Body Count – Bloodlust

CD Reviews, Body Count – Bloodlust

„Raining Blood“ und „Postmortem“ auf einem BODY COUNT Album? Böse, wer da Böses denkt. Doch wo sich andere Bands in Ermanglung eigener Songwriting-Qualitäten mit fremden Feder schmücken, um überhaupt einen guten Song auf dem Album zu haben, ist diese Hommage an SLAYER tatsächlich ein Geschenk an die Fans. Namedropping in Form prominenter Lückenfüller hat „Bloodlust“ nämlich nun wirklich nicht nötig.

2005 wiederbelebte Rapper ICE-T seine Rockband BODY COUNT, doch außer Ernie C waren keine Mitglieder der Anfangszeit übrig geblieben (leider im wahrsten Sinn des Wortes). Seit dem sind zwei Alben erschienen, die jedoch beide an mir vorbei gegangen bzw. musikalisch nicht wirklich in Erinnerung geblieben sind. Mit „Strippers“ gab es zwar auf dem 97er Album „Violent Demise: The Last Days“ einen hörenswerten Song, aber ansonsten lebte die Band doch vom Mythos des Debütalbums und dem Skandalsong „Cop Killer“.

Mit „Bloodlust“ steht nun das Century Media Debüt ins Haus. Und man darf wohl behaupten, dass das Dortmunder Label einen Glücksgriff getätigt hat, denn „Bloodlust“ dürfte eindeutig das stärkste Album in der Geschichte der rockenden Rapper aus Kalifornien sein. Dies liegt zum einen daran, dass der sechste Longplayer in der Bandgeschichte mit einem fetten Sound aufwarten kann. Und zum anderen daran, dass es gleich eine ganze Reihe grandioser Groovemonster gibt.

Schon der Opener „Civil War“ ist ein richtiger Kracher mit viel Druck und eingängigen Grooves. „The Ski Mask Way“ kann dann sogar noch eine richtig große Schaufel drauflegen. Nach „This is why we ride“ fällt „All love is lost“ für meinen Geschmack etwas ab – was aber vor allem an den Industrial’esken Elementen liegt. Gegen Ende der Scheibe arbeiten sich ICE-T und seine Homies dem absoluten Höhepunkt entgegen: „No Lives Matter“, „Bloodlust“ und der Rausschmeißer „Black Hoodie“.

Laut eigener Aussage hatte ICE-T die Band seinerzeit gegründet, um seinem Kumpel Ernie C die Chance zu geben auch mal Gitarre zu spielen. Was auf dem Debüt stellenweise noch etwas schlicht klang, hat sich mittlerweile zu einer wahren Riffkanone gemausert und neben fetten Riffs gibt es jede Menge Licks und Leads, die für Ohrwürmer sorgen. Wie bei BODY COUNT üblich wird auch viel gesprochen. Das ist aber okay, denn BODY COUNT haben 2017 jede Menge zu sagen: politisch sowie auch musikalisch. Selbst schuld, wer ihnen nicht zuhört!