Tankard, Revolt, Headshot

Tankard, Revolt, Headshot

1963 fragten THE CONTOURS „Do you love me, now that I can dance?“ Knapp 55 Jahre später hatte auch TANKARD Frontmann Gerre seine Tanzschuhe im Gepäck als die Band ihr seit Monaten ausverkauftes Gastspiel im Braunschweiger Jugendclub B58 gaben.

Trotz herbstlicher Temperaturen hätte es im prall gefüllten Saal des B58 eigentlich gar keines Anheizers bedurft, trotzdem hatte der Veranstalter mit HEADSHOT und den Wolfsburgern von REVOLT zwei lokale Szenegröße aus dem Hut gezaubert, um die Glücklichen die rechtzeitig Karten gekauft hatten, für den Headliner aus Frankfurt in Stimmung zu bringen.

Während sich Gerre, Frank & Co hinter der Bühne mit gutem Wolters Herbstbier und den aktuellen Fußballergebnissen auf ihren Gig vorbereiteten, brachten Dani und ihre Jungs von HEADSHOT vorne den Saal problemlos zum Siedepunkt. Mit ihrem brutalen Thrash Metal zeigte der Fünfer wer Herr im Hause ist und die anwesenden Metalheads feierten die Truppe standesgemäß ab. Zum Dank verabschiedete sich die Band mit Covern von zwei meiner absoluten Lieblingssongs: ANNIHILATORs „Alice in Hell“ und „War Is My Sheperd“ von EXODUS.

Die Wolfsburger  REVOLT haben 2016 ihr zweites Album „Torture To Exist“ bei Kernkraftritter Records veröffentlicht und u.a. schon mit DESTRUCTION die Bühne geteilt. Passend zum Abend präsentiert auch dieser Vierer harten Thrash Metal, allerdings mit deutlich modernerem Einschlag als die anderen Bands des Abends – und hier und da leuchtet auch mal eine Vorliebe für Death Metal durch die Songs. Die Zuschauer honorierten die energiegeladene Show des Quartetts und waren offenbar auch mit dem Songmaterial vertraut. Das war bei mir nicht der Fall und so wurde es mir bald etwas zu eintönig.

Das Ende der Tagesschau fiel in etwa auf den Beginn der TANKARD Show an diesem Sonntag. Auf der Fahrt nach Braunschweig war mir aufgefallen, dass ich TANKARD fast auf den Tag genau vor 27 Jahren das erste Mal live gesehen hatte: Damals zerlegte die Band auf der „The Meaning of Life“ Tour gemeinsam mit RUMBLE MILITIA und NAPALM den Bremer Schlachthof und das ein oder andere Trommelfell der damals Anwesenden.

Anders als die meisten anderen Bands stiegen die Frankfurter nicht mit einem Song des aktuellen Albums ein, sondern gingen zurück bis zu den Anfangstagen: „Zombie Attack“ machte sofort Lust auf mehr und mit „The Morning After“ wurde auch entsprechend nachgelegt. Mit „Not One Day Dead“ unterstrichen die Herren, dass es TANKARD immer gegeben hat und man als eine der wenigen Bands auf eine ununterbrochene 35jährige Geschichte zurückblicken kann. Die Fans feierten fröhlich weiter und ein Blick ins Publikum zeigte, dass viele der Anwesenden den Weg der Band wohl auch schon recht lange mitgegangen sind. 

Mit „Pay To Pray“ folgte dann der erste Song vom „One Foot In The Grave“ Album und Gerre und Frank zeigten, dass sie trotz fortgeschrittenen Alters nach wie vor mit beiden Beinen im Leben stehen. Frank zog wie gewohnt Grimassen und Gerre boogie-woogiete auch schon mal kreuz und quer über die kleine Bühne. „Rapid Fire“ ist für mich der stärkste Song aus der „neuen“ Ära – und darunter fällt bei mir alles was nach „The Tankard“ erschienen ist. Kein Wunder also, dass sich der Song vom „A Girl Called Cerveza“ Album mittlerweile zu einem Muss jeder TANKARD Show gemausert hat. Anders als viele Fans fand ich „The Tankard“ schon immer cool und entsprechend erfreulich war, dass „Minds on the Moon“ auf der Playlist stand. Und auch vor der Bühne schien man diese Freude zu teilen, denn es bildete sich wieder ein kleiner Moshpit.

Vor 27 Jahren kündigte Gerre an, dass man nun einen Song spielen werde, den die Band zuvor noch nie live gespielt habe: „Live To Dive“. Genial. Anno 2017 folgte nach ähnlicher Ansage „Metal To Metal“ vom „The Beauty and the Beer“ Album, dessen Titeltrack später auch noch auf dem Programm stand. Ich für meinen Teil hätte lieber wieder „Live to Dive“ oder einen Song vom „The Meaning of Life“ Album gehört – „Metal To Metal“ Songs höre ich mir lieber von SABATON & Co an.

Mit „Rectifier“ und „One Foot In The Grave“ folgten weitere Songs der modernen TANKARD Ära, bevor mit „Chemical Invasion“ wieder in die Annalen der Bandgeschichte abgetaucht wurde. Zu den Anfangsriffs schwang Gerre sogar das Tanzbein mit einer jungen Dame und schwebte wie Let’s Dance Juror Joche Gonzaléz über die Bühnenbretter. Den Abschluss des offiziellen Sets stellte „Freibier“ dar, welches frenetisch mitgegrölt wurde und zu diversen Bierduschen vor der Bühne führte. Trotz der Androhung, dass Basser Frank ordentlich Krawall machen würde, rückte der Veranstalter kein Freibier für die Metalmeute raus.

Das Frankfurter Thrash Urgestein ließ sich nicht lange bitten und erfüllte den Wunsch der Fans nach einer Zugabe. Mit „Alien“ gab es einen weiteren Klassiker der Bandgeschichte, bevor mit „A Girl Called Cerveza“ ein weiteres Mal den weiblichen Fans gehuldigt wurde. Den Abschluss bildete natürlich das obligatorische „(Empty) Tankard“, welches den Saal nochmals zum Explodieren brachte.

TANKARD zeigten sich an diesem Abend in bester Spiellaune. Drummer Olaf trommelte sich trotz angeschlagener rechter Hand routiniert durch das Hochgeschwindigkeitsprogramm. Klampfer Andy bangte wie gewohnt und hatte sichtlich Spaß. Basser Frank tobte über die Bühne und sorgte mit seinen typischen Grimassen für gute Stimmung. Frontmann Gerre bangte, tänzelte und sprang über die Bühne wie vor 35 Jahren und hatte, womöglich angefeuert durch das ein oder andere Wolters, zu jedem Song eine spaßige Ansage bereit. Da konnte ihn auch ein schlafender Fan neben der Bühne nicht aus dem Konzept bringen – und dass man trotz einer TANKARD Show tief und fest schnorcheln kann, hatte schon mein Klassenkamerad Björn. K. gezeigt, als er Mitte der 90er die komplette Show im Berliner Huxley’s verschlafen hat. Ob den Mash Potatoe oder den Twist, Gerre hat gezeigt, dass er für jeden Song den richtigen Tanzschritt drauf hat und die Leute liebten ihn dafür!

Im März des nächsten Jahres gibt es in Goslar die nächste Show der Frankfurter, bevor TANKARD im November 2018 ins Musikzentrum in der Landeshauptstadt einkehren. Solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Und vielleicht findet dann ja auch wenigstens wieder ein Song vom „The Meaning of Life“ Album seine  Weg auf die Playlist. Ich fänd‘s knorke…