Escarnium - Interitus

CD Reviews, Escarnium - Interitus

Testimony Records sind ein noch recht junges Label, das einen guten Riecher beweist. Nach den überzeugenden  DEMONBREED haben sich die Hamburger nun mit ESCARNIUM eine absolut hochkarätige Death Metal Band in den Stall geholt.

ESCARNIUM wurden 2008 in Brasilien gegründet und haben mit ´Excruciating Existence´ in 2012 ihr erstes Album vorgelegt. Nun gibt es vier Jahre später neben einigen Splits das zweite Langeisen.
Im Vergleich zum Debüt ist das neue Material nicht mehr ganz so rau und die Songs wirken ausgefeilter. Etwas schade finde ich, dass der Bass nicht mehr ganz so viel Raum wie auf dem Debüt bekommt. Es ist aber immer noch mehr als bei dem Gros der Veröffentlichungen in diesem Genre.

Vielleicht kennt der ein oder andere die Band vom hörenswerten ´Symphonies Of Madness´Sampler, den  FDA Rekotz in Zusammenarbeit mit Testimony Records veröffentlicht haben. Das dort vertretene, sehr gelungene ´Radioactive Doom´ ist nicht wirklich repräsentativ für die Scheibe, ist es doch der kürzeste und straighteste Track des Albums. ESCARNIUM zeigen über das Album, dass sie mehr können.
Nach einem Intro und vier trockenen Schlägen auf die Snare geht es mit ordentlich Tempo los. Der Opener zeigt, dass immer noch Old School Death Metal angesagt ist. Daran ändert auch der moderner klingende Downbeat Part in der Mitte des Songs nichts - im Gegenteil. Gerade weil dieser Sound so selten und kurz eingesetzt wird, bringt er Abwechslung und Druck in den Song und nutzt sich nicht ab. Nach diesem Part lecken sich viele Modern Groove Metal Bands die Finger.
Aber ESCARNIUM beweisen in der Folge, dass sie dieses Stilmittel nicht brauchen, um dem Song Macht, Druck, Groove und eine düstere Atmosphäre mitzugeben. Es ist beachtlich, wie abwechslungsreich ´Interitus´ daher kommt und dabei konsequent in den Genregrenzen bleibt. Die sind dann doch weiter gesteckt als viele meinen. Das reicht von Stellen wie dem Mittelteil bei ´Starvation Death Process´, der mich stark an CARCASSS erinnert, bis zu immer wieder eingebauten erhaben klingenden Parts, die die Assoziationen zu DISSECTION in ihren besten Zeiten wecken.

Ein wirklich gelungenes Cover und ein perfekt zur Mucke passender Sound von  Bart Van Der Wal (ABORTED) in den Hewwetover Studios runden diese Scheibe ab.

Mehr als ´Interitus´ bietet, kann und will ich von einer Scheibe dieses Genres nicht erwarten.  Insofern hoffe ich, dass hier Nomen nicht gleich Omen ist und diese Band auch ohne großes Label die Unterstützung bekommt, die sie verdient. Die Band hat geliefert, nun liegt es an uns, ob ´Interitus´ einen Ascensus erlebt.