Abduction - Une ombre régit les ombres

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Um die Jahrtausende entstand in Frankreich eine Blackmetalszene, die es schaffte, mit hervorragenden Outputs auch in Deutschland jenseits des absoluten Undergrounds wahrgenommen zu werden. Zahlreiche Bands aus dem Großraum Paris machten dabei mit ihrem ungehobelten, rauhen Black Metal auf sich aufmerksam. Im Laufe der Zeit wurde diese Szene immer heterogener. Bands lösten sich auf und fanden Jahre später wieder zusammen (SETH), andere lebten von ihren Frühwerken (BELENOS) und wieder andere veränderten ihren Stil radikal und formten komplett Neues (ALCEST). Es muss dieser Zeitraum gewesen sein, in dem ein paar Jungs entschieden, selbst zu den Instrumenten zu greifen und etwas frischen Wind in die Szene zu bringen.

Neben Musik von den oben genannten Landsmännern drehten  sich mit Sicherheit auch Scheiben von DISSECTION und PRIMORDIAL auf den Plattentellern, bevor man schlussendlich ABDUCTION gründet und 2010 mit der EP „Heights‘ Shivers“ ein erstes Lebenszeichen von sich gab, die all diese Einflüsse verwob.

Es dauerte weitere sechs Jahre bis des reguläre Erstlingswerk „Une ombre régit les ombres" das Licht der Welt erblicken sollte. Und obwohl dieses Album ohne die zahlreichen Einflüsse wohl nicht in seiner vorliegenden Form erschienen werde, schaffen es die Versailler auf diesem die berühmte Eigenständigkeit zu erreichen. Während man das Akustikintro noch als mäßig orginell bezeichnen kann, setzt es doch die Stimmung für den immer etwas melancholisch angehauchten Black Metal französischer Gangart. Natürlich gibt es bei vielen Songs wie „Sainte Chimàre“ die Blastbeat-Gitarrenwände, natürlich gibt es epischen, getragenen Gesang, der jedoch nie PRIMORDIALeske Sphären erreicht, aber vor allem die Akustikparts geben der Grundstimmung ihr Fundament. Herzstück des Albums ist der zehnminütige Titeltrack, der trotz seiner Länge ein größtenteils rasantes Tempo aufweist und nur kurze Verschnaufpausen enthält. Der Mittelteil enthält geniale Melodieführungen, die leider jedoch nicht mehr aufgegriffen werden, sodass das Stück insgesamt etwas inkohärent wirkt.

Manchmal geht der Gesang etwas im Instrumentenchaos unter, manchmal wirkt der gesamte Sound etwas breiig, und manchmal sind die Übergänge etwas zu abgehackt und wirken wie abgezählt (nach 256 Blastbeats muss jetzt wieder mal eine cleane Gitarre folgen, zum Abschluss prügeln wir dann nochmal…), aber gerade für ein Debütalbum wirkt dieses Werk von ABDUCTION erstaunlich abgeklärt und lässt auf folgende Großtaten hoffen!

Wer die Möglichkeit hat, eine der auf 500 Exemplare limitierten Scheiben zu ergattern, kann dies auf jeden Fall getrost tun ohne es bereuen zu müssen!

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