Eskimo Callboy - The Scene

CD Reviews, Eskimo Callboy - The Scene

Der Titel des neuen Longplayers ist richtig gut gewählt. Denn unbestreitbar machen die Jungs von ESKIMO CALLBOY Musik für die Szene und surfen dabei virtuos auf der Welle dessen, was gerade angesagt und der "heiße Scheiß" ist, um einmal Karin Göring-Eckardt von den Grünen zu zitieren.

In diesem Zusammenhang ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, wenn Drummer David Friedrich uns bei dem Fernsehformat "Bachelorette" ein paar unvergessliche Momente geschenkt hat. Somit gehört er zu den V.I.P., denen der Dschungel oder auch das Promi-Big-Brother-Haus weit offenstehen.

Aber zurück von der Promotion-Maschinerie zur Musik. ESKIMO CALLBOY gehen ihren eingeschlagenen Weg soudmäßig konsequent weiter und stellen auch dieses Mal wieder eindrucksvoll unter Beweis, dass sie ein Händchen für eingängige, poppige Melodien haben, die je nach Song in verschiedener Intensität in crossoverige Brutalität und in disco-ambientmäßge Atmosphäre eingebettet werden. Daneben bleibt aber auch Platz für nachdenkliche, melancholische Stimmungen ('Calling'). Ein pittoreske Schmachthymne, die man so auch von anderen Metalcore-Ikonen erwarten kann. 'Rooftop' bedient dann die Party-Crossover-Fraktion, zumindest im Hinblick auf den Sprechgesang und die rappigen Riffs, auch wenn die Gangster-Rap-Attitüde durch die diskomäßige Hymnik wieder eingefangen wird.

Das gilt auch für die Songs, für die man sich Hilfe gesucht hat, nämlich den Titeltrack featuring Chris "Fronz" Fronzak von der Deathcoreband ATTILA, oder für 'Nightlife', ein Song, der durch Little Big veredelt wird. Natürlich können auch wieder die Breakdowns und Hooks überzeugen ('Back In The Bizz'), in 'MC Thunder' könnten dann die Gegensätze nicht größer sein, doch wie von Zauberhand werden auch die musikalisch unüberwindbar erscheinenden Klippen mühelos überwunden. Das ist eben der genuin eigene Sound der Jungs aus NRW. Verhalten gute Laune verbreitet dann der Track 'The Devil Within', wohingegen 'VIP' um einiges rockiger daherkommt. Es wird also auch nicht langweilig!

Fazit: Auch mit "The Scene" legen ESKIMO CALLBOY ein gelungenes Album vor, das sich gekonnt im Spannungsfeld von druckvollem Crossover mit Gangsta-Rap-Attitüde und atmosphärischer eingängiger Diskomucke mit Pophymnen-Faktor bewegt. Das ist natürlich nichts für die Puristen, aber für alle anderen durchaus eine Versuchung wert!