Terror

Quasarborn - The Odyssey to Room 101

CD Reviews, Quasarborn - The Odyssey to Room 101

“2 +2 = 5” – Im Raum 101 wird auch der stärkste Wille gebrochen. Der Albtraumort aus George Orwells dystopischem Roman „1984“ diente bereits als Vorlage für unzählige Filme, Serien, Songs. Seid ihr bereit für eine Reise an diesen Ort? Dann lehnt euch zurück, dreht den Lautstärkeregler auf und drückt die Playtaste.

Fast scheint es, als würde die brutale Macht des „Ministeriums der Liebe“ aus OUASARBORNs Songs strömen: feinster Thrash Metal gepaart mit Melodien und technischen Passagen. Auferstanden aus der Asche von SPACE EATERS formten Đorđe Luković (Gitarre und Backing Vocals), Marko Danilović Tihi (Drums) und Luka Matković (Gitarre und Lead Vocals) 2016 QUASABORN. Mit Miloš Tomasović war schnell der richtige Mann für den Vier-Saiter gefunden und im März 2018 gab es mit „Blood Honey“ eine erste Single der Jungs aus Belgrad.

„The Odyssey to Room 101“ steht zwar produktionstechnisch mit beiden Beinen fest im 21. Jahrhundert und doch reichen die musikalischen Wurzeln hörbar bis in die späten 80er und 90er Jahre zurück: hier eine Priese GRINDER, dort ein wenig CORONER, CYCLONE oder POLTERGEIST und hin und wieder ein Gramm MEKONG DELTA (wenn auch nicht ganz so technisch!). Luka glänzt sowohl durch aggressive Shouts als auch durch verständlichen Thrash Gesang – aber keine Angst, hier geht es nirgendwo um irgendwelche Pseudo-Thrash Sachen aus der Metalcore Ecke. Die Jungs fahren aber nicht nur Vollgas, sondern bearbeiten zwischendurch auch ruhig mal die Akustikklampfe (z. B. „Transendence“), was zu keiner Zeit weichgespült oder unpassend klingt. Im Gegenteil, Bands wie TESTAMENT haben ja hinlänglich bewiesen, dass die Akustikgitarre integraler Teil guter Thrash Metal Songs sein kann. Doch selbst auf der Überholspur verfällt das Quartett nicht in stumpfes Gebolze, sondern variiert ausreichend und baut selbst noch einige Melodien ein (z.B. „Escape into Reality“). Das Ganze gipfelt schließlich im achtminütigen Titeltrack am Ende der Scheibe, deren  selbstentworfenes Äußeres kaum auf eine Thrash Metal Band hinweist. Aber die Jungs haben mittlerweile so viel Erfahrung gesammelt, dass sie nichts dem Zufall oder – noch schlimmer – Fremden überlassen wollen: Luka hat die Scheibe aufgenommen und gemixt und Tihi zeichnet für die optische Umsetzung verantwortlich.

Für viele Metalheads ist der Osten ja noch ein weißer Fleck auf der Landkarte, aber in letzter Zeit gibt es gerade aus Serbien immer mal wieder vielversprechende Alben: INFEST dürften zu den bekanntesten Vertretern gehören, aber auch die Mädels von JENNER haben 2017 mit „To Life Is To Suffer“ ein hörenswertes Thrash Metal Debüt präsentiert. Mit NEMESIS hat Belgrad zudem ne amtliche Damen-Death Metal Mannschaft!

QUASARBORN liefern mit „The Odyssey to Room 101” ein beachtliches Debüt ab, mit dem sie so mancher etablierten Band einen ebensolchen Schauer über den Rücken jagen werden wie der Verhörraum in Orwells Roman bei seinem Helden Winston. Anspruchsvoller, technischer Thrash Metal mit gutem Händchen fürs Songwriting. Starkes Album!

Anspieltipps sind der Opener „Crash Course Into Life“, der wohl zu den eingängigsten Songs der Scheibe gehört, und das starke „The Underdog League“ mit seinen Ausflügen in den Death Metal.

 

Im September gibt es die Jungs auch live in Deutschland zu sehen: eine Station ist Hildesheim! Nicht verpassen!

Line Up

Đorđe Luković (Gitarre und Backing Vocals)
Marko Danilović Tihi (Drums)
Luka Matković (Gitarre und Lead Vocals)
Miloš Tomasović  (Bass)