Burning Witches – Burning Witches

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Es kursieren viele romantische Vorstellungen über das Leben auf dem Lande: Ruhe, Natur pur, nachbarschaftliche Verbundenheit. Die Wirklichkeit sieht anders aus: In der Regel ist der Großteil der Dorfgemeinschaft verwandtschaftlich verbunden, sämtliche als zur Stärkung der Dorfgemeinschaft und des kulturellen Lebens deklarierten Veranstaltungen dienen tatsächlich nur dem einen Zweck, nämlich möglichst Mittags schon volltrunken zu sein. Die Krönung der Verbundenheit findet die Dorfgemeinschaft in ihrem hinterwäldlerischen Musikgeschmack. Ein musikalischer Exorzismus wäre dringend notwendig!

Im Kampf gegen die unerträgliche Wiedergabe endloser Ballermann-Playlisten bei größter Lautstärke könnten nun die fünf Hohepriesterinnen des Heavy Metal von BURNING WITCHES auf den Plan treten. Zum einen wirken bereits die Ansagen von Frontfrau Seraina Telli mystisch, da man als Hochdeutscher kein Wort ihres schweizerischen Dialekts verstehen kann. Zum anderen hat die Truppe aus dem Kanton Aargau mit ihrer Mischung aus traditionellem Heavy Metal und modernen Versatzstücken genau die richtige Waffe im Kampf gegen den Ballermannismus der Landbevölkerung.

Nach der 2016 erschienenen Single mit den Tracks „Black Widow“ und „Burning Witches“ steht nun seit einigen Tagen der erste Longplayer des Fünfers in den Läden.

Die Songs der Single sind dann auch der Einstieg ins selbstbetitelte Debütalbum. Während „Black Widow“ ein etwas rauherer Metalkracher ist, zeigt der titelgebende Track einiges Potential zu großem Stadionrock. Zwar ist der eingängige Refrain bei irgendeiner anderen Band entliehen (leider ist mir die entsprechende Band noch nicht ins Gedächtnis gekommen, ich werde sie aber nachreichen), trotzdem ist der Song ein absoluter Ohrwurm.

Mit Songs wie „Black Rose“ oder „The Dark Companion“ zeigen die Damen, dass sie nicht nur in den 80er hängen geblieben sind, was vor allem an den etwas kantigeren Riffs und dem abwechslungsreichen Gesang von Sängerin Seraina deutlich wird. Doch gibt es auch ruhige Töne und mit „Save Me“ ist der Band eine gute Power Ballade gelungen. Textliche Tiefe wird in Songs wie „We Eat Your Children“ präsentiert.

BURNING WITCHES bewegen sich mit ihrem Debüt, welches von V.O. Pulver (GURD, POLTERGEIST) und DESTRUCTIONs Schmier produziert wurde, zwischen frühen WARLOCK und BATTLE BEAST und wirken angenehm frisch, zumal man sich als Frauenband endlich mal nicht irgendeinem symphonischen Ballkleidmetal verpflichtet fühlte. Stattdessen gibt es Leder, Nieten, kernige Riffs und eingängige Melodien. Das Debüt der Schweizerinnen ist eine in allen Belangen stimmige Vorstellung und man darf hoffen, dass die Eidgenossinnen mit ähnlicher Wucht nachlegen werden.

Mit Blick auf BURNING WITCHES ist der Werbeslogan der Plattenfirma ausnahmsweise mal nicht übertrieben: Bei dem Fünfer handelt es sich tatsächlich um den heißesten Export aus der Schweiz seit Jahren. Flauschiger Kuschelrock und kitschiger Mädchenmetal sind hier Fehlanzeige. Stattdessen liefern BURNING WITCHES ein richtig gelungenes Heavy Metal Album ab!

Ab sofort werde ich den marodierenden Ballermanndörflern bei jeder Gelegenheit die Magie der BURNING WITCHES entgegensetzen!