Terror

Interpol - Marauder

CD Reviews, Interpol - Marauder

Es gab einmal eine Zeit, in der Bands wie die EDITORS, THE NATIONAL oder eben INTERPOL die wirklich guten Parties beherrschten und für nicht allzu gute Laune, dafür aber für unvergessliche Momente gesorgt haben. Vorbei ist die Zeit, was zum einen daran liegt, dass sich angesagte Bands nach erfolgreichen plötzlich verändern oder neu erfinden wollen. Wozu? Der Mensch ist doch ein Gewohnheitstier. Zum anderen hat es der Alternative Rock in einer von Poser-Rap, Porno-R'n'B oder Sauf-Schlager geschwängerten Welt nicht so leicht.

Da trifft es sich gut, dass zumindest INTERPOL mit ihrem neuen Opus „Marauder“ nicht nur an alte Zeiten anknüpfen können, sondern wohl ihr bisher bestes Album herausgebracht haben. Denn die New Yorker feuern ein wahres Düster-Hymnen-Feuerwerk ab, dass den gleichen Effekt hat, als wenn nach sechs Wochen Hitze und Trockenheit der erste Gewitterregen niedergeht. Hammer.

Man höre nur Songs wie 'Stay In Touch', der von einer barockhaften Intensität geprägt ist, aus der immer wieder fordernde Sehnsucht ausbricht, natürlich unterstützt von den einzigartigen und düsteren Vocals von Frontmann Paul Banks, den Herzschmerz verursachenden Bass, den prägenden Drums und natürlich von den sich mitunter noisig-überlagernden Gitarren.

Daneben haben es die Jungs auch nicht verlernt, Songs mit epischen wehmütigen Refrains und furiosen Enden zu schreiben ('Mountain Child'). Weltklasse. Wer möchte, kann in 'Nysmar' Einflüsse von JOY DIVISION hineininterpretieren, während 'Surveillance' etwas schwebender, schwereloser und schwindeliger daherkommt. Von dem Ende der Party handelt dann der wehmütige Song 'Party 's Over'. Wer kennt dieses Gefühl nicht, jetzt gibt es auch das passende Lied davon. Interessant ist zudem, dass es auf dem Album auch zwei instrumentale Interludien gibt, deren Funktion sich allerdings nur schwer erschließen lassen. Richtig eingängig ist zudem 'The Rover', Ähnliches gilt für 'Flight Of Fancy', ein Track, der aber um einiges niederdrückender ist, auch wenn die verhaltenen optimistischen Momente nicht fehlen.

Fazit: INTERPOL haben mit „Marauder“ wirklich ein alternative-rockiges Düster-Opus der Extraklasse erschaffen, das nicht nur das eigene bisherige Schaffen in den Schatten stellt. Endlich gibt es wieder neue Musik für all diejenigen, die sich ihrer Sehnsucht, ihrer Wehmut, ihrer Melancholie und ihrer Niedergeschlagenheit anspruchsvoll, leidenschaftlich und gepflegt hingeben möchten. Es muss ja nicht immer JOY DIVISION, THE CURE oder KATATONIA sein.

Line Up

Paul Banks
Daniel Kessler
Samuel Fogarino

Tracklist

01. If You Really Love Nothing
02. The Rover
03. Complications
04. Flight Of Fancy
05. Stay In Touch
06. Interlude 1
07. Mountain Child
08. Nysmaw
09. Surveillance
10. Number 10
11. Party 's Over
12. Interlude 2
13. It Probably Matters