Defamatory – Premature Burial

CD Reviews, Defamatory – Premature Burial

Sex, Drugs & Rock N Roll: Bei uns Europäern ist Kolumbien wohl am ehesten wegen der “Drugs” im Gespräch und für manch einen verblendeten Sextouristen vielleicht auch noch aus dem Grunde der körperlichen Befriedigung. Eine Metalband aus Kolumbien fällt mir jedoch spontan nicht ein. Das soll sich jetzt aber ändern, denn DEFAMATORY stammen aus Kolumbien.

Wenn man bei metal-archives.com mal vergleicht, so werden für Deutschland fast 11000 Bands gelistet, für Kolumbien nicht einmal 1500. Und auch DEFAMATORY stehen erst seit einem guten Jahr auf dieser Liste, denn die Band wurde erst 2016 gegründet. Allerdings handelt es sich bei dem Vierer dennoch nicht um blutige Anfänger, denn alle Mitglieder sind oder waren bereits bei anderen Bands tätig (z.B. IRON COMMAND, DEATH KULT, NO MERCY oder ALCOHOLIC FORCES), die zumeist im Thrash Metal verwurzelt waren oder sind. Mit DEFAMATORY wird ein Gang hochgeschaltet und der musikalische Fleischwolf läuft richtig heiß. Es werden jede Menge Death Metal Riffs verwurstet und das Tempo bewegt sich zwischen stampfender Güterlock beim Rangieren bis hin zum ICE, wenn er mal wieder durch den Wolfsburger Bahnhof donnert ohne anzuhalten. „Premature Burial“ ist das erste Album des Quartetts und Songs wie „Nihilistic Delusion“ oder „Macerated Thoughts“ können durchaus auch überzeugen. Die acht Songs haben meist eine Spieldauer von guten 3 Minuten, so dass die Band genügend Zeit hat, um solide Strukturen zu entwerfen. Moderne Avancen in Richtung Groove-Metal oder Core-Irgendetwas sucht man hier, Gott sei Dank, vergebens, denn die Kolumbianer haben sich voll und ganz der alten Schule verschrieben.

Mit „Premature Burial“ stellen DEFAMATORY ein gelungenes Debüt vor. Mit Blick auf den europäischen Markt wird man jedoch auch feststellen müssen, dass die Jungs sich gegen eine quasi unüberschaubare Masse an ähnlichen Bands durchsetzen müssen. Trotz guter Songs dürfte das schwer fallen, da das Material auf „Premature Burial“ dafür einfach nicht besonders genug ist. Trotzdem dürften DEFAMATORY von ihrem Exotenbonus profitieren und bieten sich somit vielleicht auch für die ein oder andere Sammlung hiesiger Death Metal Fanatiker an. Es lohnt sich also auf jeden Fall die Band mal anzutesten.