Insanity – Toss a Coin

CD Reviews, Insanity – Toss a Coin

Wir schreiben das Jahr 2017. Es ist kaum noch zu übersehen, dass wir uns seine Generation von oberflächlichen Idioten heranzüchten. In der Bundespolitik wird allein die Nominierung eines Kanzlerkandidaten gefeiert wie die Rückkehr des Messias. Ein amerikanischer Comedian spielt im Weißen Haus die Rolle seines Lebens.

Auf beiden Seiten der Kasernenmauern echauffieren sich die Menschen und tun so als sei das Problem „Innere Führung“ der Bundeswehr ein neues Phänomen. Da lechzt man doch regelrecht nach irgendetwas Echtem. Die Deutungsmacht der omnipräsenten (sozialen) Medien und der damit verbundene Selbstdarstellungsdrang der Menschen führt immer mehr dazu, dass jedes Ereignis – und sei es auch noch so irrelevant – zu einer Sensation verklärt und aufgebauscht wird. Schon im Kleinkindalter werden die Kinder mit Preisen und überschwenglichem Lob überhäuft, wenn sie ganz selbstverständliche Dinge tun. Als Konsequenz singt die Frustrationsgrenze langsam aber sicher in den Minusbereich und nicht nur den Jugendlichen fällt es zunehmend schwer zu erkennen was bedeutsam ist und was nur aufgebauscht wurde. Das schlägt sich nicht zuletzt auch in der Flut von mittelmäßigen Veröffentlichungen nieder, die wie ein Tsunami durch alle medialen Kanäle gebraust kommt. In einer Welt in der es weniger um den Genuss von Musik als vielmehr nur noch um den schnellen Konsum mittels irgendwelcher Streamingportale geht, wird es oftmals unmöglich die Spreu vom Weizen zu trennen. Musik ist längst zum Wegwerfprodukt geworden und jeder Furz – egal ob Schlager oder Crust Core – wird mit dem Attribut „Rock N Roll“ versehen. Früher waren MOTÖRHEAD und LEMMY Rock N Roll. Heute sind es vor allem geschniegelte Bankangestellte mit lachsfarbenem Poloshirt und Vollbart und gealterte Werbefuzzis, die sich von ihren Kindern Dad nennen lassen und auf Konzerten nur ungerne auf den kunstvoll verschlungenen Schal um den Hals verzichten möchten.

Wie erfrischend wirkt da eine Scheibe wie „Toss a Coin“. Die Schweizer INSANITY klingen authentisch und echt. Obwohl die Band noch jung an Jahren ist und erst 2013 ihr erstes Album „No Limits“ an den Start brachte, erinnert der Sound der Eidgenossen an die Großen der Hardcore Szene. Von daher überrascht es auch nicht, dass der Fünfer bereits mit Bands wie AGNOSTIC FRONT, HATEBREED, MADBALL, S.O.I.A. & Co die Bühne teilte. Neben brachialer Härte (die stellenweise an Bands wie THE PROPHECY23 erinnert) und breiten Riffwänden überzeugt die Band vor allem durch ihre Eingängigkeit. Songs wie die erste Videosingle „Down“ oder das süchtig machende „$laves“ heben INSANITY aus der Flut der durchschnittlichen Hardcore Kapellen heraus. Auch Titel wie „No Tolerance For Intolerance“ oder der Titelsong „Toss A Coin“ sind dazu geeignet den Pit zum überkochen zu bringen. Zwar bewegen sich alle Songs auf hohem Niveau, doch können nicht alle Titel an Highlights wie „$laves“ oder „Down“ heranreichen!

INSANITY klingen echt, keine Plastikband aus der Retorte. Die Songs auf „Toss a Coin“ erzeugen mehr Energie als eine Palette Red Bull und sie versprühen mehr Spielfreude als der RB Leipzig in seiner ersten Bundesligasaison. Die Schweizer haben ihre Hausaufgaben gemacht und schließen mit ihrem dritten Album zu den Spitzenvertretern ihrer Zunft auf! Absolut empfehlenswert!