Gruselkabinett – H.G. Wells – Die Insel des Dr. Moreau (122)

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Markerschütternde Schreie lassen es dem Hörer kalt den Rücken herunter laufen. In der „biologischen Station“ des Dr. Moreau, die von den Inselbewohnern nur „Haus der Schmerzen“ genannt wird, gehen merkwürdige Dinge vor.

Edward Prendick, der Erzähler der Geschichte, wird als einziger Überlebender eines Schiffsunglücks auf einem anderen Schiff wieder aufgepäppelt. Die Ipecacuanha hat eine merkwürdige Ladung. Neben Dr Moreaus Gehilfen Montgomery und dessen seltsam entstellten Diener M’ling führt das Schiff Tiere. Als Kannibale verdächtigt, wird Prendick schließlich vor der Insel des Dr. Moreau in ein Bot gesetzt und sich selber überlassen, bevor er schließlich in einem abgeschiedenen Zimmer der „biologischen Station“ Unterschlupf findet. Umgeben von seltsamen Kreaturen – halb Mensch, halb Tier – wird Prendick Zeuge von Moreaus grausamen „Forschungsexperimenten“. Die Ergebnisse dieser Experimente leben als Tiermenschen in einer Siedlung und werden durch eine Sammlung von „Gesetzen“ in Schach gehalten. Doch schließlich fallen die Kreaturen in ihr tierisches Verhalten zurück und nehmen Rache an ihrem „Schöpfer“. Prendick gelingt die Rückkehr nach England. Allerdings gelingt es ihm nicht in die Zivilisation zurückzukehren und so fristet er sein Leben in der Abgeschiedenheit seiner Bibliothek.

H.G. Wells, vielen vielleicht als Autor von „The Time Machine“ und „The War of the Worlds“ bekannt, feierte seine literarischen Erfolge um die Jahrhundertwende. In „Die Insel des Dr. Moreau“ werden Elemente des klassischen Abenteuerromans mit Elementen der Science-Fiction und des Schreckens- bzw. Horrorromans verbunden. Vor allem die Schreie des gequälten Puma-Menschen, intoniert von Marc Gruppe, erzeugen Gänsehaut. Doch davon abgesehen erzeugt bereits die Einstiegssequenz, in der Prendick in einem kleinen Boot zum Kannibalen werden soll, ein beklemmendes Gefühl der Einsamkeit und Hilflosigkeit. Für mich trägt gerade die Inszenierung durch den Ich-Erzähler zu dieser Stimmung bei. Neben der entsetzlichen Skurrilität der Idee der „biologischen Forschungsstation“ – Wells selbst war übrigens auch Anhänger der sozialdarwinistischen Idee – sorgen vor allem die gut in Szene gesetzten Tiermenschen für Unwohlsein beim Hörer.

Wer Horror sucht, der wird in der 122. Folge des Gruselkabinetts fündig. Einmal mehr gelingt es Gruppe und Bosenius durch ihre Inszenierung für schaurige Beklemmung beim Hörer zu sorgen. Zum Erfolg des Hörspiels trägt neben den zahlreichen namenhaften Sprechern auch das gelungene Coverartwork bei.