Death Metal huldigten. Unterstützung gab es von SAXNOT und INSIDIOUS VOICE.

In den Räumlichkeiten eines ehemaligen Nah Kaufs treffen sich seit einiger Zeit die Subkulturen der Landeshauptstadt. Für mich war der Besuch anlässlich der vierten Auflage des Save The Date die Premiere im Subkultur. Die Kommentare im Vorfeld reichten von „ranziges Drecksloch“ bis hin zu „Hannovers bester Laden“. Ich muss sagen, dass die Location zwar klein, dafür aber auch fein ist. Cooles Ambiente, gute Bühne, professionelles Licht, guter Sound und durchgängig frisches Klopapier – mehr kann man eigentlich nicht verlangen.

Gegen viertel vor Neun drängelten sich dann die Veranstalter und Opener von INSIDIOUS VOICE aus Hannover auf die Bühne. Ein Blick auf die Website der Hannoveraner verrät, dass den Jungs – ich zitiere – die Sonne aus dem Arsch scheint, und dass man eine Mischung aus Tempo, Melodie und fettem Bass erwarten darf. Ein Bild von Sänger Mathias mit Make Up und schmucker Rüschenbadekappe schürt gewisse Erwartungen an den Auftritt der Jungs. Die Badekappe und die Schminke gab es dann zwar leider nicht, doch der Rest stimmte. Der gut verdauliche Mix aus Melodie und Moderne, aus Härte und Harmonie und aus Spaß und Seriosität läutete einen unterhaltsamen Abend voller Abwechslung ein. Als quasi Heimmannschaft wurde die Band gebührend abgefeiert und zeigte sich mit ihrem Auftritt auch sichtlich zufrieden.

Aus dem Diekholzener Kindergarten/Gemeindezentrum auf die Bühnen der Welt: das sind SAXNOT. Die Mannschaft um Frontmann Edgar ist mittlerweile auf insgesamt sechs Metalkinger angewachsen, da man mit Freddy einen Multiinstrumentalisten präsentierte, der sowohl an der Geige als auch an den Drums und vor allem an der dritten Klampfe überzeugen konnte. Im fünften Jahr nach der Gründung steuern die Saxon Heathen Metaller ihr Boot sicher durch die Wogen. Optisch treten sie mit stimmigem AMON AMARTHeskem Outfit auf und musikalisch gibt es die volle Pagan Metal Breitseite. Dabei gibt es neben englischen Lyrics auch zahlreiche deutsche Songtexte, in denen die Jungs alle möglichen Sagen verarbeiten. Ich hatte die Band noch nie live gesehen und war sehr positiv überrascht, mit welcher Professionalität die Jungs zu Werke gehen. Neben ruhigen, sehr melodiösen Passagen gibt es auch ordentlich einen auf den Sachsenhelm. Songs wie „Sturmfahrt“ oder „Vom Fall der Irmensul“ vom „In Zeiten von Blut und Feuer“ Debüt können live problemlos überzeugen. „Mettrunk“ wurde dann auch von einigen Konzertbesuchern als Aufforderung verstanden, so dass man nach dem Auftritt von SAXNOT den ein oder anderen Kuttenträger orientierungslos durch das Subkultur wandeln sah. Mit haben vor allem die Songs der ersten Hälfte der Playlist gut gefallen, doch insgesamt waren SAXNOT wirklich sehenswert. Daran ändert auch nichts, dass ich die Beustermolle im Gasthof Jörns dem Song „Beusterburg“ jederzeit vorziehen würde.

Nur einige Jahre länger als die Schwertbrüder von SAXNOT treiben REVEL IN FLESH ihr Unwesen in der Szene. Nach sechsstündiger Fahrt durch die Republik gaben die Repräsentanten des traditionellen schwedischen Death Metals heute ihr Debüt in der Landeshauptstadt.

Mit „Emissary of all Plagues“ und „Casket Ride“ gab es gleich zu Beginn einen Doppelschlag vom aktuellen Studioalbum der Jungs. Weiter gings mit „Shadowbreeder“ vom Debüt. Mit neuem Drummer im Gepäck präsentierte sich der Fünfer von der ersten Sekunde an als echte Death Metal Macht und Haubersson schrie sich die Seele aus dem Leib, während die kopfbehaarten Bandmitglieder ordentlich die Matte schwangen. Mein Lieblingsalbum „Death Kult Legions“ wurde mit dem genialen „In the Name of the Flesh“ und „Cryptcrawler“ gewürdigt. Am Ende des sehr stimmigen Sets stand eine Coverversion des UFO Klassikers „Doctor, Doctor“. Ich bin mir zwar nicht sicher, was Michael Schenker zu der Version sagen würde, aber mir hat sie gefallen.

Als ich mit meiner Band in den 90ern noch die großen Rockstarträume träumte, haben wir den ein oder anderen Club leer gespielt. Überraschenderweise verfügen REVEL IN FLESH über ähnliche Fähigkeiten. Während es bei uns möglicherweise an der musikalischen Qualität lag oder daran, dass das Sommerfest eines Salzgitteraner Altenheims einfach nicht die passende Veranstaltung für Songs wie „Day of Doom“ oder „Born To Corrupt“ war, konnte man den Baden-Württembergern wahrlich heute keinen Vorwurf machen. Frontmann Haubersson hatte zwischenzeitlich merklich mit dem kühlen niedersächsischen Publikum zu kämpfen und leider sind viele Fans der Vorgruppen nach deren Gigs wieder nach Hause gegangen. Selber schuld, kann man da nur sagen, denn REVEL IN FLESH haben am heutigen Abend genau das gekellnert was bestellt war: traditionellen Schwedentod auf ganz hohem Niveau. Den meisten deutschen Death Metal Bands bleibt nur eins wenn sie den Schwaben das Wasser reichen wollen: eine Ausbildung als Kellner. Mit ihrer Mischung aus druckvollen Riffs und langsamen, melodischen Passagen hat der Fünfer jedenfalls genau meinen Geschmack getroffen. Hoffen wir, dass es nicht das letzte Gastspiel in unseren Breitengraden bleibt.

Für gerade mal 15 Euro wurde dem geneigten Metalfan heute ein richtig gutes, abwechslungsreiches Konzert in schöner Atmosphäre geboten. Schade, dass sich nicht mehr Fans überwunden haben. Geil war es trotzdem!