Hanging Garden - I Am Become

CD Reviews, Hanging Garden - I Am Become

Man darf die Hoffnung nie aufgeben. Wenn man dieses Motto beherzigt, kann man auch an das neue Opus der finnischen Atmosphärik-Metaller von HANGING GARDEN unvoreingenommen herangehen, schließlich erinnert man sich immer gerne an das Meisterwerk „At Every Door“ zurück, auf dem die todesmetallischen Anteile noch stilbildend waren. Dann gingen die Finnen den PARADISE-LOSTschen Weg nach „Icon“ und verschrieben sich der Experimentalität und drifteten mehr und mehr ins elektronisch Dark-Rockige ab. 

Mit „I Am Become“ scheint das Pendel wieder zurückzuschlagen. Denn die atmosphärischen, nachdenklichen und melancholischen Melodien werden in den ersten beiden Tracks einem höheren Maß an Brutalität ausgesetzt. Gleichzeitig stehen wieder infernale Growls im Mittelpunkt. Das kann mitunter auch daran liegen, dass man sich für das Mikro Hilfe bei Tomi Joutsen (AMORPHIS) und Niko Kalliojärvi (AMORAL, HUMAVOID) geholt hat. Aber auch bei den Songs, die ruhiger, wehmütiger und sehnsuchtsvoller, inklusive leidender klarer Vocals, beginnen, lässt die Härte nicht lange auf sich warten ('Elysium'), Gleiches gilt für die biestigen Gesänge.

Dann ist es der Kontrastcharakter, der die besondere Intensität der Stimmung erzeugt. Richtig quirlig und druckvoll zeigen sich HANGING GARDEN in 'Our Dark Design', DEPECHE-MODEartige Düsternis erzeugt in 'Kouta' eine überaus melancholische Hymnik, wobei die phasenweise „roboterverzerrte Stimme“ für eine Reminiszenz an die 80er Jahre sorgt. Herausragend, auch wegen der vielen Facetten, ist 'From Iron Shores'. Beim Lesen des nächsten Songtitel machte mein Herz einen gewaltigen Sprung, denn 'One Hundred Years' hätte ja durchaus der Coversong des THE CURE Klassikers und Openers von „Pornography“ sein können, zumal auf der selben Platte ja auch der Track 'The Hanging Garden' zu finden ist. Aber weit gefehlt, dennoch hat der Track viel THECUREiges, und zwar die tiefgehende Schwermut und den druckvolle Bass. Auch 'Forty One Breaths' bewegt sich gekonnt im Spannungsfeld von Sehnsucht, Wehmut und Hoffnung, wohingegen dem Rausschmeißer 'Ennen' durch die weiblichen Gesangsnuancen noch eine gehörige Portion Leidenschaft verliehen wird.

Fazit: HANGING GARDEN sind für mich die Überraschung dieses Herbstes. Denn auf ihrem neuen Longplayer „I Am Become“ finden die Finnen zu alter Stärke zurück, vermögen sie es doch, ihre überaus melancholischen, sehnsüchtigen und schwermütigen Melodien genau der richtigen Portion infernaler, brutaler Härte auszusetzen. Endlich einmal wieder ein Album, das organisch wie aus einem Guss klingt. Atmosphärischer Qualitätsmetal made in Finland!