Coldbound - The Gale

CD Reviews, Coldbound - The Gale

Vielleicht wäre der Sommer um einiges erträglicher geworden, wenn mir dieses Album nicht durch die Lappen gegangen wäre. Aber dank des Twilight-Kollegen Zwingelberg dröhnt „The Gale“ von COLDBOUND jetzt aus meinen Boxen. Melodischer Death Metal der Extraklasse, der den Vergleich mit den Großen des Genres in keiner Weise zu scheuen braucht und natürlich aus dem Heimatland der düsteren Melancholie stammt.

Na, klar, aus Finnland. Und dementsprechend thematisiert der als Konzeptalbum konzipierte Longplayer nostalgische Erinnerungen, persönliche Konflikte bis hin zu depressionsinduzierter Einsamkeit. Soundmäßig fällt sofort die kraftvolle Intensität auf, die vor allem dem zumeist nicht allzu starken Tempo, den tiefen Growls und natürlich den griffigen Riffs geschuldet ist. Hinzu kommt ein Faible für melodische Melancholie und sehnsuchtsvolle Stimmungen.
Für die volle Breitseite an Schwermütigkeit sorgen dann auch die bisweilen länger andauernden instrumentalen Partien, die mitunter auch in die ruhigeren Gefilde abgleiten. Bestens zu beobachten in dem elfminütigen Rausschmeißer 'Towards The Weeping Skies', der zu einem wahren wehmütigen Wechselbad der Gefühle führt und darüber hinaus durch die besondere Keyboarduntermalung ein überaus hohes Maß funeraler Festlichkeit erzeugt. Hammer!

Sehr gekonnt kommt auch der Opener '61º 43' N 17º 07' E' daher, der mit Regen- und Gewittergeräuschen sowie feierlichen Mönchsgesängen sachte startet, an Fahrt gewinnt und sich schließlich hart und mit folk-metallischer Hymnik entlädt. 'The Invocation' knüpft an diesen hymnischen Mitreißfaktor an, ist aber um einiges härter, aber nicht minder atmosphärisch. Bisweilen kommt einem als Vergleich die früheren MY DYING BRIDE in den Sinn. Ähnliches gilt für 'Endurance Through Infinity', ein Track, der dann aber auch seine sehr rauen und felsigen Partien aufweist.

'My Solace' ist dann fast schon eine infernale, kraftvolle Düsterode, wohingegen die Finnen mit dem Titeltrack unter Beweis stellen, dass sie auch im schnelleren, brutaleren Todesmetal zu Hause sind. 'The Eminent Light' besticht dann durch sein doomiges Tempo und den weiblichen Gesängen, die im Wechsel mit dem Growls eine hohe Explosivität und Intensität entwickeln. DRACONIAN oder RED MOON ARCHITECT lassen grüßen. Richtig etwas auf die Ohren gibt es mit 'Winters Unfold, wohingegen 'Shades Of Myself' noch einmal durch seine Eingängigkeit und seinen überzeugenden „Refrain“ punkten kann. Weltklasse!

Fazit: Die Finnen von COLDBOUND haben mit „The Gale“ ein überaus atmosphärisches, düsteres Melodic-Death-Metal-Album erschaffen, bei dem das Hauptaugenmerk allerdings auf unter die Haut gehendes, niederdrückendes Leiden liegt. Freunde der intensiven Sehnsucht, der tiefgründigen Schwermut und der mitreißenden Melancholie werden voll auf ihre Kosten kommen. Reinhören. Entdecken. Kaufen!

 

Line Up

Pauli Souka (composer , guitars, bass, keyboards, vocals, lyrics ,programming, layout, production)

Paulina Medepona (Vocals on track “The Eminent Light” , artwork)

Andras Miklosvari (keyboards on tracks 4,5,6,7)

Ida Korkiakoski (photography)

Tracklist

01. 61º 43' N 17º 07
02. The Invocation
03. Endurance Through Infinity
04. My Solace
05. The Gale
06. The Eminent Light
07. Winters Unfold
08. Shades Of Myself
09. Towards The Weeping Skies