Miozän – Surrender Denied

CD Reviews, Miozän – Surrender Denied

Selbst mit der Stichsäge eines deutschen Markenherstellers scheint es 2017 nicht mehr möglich einen einfachen geraden Schnitt durch ein Brett zu machen – Schnittschiene hin, Laserführung her. Das war früher doch irgendwie anders. Aber es gibt auch Dinge, die sich über die Jahre ständig verbessert haben. Beispielsweise die Niedersachsen von MIOZÄN.

Die norddeutschen Hardcorler hatten zwar aus verschiedenen Gründen eine längere Pause eingelegt, doch in dieser Zeit haben sie nichts verlernt. Schon der Opener „Broken Wing“ könnte sicherlich einen sauberen Schnitt in ein Stahlrohr flexen. Dass man ohne viel Schnick-Schnack auskommen kann, beweisen nicht nur die zwölf Songs auf „Surrender Denied“, sondern wird auch in „4 Chord Truth“ besungen. Ein echtes Melodic-Hardcore Kraftpaket ist „No More Words“, welches die Konkurrenz blass aussehen lässt.

Auf „Surrender Denied“ zeigen Kuddel, Frank & Co, dass man für guten Hardcore nicht über den großen Teich blicken muss. Kollege Lison wird ja nicht müde zu betonen, dass auch Deutschland schöne Ecken habe. Und genauso verhält es sich mit der musikalischen Landkarte. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch direkt vor der niedersächsischen Tür liegt.

„Surrender Denied“ spielt für die Urmitglieder sicherlich auch persönlich eine ganz besondere Rolle, doch auch wenn man die biographischen Hintergründe der Scheibe ignoriert, ist MIOZÄN mit „Surrender Denied“ ein richtig amtliches Hardcore Album gelungen, welches gekonnt Melodie, Eingängigkeit und Brutalität verbindet.

Während sich heute viele Fans auch mit dem krummen Schnitt der Stichsäge zufrieden geben, rüste ich lieber auf: handwerklich und musikalisch. Wenn das Ergebnis mit ner fetten Kappsäge immer noch nicht überzeugt, zerhaue ich die Latte einfach beim Pogo auf dem Rücken eines Hardcore-Punks.

Handwerk hat goldenen Boden und MIOZÄN liefern erstklassige, handgemachte Arbeit ab. „Light up the Stake“, „No More Words“, „Straight from the Heart“ oder „Broken Wings“ dürften locker für den Meisterbrief reichen.