Pop Evil – Pop Evil

CD Reviews, Pop Evil – Pop Evil

Es ist „Alles-ist-möglich-Donnerstag“ und ich ziehe los, um das Weltbild der bekennenden Bartträger Hübner und Zosse ein weiteres Mal in den Grundfesten zu erschüttern. POP EVIL rotiert nun bereits seit einigen Tagen in meinem Player und weiß zugefallen. So, jetzt ist es raus. Das zweite moderne Album innerhalb einer Woche.

Während der Hübi schnell unterm Sauerstoffzelt verschwindet und Zosse den Defibrillator auf höchste Stufe dreht, erzähle ich euch schnell etwas über das sechste Album der Post-Alternative-Hard Rocker POP EVIL. Einen besseren Namen hätten sich die Jungs aus Michigan gar nicht aussuchen können, denn er trifft genau den Kern ihres musikalischen Schaffens: Rockige Popmusik oder poppige Rockmusik – you name it. Genau die richtige Mischung also, um dem Mädchen eurer Träume den harten Kerl vorzutäuschen, obwohl ihr eigentlich Angst vor Stromgitarren habt und eigentlich lieber gemütlich zu HAFTBEFEHL durch die Kneipengasse cruisen würdet. „Walking“ Lions“ und „Colors Bleed“ stimmen in bester P.O.D. trifft R.A.T.M. Manier auf einen musikalischen Reigen á la Spät-90er Jahre College-Party ein. Mit „Ex Machina“ und „Art of War“ werden dann die Nu Metal Jünger von der Theke auf die Tanzfläche gebeten, um einmal gepflegt zu a-rhythmischen Riffs die müden Knochen zu schütteln und dann und wann wütend in die Lust zu boxen. CLAWFINGER lassen grüßen.  Mit „Be Legendary“ wird es dann wieder etwas eingängiger und melodischer. Mit ständigen Dissonanzen wird man eben keine Legende. Und die hohen Chartplatzierungen vom Vorgänger lassen sich am ehesten mit Songs wie „Nothing But Thieves“ und „God’s Dam“ wiederholen, denn der Song schreit förmlich nach dem US-amerikanischen Rock Radio. Er lässt sich bestens zwischen ein bisschen CREED, LIMP BIZKIT und 3 DOORS DOWN einschieben. Mit dem langsamen und eingängigen „A Crime To Remember“ wird der für meinen Geschmack beste Teil der Scheibe eingeläutet. Dem truen Metalfan wird der Song die Fußnägel vor Schreck von den Quadratlatschen purzeln lassen, aber wer auch ab und zu mal einem poppigen Rocksong huldigt, bekommt hier die volle Ladung. „When We Were Young“ ist ein anderer Ohrwurm verdächtiger Ropper – eine gelungene Mischung aus Rocker und Popper und für mich der Höhepunkt des Albums. Mit „Birds of Prey“ gibt es eine weitere Hommage an Bands wie THREE DAYS GRACE, STAIND, LINKIN PARK, PAPA ROACH & Co. Und mit der Ballade “Rewind” rufen POP EVIL all die traurigen Emotionen der Hochzeit der Alternative-Rock Bewegung wieder in Erinnerung. Besser könnten sie das Album nicht beschließen als mit diesem Song. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, wie ich mit dem Kollegen Lison in seinem froschgrünen Lupo dem Sonnenuntergang entgegen fahre, dann würde ich jetzt die Rewind-Taste an seinem VW-Tapedeck drücken und mindestens bis „A Crime To Remember“ zurückspulen.

Bleibt nur die Frage, was an den Jungs evil ist… ganz einfach: Indem ich einen Song mit in unsere Radiosendung nehmen werde, nehme ich dem Kollegen Lison gleich Wind aus den Segeln, bevor er mich wieder mit seiner Playlist des Grauens überfallen kann. Ein teuflischer Plan!

POP EVIL kellnern mit dem selbstbetitelten Album genau das, was die Fans bestellt haben: poppige Rocksongs mit einem Hauch Melancholie und jeder Menge Reminiszenzen an die großen Namen der Szene. Top.