Deathrow - Riders Of Doom /Raging Steel / Deception Ignored Re-Releases

CD Reviews, Deathrow - Riders Of Doom /Raging Steel / Deception Ignored Re-Releases

Nachdem die kommerziell erfolgreichen Releases von Noise nun alle wieder auf dem Markt sind, wird auch die zweite Reihe bedacht. Im Falle DEATHROW gilt „zweite Reihe“ für mich aber nur für den kommerziellen Erfolg, nicht für die Qualität.

In Matthias Herrs Metal Lexika sowie Iron Pages ´Heavy Metal Made In Germany´, sucht man die Düsseldorfer vergebens und auch in ´Systemstörung – Die Geschichte von Noise´ wird nur auf einer von knapp 500 Seiten auf sie eingegangen. Das ist nicht angemessen. Die Band wurde 1984 unter dem Namen SMHAIN gegründet, dann aber trennte sich Glenn Danzig von den MISFITS und der Name war weg. Zu der Zeit war ja noch nicht bekannt, wie leicht man das Muskelpaket mit einem Schlag niederstrecken kann.

1985 erschien das erste Demo, das bei der Wiederveröffentlichung von ´Riders Of Doom´ dazugepackt wurde. Im Vergleich zu anderen ersten Gehversuchen von Thrashbands zu dieser Zeit, zeigt schon das Demo die hohe Qualität der Musiker. Der Rumpelfaktor ist wesentlich geringer als er bei SODOM oder TORMENTOR war. Da die Jungs keinen Sänger hatten, waren sie quasi dazu verdammt, die Songs alleine durch die Instrumente spannend zu halten. Das hat geklappt und ist wohl auch ein Grund dafür, warum ungewöhnlich viele Instrumentale auf den Alben gibt. Alle Songs des Demos haben es (zum Teil dann mit Gesang) auf das wirklich starke Debüt ´Riders Of Doom´ geschafft. Klar gibt es immer wieder ein paar KREATOR Einflüsse zu hören, eine Kopie sind DEATHROW aber nicht gewesen. Vielleicht eher andersherum: Erst seit dem Einstieg von Sami Yli-Sirniö haben KREATOR die Art von Soli, die DEATHROW schon damals zockten. DEATHROW waren rau, aggressiv und gleichzeitig melodiös und bauten immer wieder geschickt Tempowechsel ein. Wenn man ein Haar in der leckeren Thrash-Suppe suchen will, dann die eher durchschnittlichen Vocals, beim Chorus von ´Samhain´ wackelt die cleane Stimme doch merklich. ´Riders Of Doom´ ist für mich dennoch eines der besten Debüts einer Thrashband zu jener Zeit. Neben dem ´The Lord Of The Dead´ Demo gibt es noch einen Proberaummitschnitt von 1985 mit Songs, die allesamt nicht auf dem Album gelandet sind. Das ist auch gut so. Die Songs sind nicht schlecht, haben aber einen größeren Einschlag an klassischem Metal. Da gefällt mir das andere Material besser. Soundtechnisch sind Demo und Proberaumaufnahme erstaunlich gut. Großartig ist die Aufmachung des Doppelvinyls im Gatefoldcover. Auf der ersten Scheibe ist das Album, auf der zweiten das Bonusmaterial. In der Mitte der Plattenhülle gibt es eine kultige Collage mit alten Reviews, Tickets und Fotos und Shirts (Deathrow waren unter anderem auf Tour mit POSSESSED und VOIVOD). Die Innenhüllen sind beidseitig bedruckt (Lyrics, Collagen, Fotos) und es findet sich das Cover, mit dem die Platte (unter dem Namen ´Satans Gift´) in den USA erschien. Ach ja, die Zensur....

Nur ein Jahr später kam dann der Nachfolger ´Raging Steel´ auf dem Markt. Produziert wurde diesmal nicht im Pott sondern im Music Lab in Berlin von Harris Jones. Noise halt. Nach einem kurzen Intro thrasht der Titeltrack ordentlich los. Insbesondere aufgrund der Vocals, was Klang und Phrasierung angeht, bin ich stärker an KEATOR erinnert, als es beim Debüt der Fall war. Aber hey, es gibt wirklich Schlimmeres als an ´Pleasure To Kill´ erinnert zu werden. Und ein Song mit dem Titel ´Pledge To Die´ ist das genau passende Gegenstück zu `Pleasure To Kill´. Leider gibt es mit ´Dragon's Blood´ auch einen ersten Ausfall zu vermelden. Das war wohl der eher verunglückte Versuch, ein Heavy Metal Epos zu schreiben. Mit dem folgenden ´The Thing Within´ ist die Band dann wieder in der Spur. Und die B-Seite kommt ohne Schwächen aus und bietet wieder räudigen Thrash garniert mit melodiösen Leads. Als Bonus gibt es das ´Eternal Death´ Demo, dass noch unter dem Namen SAMHAIN veröffentlicht wurde sowie eine Live Version von ´Yingael's Wall´ (das auf dem Live Demo allerdings noch ´Jegaet's Wall´ hieß). Beide Aufnahmen haben gute Qualität und da ´Yingael's Wall´ beziehungsweise ´Jegaet's Wall´ ein wirklich guter Track ist, der es auf keine Platte geschafft hat, gibt es wieder interessante Zugaben.

Für die Aufmachung gilt dasselbe wie bei ´Riders Of Doom´. Da hat sich das Label richtig Mühe gemacht. Wenn ein ReRelease, dann so.

Wieder nur ein Jahr später kam dann ´Deception Ignored´ in die Läden und schon das Cover machte deutlich, dass es eine Veränderung gab. Personell bestand die darin, dass Gitarrist Thomas Priebe durch Uwe Osterlehner ersetzt wurde. DEATHROW schrauben den technischen Anspruch noch ein mal gewaltig hoch. Schwer zu Spielen heißt nicht automatisch guter Song. An so einigen Stellen habe ich den Eindruck, dass die Tour mit VOIVOD ihre Spuren hinterlassen hat. Leider schaffen es die Düsseldorfer im Gegensatz zu den Kanadiern nicht, die Songs nach technischen Sperenzien wieder einzufangen. So bietet ´Deception Ignored´ viele gute Parts aber keine mich überzeugende Songs. Auch nach einigen Durchläufen bleibt mir das zu viel Stückwerk. Die Tatsache, dass Milo nun häufig die hohen Metal Vocals rausholt, macht mir die Platte nicht sympathischer.

Unterm Strich sind die ersten beiden, oft unterbewerteten Alben, spätestens jetzt mit diesem Bonusmaterial und in dieser Aufmachung ein must have für Anhänger des Teutonen-Thrash. Wer es lieber vertrackt hat und nicht so großen Wert auf den Fluss eines Songs legt, sollte sich mit dem letzten Werk der Noise-Ära beschäftigen.