Metallica – Master of Puppets (Remastered Expanded Version)

CD Reviews, Metallica – Master of Puppets (Remastered Expanded Version)

“This album is like Van Damme's kick in your face. You don't get up“ So urteilt ein Fan auf METALLICAs Website. Vor gut 30 Jahren ist das dritte Album – das letzte mit Basser Cliff – erschienen und bis heute hat dieser Meilenstein des Thrash Metal nichts von seiner Größe und seinem Glanz verloren.

Nach „Kill ‘Em All“ und „Ride The Lightning“ gelangt nun eine ganze Batterie unterschiedlicher Versionen des ersten echten Thrash Metal Albums aus der Feder von Hetfield & Co in die Läden. Angefangen bei der schlichten Albumversion, über Vinyl und Box-Set ist für die verschiedenen Geldbeutel und Geschmäcker etwas dabei.

Mit liegt die „Remastered Expanded“ Version mit 3 CDs vor. Howie Weinberg (u.a. AEROSMITH, VAN HALEN, 3 DOORS DOWN, NIRVANA) hat das neue Mastering übernommen und versucht die ursprüngliche Version von George Marino aus dem Jahr 1986 für das 21. Jahrhundert anzupassen. Das Album war seinerzeit von Flemming Rasmussen produziert und von Michael Wagner gemixt worden. Das Team verpasste der Scheibe einen Sound, der bei vielen Fans heute noch wohlige Gänsehaut erzeugen dürfte.

Über die musikalische Qualität solcher Songs wie „Battery“, „Master of Puppets“, „Welcome Home“ oder „Damage Inc.“ muss ich hier keine weiteren Worte verlieren. Hetfield und Ulrich befanden sich auf dem Höhepunkt ihrer Kreativität. Als Beiwerk haben die Kalifornier zwei weitere CDs ausgewählt. Zum einen handelt es sich dabei um „Riffs, Demos, Rough Mixes & Interviews“, zum anderen um eine Liveaufnahme von der „Damage, Inc. Tour“. Die erste Bonus-CD enthält Aufnahmen aus dem Jahr 1985, die z.T. im Proberaum oder bei den Musikern entstanden sind und wohl den Entstehungsprozess der 8 Albumsongs nachzeichnen sollen. Darüber hinaus gibt es noch eine Demoversion des FANG Songs „The Money Will Roll Right In“ sowie des DIAMOND HEAD Tracks „The Prince“. Den Abschluss bildet ein Interview mit dem kurz darauf tödlich verunglückten Cliff Burton.

Die zweite Bonus CD enthält 14 Livetracks von verschiedenen Konzerten der „Damage, Inc. Tour“. So wurde „Ride the Lightning“ etwa in der Grugahalle in Essen mitgeschnitten. „Fade to Black“ stammt von der letzten Show mit Cliff und wurde von einem Fan in Stockholm mitgeschnitten. In derselben Nacht kam der Tourbus der Band von der Straße ab und begrub Basser Cliff unter sich.

Insgesamt ist die Soundqualität der Liveaufnahmen sehr dürftig – nennen es wir mal positiv roh und ursprünglich. Im Grunde ist die Livescheibe aber vergleichbar mit den Bootlegs der 80er und 90er (ich denke an Aufnahmen der Super Rock Shows aus Deutschland usw.) sowie heutigen YouTube Mitschnitten. Hinzu kommt, dass einem die Leads und Soli verschiedentlich die Schuhe ausziehen, z.B. bei „Master of Puppets“.

Ich bin hin und her gerissen: Auf der einen Seite hat das Bonus-Material einen gewissen Nostalgiewert, aber wer hört sich tatsächlich mehrfach eine ganze Scheibe mit Demosongs an, die oft auch ohne Gesang sind? Ich mache das aus Neugierde einmal und dann nie wieder.

Grundsätzlich bin ich kein Gegner von Livealben, im Gegenteil. Mir gefällt die oftmals rohe Kraft und Ungeschminktheit von Liveversionen. Allerdings finde ich, dass die Band für diese Expanded Version eine qualitativ hochwertigere Livescheibe hätte auswählen können, bei der man die Anlage nicht bis zum Anschlag aufreißen muss, um überhaupt etwas zu hören. Die Deluxe-Box enthält genügend Bonus-CDs die vielleicht interessanter gewesen wären. Ich denke da z.B. an die CD mit Jason’s Auditions“.

Davon abgesehen versöhnt diese Version mit einer wertigen Aufmachung. Zum einen gibt es ein hübsches Prägecover und zum anderen ein fettes Booklet mit vielen nostalgischen Bildern aus der guten alten Zeit sowie Lyrics und Informationen.

Fazit: Die „Remastered Expanded“ Version des Kultalbums überzeugt nur teilweise. Ein nach wie vor geniales Album, eine wertige Aufmachung und viel Nostalgie mögen den – für heutige Verhältnisse – moderaten Preis von gut 20€ (allerdings finden sich schon jetzt Anbieter, die knappe 40€ aufrufen) rechtfertigen. Jedoch habe ich meine Zweifel, dass die Qualität der Bonus-CDs genug Kaufanreiz für alte Fans darstellt und die jüngeren Fans der HD-Generation dürften noch höhere Ansprüche an die Soundqualität haben. Insofern würde ich – sofern es der Geldbeutel erlaubt – die Deluxe Box vorziehen – diese ist allerdings auf manchen Verkaufsplattformen nach VÖ auch schon auf über 200€ geklettert. Da lohnt sich fast der Flug in die USA, denn dort ist das Ding für etwas 110€ zu bekommen.