Bruce Dickinson - What Does This Button Do?: Die Autobiografie

  • Bruce Dickinson - What Does This Button Do?: Die Autobiografie
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  • Genre: Autobiographie Musik
  • V.Ö.: 22 Januar 2018
  • Heyne Verlag
  • Bewertung: Bruce Dickinson - What Does This Button Do?: Die Autobiografie
  • Redakteur: Tobias Trillmich

Um es vorweg zuschicken: ich halte MAIDEN für überbewertet und die zum Teil fanatische Verehrung geht mir auf den Sack. Klar, die ersten drei Alben waren wirklich wichtig für die Szene, mir gefällt alles, was eher MOTÖRHEAD gefolgt ist, wesentlich besser. Ich bin auch kein Pilot oder Anhänger des Florettfechtens. Das ist aber nicht wichtig, denn es handelt sich um eine Autobiographie und somit geht es ja um den Menschen BRUCE DICKINSON, Maiden Sänger zu sein ist ja nur ein Teil seiner Person. Zu meinem Glück hat er seine Biographie nicht eingesungen. So bin ich gespannt auf diesen sehr umtriebigen und erfolgreichen Frontman.

Dickinson geht, nach einem etwas verwirrenden Vorwort, bei seiner Autobiographie klassisch chronologisch vor. Die ersten Lebensjahre sind die einzige Zeit, in der er auf sein familiäres Umfeld eingeht. In der Folge lässt er bewusst alles Private, was z.B. Frauen und Kinder betrifft außen vor. Schon diese Entscheidung macht klar, dass es leider nur um bestimmte Teile der Person Bruce Dickinson geht. Den Beginn machen logischerweise die Kinderstube und die Schulische Laufbahn. Hier ist interessant, dass Bruce auf einem streng christlichen Internat war. Das verschweigt Ulrich Bäumer in seinem Klassiker ´Wir wollen nur deine Seele´, in dem er MAIDEN dolle gefährliche satanische Motivationen unterstellt. Selbst wenn dem so wäre, hätte der eigene Laden wohl versagt. Das Mysterium um das von Bäumer bemühte „satanische“ Brummen während der Aufnahmen zu ´Number Of The Beast´ wird in diesem Buch geklärt.
In der Folge beschreibt Dickinson seinen musikalischen Werdegang, wie er zum Fechten kam und wie er mit der Fliegerei begann (Nettes Detail: Nicko McBrain hatte vor ihm einen Flugschein).
Das alles liest sich so imposant wie oberflächlich. Ich bekomme die Person Bruce Dickinson nicht zu greifen. Es geht hier ja nicht um eine Bewerbung in der man schreibt: Das Problem gab es – so habe ich es gelöst. Mir fehlen Widersprüche, Zerrissenheit und Einstellungen. Zu selten lässt er wie beim Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz, dem Gig in Sarajevo oder bei Rock in Rio mal etwas Haltung und Emotion aufblitzen. Die Abhandlung zu seiner morphinbedingten Verstopfung ist ausführlicher als der Aus- und Wiedereinstieg bei Maiden. Merkwürdige Prioritätensetzung. Ein weiteres Beispiel dafür ist die recht detaillierte Schilderung wie ein Jumbo zur Ed Force One umgebaut wird. Mir ist völlig egal, ob da eine neue Wand gezogen wurde.
Positiv fällt auf, dass er keine Dreckwäsche wäscht. Was jedoch bei zentralen Entscheidungen, wie eben dem Ein-, Aus-  und Wiedereinstieg, in ihm vorgegangen ist, wäre interessant und kann ohne Dreckwäsche geschildert werden. Vielleicht liegt meine Enttäuschung auch darin begründet, dass ich gerade vorher eine Biographie über Johnny Cash gelesen habe, der ja bekannter Maßen eine herausragende Persönlichkeit war und das nicht nur als Musiker. Da klafft dann doch eine erhebliche Lücke.
Mir geht es mit diesem Buch so wie mit der ´Flight 666´ DVD. Das ist alles beeindruckend und logistisch hervorragend gemacht. Da kann ich aber auch eine Dokumentation über DHL schauen. Ich ziehe dann eine DVD wie NOFXs ´Backstage Passport´eindeutig vor, in dem die Band wesentlich tiefer blicken lässt.

Es ist auf jeden Fall beeindruckend, was Bruce in seinem bisherigen Leben (zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes) geschissen bekommen hat und nach den fast 450 Seiten weiß ich, was er alles erreicht hat. Wer er ist, weiß ich leider kaum. Das ist wohl der Grund warum mich das Buch nicht fesseln kann. Für Maiden Fans ist die Autobiographie wohl allein aufgrund einiger Anekdoten trotzdem ein Pflichtkauf (wenn nach Konzerttickets, überteuertem Merchandise und der xten Wiederveröffentlichung noch Geld in der Schatulle ist). Wer auf der Suche nach einer interessanten Autobiographie aus Interesse an der Person ist, ist mit den Schriften von Marcel Reich-Ranicki bis zu Bruce Springsteen wesentlich besser bedient.

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (22. Januar 2018)
Sprache: Deutsch
Preis: 22,00 Euro
ISBN-10: 3453271122
ISBN-13: 978-3453271128