Judas Priest – Firepower

CD Reviews, Judas Priest – Firepower

Die ersten Ausläufer des „Firepower“ – Wirbelsturms sind sowohl musikalisch als auch medial bereits auf die Fans niedergeprasselt. Mit ersten Hörproben wurde den Jüngern der Mund ordentlich wässrig gemacht und mit einem Schlagabtausch zwischen der Band und dem ehemaligen Axtmann K.K. Downing ließ man es auch im Blätterwald ordentlich rascheln.

Während viele ehemalige Wegbegleiter in den Ruhestand gehen oder bereits das Zeitliche gesegnet haben, schaute PRIEST Frontmann Rob Halford jüngst in einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse ganz gelassen in die Zukunft und verkündete, dass der Ruhestand für die britischen Stahlarbeiter noch kein Thema sei. Immerhin steht 2019 das 50. Bandjubiläum vor der Tür. Mit „Firepower“ und „Lightning Strikes“ haben die Priester bereits richtig starke Nummern abgelie-fert und den (gar nicht schlechten) Vorgänger „Reedemer of Souls“ vergessen gemacht – obwohl ich u.a. den Titeltrack auch durchaus gelungen fand. Doch machen wir uns nichts vor, Fans und Freunde der Band warten wohl seit fast dreißig Jahren auf den legitimen Nachfolger zu „Painkiller“. Besagte Songs des 18. Studioalbums dürften sicherlich dazu beigetragen haben, dass die Erwartungen bei nicht wenigen Jüngern entsprechend hoch sind. Während „Firepower“ und „Lightning Strikes“ auf meinem ersten Vorab-Stream am Anfang des Albums standen, beginnt die tatsächliche Scheibe mit „Children of the Sun“, welches deutlich gemächlicher in den Ring steigt und eher die rockige Seite des Albums repräsentiert. „Evil Never Dies“ macht da schon mehr Spaß, vor allem wenn Halford zum Refrain so richtig bissig und böse kreischt. Mit „Firepower“ kommt dann der erste „Painkiller“reske Double-Bass NWoBHM Knaller, der dann von einem typischen PRIEST Rocker namens „Flame Thrower“ abgelöst wird. Das melodiöse Piano Intermezzo „Guradians“ leitet dann zur zweiten Single „Lightning Strikes“ über. Hier darf man ruhig mit einer Träne im Auge an selige „Painkiller“ Zeiten denken. „Lone Wolf“ gibt Zeit zum Durchatmen, verfällt aber nicht in poppiges Gefuschel, sondern zeigt eine zeitgemäße Interpretation des britischen Stahls. „Necromancer“ zieht das Tempo wieder etwas an und zeigt Halford abermals in Hochform, während Faulkner und Tipton ein typisches PRIEST Riff nach dem anderen abfeuern. Danach erinnert „Never The Heroes“ zunächst an einen durchgedrehten DJ beim Autoscooter, doch der Song fängt sich, spielt aber zu sehr auf Nummer sicher. „Rising From Ruins“ könnte programmatisch verstanden werden und verbindet irgendwie die „Screaming…“ mit der „Turbo“ Ära. Mit „Sea of Red“ gibt es dann noch eine Art NWoBHM Power Ballade. Nun gut… Und mit „Spectre“ geht es dann groovend weiter. Ein schneller Song im Stile von „Firepower“ hätte der Scheibe hier gut getan. Der folgt dann aber am Ende mit „Traitors Gate“ und führt zum versöhnlichen Abschluss. Unterm Strich dürfte „Firepower“ das am besten geeignete „Painkiller“-Nachfolgealbum seit 1990 darstellen, auch wenn die Scheibe das hohe Level nicht über die gesamte Spielzeit halten kann, was – meiner Meinung nach – bereits durch den eher mittelprächtigen Opener angekündigt wird. Dennoch enthält die Scheibe eine ganze Reihe richtig guter JUDAS PRIEST Songs und sowohl Faulkners Einfluss als auch die kraftvolle Produktion von Andy Sneap haben dem Album hörbar gut getan. Sollte dies wider Erwarten das letzte Studioalbum von JUDAS PRIEST werden, so hätte sich die Priester mit einem mehr als versöhnlichen Album verabschiedet.

Line Up

Ian Hill

Rob Halford

Glenn Tipton

Scott Travis

Richie Faulkner