Celtic Frost - Noise lebt! Re-Releases

CD Reviews, Celtic Frost - Noise lebt! Re-Releases

  • Erstellt am: Samstag, 22 Juli 2017
  • Label: BMG/Noise
  • V.Ö.: 30 Juni 2017
  • Redakteur: Thorsten Zwingelberg

Kaum eine europäische Band der frühen 80er dürfte so einen Einfluss auf die Entwicklung der düsteren und harten Metal Musik wie CELTIC FROST. Nach dem Ende von HELLHAMMER haben Tom Warrior & Co fünf Alben und diverse EPs, Splitts usw. veröffentlicht.

Kaum eine Band aus dem NOISE Records Roster schaut heute noch mit so viel Verbitterung auf den ehemaligen Vertragspartner zurück wie CELTIC FROST. Dies führte auch dazu, dass Tom Warrior dem Projekt „Re-Releases“ im Nachhinein seinen Segen wieder entzogen hat. Mehr noch, er hält die neuen Versionen nicht einmal für „offizielle“ Re-Releases, wie er auf einem Block ausführte (http://fischerisdead.blogspot.de/2017/05/differing-points-of-view-bmgnoise.html). Dies habe damit zu tun, dass seine Linernotes von der Rechtsabteilung der BMG, die nun die Rechte am NOISE Backkatalog hält, aufgrund rechtlicher Bedenken so sehr zusammengekürzt worden sein, dass die wahre Geschichte hinter den damaligen Releases für NOISE nicht mehr deutlich würden. Dennoch tragen die sehr schön aufgemachten Wiederveröffentlichungen einen Sticker, die Tom G. Warrior als Verantwortlichen für das Konzept und Art Direction ausweisen.

Abgesehen von dieser weiteren Episode im Zwist zwischen CELTIC FROST und NOISE haben wir es hier natürlich mit echten Klassikern der Heavy Metal Geschichte zu tun und gerade Songs der Debüt-EP „Morbid Tales“, welche mit vier Demoaufnahmen aus dem Jahr 1984 aufgestockt wurde, gehören noch heute zum Pflichtprogramm von Toms aktueller Band TRIPTYKON. Mit Songs wie „Dethroned Emperor“ und „Procreation (of the Wicked)“ hatte das CELTIC FROST Trio auch gleich zu Beginn ihrer Karriere richtige geniale Songs abgeliefert, die irgendwie BLACK SABBATH und VENOM verbinden. Schön ist, dass nicht die selben Bonus-Tracks genommen wurden wie beim 1999er Re-Release.

Ein Jahr nach „Morbid Tales“ wurde der erste Longplayer „To Mega Therion“ mit dem epischen „Innocence and Wrath“ eröffnet, bevor „The Ursurper“ die Herzen all derjenigen Fans höher schlagen ließ, die damals auf der Suche nach neuen Extremen in der Musik waren. Der Sound unterschied sich damals erstaunlicher Weise recht deutlich, wie ich finde, von „Morbid Tales“. Die ursprünglich 10 Tracks wurden nun um drei Tracks der „Emperor’s Return“ EP, um einen Song aus eben dieser Session sowie um zwei Studio Jams erweitert. Allerdings war „Return to the Eve“ auch bereits auf dem 1999 Re-Release zu hören. So oder so, machen BMG einen Meilenstein der Metal Geschichte wieder zugänglich – und das auch noch im hübschen „Buchformat“.

Vor 30 Jahren ist mit „Into the Pandemonium“ das dritte Album der Schweizer erschienen. Für die Aufnahmen hatte man sich dieses Mal ins Horus Sound Studio nach Hannover zurückgezogen. Die teuflische Schminke und die satanischen Outfits waren bereits in Ansätzen  dem Hair Metal Einfluss gewichen. Das Cover zierte ein Werk von Hieronymus Bosch und musikalisch wurden in gewisser Weise neue Wege beschritten, die alten Fans mitunter Bauchschmerzen bereiteten. Der jammervolle Gesang sowie die weiblichen Gesänge in Songs wie „Mesmerized“ gefielen nicht allen Fans. Der Sound ist deutlich moderner als auf „Morbid Tales“ und auch weniger rumplig als auf „To Mega Therion“. Dennoch können mich Songs wie „Inner Sanctum“ auch heute noch überzeugen.

Auch in diesem Fall wurden die ursprünglich 10 Songs um Aufnahmen aus der „Pandemonium Session“ sowie „In the Chapel in the Moonlight“ und eine Version von „The Inevitable Factor“ mit alternativen Vocals erweitert. Allerdings waren diese Bonus-Tracks auch bereits 1999 als Zugabe zu haben. Dennoch ist die abermalige Neuauflage schön gemacht.

Mit „Venity/Nemesis“ neigte sich die Geschichte dann zunächst ihrem Ende, denn 1993 löste sich die Band auf. Das fünfte Album von CELTIC FROST, wurde von Kritikern 1990 nicht wesentlich positiver aufgenommen als der Vorgänger „Cold Lake“. Die Band arbeitete weiterhin an ihrem Sound und klingt über weite Strecken deutlich metallischer als etwas auf „Into the Pandemonium“. Die böse Grundstimmung der Frühwerke findet sich jedoch nicht mehr in den Songs. Dieser Wandel zeigte sich auch optisch – ein Blick auf das Bandphoto genügt. Dennoch kann die Mucke auf „Vanity/Nemesis“ durchaus gefallen und Songs wie „Wings of Solitude“ sind auch heute noch durchaus hörenswert.

Auch in diesem Fall hat man es bei den beiden bereits 1999 enthaltenen Bonustracks belassen, die beide von der „Wine in my Hand“ EP stammen, so dass letztlich 12 Songs enthalten sind. 

Zu guter Letzt wurden die vermeintlichen Höhepunkte im Schaffen der Schweizer Metal Pioniere noch auf einer Doppel-CD unter dem Titel „Innocence and Wrath“ als Best Of zusammengefasst. Insgesamt wurden 26 Songs ausgewählt, die somit deutlich umfangreicher ausfällt als das 1992er Gegenstück „Parched With Thirst Am I And Dying“, mit dem NOISE seinerzeit wohl das Ende der Band begehen wollte. Wer sich nicht alle Alben der Band in den Schrank stellen möchte, bekommt hier eine gute Alternative geliefert, die zudem noch in wertiger Aufmachung daher kommt.

Tom G. Warrior ist und bleibt eine der herausragenden Persönlichkeiten der Metal Szene, was nicht zuletzt in grandiosen Interviews beim Wacken Open Air deutlich wurde. Die Musik der Band ist und bleibt wegweisend für unzählige andere Kapellen. Von daher ist es gut, dass BMG die Alben nun in angemessener Form wieder auf den Markt bringen. Vor allem Vinyl Freunde dürften sich freuen, denn die Originale sind nur noch sehr schwer und für viel Geld zu bekommen.