Satyricon - Live at the Opera

Black Metal in der Oper? Wie soll das denn gehen?

Da muss man wohl schon SATYRICON heißen, um überhaupt auf eine solche Idee zu kommen. Die Norweger haben es sich schon seit jeher auf die Fahnen geschrieben, Genregrenzen zu sprengen und zeigten sich auf ihren zahlreichen Albenveröffentlichungen schon äußerst vielseitig. Spätestens mit dem 1999er Release „Rebel Extravaganza“ begann die Band, eingetretene Pfade zu verlassen und auf „Volcano“ kam es dann zu ersten Versuchen, mit klassischen Musikern zusammenzuarbeiten.

Nun ist man also im September 2013 einen Schritt weiter gegangen und hat sich auch im entsprechenden Etablissement, nämlich der Nationaloper Oslo, eingefunden, um diese Kooperation auf ein neues Level zu heben. Alle, die nicht vor Ort waren, haben nun die Möglichkeit, trotzdem dabei zu sein, da dieses einmalige Ereignis auf dieser DVD und der beiliegenden Doppel-CD  für die Nachwelt dokumentiert wurde.

Dass es sich bei der Zusammenarbeit nicht um ein langweiliges „Rock meets Klassik“-Stückwerk à la METALLICAs S&M-Output handelt, bei dem mehr oder weniger alte Klassiker mit Streichern unterlegt wurden, merkt man sofort. Nach dem Herzschlag-Intro zu schwarzem Bildschirm ertönt die direkt erkennbare Bassdrum von „Voice of Shadows“, die Scheinwerfer blitzen nacheinander auf und das ultimative Riff des Openers wird vom 55-köpfigen Norwegischen Nationaloperchor begleitet. Zu „Now Diabolical“ ist der Rest der Band sichtbar und das (sitzende) Publikum wird von Satyrs markanter Stimme in die Pflicht genommen. Eine bessere Eröffnung als diesen Hookline-Refrain hätte man nicht wählen können. Der Sänger steht in der Mitte, dahinter ist der Chor im Halbkreis platziert, Frosts imposantes Schlagzeug steht etwas rechts versetzt.  Der Chor kommt vor allem in den Breaks und ruhigeren Parts zum Einsatz, während der Black-Metal-typischen Blastbeats macht er allerdings auch nicht viel Sinn.

Mit "Repined Bastard Nation“ wird der nächste Groove-Knaller in die Menge gefeuert, das Drumming von Frost und die typische Basslinie gehen direkt in die Magengrube, während der Chorgesang die Stimmung gekonnt verstärkt. Ihren ersten großen Auftritt haben die Sänger dann bei „Die by my Hand“, das auf der Original-Albumversion auch schon choral verstärkt wird. Das klingt dann schon stark nach alten THERION-Alben.

Zwischen den Songs beschränkt sich Satyr größtenteils auf kurze Songansagen. Für „Phoenix“ kündigt er Sivert Høyem als Gastsänger an, der das Stück wie auch auf dem Album mit seinem gefühlvollen Klargesang veredelt.

Mit sechs der 14 Lieder kommen knapp die Hälfte vom letzten, selbstbetitelten Album, das etwa zeitgleich zu den Aufnahmen erschien und deswegen den Musikern noch sehr geläufig war. Hinzu kommen die Must-Have-Klassiker, wie die Zugaben-Songs „The Pentagram burns“ und der frenetisch gefeierte Stampfer „Mother North“, bei dem das gesamte Publikum steht. Den Abschluss bildet dann die „Now, Diabolical“-Single „K.I.N.G., die gegenüber der Albumversion ganz schön durch den Fleischwolf gedreht wurde und dadurch etwas von seiner Härte verliert. Dem Publikum war’s egal und schüttelte ordentlich die Haare.

Ab und zu ist die Kameraführung etwas suboptimal, wenn beispielweise mit einer wackeligen Handkamera von der Seite gefilmt wird oder das Bild einfach zu dunkel ist. Das liegt wohl vor allem daran, dass die Band dem Publikum ein möglichst störungsfreies Erlebnis ermöglichen wollte und deswegen auf technische Finessen wie riesige Kamerakräne im Zuschauerraum verzichtet hat. Der Sound ist aber natürlich über alle Zweifel erhaben, so dass im Gesamtpaket ein sehr wertige DVD entstanden ist, die sich von Art und Aufmachung stark vom Live-Abfilm-Einerlei abhebt.

Eindeutige Kaufempfehlung für alle, die ihren Black-Metal ohne Scheuklappen lieben!