Detlef Kowalewski - Zur Hölle - Kohle, Knast und Rock 'n Roll (Edition Steffan)

Eins vorweg: Wer bei "Zur Hölle" eine Musikerbiografie erwartet, wird enttäuscht werden. Vom Untertitel "Kohle, Knast und Rock 'n Roll" spielt der Rock 'n Roll eher eine untergeordnete Rolle.

Stattdessen nimmt in Kowalewskis (der es in den Achzigern mit seiner Band HIGH 'N DRY immerhin ins Vorprogramm von IRON MAIDEN schaffte) Buch die Beschreibung diverser Knäste den Hauptteil ein. Wer sich darauf einlassen kann und will, bekommt ein Leben präsentiert, in dem es achterbahnmäßig meist bergab geht. Kommen die Kapitel über Kowalewskis Knastaufenthalt und Flucht aus Gefängnissen in Köln und Holland noch locker flockig daher, wird es spätestens abenteuerlich, wenn es um Knäste in Brasilien geht. Sollte nur die Hälfte der Zustände von Kowalewskis Beschreibungen stimmen, muss sich der Leser fragen, wo in Brasilien die größeren Verbrecher sitzen: In oder außerhalb der Zellen? Beschrieben wird ein System, das nicht wie in Deutschland auf Resozialisierung abzielt. Vielmehr stockt einem der Atem, wenn liest, wie Insassen in brasilianischen Gefängnissen gequält und zugerichtet werden. Sicher, man kann Kowalewski eine gewisse Naivität im Umgang mit Drogen und Kriminalität bescheinigen, doch jeder, der nur einen Pfifferling auf die Menschenwürde gibt, muss nach der Lektüre in innerliche Opposition zu solchen Zuständen gehen.

 

Schön, dass sich Detlef Kowalewski am Ende des Buches geläutert gibt, wenn er schreibt: "Man muss alles positiv sehen, [...] gerade dann, wenn man beim besten Willen nichts Positives mehr erkennen kann." Um Musik geht es hier also nur am Rande, eine kurzweilige Lektüre wird dem Leser mit "Zur Hölle" aber allemal geboten.

 

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