Scanner – The Judgement

CD Reviews, Scanner – The Judgement

An Tagen wie heute überlege ich mir auch, ob es nicht sinnvoll wäre, unsere alte Band wieder mit neuem Leben zu erfüllen und endlich das freie Leben des Rockstars auf der Straße und den Bühnen dieser Welt zu genießen. Na ja, man wird ja noch träumen dürfen. Und den passenden Soundtrack zum Senken des Blutdrucks nach einem Tag mit pubertierenden Neuntklässlern haben SCANNER vorgelegt.

13 Jahre war es ruhig geworden, um die Band aus Nordrhein-Westfalen. Vom letzten Line-Up ist mal wieder nur Gitarrist Axel übrige geblieben. Er ist ja bekanntlich auch der rote Faden in der Bandgeschichte. Sängerin Lisa Croft wurde durch den griechischstämmigen Efthimios Ioannidis ersetzt und mit dieser Wahl haben SCANNER wirklich ein glückliches Händchen bewiesen. Als ich die Band das letzte Mal Mitte der 90er auf dem WACKEN Open Air gesehen habe, hatte ja noch Leo Szpigiel am Mikro gestanden. Ich bin also gespannt, ob sich ein Comeback nach 13 Jahren lohnt.

Die knappe Minute für das Intro sei der Band gegönnt. Doch dann bricht die Hölle los: „F.T.B.“ ist ein rasend schneller Power Metal Song, der selbst den „Painkiller“ auf seinem Sägeblatt-Motorad links liegen lässt. Da sich der Song zudem noch mit einem genialen Refrain in den Gehörgang fräst wie ein Steinbohrer durchs Felsgestein einer Miene, haben wir es hier zweifelsohne mit einem der stärksten Power Metal Songs des Jahres und sicherlich auch des letzten Jahres zu tun. Und wann ich das letzte Mal einen solch überzeugenden Opener gehört habe, weiß ich auch nicht.

Nun haben JUDAS PRIEST mit „Reedemer of Souls“ ja auch ein recht ordentliches Album abgeliefert, hätten sie jedoch solch starke Tracks wie SCANNER auf „The Judgement“, dann hätte „Painkiller“ endgültig den gebührenden Nachfolger gefunden. Während das starke „Nevermore“ etwas bedächtiger beginnt, bollern bei „Warlord“ von Anfang an die Bass Drums als würde Hermann der Cherusker seiner Kriegstrommeln schlagen lassen. Und Frontsirene Ioannidids macht einen grandiosen Spagat zwischen Halford’schen Höhenflügen und rauen Power Metal Vocals der Marke METAL CHURCH & Co. Doch die Band zeigt auch, dass sie anno 2015 nicht nur schnell können. „Eutopia“ ist ein getragener Dampfhammer im Stile später TAD MOROSE und der Titeltrack fasst schließlich alle Stärken der Scheibe in einem Song zusammen: Melodie, harte Riffs, treibende Drums und gekonnte Tempiwechsel. „Pirates“ ist so kraftvoll wie eine volle Breitseite aus dem Schiffsrumpf. Und „The Race“ nimmt den eigenen Songtitel wörtlich, zumindest was die Geschwindigkeit angeht. Trotzdem hören wir hier durchaus auch Einflüsse neuerer Bands wie BLOODBOUND & Co heraus. Zum Abschluss findet „The Legionary“ dann die passenden Noten: Ein bisschen IRON MAIDEN, eine Portion PRIMAL FEAR und eine wenig METAL CHURCH.

Das Urteil ist gesprochen: Mit „The Judgement“ liefern SCANNER ein Comeback Album ab, welches Bands wie JUDAS PRIEST und PRIMAL FEAR aufgrund seiner rohen Kraft und melodischen Eingängigkeit auf die Plätze verweist. Die Band macht auf diesem Album alles richtig und das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt – obwohl es 13 Jahre waren. Mit Abstand das stärkste Album aus dem Hause SCANNER.